Mando Footloose im Test: Das kettenlose Fahrrad

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Ein E-Bike, welches eigentlich kein Fahrrad sein möchte. Für Testzwecke wurde uns das koreanische Mando Footloose IM zur Verfügung gestellt. Hier erfahrt ihr, was an dem Footloose so besonders ist und ob sich ein Kauf lohnt.

Das Mando Footloose im Detail

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Es sieht aus wie ein Fahrrad, funktioniert jedoch vollkommen anders. Das Mando Footloose IM will das schweißfreie Transportmittel auf dem täglichen Weg zur Arbeit sein. Ich habe das Footloose ausprobiert und einem Härtetest unterzogen.

Design

Rein vom Design her ist das Mando Footloose IM natürlich absolute Geschmackssache. Mir gefällt das Design des kompakten Cityflitzers allerdings fast auf ganzer Linie. Gerade der leicht versetzte und farblich abgesetzte Alu-Rahmen zum Hinterrad lässt das Footloose wie ein futuristisches Fahrrad anmuten.

Wesentlich futuristischer wird es dann noch, betrachtet man die Verbindung zwischen Pedalen und Hinterreifen. Hier fehlt tatsächlich jede Art von Kette oder Riemen. So tritt der Kunde in die Pedale und treibt das Fahrrad nicht selbst an, sondern die integrierte Lichtmaschine.

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Diese Besonderheit hat Mando ganz gezielt seinem E-Bike verliehen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Der koreanische Hersteller ist in Asien als Zulieferer der Autoindustrie bekannt und nimmt diese Technik nun auch mit in seine eigenen Fahrräder. Dabei lässt sich dann beim Footloose IM schon fast nicht mehr von einem Fahrrad sprechen, denn der essenzielle Teil, die Kette samt Schaltung, fehlt.

Was auf der einen Seite dann für tiefenentspanntes Fahren sorgt, hat auf der anderen Seite auch seine Nachteile. So kann das Footloose beispielweise überhaupt nicht mehr genutzt werden, ist der Akku einmal leer. Sprich ihr könnt treten soviel ihr wollt, es wird sich nichts bewegen.

Verarbeitung

Das Mando Footloose IM macht einen gänzlich soliden Eindruck, was sich bei einem City-Bike wohl nicht immer erwarten lässt. Rahmen, Manschetten und die Gabel wirken äußerst stabil. Auch das Plastikgehäuse (Grau) wirkt solide verarbeitet. Hier befindet sich im Inneren die essenzielle Elektronik von der Lichtmaschine über den Akku bis hin zum Antrieb.

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Und trotz etwas breiten Spaltmaßen im Plastikgehäuse sei das Footloose laut Mando vor Spritzwasser geschützt. Wer sein Bike also reinigen möchte, muss nicht Angst haben etwa die Elektronik im Inneren zu beschädigen.

Wesentlich schlechter verarbeitet wirkt hier das Zubehör am Footloose. Die Schutzbleche aus Plastik stellen sich beispielsweise als nicht wirklich hochwertig heraus. Sie sind sehr dünn und wirken billig. Auch die mitgelieferte Lampe am Lenker könnte in meinen Augen wesentlich besser sein. Sie ist bei maximaler Ladung nicht wirklich hell, Der Power-Button ist schwer zu betätigen und auch die Halterung wirkt lieblos verbaut.

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Gleiches findet sich dann auch bei den Griffen aus Kunstleder. An sich bieten diese einen angenehmen Halt. Jedoch verrutschen die Griffe mit ein wenig Kraft auch rasch. Zudem begann auf einer Seite innerhalb der Testphase schon eine Naht am Kunstleder zu fädeln – Qualität sieht bei einem so hohen Preis anders aus.

Natürlich meckere ich hier nur über zweitrangige Zubehörteile. Doch meiner Ansicht nach sollte für einen Preis von 2.700 Euro das gesamte Bike durchdacht und gut verarbeitet sein. Billige Lampen, Schutzbleche und Griffe vermitteln dem Fahrer einfach einen schlechten Beigeschmack.

Bordcomputer

Eines der Hauptelemente des Mando Footloose IM stellt das Human Machine Interface (HMI) dar, quasi der Bordcomputer. Über diese Steuereinheit werden die verschiedenen Fahrmodi und der Tretwiderstand eingestellt. Zusätzlich können hier Geschwindigkeit, Wartungsstatus und Fitnessdaten abgerufen werden. Eine Synchronisation des Smartphones, etwa um über das HMI navigieren zu lassen, fehlt. Einstellungen können über zwei Buttons auf der Unterseite vorgenommen werden.

