Gewalt in Computerspielen [Kommentar]

(Bild: Rockstar Games)

Dieser Reddit-Thread hat mich dazu bewegt, diesen Kommentar zu schrieben, der meine persönliche Einschätzung zum Thema Computerspiele und Gewalt widerspiegelt.

Als ich mit dem Reddit-Thread konfrontiert wurde, war ich entsetzt, und dachte mir, in welcher kranken Welt wir doch leben, auch wenn es hier nur um virtuelle Pixel geht. Ich denke, eine ähnliche Reaktion dürfte der Artikel bei den meisten Lesern hervorgerufen haben. Nachdem sich das Entsetzen gelegt hatte, kam natürlich wieder einmal die Frage auf, ob solch brutale Gewalt in Computerspielen nicht fehl am Platz ist, und ob solche Möglichkeiten in Games nicht generell verboten werden sollten. Die Diskussion wird zwar schon lange geführt, ist aber sicherlich noch nicht zu Ende geführt, und sollte auch nicht unter den Tisch gekehrt werden.

Während für mich – wie sicherlich auch die meisten von euch – solche Freiheiten wie in einigen der Titel in Computerspielen nicht enthalten sein müssen, um den Grad an Realismus oder den Spaßfaktor eines Spiels zu steigern, tue ich mir dennoch schwer, die Frage nach einem Verbot von gewalttätigen Spielen mit einem „Ja“ zu beantworten.

Ich denke, den richtigen Umgang mit Gewalt in Computerspielen sollte man ab einem Gewissen alter dem Spieler selbst überlassen können. Games wie Red Dead Redemption oder GTA V sind natürlich – zu Recht – von der USK ab 18 eingestuft. Mit 18 Jahren sollte man meinen, dass der Verstand auch weit genug gereift ist, um verantwortungsvoll und vor allem auch bewusst mit solchen Titeln umgehen zu können. Vielleicht müsste man dies aber auch nochmals überdenken. Diskussionen zu USK 21 wurden ja auch schon geführt.

Ich persönlich, und vermutlich auch die meisten von euch, würden aber, auch wenn die Möglichkeit dazu besteht, nicht darauf kommen, solch verstörende Szenarien, wie von manchen Spielern – ohne diese an dieser Stelle verurteilen zu wollen – in dem Reddit-Thread beschrieben, nachzuspielen. Auch wenn es Bonuspunkte oder Spezial-Gegenstände als Belohnung gäbe oder es gar Teil einer Quest wäre, um im Spiel weiterzukommen, würde man dies nicht tun, sondern das Spiel wohl direkt in den Restmüll befördern.

Aber warum werden solche Szenen in Spielen eigentlich als so verstörend empfunden? Das Ganze ist doch eben nur ein Spiel. Pixel, die sich auf einem Computerbildschirm, Fernseher oder Display des Smartphones bewegen. Mit der Realität hat das doch gar nichts zu tun, möge man argumentieren. Verwischt die Grenze zwischen Spiel und Realität immer mehr und messen wir Spielen, dessen Grafik immer besser wird, womöglich inzwischen zu viel Realitätsnähe bei? Vielleicht. Deswegen denke ich, dass hier wie so häufig Aufklärung gegenüber einem Verbot zu bevorzugen ist. Jeder sollte den Unterschied zwischen Spiel und Realität stets scharf im Auge behalten und besonders Eltern dies auch ihren Kindern vermitteln.

Sollte man Gewalt in Spielen aber nicht dennoch verbieten? Wenn es diese Freiheiten in Spielen schon von Anfang an nicht gibt, können solche Szenarien auch nicht nachgespielt werden, und auch niemanden auf die Idee bringen, ähnliches in Realität umzusetzen. Dies ist eine berechtigte Haltung, die ich aber nicht teilen kann.

Ich bin bei weitem kein Psychologe oder Verhaltensforscher, bin jedoch auch aufgrund persönlicher Erfahrung der Auffassung, dass Gewalt in Spielen Spieler nicht zwingend gewalttätiger machen, als sie es sowieso schon sind. Und friedliebende Menschen werden durch Gewalt in Spielen sicher nicht zum Serienmörder. Ich selbst habe viele Jahre Counterstrike, einen 3D-Shooter, gezockt. Für mich und sicherlich auch für viele andere Gamer steht auch nicht das „Jemanden Erschießen“ im Vordergrund des Spiels, sondern der Aspekt der Geschicklichkeit, der Strategie und des Miteinanders im Team. Dabei kann das Blut auch grün sein oder die Gegenspieler durch eine Zielschiebe ersetzt werden. Häufig werden sogar die Grafikdetails bewusst heruntergeregelt, da sie im Grunde überflüssig sind, und mehr stören als helfen.

