Nokia, versuch‘ es (nicht) noch einmal: Die Finnen zum Scheitern verurteilt? [Kommentar]

(Bild: NetMediaEurope)

Nokia, das waren einst die Platzhirsche auf dem Handy-Markt. Doch im Zeitalter des Smartphones hatten die Finnen bisher keine Chance mehr. Nun wollen sie jedoch 2016 ihr Comeback feiern. Ob das gelingt? Ich habe meine Zweifel.

Im März stießen wir auf ein richtig formschönes Tablet. Es erinnerte ziemlich an ein iPad mini und hieß Nokia N1. Und tatsächlich, vor uns sahen wir das erste Nokia Tablet nach dem Aus am Markt für mobile Endgeräte. Produziert wird das N1 von Foxconn, kein Wunder also, dass es so sehr an ein iPad erinnert – kleiner Tipp: gleicher Hersteller.

Und genau das soll nun Nokias neue Strategie sein, wenn man ab 2016 wieder Smartphones verkaufen möchte, Lizenzvergaben. So gab Nokia-Chef Rajeev Suri jüngst in einem Interview bekannt, dass man ab 2016 wieder Smartphones designen würde, diese aber über Lizenzen an Hersteller auslagert. Hersteller wie Foxconn.

Dabei hatte sich Nokia 2013 beim Verkauf seiner Smartphone-Sparte an Microsoft bis 2016 vertraglich dazu verpflichtet keine Smartphones mehr herzustellen. Meiner Meinung nach war das für Nokia auch die richtige Entscheidung. Die Marke war und ist bis dato kein Name mehr im Smartphone-Geschäft. Microsoft produziert zwar weiterhin seine (Nokia) Lumias, doch ein wirklicher Erfolg werden sie trotz guter Technik wohl nicht mehr.

Nokia hat sich also erst einmal gerettet, bevor der eigenen Name komplett den Bach herunter geht. Doch nun soll wieder ins Smartphone-Geschäft eingestiegen werden. Ja womit denn? Was bitteschön will Nokia denn da an Innovationen bringen, dass dem angeschlagenen Unternehmen wieder ein Platz im hart umkämpften Markt der mobilen Endgeräte zukommen könnte?

„Microsoft stellt Handys her, wir würden sie lediglich designen“

Wenig aussagekräftig lies Suri verlauten, dass man sich nur noch um das Design der Smartphones kümmern werde. Produzieren könne dann ein Lizenz-Partner. Doch das sagt wenig über Erfolg aus und schon gar nichts über einen verlässlichen Plan. Natürlich kann man nach dem ersten Statement von Suri noch keinen Niedergang von Nokia 2.0 heraufbeschwören. Doch ein bisschen mehr Hintergrundinformationen zum Neuversuch hätte man vom ehemals größten Handy-Hersteller der Welt doch erwarten können.

Selbst die aktuellen Smartphone-Platzhirsche wie Apple, Samsung, LG und HTC tun sich schwer, wenn es um Marktanteile geht. Die Chinesen rund um Lenovo und Xiaomi rollen derweil das Feld mit günstigen Verkaufspreisen von hinten auf.

Viele Fragen zu Nokia können noch nicht beantwortet werden

Da stellt sich doch die Frage wo Nokia auf diesem Markt einen Platz finden möchte. Das Vertrauen in die Marke ist nicht wirklich hoch. Die Konkurrenz hat wesentlich mehr Erfahrung mit der Produktion von ausgereiften Flaggschiffen. Was bleibt also? Vorstellbar wäre Nokia in Schwellenländern, etwa günstige Hardware zu günstigen Preisen. Gerade in Südamerika, Afrika, Indien und China lassen sich hier noch viele Gewinne erzielen. Doch möchte Nokia, das Unternehmen mit ehemals größten Namen in der Geschichte mobiler Endgeräte, wirklich auf ein Niveau der Billig-Smartphones herabsteigen?

Oder bekommen wir etwa doch ungeahnte Innovationen seitens Nokia ab 2016? Kommt etwa „the next big thing“ wieder aus Finnland? So oder so, Nokia muss sich erst einmal kräftig unter Beweis stellen und mehr zeigen als nur Behauptungen wie „aber natürlich wären wir in der Lage anzugreifen, sonst könnten wir es gleich sein lassen“ herauszuhauen.

Mit dem Tablet N1 hat Nokia immerhin schon einmal die Richtung vorgegeben und diese heißt China beziehungsweise Schwellenländer. Ob die Chinesen aber Lust auf eine weitere ausgestorbene europäische Marke haben, das sei mal so dahingestellt.

Loading ... Loading ...
Tags :Quellen:manager-magazin.de
  1. So schwer ist es eigentlich nicht, auf Hohe Verkaufszahlen im ersten Schritt zu kommen. So wie es einst Motorola gemacht hat. Das Moto G hat im Preis-Leistungsverhältnis überzeugt, wurde millionenfach abverkauft und brachte Moto wieder back ins Game. Dies dient der Marke und dem Image und im Anschluss kann man seine höherpreisigen Geräte verkaufen. (Siehe Moto X) Super einfache Strategie.

    Das Grundrezept ist eigentlich total einfach, denn weniger ist manchmal mehr. Designe ein schlichtes Gerät, besetze es mit guter Hardware (kein High End) und setze den Preis realriv niedrig an, bestenfalls unter 200 €. Am besten gleich Android in seiner aktuellsten Version OHNE oder nur mit minimalsten Anpassungen und garantiere 3 Jahre Updates. Wird dadurch nicht der größte Erfolg, aber man kommt wieder ins rennen. Alle Hersteller tun sich da aber schwer und überladen die Geräte und setzen überdimensionierte Preise an.

  2. hatten windows phones nicht schon fast 10 prozent in deutschland? und davon sind sicher 95% lumia-geräte.
    damit sind lumias gar nicht so schlecht verkauft im vergleich zu apple und samsung.
    wenn man es natürlich mit allen android geräten auf dem markt vergleicht, sieht es natürlich im vergleich sehr wenig aus.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising