LG G4 im Test: Das extravaganteste Smartphone des Jahres

(Bild: ubergizmo.de)

Eine hervorragende Kamera, ein geschwungenes Display, extravagante Lederrückseite und leistungsstarke Hardware - wer nach einem Flaggschiff-Smartphone derzeit Ausschau hält, darf nicht nur bei Apple, HTC oder Samsung suchen. Ich haben mir das LG G4 im Test vorgenommen und erzähle euch, warum gerade dieses Smartphone seine Konkurrenz kräftig in den Schatten stellt.

Das LG G4 im Detail

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Design

Wenn beim LG G4 etwas außerordentlich dominiert, dann ist es die Rückseite aus Echtleder. Diese lässt das Flaggschiff der Südkoreaner in einer bisher nie da gewesenen Eleganz erstrahlen. Gerade in Bezug auf Smartphones hat LG damit auch gleichzeitig ein bisher einzigartiges Herausstellungsmerkmal geschaffen, welches in naher Zukunft bestimmt seine Nachahmer in der Konkurrenz finden wird. Bis dahin darf sich das G4 aber immerhin über ein exklusives, handgefertigtes Backcover aus Leder freuen.

Nun aber genug Leder, schließlich bietet das Design noch weitaus mehr. Und hierzu gehört zweifelsohne ein weiteres exklusives Designelement von LG, das Curved-Display. Hier hat LG schon früh Pioniersarbeit bewiesen und mit dem LG G Flex das weltweit erste flexible Curved-Display herausgebracht. Flexibel ist das Display beim G4 zwar nicht mehr, dafür aber geschwungen.

Da fragt sich nun der eine oder andere wahrscheinlich nach einem Sinn, doch ich versuche einfach meine eigene Erfahrung mit dem Curved-Display mit euch zu teilen. So stellen sich, gerade bei Männerhosentaschen, immer größer werdende Smartphones als Problem heraus. Während ich teilweise schon 5,5 Zoll Klötze in meiner Hose herumtrug (nein, keine Anspielung), musste ich immer wieder Abstriche beim Tragekomfort machen.

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Das gibt sich merklich mit einem geschwungenen Display, denn so liegt das Smartphone schlicht bequemer am Bein, ja fast um das Bein herum. LG selbst hatte diesen netten Nebeneffekt beim Event in London gar nicht erwähnt. Stattdessen hob das Unternehmen hervor, dass ein geschwungenes Display beim Herunterfallen Vorzüge aufweisen würde. Gerade bei Aufprallen mit der flachen Vorderseite würde dabei eher die Kanten zu Schaden kommen, als dass ein Displaysprung zustande kommen würde. Klingt komisch, klappt vielleicht sogar, muss sich aber erst unter Beweis stellen – ich werde es mit Sicherheit nicht ausprobieren.

Ansonsten hat sich bei der Vorderseite nicht viel verändert. Neben einem Displayglas aus Gorilla Glass 3 und einer nun einheitlichen Farbgebung ähneln sowohl der fein marmorierte schwarze Rahmen um das Display als auch die gleichgeblieben schmalen Displayränder stark dem Vorgänger G3 (hier geht es zum Test).

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Der Rahmen des LG G4 besteht weiterhin aus Plastik. Hier sollte LG in naher Zukunft dann doch endlich auch zum Aluminium übergehen, doch beim LG G4 lässt sich das Plastik (noch) verkraften. Dank einer glänzenden Plastik in dunklem Silber tut die Verwendung von Kunststoff nämlich tatsächlich keinen Abbruch in Bezug auf Optik. Weniger elegant wirkt es da schon fast, dass das LG G4 bei (absichtlich herbeigeführten) Drehbewegungen des Gehäuses etwas knarzt.

Doch hier gebe ich fast schon ein „was solls“ zum Thema Plastikrahmen. Denn im Gegenzug zur Flaggschiff-Konkurrenz von Samsung, HTC, Google und Co., dürfte das LG G4 im Jahre 2015 das einzige Premium-Phone sein, welches noch über einen abnehmbaren Akkudeckel verfügt. Einem raschen Austausch des Akkus steht also nichts im Wege.

Hardware

LG scheint in Bezug auf den Prozessor lange überlegt zu haben. So wurde uns schon zum Launch-Event in London mitgeteilt, dass man auf den leistungsstärkeren Achtkern-Prozessor Qualcomm Snapdragon 810 absichtlich verzichtet hätte. Dieser ist seit Längerem bekannt dafür leicht heiß zu werden. Und in meinen Augen spricht nichts gegen den etwas schwächeren Hexa-Core-Prozessor Qualcomm Snapdragon 808 dessen Kerne jeweils mit 1,8 Gigahertz takten. Beide Prozessoren sind letztendlich 64-bit-fähig und werden auch die kommenden zwei Jahre dem Standard der Hardware entsprechen.

Dem Prozessor stehen drei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Zusammen machen beide Hardwarekomponenten das LG G4 zu einem leistungsstarken Smartphone. Im Test lief das LG G4 daher fast ausnahmslos performant und ruckelfrei. Tatsächlich kämpfte das LG G4 aber gerade bei einfacheren Animationen und beim Switchen zwischen einzelnen Applikationen des öfteren mit leichten Rucklern. Das spricht nicht gerade für eine ausgereifte Performance, jedoch könnte hier ein noch nicht ganz perfekt aufeinander abgestimmtes System dahinterstecken. Diese ließe sich im Idealfall mit einem Softwareupdate wohl beheben.

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Beim internen Speicher liefert LG in der Grundversion schon 32 Gigabyte. Das darf als ordentlich bezeichnet werden und entspricht ganz dem aktuellen Trend zu mehr Speicher. Zusätzlich lässt sich der interne Speicher aber auch um bis zu zwei Terabyte per microSD erweitern – richtig, Terabyte. Dass es sich da mehr um einen Marketing-Gag handelt dürfte klar sein, denn aktuelle microSD-Karten kommen maximal auf 128 Gigabyte. Für die (sehr) ferne Zukunft ist man damit dennoch gewappnet.

Als Akku für das LG G4 kommt eine Version mit 3.000 mAh zum Einsatz. Das mag nach einer üppigen Ausstattung klingen, reicht aber gerade einmal für einen Tag Power bei voller Nutzung. Im Vergleich zu Smartphones von Samsung und Apple ist das kein negativer Wert, doch können Phablets wie das Honor 6+ (hier geht’s zum Test) schon bessere Laufleistungen erzielen. Schuld an dem weniger ausdauernden Akku beim LG G4 dürfte hauptsächlich das energiefressende IPS Quantum Display sein.

Performance

Lässt man einen 64-bit-fähigen Sechs-Kern-Prozessor mit 1,8 Gigahertz und drei Gigabyte RAM zusammen, so kann man sich das Ergebnis wohl gut vorstellen: Das LG G4 läuft einfach flott. Aufwendige Anwendungen sind für das Smartphone ein Kinderspiel. Beim wechseln von Seiten, Aufrufen von Websites und der Nutzung gängiger Apps wie Kamera, Messenger und Co. lässt sich das G4 nichts vormachen.

Dennoch kommt es bei so mancher Animation oder dem Wechseln zwischen Apps ab und an zu unschönen Verzögerungen. Wie bereits oben erwähnt, könnten sich diese aber über ein Update auch noch beseitigen lassen.

Antutu

Dennoch darf sich das LG G4 im Antutu Benchmark als high-end Smartphone unter Beweis stellen. Hier kommt man zwar mit Abstand nicht an ein Galaxy S6 oder HTC M9 heran, doch dürfte das den regulären Käufer weniger stören. So kann auch das Ergebnis von 49.008 Punkten im Antutu Benchmark überzeugen. Letzendlich bekommt man, im Vergleich zur gerade erwähnten Konkurrenz, für knapp 100 Euro weniger dennoch eine Top-Performance.

Display

Scharf bis in das letzte Detail, kontrastreich aus jedem Blickwinkel und besonders farbenfroh – mit seinem Quad HD IPS Quantum Display kann das LG G4 auf der ganzen Linie überzeugen. Bei einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel erstrahlen gerade Bild- und Videodateien in einer knackigen Schärfe. In der Kombination mit dem leicht geschwungenen Display ist das LG G4 dabei besonders für den Konsum von Videos prädestiniert.

