Here Active Listening: Google Glass für die Ohren manipuliert den Sound deiner Umgebung

(Bild: Here)

Doppler Labs launcht das Here Active Listening System in Europa. Die Wireless In-Ear-Ohrhörer kommunizieren mit einer App, um den Klang personalisiert zu übertragen. Das bedeutet, dass du beispielsweise nervende Geräusche deiner Umgebung einfach mit dem Smartphone abdämpfst.

Das neue Consumer Tech Start-Up Doppler Labs bringt sein „HERE Active Listening System” in Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf den Markt. Die Kickstarter-Kampagne wurde vergangene Woche in den USA gelauncht und hat das ursprüngliche Ziel seiner Kampagne von $ 250.000 schon übertroffen.

Die Technologie von Here soll die Art und Weise, wie wir die Welt hören, verändern. Stört beispielsweise ein schreiendes Baby während einer Flugreise, so soll das Here Active Listening System das entsprechende Geräusch in seiner Lautheit reduzieren. Gleichzeitig sei es auch möglich, den Bass bei einem Konzert zu verstärken und vieles mehr. Was die zahlreichen Virtual und vor allem Augmented Reality-Brillen mit unseren Augen anstellen wollen, plant das Here Active Listening System also mit unseren Ohren: Maßgeschneiderte Realität.

Doppler Labs` Here Active Listening System sei laut Hersteller das erste In-Ear-System, das die Klangwelt unmittelbar beeinflusst und personalisiert. Dazu braucht es lediglich die via Bluetooth agierende Smartphone-App, die einen Lautstärkeregler, Equalizer sowie weitere Effekte bereitstellt.

(Screenshot: NetMediaEurope)

Der Lautstärkeregler soll einzelne Außengeräusche zu reduzieren erlauben und natürlich die gesamte Lautstärke der Umgebung höher oder niedriger einstellen lassen.

Die fünf Equalizer beeinflussen außerdem Bass, Höhen und Tiefen, um damit Außengeräusche manipulieren zu können. Soundeffekte wie Hall, Flange, Echo, klassische Schallplatten-Geräusche und mehr könnten darüber hinaus für ziemlich viel Spaß sorgen, wenn man sich beispielsweise unterhält und die Stimme des Gegenüber verzerrt. Doch das Here Active Listening System soll nicht nur ein Spaß-Gadget sein. Mit vordefinierten Filtern verwandelt der Pre-Set-Algorithmus alltägliche Umgebungsgeräusche, um zum Beispiel Bahngeräusche zu unterdrücken. Na hoffentlich läuft deswegen niemand vor einen Zug!

(Bild: Here)

Fürs Abspielen von Musik sind die kleinen Ohrhörer leider nicht gedacht. Und freilich mag man sich wundern, ob die kleinen In-Ears tatsächlich den Umgebungsklang verändert ans Ohr senden können, ohne dass der ursprüngliche Sound noch wahrgenommen wird. Die Verzögerung des manipulierten Klangs beträgt laut Doppler Labs weniger als 30 Mikrosekunden, was zumindest genügen sollte, um dem Ohr die Chance zu nehmen, einen zeitlichen Unterschied zwischen den beiden Klängen festzustellen. Gezielte Frequenzen auszuschalten, indem eliminierender Sound abgespielt wird, sorgt hier vermutlich für den gewünschten Effekt der Unterdrückung. Man kennt dies bereits von anderen Musikkopfhörern, die die Umgebungsgeräusche reduzieren können, um die Musik besser zu hören.

Die In-Ears sollen mit einer Akkuladung sechs Stunden überstehen. Geladen werden sie in einem kleinen Case, welches für zwei Ladevorgänge reichen soll. Drei verschiedene Silikonstöpsel sollen für den Passgenauigkeit der unterschiedlichen Ohren sorgen.

Zusätzlich zur bis Anfang Juli laufenden Kickstarter-Kampagne, über die man sich das Here System vorbestellen kann, um es schon ab 199 US-Dollar und frühestens im Dezember 2015 zu erhalten und an der Entwicklung der Here Audio Platform teilhaben zu können, gab Doppler Labs auch die Investoren bekannt. Demnach beteiligen sich Live Nation Entertainment, Universal Music Group und William Morris Endeavor am Here Active Listening System.

(Screenshot: NetMediaEurope)

Der Listenpreis für die audiomanipulierenden In-Ears wird 249 US-Dollar betragen, was in etwa 222 Euro ohne Versandkosten entspricht. Here Active Listening ist definitiv ein äußerst spannendes Wearable, über das sicher auch noch viele Witze gemacht werden. Schließlich ist es eine berechtigte Frage, inwiefern wir uns eine Welt wünschen, in der man  ungewollte Akustik stets ausblendet. Zusätzlich zu dieser wackeligen Zwecksetzung bleibt natürlich offen, wie gut das Here Active Listening aktuell tatsächlich funktioniert.

Das Here Active Listening System kann zumindest als technologische Antwort auf die störenden Umgebungsgeräusche einer von Technik und Verkehr dominierten Welt gesehen werden. So freut sich wohl kaum jemand über den Lärm einer Großstadt oder Baustelle. Ob mehr Technik hierfür langfristig die beste Lösung ist, sei aber dahingestellt.

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