Was ich mit der These „Gewalt in Spielen macht Spieler nicht zwingend gewalttätiger“ meine, lässt sich mithilfe einer Analogie zu Waffen wie ich finde ganz gut erklären. Im Grunde töten nicht Waffen Menschen, sondern Menschen töten Menschen. Schließlich braucht es noch immer eine menschliche Intention, um den Abzug oder einen Knopf zu drücken. Sicherlich gäbe es weniger Mord und Totschlag, wenn es keine Waffen gäbe – keine Frage. Aber der Mensch ist wohl nicht gewalttätig geworden, weil Waffen erfunden wurden, sondern Waffen wurden erfunden, weil der Mensch beziehungsweise manche Menschen – womöglich ursprünglich aus dem Drang zum Überleben heraus – ein Gewaltpotential besitzen. Wären alle Menschen friedliebende Wesen, gäbe es wohl auch keine Waffen. Waffen sind quasi ein Kanal, durch den das Gewaltpotential seinen Weg nach draussen nimmt. Genauso können Computerspiele das Gewaltpotential kanalisieren. Ist dies nicht schon vorhanden, wenn auch nur unbewusst, würde man wohl auch nicht auf die Idee kommen Szenarien wie in dem Reddit-Thread beschrieben in Spielen nachzustellen. Zumindest käme das mir, wie erwähnt, nicht in den Sinn – und euch sicherlich auch nicht.

Unter diesem Gesichtspunkt, bin ich ehrlich gesagt froh, dass sich das Gewaltpotential derjenigen in einem Computerspiel abbaut – und nicht wie in einem Vulkan anstaut, und am Ende in der Realität freisetzt. Ich denke, Computerspiele können sogar hilfreich sein und in einer Therapie eingesetzt werden. Dazu gibt es sicherlich schon Studien.

Genauso gibt es natürlich Untersuchungen, die das Gegenteil beweisen, dass Spieler durch gewalttätige Spiele noch aggressiver werden. Ob Spieler mit einem entsprechenden Potential nun eher dazu neigen, Spiele zum Abbau dieser zu nutzen oder eher dazu, die Neigung zum Nachahmen zu verstärken, das kann ich natürlich nicht sagen. Meine Intuition sagt mir aber, dass eher erstes der Fall ist. Zumindest finde ich, ist dies auch in anderen Bereichen wie Kampfsport eher festzustellen, als das andere. Im Endeffekt müssen wir uns aber immer selbst an die Nasen fassen.

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  1. haha :D

    wer fifa spielt wird ja auch automatisch fußballprofi!
    wer need for speed spielt wird rennfahrer!

    und wer call of duty spielt wird zum serienkiller

    is klaar!!:D

  2. Hä? Gestern erst habt ihr den Artikel noch in einem ganz anderen Kontext hier veröffentlicht gehabt und es beinahe als „Lustig“ verkauft und nun wird von „Verstörend“ geschrieben. Interessant.

    1. Ich glaube, da hast du ein bisschen zu viel selbst hinein interpretiert. Ich habe den Artikel auch vor der Änderung des Adjektivs im Titel gelesen und hatte ehrlich gesagt da schon nicht im mindesten den Eindruck, dass da jemand etwas in einen witzigen Kontext setzen wollte. Es handelte sich ja nicht um eigene Aussagen des Autors unter den Bildern, sondern um Zitate aus dem Originalbeitrag bei Reddit.
      Fand es auch mal sehr erfrischend und interessant, hier von solchen Randthemen „aus dem Untergrund“ der Zockergemeinde zu lesen. Sollte mehr davon geben. Nur meine Meinung.

  3. Also ich finde es bedenklich, wenn man wie hier scheinbar nicht wirklich zwischen realer und virtueller Gewalt unterscheiden kann…

  4. Wiso wollen eingentlich immer nicht gamer games verbieten. Man solte nicht über etwas urteilen von dem man keine Ahnung hat. Ich würde mich zum Beispiel nie trauen das Boxen zu verbieten, nur weil ich Boxer nicht vestehen kann. Auser dem finde ich teils Filme, die absolut legal sind viel verstöender, z.B. hostel, solche sachen solte man verbieten ( oder einfach nicht schauen wen man wie ich noch nicht so abgestumpft ist). Danke das sie bis hier gelesen haben das lag mir auf dem Herzen.

  5. Wer mental instabil oder unreif ist wird auch von Solitär und dem täglichen Gemetzel in den Nachrichten zum Problemfall.

    Ich habe virtuell sicher schon ein paar Millionen Menschen, Monster und Aliens ausgelöscht… und? Sitze ich im Gefängniss? Ich habe einen Job und bin glücklich verheiratet… ausgeglichen und glücklich.

    Und auch ich habe wie die meisten (pfui) schon in sehr jungen Jahren nicht nur jene Spiele die ab 18 sind gespielt sondern auch jene die auf dem Index stehen.

    Ab 18 sollte klar und deutlich heissen: Klappe halten und nicht einmischen. Mündige Spieler dürfen selbst entscheiden was sie spielen und was nicht.

    Niemand wird bei GTA gezwungen „Nutten“ zu verprügeln oder auszurauben.

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