Amazon plant Autorenbezahlung nach gelesenen e-Book-Seiten

Kindle Voyage

Was wäre, wenn wir in einer Welt leben würden, in der Buchautoren Tantiemen nicht nach Zahl verkaufter Bücher erhalten würden, sondern danach, wie viele Seiten der Leser liest? Die Idee, die vor zehn Jahren absurd geklungen hätte ist inzwischen technisch umsetzbar und tatsächlich seitens Amazon für einen Testlauf im Sommer in Planung.

Am 1. Juli werden Autoren, die ihre Werke über das Kindle Direct Publishing Programm selbst veröffentlichen Teil eines neuen Experiments des Verlagswesens. Derzeit teilt Amazon Gelder nach der Anzahl der Leihen des entsprechenden e-Books – egal über welche der vielen Angebote des Unternehmens der Zugriff erfolgt – auf. Mit dem neuen testweise eingesetzten Schema werden Autoren nunmehr für jede Seite bezahlt, die lange genug auf dem Bildschirm angezeigt wird, um gelesen zu werden. Dabei wird natürlich nur der erste Lesedurchgang gezählt.

Was das System tut ist einfach: Autoren, die Cliffhanger schreiben, besonders spannende Bücher verfassen, eben Bücher, die den Leser fesseln, werden belohnt. The Atlantic erklärt, das das Bezahlsystem außerdem helfen wird, das Empfinden von Autoren langer Werke zu neutralisieren, sie würden ausgenutzt werden:

“Amazons Schreiben an Autoren, die über das Kindle Select-Programm publizieren, erläuterte, dass das System deshalb geändert wurde, um die Sorge auszuräumen, ‘dass die selbe Bezahlung für alle Bücher unabhängig ihrer Länge weder den Interessen der Autoren und Leser entspricht.’ Amazon verhält sich allerdings clever: Während sich Verfasser großer, langer und wichtiger Bücher durch die Bezahlung nach Zahl geliehener e-Books ausgenutzt fühlten, haben sie vermutlich nicht damit gerechnet, dass Amazon mit seinem Vorhaben noch einen Schritt weiter geht. Statt die ambitioniertesten und am weitesten ausholenden Autoren nach jeder geschriebenen Seite zu bezahlen, zahlt das Unternehmen nur für jede gelesene Seite.”

Die Buchlänge spielt zwar eine Rolle in dem experimentellen System, wenn auch nuancierter. Einerseits werden Autoren mehr denn je angespornt, ihre Arbeit nicht zu langatmig und unlesbar lang werden zu lassen. Andererseits verdienen Verfasser actiongeladener 100-Seiten-Erzählungen mehr, wenn sie es schaffen ihr Buch ohne Tempoverlust zu strecken.

In jedem Fall scheint es, als müssten sich manche Autoren von dem alten Verlagssprichtwort “Es zählt nicht, wie viele Leute dein Buch lesen, nur wie viele es kaufen”, verabschieden.

Tags :Quellen:The AtlanticVia:Gizmoco.com
  1. Fehlt da nicht noch der Hinweis, daß der Leser auch nur gelesene Seiten bezahlen muss … ?
    Oder ist es wie immer, Amazon verdient immer?

  2. Es geht doch hier gar nicht ums Kaufen! Es geht um die Ausleihe bei Amazon. Da musste der Kunde schon vorher mind. 10% gelesen haben. Die GEMA hat auch interne Regeln für ihre Ausschüttungen. Komisch ist aber das Bevorzugen von Büchern die Leser ranhalten, dann wird Amazon zum Unterhaltungsladen.

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