„Internet of Sports“ – Profisportler werden live mit Sensoren getrackt

(Bild: PIQ)

Fitnesstracker füttern die Nutzer mit Daten, um deren sportliche Aktivitäten noch effizienter zu machen. Die Firma PIQ aus der Schweiz will das unter anderem auf den professionellen Sport ausweiten und Athleten von eigenen Sensoren tracken lassen. Hobby-Sportler können sich dann untereinander oder mit den Profis vergleichen.

Das Schlagwort „Internet of Sports“, in Anlehnung an das seit Jahren wachsende Internet of Things, mag etwas ungewöhnlich klingen. Tatsächlich aber ließen sich mit zahlreichen detaillierten Informationen beispielsweise zu den Bewegungen vieler Profi-HockeyspielerInnen auch die entsprechend ausgewerteten Daten eines Amateurs dazu in Relation setzen, um die feinen Unterschiede herauszuarbeiten. Big Data eben. PIQ will daher nicht nur einen Multi-Sport-Sensor bauen, sondern auch eine Analyse-Plattform erstellen.

Die dafür notwendigen Daten – PIQ spricht von bis zu 11 Millionen Datenpunkten, die binnen einer einstündigen Sportsession von seinem Sensor aufgezeichnet werden – beinhalten jedoch keine biometrischen Informationen, sondern schlicht Werte zur Performance. Der eigene Puls, wie ihn bereits Smartwatches aufzeichnen, spielt hier also keine Rolle.

PIQ ist dafür mit einem modernen 13-Achsen-Sensor, NFC und Bluetooth Low Energy zum Datentransfer mit iOS- und Android-Geräten ausgestattet. Der kleine wasserfeste Sensor misst die Beschleunigungskraft, die Zeit, in der man sich in der Luft befand, die Winkelgeschwindigkeit sowie Sprungamplitude, die Schritte, Bewegungs- beziehungsweise Flugbahn und Geschwindigkeit. Damit lässt sich einiges anstellen. Die aufgezeichneten Daten werden natürlich auch in Bezug zur jeweiligen Person, also deren Gewicht oder Körpergröße, gesetzt.

(Bild: PIQ)

Damit möchte PIQ nicht nur die Performance von Profi-Athleten unterschiedlichster Ligen sowie Sportgemeinschaften messen, um deren Daten bei Live-Übertragungen im TV einspielen zu lassen, sondern auch den Wettbewerb unter Hobby-Sportlern ankurbeln, indem man seine speziellen Daten mit Freunden teilen kann. Natürlich, und hier steckt wohl ein besonders großer Anreiz, lassen sich die eigenen Werte auch mit denen der Profis vergleichen. Diese wiederum fungieren im Fernsehen, wie praktisch für PIQ, automatisch als lebende Werbeträger. Doch welcher Sportler ist das, dem Trikot-Sponsoring sei „dank“, nicht? ;-) Wie auch immer, beim FEI Jumping Worldcup 2014 war PIQ bereits einmal „live“ im Einsatz.

Eine völlig neue Erkenntnis verbirgt sich hinter dem Sensor von PIQ im Übrigen nicht. Schon vor einem Jahr testete ich einen Adidas Fußball, der mit Sensoren versehen ist und Daten ans Smartphone schickte, um den Schuss zu verbessern. Das amerikanische Unternehmen Wahoo stattet überdies schon seit Jahren Läufer mit seinem Sensor am Brustgurt aus, der beispielsweise die Bodenkontaktzeit misst und den eigenen Laufstil sehr genau analysiert, um darauf hinzuweisen, wenn die eigene Art des Laufens auf Dauer körperliche Schäden verursachen würde. PIQ verbindet im Grund beide Ideen und kombiniert das Produkt mit einem Big Data-Service. Das Potential scheint riesig!

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Verglichen mit dem Produkt von Wahoo, das sich immer auf Höhe des Solarplexus befindet, ist der 38x44x5 Millimeter große PIQ in entsprechendem Equipment wie Tennisschlägern integriert und kommuniziert mit einem RFID-Chip, der sich in dazugehörigem Accessoire, beispielsweise einem Armband, befindet. Davon abhängig weiß der Sensor auch, wie er die Daten nun interpretieren muss, also ob es sich soeben um einen Schlag auf den Golf- oder Tennisball oder einen Sprung mit dem Snowboard handelte. Ob es PIQ auch als einzelnen Sensor geben wird, der nicht auf die Integration in ein Sportgerät angewiesen ist, konnte man mir noch nicht verraten.

Zum Laden des PIQ gesellt sich übrigens ein USB-Stift zum Sensor. Genau Informationen zu den Spezifiaktionen des Akkus gab das Unternehmen bislang nicht bekannt. Der USB-Stick hat aber noch eine weitere Funktion. Während des Sports wird er mit einem Karabinerhaken an der Kleidung befestigt, um dort die Daten zu speichern und ans Smartphone zu übertragen. Bei manchen Sportarten wäre dies natürlich unzulässig, da schon Handketten oder Ringe Gegenspieler verletzen können. Wie man mir mitteilte, soll der USB-Stick bei Teamsportarten daher nicht vom Sportler getragen werden müssen.

Produziert werden die Sensoren von Foxconn, einem der weltweit größten Hersteller für Elektronik- und Computerteile. Wem das ein Begriff ist, der weiß vermutlich auch wofür Foxconn noch bekannt ist: schlechte Arbeitsbedingungen.

(Bild: PIQ)

Zunächst freut sich PIQ aber über eine heute bekannt gewordene Finanzspritze von 5,5 Millionen Dollar, die Foxconn zusammen mit anderen Investoren wie Swisscomm Ventures oder Orkos Capital verabreicht hat. Das Zwischenziel, im Sommer, Herbst und Winter 2015 die eigenen Sportsensoren, zusammen mit drei exklusiven Sportartikeln, zu veröffentlichen, rückt damit zumindest in greifbare Nähe. Das erste Sportequipment von PIQ, so heißt es weiter, erscheint zu Beginn des Sommers voraussichtlich in Europa, den USA sowie Japan. Um welches Sportgerät es sich dabei handelt, wird allerdings noch nicht verraten.

Tags :Quellen:Bilder: PIQ

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