Test: Blackview Hero 1 – Action Cam für Kompromissbereite mit kleinem Geldbeutel

(Bild: ubergizmo de) blackview Hero 1

Wer sich eine Action Cam zulegen möchte, muss in der Regel tief in die Tasche greifen, gerade, wenn man mit Modellen des Marktführers GoPro liebäugelt. Die chinesische Antwort auf die GoPro Hero 1 ist die - aufpassen - BlackView Hero 1. Mit ihrem Preis von gerade einmal 65 Euro könnte die bei weitem nicht perfekte Kamera aber gerade für Neulinge einen Blick wert sein. Unser Test.

BlackView Hero 1 im Detail

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BlackView Hero 1 im Detail

Action Cams erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, doch genau so beliebt wie die robusten Kameras sind, so teuer sind sie in aller Regel auch. Unter einem dreistelligen Betrag wird man kaum fündig. Der chinesische Hersteller BlackView will genau daran etwas ändern und hat die BlackView Hero 1 auf den Markt gebracht, die mit gerade einmal 65 Euro eine echte Ansage ist. Ob die rechtlich bestimmt nicht indiskutable Namensähnlichkeit zu Dashcam-Hersteller Blackvue und GoPros Hero-Reihe als bewusste Übernahme fremder Images oder respektvoller Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen sind, überlassen wir dem Rahmen der Spekulation.

Für jeden Zweck: Zubehör satt

Fast schon standardmäßig bekommt man beim Kauf einer Action Cam allerhand Einzelteile mitgeliefert, damit die Kamera gleich für jede mögliche Freizeitaktivität einsatzbereit ist. Angesichts seiner Preisgestaltung überrascht es dann doch, dass der Lieferumfang der BlackView Hero 1 ähnlich reichhaltig ausgefallen ist wie bei teuren Mitbewerbern.

So findet ihr neben der Kamera selbst die wasserfeste Hülle, eine Ersatzklappe für diese, einen 1.050 mAh-Akku, zwei 3M-Klebetapes, eine Metallschnur, einige Kabelbinder, ein USB-Kabel, eine breite und eine schmale Clip-Basis, zwei Helm-Basen, drei unterschiedliche Gelenke, eine Fahrradhalterung, eine Klammer, einen Gewindeaufsatz, ein Drehgelenk, ein Netzteil, ein Mikrofasertuch sowie einige Klettbänder in der Verpackung, nur um sie alle kurz aufzulisten. Für die meisten Einsatzgebiete sollte also gleich zu Beginn das notwendige Equipment dabei sein.

(Bild: übergizmo de)

Wollt ihr die Kamera ohne Gehäuse verwenden, müsst ihr euch mit (noch weiter) eingeschränkter Sicht abfinden.

Manche Teile des Lieferumfangs sind jedoch nicht zu Ende gedacht. Da die BlackView Hero 1 selbst über kein integriertes Gewinde verfügt, ist zum Beispiel ein spezieller Aufsatz notwendig, der um das Gehäuse geklemmt wird. Dabei wird der sichtbare Bereich des 2-Zoll-Displays auf der Rückseite allerdings erheblich verkleinert. Daneben erweist sich die Fahrradhalterung als recht komplexe Angelegenheit, wenn es an die Montage geht. Sie besteht nämlich aus zu vielen Einzelteilen, die zusammengehalten werden müssen, als dass sich dies mühelos alleine bewerkstelligen ließe. Noch dazu ist der maximale Durchmesser der Öffnung für den Rahmen vieler moderner Fahrräder zu gering.

(Bild: übergizmo de)

Die Befestigung der Fahrradhalterung gestaltet sich ohne Hilfe schwierig.

Mit etwas Erfindergeist und Geduld kommt ihr allerdings mit jedem Zubehörteil zurecht. Die für Tauch- und Surfgänge notwendige Hülle ist im übrigen laut Herstellerangaben bis zu 30 Meter Tauchtiefe dicht. Zwar konnten wir das in Ermangelung entsprechend tiefer Gewässer nicht testen, doch zumindest in Bächen, Teichen und Pfützen hält BlackView sein Versprechen. Dementsprechend zuverlässig werden auch Schallwellen vom Mikrofon abgehalten. Ein reiner Spritzwasserschutz wie bei der Rollei S-50 WiFi existiert leider nicht. Denn selbst die weiter oben abgebildete Vorrichtung dürfte Wassertropfen nicht am Eindringen in die ungeschützten Anschlüsse hindern. Etwas schade.

Solide Bildqualität

Eigentlich die wichtigste Eigenschaft jeder Art von Kamera. Rein auf dem Papier kann die BlackView Hero 1 – den günstigen Preis stets im Hinterkopf – von sich reden machen. Filme nimmt sie maximal in Full-HD mit 1.080p bei flüssigen 60 fps beziehungsweise 1.296p bei runtergeschraubten 30 fps auf. Zum Einsatz kommt ein 16 Megapixel-Sensor von Sony (zum Vergleich: die günstigste Hero von GoPro bringt es auf 5 MP bei doppeltem Preis). Typisch Action Cam ist die Kamera mit 170° sehr weitwinklig und hat einen ausgeprägten Fischaugeneffekt. Im Gegensatz zu manchen Konkurrenten übersättigt sie die aufgenommenen Bilder aber nicht übermäßig. Die Farbwiedergabe ist weitgehend natürlich, wenngleich leicht rotstichig. Doch wir können uns nicht des Eindrucks erwehren, dass es den Aufnahmen, ob Film oder Foto, an Dynamik fehlt.

(Bild: übergizmo de)

Durch die weitwinklige Linse seht ihr stets den Rahmen des wasserfesten Gehäuses.

Unter schwierigen Lichtverhältnissen (siehe Videotest) erzielt die BlackView Hero 1 gute Ergebnisse. Selbst in der Nacht kommt sie mit schnellen Wechseln der Lichtintensität gut zurecht. Allerdings lässt sich wie auch tagsüber Bildrauschen leicht ausmachen. In Gebäuden entstehen bei unnatürlichen Lichtquellen nicht zu übersehende Schlieren.

(Bild: übergizmo de)

Unnatürliche Lichtquellen hinterlassen einen Schliereneffekt auf dem Foto.

Insgesamt überzeugten uns die Ergebnisse der BlackView Hero 1 in Anbetracht des geringen Preises. Für 65 Euro bekommt man durchaus solide Aufnahmen auf Band.

Viele Features, viele Kompromisse

Entschuldigt, wenn ihr es zum wiederholten Male lest: Die Hero 1 ist trotz ihres Preises eine verdammt ambitionierte Action Cam. Sie bringt so viel mit und möchte allem gerecht werden. Aber leider ist das Killerargument “Preis” gerade für die vielen Kompromisse verantwortlich, die man beim Kauf dieser Kamera eingehen muss. Zwar bekommt ihr ein 2 Zoll-Display, brauchbar ist es faktisch nicht.

Denn es ist nicht besonders hell, blaustichig und hat instabile Blickwinkel zum Fürchten. Daher erkennt ihr zu fast keinem Zeitpunkt, was ihr gerade filmt, solltet ihr auf diesen Kontrollfaktor wert legen. Einzig die gewöhnungsbedürftige, aber grundlegend simple Menünavitgation profitiert von diesem Bildschirm. Übrigens: Als nettes Gimmik bietet das Menü eine kurze Videovorschau in der Galerie. Schade nur, dass nicht allein die geringe Größe des Ausschnitts daran Schuld ist, dass man davon nichts erkennen kann. Schlussendlich besteht die Displayabdeckung aus sehr dünnem, druckempfindlichen Kunststoff. Ein falscher Stoß wird definitiv dauerhafte Schäden hinterlassen.

(Bild: übergizmo de)

Wenn ihr nicht frontal auf das Display seht, erkennt ihr leider überhaupt nichts mehr.

Des weiteren lässt die Verarbeitungsqualität der Kamera zu wünschen übrig. Auf den ersten Blick wirkt die Hero 1 durchaus wertig. Erst beim genauen Hinsehen fallen der mäßig wertige Kunststoff oder die zum Verlust prädestinierte Akkuklappe auf. Am meisten stören allerdings die beiden Pfeiltasten auf der rechten Seite. Sie sind so minderwertig, dass bereits zu Beginn des Tests einer der Knöpfe leicht nach innen gerutscht war, sodass wir keinen Druckpunkt mehr spüren konnten und außerdem mit jedem Mal fester aufdrücken mussten, um überhaupt noch eine Aktion auszulösen.

(Bild: übergizmo de)

Die linke Pfeiltaste war schnell kaputt und reagierte nur noch auf sehr starken Druck.

Weiter ist ein Aufnahmewinkel von 170° erfreulich, wenn die Konstruktion des wasserdichten Gehäuses daran jedoch nicht angepasst ist und der schwarze Rahmen ständig in den Ecken der (Bewegt-)Bilder zu sehen ist, hätte man sich lieber ein paar Grad sparen sollen. Weniger sparsam dagegen hätte man im Hinblick auf die Akkulaufzeit umgehen sollen. Da sich der (während des Filmens) ziemlich nutzlose Bildschirm nicht deaktivieren lässt, zehrt dieser unnötig an den Reserven. Bei aktiviertem WiFi konnten wir bestenfalls 90 Minuten lang filmen, bevor Schicht im Schacht war.

Zu guter letzt ist es etwas schade, dass Käufer weder ein Minimum an internem Speicher noch eine kleine microSD-Karte mitgeliefert bekommen. Wer die nicht zu Hause hat, kann sich einen sofortigen Start gleich wieder abschminken.

Fazit

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BlackViews Hero 1 ist eine Ansage an den kostspieligen Markt der Action Cams. Der China-Export weiß mit einem Preis, der als Killerargument jede Einschränkung und jeden Missstand großzügig abfängt, solide abzuliefern. Full HD-Auflösung, massig Zubehör und ein 2 Zoll-Display klingen erst einmal interessant. Tatsächlich reicht dieser Leistungsumfang auch aus, um Neulinge für ein solches Gerät zu begeistern, eingesessene Extremsportler wird man allerdings nicht einmal mit diesem Schnäppchen hinter dem Sofa hervor locken. Dafür muss der anspruchsvolle Käufer schlicht zu viele Kompromisse eingehen, die vielen der Aufpreis zu teureren Konkurrenten wert sein dürfte. Könnt ihr mit diesen Missständen leben und wollt unbedingt eine Action Cam, mit der nicht viel verloren ist? Dann könnt ihr getrost zugreifen.

Die BlackView Hero 1 wurde uns für diesen Test freundlicherweise vom Efox-Shop zur Verfügung gestellt. Dort könnt ihr die Kamera bei Interesse übrigens auch zum besagten Preis direkt bestellen.

Pro/ Contra

plusplusPreis

plusViel Zubehör

plus2 Zoll-Display

plusWeitwinkliges Objektiv

plusGewöhnungsbedürftige aber simple Navigation

plusWiFi

 

minusminusDisplay faktisch nutzlos (zu dunkel, schlechte Blickwinkel, druckempfindlich)

minusBildqualität solide aber durchwachsen

minusGeringe Akkulaufzeit

minusZubehör teils nicht zu Ende gedacht

minusSchutzhülle beim Filmen im Bild

minusMäßige Verarbeitung

Tags :
  1. Moin Mathias,
    ich bin gerade auf den Test gestoßen und wollte einmal fragen ob wir den generell mit in unseren Action Cam Test 2015 mit aufnehmen dürfen? Wir überlegen gerade welche Cams wir noch mit aufnehmen, da es langsam schwer wird den Überblick zu behalten – und die BlackView Hero1 bietet ein ganz gutes Preis/Leistungsverhältnis.
    Beste Grüße,
    Tim von http://www.actioncamcheck25.de/

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