Unter den Fahrmodi finden sich der akku-freundliche „Eco-„, der gesundheitsorientierte „Health-„, der reguläre „Normal-“ und der flotte „Sporty“-Modus. In allen Varianten kann der Fahrer zusätzlich den Widerstand der Pedale einstellen, sodass etwa bei „hard“ die meiste Kraft aufgewendet werden muss und die Lichtmaschine am besten Energie zurückgewinnen kann.

Neben der Geschwindigkeit und den schätzungsweise verbrannten Kalorien befinden sich zusätzlich grüne Balken im rechten unteren Eck. Ein Balken bedeutet circa fünf Kilometer Reichweite, sodass der Fahrer ungefähr abschätzen kann wie lange der Akku noch halten wird.

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Letztendlich hält das HMI also alle relevanten Daten bereit, obgleich die Darstellung etwas verständlicher hätte ausfallen können – gerade in Hinblick auf die Anzeige der verbleibenden Kilometer.

Doch die Darstellungsweise ist im Vergleich zur Helligkeit des Displays nur ein geringeres Manko. Wesentlich mehr stört hier schon die Lesbarkeit bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. So lässt sich das HMI des Footloose bei Sonne kaum ablesen – hier hilft nur der weg in den Schatten oder eine abdunkelnde Hand. Gleiches Problem nur anders herum findet sich bei Nacht. Hier leuchtet das HMI wiederum so hell, dass der Fahrer geblendet wird. Eine manuelle Regulierung der Helligkeit des Displays ist nicht vorgesehen, sodass man mit einem schlecht lesbarem HMI leben muss.

In Verbindung mit der billigen Plastikmanschette, mit der das HMI lieblos wie ein herkömmlicher Tacho befestigt wurde, fragt sich, ob dieses zentrale Element des Footloose nicht etwas falsch konzipiert wurde. Denkbar wären hier gut lesbare Displays in Schwarz-Weiß wie sie sich etwa bei der Konkurrenz von Kalkhoff finden lassen. Stattdessen setzt Mando auf ein Farb-LCD, welches keinerlei Mehrwert bietet.

Dennoch besitzt das HMI einen eklatanten Vorteil, kommt es zum Thema Diebstahl. Hier verschlüsselt Mando jeden Bordcomputer individuell, sodass ein gestohlenes Footloose wertlos ist, wenn der Käufer sein HMI nach der Fahrt abmontiert.

Fahrverhalten

Vom Fahrverhalten her kann das Mando Footloose IM in fast allen Bereichen überzeugen. Besonders entspannt ist hier natürlich das Fahren ohne Schalten. Dabei lässt sich das Footloose so mühelos fahren, dass selbst kleinere Berge kein Problem darstellen.

Steht’s schweißfrei von A nach B kommen heißt hier also die Devise. Wer das Footloose im Flachland nutzt, der kommt auf flotte 25 km/h ohne sich beim Treten anstrengen zu müssen. Ebenfalls anstrengungsfrei gestaltet sich das Erklimmen von Bergen und Hügeln, denn der Widerstand nimmt dank Lichtmaschine natürlich nicht zu. Stattdessen wird das Footloose minimal langsamer und schießt so mit immer noch beachtlichen 18 km/h Anstiege empor.

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Selbst im Härtetest durch die fränkische Schweiz (Bayern) konnte das vielleicht ungeeignet wirkende Footloose auf der ganzen Linie punkten. Hier musste das Footloose wirkliche Berge (geteerte Straße) erklimmen, über Schotter und sogar durch Wälder fahren. Dank fleißiger Unterstützung der Lichtmaschine vergeudete ich dabei keinen einzigen Tropfen Schweiß.

Selbst bei abschüssigen Straßen, welche mir stolze 60 km/h bescherten, blieb das kleine Footloose ruhig und sicher auf der Straße. Nichts wackelte, nichts geriet ins schlingern und am Wichtigsten: Die Scheibenbremsen vorne und hinten konnten mich binnen Sekunden zum Stoppen bringen.

Zum Schluss meiner 16 Kilometer langen Tour lag der Akku dann allerdings nur noch bei circa 35 Prozent. Ein Rückweg ist dabei natürlich ausgeschlossen, denn ist der Akku einmal leer, geht nichts mehr. Doch im Falle meines Härtetests wusste ich um dieses Risiko, hatte ein Auto am Ziel und war mit der Leistung des Footloose sehr zufrieden.

Hier wollte ich vor allem in Erfahrung bringen wie sich das reine City-Bike in Extremsituationen verhält. Und nach dem Härtetest kann ich nur sagen „stabile Leistung Mando“ – in Bezug auf die Statik des Bikes, das Fahrverhalten und die Leistung von Akku und Lichtmaschine.

