Geld mit Liebe verdienen: Gängige Betrügereien auf Datingportalen [Kommentar]

(Bild: flickr.com)

Neun Millionen Deutsche suchen nach der Liebe und zwar online. Das sind neun Millionen potentielle Kunden, die sich zu Geld machen lassen. Das haben auch Datingportale erkannt und nutzen es teilweise schamlos aus.

Hab ihr schon mal nach einem Date, einem One-Night-Stand oder gar einer Beziehung online gesucht? Falls ja, dann musstet ihr bei der Registrierung auf einer der vielen Dating-Plattformen wahrscheinlich nur ein paar Klicks tätigen und schon kann es mit dem Online-Dating losgehen. Und das kann laut dem Vergleichsportal netzsieger.de zu erheblichen Problemen führen.

Die Liebe am anderen Ende der Welt

(Screenshot: netzsieger.de)

Insgesamt haben Kriminelle über Online Datingportale angeblich schon 250.000.000 € erwirtschaftet. (Quelle: netzsieger.de)

Vor allem das oben eingefügte Bild lässt in meinen Augen das Ausmaß klar werden, wie viel Geld (illegal) mit Online-Dating erwirtschaftet werden kann. Und bei den sogenannten “Romance-Scammern” handelt es sich nur um Privatpersonen, oft aus Afrika, wie es seitens der Polizei heißt, und aus allen möglichen Teilen der Welt, glaubt man antiscam.de. Dabei wird blauäugigen Liebessuchenden von Scammern Interesse und Liebe suggeriert. Beißt ein Suchender an, so kommt es zur Verwicklung in Gespräche, Textwechsel und Telefonate.

Irgendwann wird dann Geld gefordert – allerdings nicht als offensichtlicher Betrug. Die Scammer haben meist private Probleme, können ihren Flug zu den Verliebten nicht bezahlen oder werden gar entführt und brauchen ganz dringend das Lösegeld. Ihr könnt euch denken, dass an all diesen Ausreden nichts dran ist. Verliebte zahlen aber manchmal trotzdem und so kommt es zu der obigen Unsumme an illegal erwirtschaftetem Geld durch Betrüger. Eine empfehlenswerte Reportage hierzu findet ihr in der ARD Mediathek.

Liebesvermittlung: Mahnkosten und horrende Gebühren

(Screenshot: netzsieger.de)

Liebe kostet, zumindest wenn es nach den Datingseiten geht. Tricksereien sind dabei gang und gäbe. (Quelle: netzsieger.de)

Dann gibt es da noch das klassische Datingportal. Datingseiten und Partnerbörsen florieren dank der steigenden Zahl an Singles. Egal ob 18 oder 65 Jahre alt, hier suchen Menschen den Partner für die nächsten Jahre, fürs Leben oder für eine Nacht.

Datingportale stehen dabei als Vermittler zwischen den Liebessuchenden. Und Vermittlung kosten bekanntlich, sind sie doch grundlegend Dienstleistungen. Dabei verweist netzsieger.de auf sieben gängige Tricks der Datingseiten, um ihren Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gängigste Betrügereien sind Lockangebote wie kostenlose Testphasen oder kostenlose Anmeldungen (siehe obiges Bild #1 und #2).

Doch auch Mahngebühren sind häufige Mittel, falls verunsicherte Kunden nicht zahlen wollen. Mit Liebe Geld verdienen? Warum nicht, das ist (leider) seit langer Zeit ein gängiges Geschäftsfeld. Liebessuchende unter Druck setzen und mit Inkasso und Gerichtsvollzieher einschüchtern? Das ist ein no go und muss angeprangert werden.

(Screenshot: netzsieger.de)

730 Betroffene melden sich järlich bei der Verbraucherschutzzentrale. Die Dunkelziffer der Betroffen, die sich nicht melden, wird wesentlich größer sein. (Quelle: netzsieger.de)

Sieht man bei dieser Grafik von netzsieger.de mal von der übertrieben plakativen Überschrift im BILD-Stil ab, so wird klar, dass Datingportale selten sauber arbeiten. Dabei sind die 730 Betroffenen, die sich jährlich bei der Verbraucherzentrale über Betrügereien beschweren, nur die offizielle Zahl. Diejenigen, die auf die Tricks bis hin zum Inkasso hereinfallen und sich nicht melden, sind bei den 730 natürlich nicht enthalten.