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Dennoch, in Bezug auf die „pixel per inch“ kann das LG G4 (534 ppi) mit seinem größten Konkurrenten, dem Samsung Galaxy S6 (578ppi), nicht ganz mithalten. Hier zeigt die Konkurrenz einfach noch einen Hauch mehr Detail. Trotz alledem verfügt das G4 über ein 25 Prozent helleres und 50 Prozent kontrastreicheres Display als das des Vorgängers LG G3 sein. Des weiteren hat man bei LG dank IPS Quantum Technologie die Farbe Rot verbessert. Nachdem solch eine Verbesserung mit dem reinen Auge nur subjektiv wahrzunehmen ist, kann ich hier kein klares Statement dazu abgeben. Grundsätzlich wirkt das Rot aber tatsächlich roter.

Kamera

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Nun wurde schon so viel über das G4 berichtet und erst jetzt komme ich zu DEM Highlight schlechthin der Südkoreaner, die Kamera. Neben 8 Megapixel bei der Frontkamera und 16 Megapixel bei der Rückkamera steht hier vor allem die f1.8-Blende im Vordergrund. Diese soll für knackig scharfe Bilder und einen schnellen Auslöser sorgen, ähnlich einer Systemkamera.

Und tatsächlich, das gelingt dem LG G4 meiner Meinung nach hervorragend. Neben kontrastreichen Aufnahmen kann vor allem die Natürlichkeit der Farben überzeugen. Zusätzlich hat LG dem G4 einen manuellen Foto-Modus spendiert. Dieser lässt es zu wie bei einer klassischen Digitalkamera verschiedene Werte manuell einzustellen.

Das folgende Hands On vom G4 Launch-Event im April zeigt euch wie der manuelle Modus im Einsatz funktioniert:

Doch neben dieser besonderen Blende und dem erneut integrierten Laser-Autofokus des Vorgängers G3 von 2014 gibt es noch drei weitere essenzielle Features für das LG G4, welche man im Normalfall nur bei „echten“ Kameras kennt.

Eine der Neuerungen ist hier der Bildstabilisator. Statt nur über eine X- und Y-Achse das Bild zu stabilisieren, kommt im LG G4 Kameramodul eine dritte Z-Achse zum Einsatz. Zusätzlich befindet sich nun, statt einem Dual-LED-Blitz, ein Farbsensor direkt neben der Kamera und ein Single-LED-Blitz. Dank des Farbsensors kann sich das G4 automatisch an die Umgebungshelligkeit anpassen und sorgt für satte Ergebnisse.

Des Weiteren lassen sich Bilder nun neben .jpeg-Format auch in RAW abspeichern. Außerdem lassen sich Bilder beim Doppelklick auf die „Leiser“-Taste nun auch binnen einer Sekunde als Schnappschuss knipsen. Zudem können nun auch Videos mit bis zu 4K Auflösung gedreht werden.

Beispielbilder der Rückkamera:

Vergleich: Oben manueller Modus, unten Auto Modus.

Vergleich: Oben manueller Modus, unten Auto Modus.

Links: (Auto Modus; weniger natürliche Farben, mehr Schärfe) Rechts: (Manueller Modus; natürliche Farben, weniger Schärfe)

Links: (Auto Modus; weniger natürliche Farben, mehr Schärfe)
Rechts: (Manueller Modus; natürliche Farben, weniger Schärfe)

Im Test haben Kollege Christian und ich zudem die Verschlusszeit der Kamera des LG G4 ausprobiert. Im Zuge der CES Asia 2015 haben wir die Skyline von Shanghai bei Nacht fotografiert. Der Fokus wurde auf Automatik gestellt. Zudem war die Funktion “AE-L” aktiviert, um volle Kontrolle über die Verschlusszeit und den ISO-Wert zu erhalten. Der Weißabgleich war für diese Nachtaufnahme im kälteren Bereich justiert, der ISO-Wert auf 50 eingestellt. Anschließend haben wir die verschiedenen Verschlusszeiten von 30 bis 1 Sekunde ausprobiert (alle Bilder gibt es hier).

Verschlusszeit: 1 Sekunde (Foto: CNET)

Verschlusszeit: 1 Sekunde (Foto: CNET)

Verschlusszeit: 15 Sekunden (Foto: CNET)

Verschlusszeit: 15 Sekunden (Foto: CNET)

Ohne mich also allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, würde ich dem LG G4 den Titel als aktuellen „Smartphone-Kamera-König“ zuschreiben. Die einzelnen Funktionen sind dabei sicherlich noch nicht perfekt, doch zeigt LG beim G4 eindrücklich wie sich die Smartphone-Kamera der Zukunft entwickeln könnte. Dank den Features Nachtaufnahmen, manuellem Modus, Auto-Laser-Fokus und scharfen Nahaufnahmen, kann der User hier eine breite Palette an Funktionen nutzen, die bisher nur Digitalkameras vorenthalten waren.

Fazit

Ganze fünf von fünf Sternen erhält das LG G4 in meinem Test. Die hat dieses Smartphone meiner Ansicht nach auch vollkommen zurecht verdient. Nicht, dass das Smartphone perfekt wäre. Das leicht knarzende Gehäuse, der etwas schwache Akku, die für sein Niveau etwas schwache Performance und die noch nicht zu 100 Prozent ausgereifte Kamera können sicherlich als Kritik angeführt werden.

Doch kein anderer Hersteller traut sich aktuell so viel außergewöhnliche Komponenten zu wie LG. Betrachtet man das extravagante Design mit Leder-Backcover und Curved-Display, das hochauflösende IPS Quantum Display und die fast vollwertige Kamera mit all ihren Features, so verdient sich das LG G4 eindeutig die Bestwertung. Das G4 dürfte mitunter das ausgefallenste Smartphone dieses Jahres sein und noch viel Aufmerksamkeit erregen.

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Im Alltag stellt sich das G4 so als idealen Begleiter heraus. Es lässt sich trotz seiner Größe perfekt in der Hosentasche herumtragen, liegt dank gewölbten und rauen Backcover sehr rutschfest in der Hand und letztendlich auch sehr gut auf glatten Oberflächen. Das G4 verfügt über eine hervorragende Smartphone-Kamera mit vielen Features, die ein neues Zeitalter im Smartphone-Segment einläuten könnte. Und letztendlich wirkt das G4 gut gerüstet für die kommenden Jahre. Hier sind das aktuelle Android 5.1, der Prozessor mit 64-bit-Architektur und der austauschbare Akku zu erwähnen.

Daher kann ich für das LG G4 eigentlich nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Wer gerne noch etwas mit dem Kauf warten möchte, der könnte das G4 dann im Laufe des Jahres auch schon für deutlich weniger Geld bekommen. Hier fallen bei LG einfach noch immer stark die Preise, da die Südkoreaner noch nicht so stark am europäischen Markt vertreten sind.

plusExtravagantes Design

plusplusBisher einzigartige Kamera

plusCurved Display mit hoher Auflösung

plusAustauschbarer Akku

plusStarke Hardware für die kommenden Jahre

minusEtwas unausgeglichene Performance

minusAkkulaufzeit nur ein Tag

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    1. Mit Stativ natürlich ;-) Ich war mir nicht vollkommen sicher, ob ich das wirklich erwähnen muss. Wenn es noch jemand in die Kommentare schreibt, dann füge ich es nach! :)

  1. Von den großen Herstellern sicher das beste Handy bin vor gut 2 Jahren von Samsung Galaxy SII aufs LG G2 umgestiegen obwohl in hinblick auf die Update-Politik von LG damals nichts Gutes gehört habe und es war trotzdem der richtige schritt für mich ^^ für dieses Jahr hab ich mir vorgenommen, wie ich es alle 2 Jahre mach, ein neues Handy zu besorgen aber der Sprung von meinem LG G2 zu den derzeitigen Tophandys ist mir einfach noch zu gering im Verhältnis zu SII zu G2….aber ich schau schon seit längerem Richtung China und da kommen Handys daher die unglaublich sind mit Akkus 4000+mAh und 4GB RAM etc. zurzeit das Handy des Jahres ist Xiaomi Mi Note Pro und auf platz 2 das ASUS Zenfone 2 aber trotzdem Respekt an LG was die in den letzten Jahren an Flagship Handys an den Start gebacht haben…

      1. Ja kenn ich aber gefällt mir Optisch nicht so gut wie Xiaomi und dadurch das ich ein paar Produkte von Xiaomi besitze und deren Qualität kenne würde ich mich trotzdem fürs Mi Note Pro entscheiden. Wenn Huawei dann eher das MediaPad X1 ^^ Aber mich würde des echt freuen wenn man hier mehr über die ganzen China-Kracher lesen würde

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