Etwas ungewohnt stellt sich jedoch das Tretverhalten heraus. Wer normalerweise flüssig in die Pedale tritt, um über die Kette das Hinterrad anzutreiben, der wird sich beim Footloose IM die ersten Tage umgewöhnen müssen. Hier wird direkt die Lichtmaschine angetrieben. Ein künstlich erzeugter Widerstand sorgt zudem zur Energierückgewinnung. In Bezug auf das Fahrverhalten bedeutet das: Die Pedale lassen sich nicht gleichmäßig treten.

Etwa bei der Hälfte bemerkt man hier immer einen Widerstand, welcher das Treten ungleichmäßg gestaltet. Daran gewöhnt man sich jedoch rasch. In meinem Fall habe ich mich irgendwann auf langsames Treten eingelassen. Während die Beine sich dann entspannt auf und ab bewegen, schießt das Footloose IM trotzdem mit 25 km/h durch die Gegend.

Im Härtetest enttäuscht das Footloose nicht: 16 Kilometer durch Stock und Stein waren kein Problem.

Im Härtetest enttäuscht das Footloose nicht: 16 Kilometer durch Stock und Stein waren kein Problem.

Akku

Mando gibt für seinen Akku bei voller Ladung eine Reichweite von 60 Kilometern an. Im Test bin ich auf durchschnittlich 30 bis 40 Kilometer gekommen, was auch noch als gute Reichweite bezeichnet werden darf.

Binnen einer bis zwei Stunden ist der Akku meist wieder aufgelanden, sodass das Footloose mit relativ geringer Wartezeit wieder einsatzbereit ist. Etwas umständlich gestaltet sich jedoch das Laden des Akkus. Hier kann man entweder direkt am Fahrrad per Kabel laden oder über eine mitgelieferte Dockingstation.

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Wer keinen Umweg über die Dockingstation machen möchte, muss demnach das Kabel direkt ans Bike stecken. Grundsätzlich findet sich hierzu ein abgedeckter Eingang unter dem Sattel. Dieser ist jedoch so schwer zugänglich, dass man mit Fingerspitzengefühl arbeiten muss.

Zudem bedient sich Mando eines dreipoligen Steckers, welcher in nur genau einer Ausrichtung an das Bike passt. So muss man letztendlich nicht nur Fingerspitzengefühl aufweisen, sondern auch noch die richtige Position des Steckers im Vorfeld beachten.

Wer stattdessen auf die komfortablere Dockingstation zurückgreifen möchte, der muss zuerst den Sattel ausbauen, um an den Akku zu kommen. Das mag etwas umständlich klingen, doch durch diese Bauweise konnte Mando immerhin den Akku vollständig im Rahmen verstecken.

Preise und Verfügbarkeit

Das Mando Footloose IM kann ab sofort für 2.700 Euro in ausgewählten Geschäften erworben werden. Zur Auswahl stehen die Farben Rot, Weiß, Gelb/Grün, Dunkelblau und Dunkelgrau. Eine Liste der Shops findet ihr hier. Dennoch kann ich das Preis-Leistungs-Verhältnis des Footloose nur bedingt unterstützen, mehr dazu nun im Fazit.

Fazit

Das Mando Footloose IM dürfte eines der außergewöhnlichsten E-Bikes sein, welches ich je gesehen habe. Hierzu zählen zweifelsohne das futuristische Design, der kettenlose Antrieb und die Verwendung einer Lichtmaschine in einem Fahrrad.

Auch Akkuleistung, Fahrverhalten und Statik konnten in der Testphase auf ganzer Linie überzeugen. Hierfür erhält das Mando Footloose IM 3,5 Sterne. Jedoch ließen sich auch einige Mängel finden, sodass das Footloose insgesamt 1,5 Sterne Abzug bekam.

Hier geht in meinen Augen auf jeden Fall ein ganzer Stern am HMI beziehungsweise Bordcomputer verloren. Dieser wirkt nicht voll durchdacht, die Helligkeit stimmt nicht und auch die Integration am Bike ist meiner Meinung für diesen Preis ungenügend.

Einen weiteren halben Stern ziehe ich für das etwas billige Zubehör ab. Minderwertige Schutzbleche, Griffe und Leuchten sind bei einem Fahrrad für 2.700 einfach fehl am Platz. In Bezug auf den Akku habe ich zwar Kritik geübt, doch fließt diese nicht in die Bewertung ein. Hier hat Mando offensichtlich einen Kompromiss in punkto Design geschlossen und eine versteckten Akku gegenüber des Ladekomforts vorgezogen. Dies begrüße ich auch, denn so konnte Mando sein extravagantes Design beim Footloose IM beibehalten.