Auch scheint den Kunden oft nicht klar zu sein, dass Datingportale gerne (versteckte) Kosten zur Überraschung bereithalten. Hier sind etwa Nachrichten zu nennen, die direkt über ein Portal gesendet oder empfangen werden. Im Durchschnitt wären es laut netzsieger.de 15 Euro pro geschriebener und 35 Euro pro empfangener Nachricht – diese Summen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, das ist mehr als mein Stundenlohn für ein paar Zeilen Text.

Bewusster Einsatz von Lockvögeln

Solche und weitere Beispiele könnte ich noch in vielfacher Weise anführen, mache ich aber nicht. Dafür könnt ihr einfach bei netzsieger.de selbst nachsehen. Vielmehr möchte ich noch einen weiteren Punkt ansprechen. So wird Datingportalen immer wieder unterstellt, gezielt Lockvögel zu bezahlen, um Kunden bei der Stange zu halten.

Solche Lockvögel oder IKM-Schreiber laufen meist unter dem Decknamen “Moderator” oder “Controller”. Sie treten mit den Usern der Portale in Kontakt und schreiben Nachrichten und das kann, wie gerade gelernt, richtig viel kosten. Laut single-netzwerke.de würden sich Datingportale bei solchen “Moderatoren” aber darauf berufen, dass man heimlich verschiedene User testen möchte, um die Qualität bei der Kommunikation der Mitglieder zu überwachen. Single-netzwerke.de dazu konkret:

“Auch wird mitunter darauf hingewiesen, dass diese Controller mit Mitgliedern kommunizieren, ohne sich als Controller zu erkennen zu geben.”

Keine klaren Richtlinien für Datingportale

Als ich mir die Grafiken von netzsieger.de durchgelesen habe, musste ich einige unschöne Dinge erfahren. Auch meine Recherchen im Web haben mich immer wieder auf Tricksereien und Verarsche seitens diverser Datingportale geführt.

Letztendlich stolperte ich dann auf einen Artikel des Tagesspiegels, der einige Datingportale als gut beziehungsweise harmlos einstuft. Darunter finden sich FriendScout24, eDarling, Parship und Neu.de. Diese habe 2012 einen sogenannten “Spin Kodex” gemeinsam unterschrieben, der als gemeinsames Selbstregulativ dienen soll und Tricksereien wie stille Vertragsverlängerung und undurchsichtige Vertragsklauseln vermeiden soll.

Erschütternd empfand ich persönlich, dass der Dating-Riese elitepartner.de, ein Ableger des Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft zu der auch der “Focus” und “Chip” gehört, nicht an dem Kodex teilnimmt. Erschütternd deshalb, weil solch ein vermeintliches Fehlverhalten eines so großen Verlagshauses letztendlich ein schlechtes Licht auf alle Blogger und Journalisten wirft, solange hier keine klaren Richtlinien bei der Transparenz herrschen. Beachtet man hier einen weiteren Artikel des Tagesspiegels, der von unzähligen negativen Erfahrungen berichtet, dann dreht es sich mir wirklich im Magen herum.

In diesem Sinne: Geht in die reale Welt, um Menschen kennenzulernen, und verbrennt nicht euer Geld in Portalen, die im Endeffekt nur eines wollen: Euer Geld und nicht etwa euer Liebesglück.

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(Titelbild: “online dating” von Thomas8047 via flickr)

Tags :Quellen:netzsieger.de
  1. Sorry, aber der Bericht erscheint mir doch sehr an den Haaren herbei gezogen. Auch die verlinkten “Quellen” sind nicht gerade die, welche als vertrauenswürdig einzustufen sind.

    Sicherlich gibt es ein paar Punkte, die man besser machen kann. Punkt #2 sollte doch wohl jedem klar sein – ohne Zahlung kann es nicht alle Funktionen geben. Und nur durch Werbung lässt sich so eine Site nunmal nicht betreiben.

  2. Auf allen Portalen gibt es Fake-Accounts, um beispielsweise die Frauenquote zu erhöhen.
    Aber gerade dieser Markt ist und bleibt eben einer der attraktivsten und somit wird es hier immer krumme Geschäfte geben.

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