Als Fazit möchte ich beim Mando Footloose IM aber meine volle Faszination aussprechen. Das Fahrrad setzt nicht nur auf ein für E-Bikes ungewöhnliches Antriebssystem, auch das Design lässt das Footloose IM als absoluten Hingucker unter den City-Flitzern aufblitzen. Dennoch bin ich der Meinung, dass der Preis von 2.700 Euro für die entgegengebrachte Leistung weitaus zu hoch gegriffen wurde.

Hier wird ein E-Bike für eine Einkommensklasse positioniert, die mit dem Footloose IM wie mit einem Statussymbol umgehen soll. Denn das Bike dient nur als reines Transportmittel im Stadtverkehr, weiter nichts. Diesen Job macht es gut, doch die oben erwähnte Kritik bremsen wohl auch bei der zahlungskräftigen Zielgruppe etwas den Bedarf. Ich hoffe Mando ändert das in Zukunft, denn das Footloose macht grundsätzlich einfach Spaß und beschert schweißfreie Wege auf einem Fahrrad.

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Tags :
  1. unerträgliches Geschreibsel!

    Erst treibt man das Velo angeblich an, indem man die Lichtmaschine antreibt, später heißt es, es ginge nichts mehr, wenn der Akku leer ist. Ja watt denn nu‘?

    Dann heißt es, es habe keine Schaltung, später hat es plötzlich eine Automatik. Ja watt denn nu‘?

    „Stattdessen wird das Footloose minimal langsamer und schießt so mit immer noch beachtlichen 18 km/h Anstiege empor.“
    18 km/h = Schießen, ja?

    und am Ende: „und beschwert (sic!) schweißfreie Wege auf einem Fahrrad.“
    WTF?

    Nur gut, dass der Möchtegernjournalist am Ziel sein Auto stehen hatte. Er wird es nie zum Radfahrer bringen.
    Ich ertrage es.

    Gute Besserung wünscht

    Ansgar

    1. Hallo Ansgar,

      Ich hoffe, dass ich nicht alleine an deiner schlechten Laune schuld bin.

      Zu deinen Anmerkungen:

      Die Lichtmaschine kann natürlich nicht 100 Prozent der verfahrenen Energie zurückgewinnen. Sprich: Ist der Akku leer müsstest du im Stillstand sehr, sehr lange treten, damit du wieder Energie zurückgewinnst. Ergo ist der Akku faktisch leer.

      Dein Bezug auf Schaltung und Automatik ist in meinen Augen irreführend. Das Footloose IM verfügt über keine Gangschaltung mit Drehgriff oder Schalthebel. Der Vergleich zur Automatik sollte lediglich verdeutlichen, dass der Fahrer nichts tun muss, also auch bei Anstiegen (wie im Beispiel erwähnt) nicht schalten kann beziehungsweise muss. Dass das Fahrrad aber tatsächlich kein Automatikgetriebe hat, sollte klar sein. Im Zweifelsfall gehe ich diesen Abschnitt nochmals durch.

      Der Fehler „beschwert“ wurde ausgebessert, danke.

      Zum Rest deines Kommentars muss ich wohl wenig sagen. Dennoch, gehe ich kurz auf deinen Troll-Teil ein. Das Footloose IM soll als reines City-Bike genutzt werden. Ich habe mich in diesem Fall aber dazu entschlossen es in einer Extremsituation zu nutzen, für diese das Footloose IM nicht gedacht wurde. Natürlich sichere ich daher auch meinen Rückweg ab, falls etwas schief geht.

      Ich wünsche dir für den restlichen Tag bessere Laune, dein ganz persönlicher Möchtegernjournalist.

  2. Hi zusammen,

    Bevor ich mir wieder ganz viele neue Freunde mache ;-)

    Die Bezeichnung Lichtmaschine kommt im Fall von Mando daher, da dass Unternehmen aus der Automobilzulieferindustrie stammt. Im E-Bike-Bereich in Deutschland sagt man eher Generator dazu. Dynamo denke ich ist in diesem Fall also eher nicht üblich.

    Einfacher ist es im Englischen: Hier sagt man gemeinhin Alternator, sowohl im Automobilbereich als auch bei E-Bikes.

    Grüße

    Lenz

  3. Die Energie von Pedalen zum Rad soll also elektrisch überragen werden,
    von Pedal-Stromgenerator über Kabel zum Akku… (?)
    Aber wie sind die Energieübertragungsverluste gegenüber konventionellen Fahrrad- Kette ?

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