i Sustain – Was Apple zur Nachhaltigkeit leistet [Kommentar]

(Screenshot: NetMediaEurope)

Apple, der mächtigste Konzern der Welt, lässt immer wieder verlauten, dass er sich für Umweltschutz und ethische Standards einsetzt - wirklich löblich! Nichtsdestotrotz ist nachhaltiges Engagement, woran wir im 21. Jahrhundert eigentlich jedes Unternehmen messen sollten, ein sehr komplexes Unterfangen. Wie viel der theoretischen Erfordernisse kann Apple tatsächlich erfüllen?

Man könnte vermuten, dass, wer sich „Apple“ nennt, Umweltbewusstsein schon von Grund auf verabreicht bekommen hat. Dass sich hinter dem simplen Namen ein gigantischer Technologie- und Softwarekonzern verbirgt, rüttelt natürlich an diesem grünen Image. Doch aller Verdikte gegenüber Technikunternehmen zum Trotz beweist Apple tatsächlich sein Engagement und wird beispielsweise von Greenpeace für die zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammende Stromversorgung seiner Rechenzentren gelobt. Zum Vergleich: Facebook und Google auf Rang 2 kommen auf knapp die Hälfte davon.

Dass sich diese großen Global Players dafür einsetzen liegt vermutlich an zwei Dingen: Zum Einen haben sie das nötige Geld, zum Anderen – und das darf als ausschlaggebend gewertet werden – ist das öffentliche Interesse, der allgemeine Druck auf genau solche Handlungen, ausgesprochen stark. So fänden beispielsweise 9 von 10 Personen einen nachhaltigen Konsum – für den eine nachhaltige Produktion zuvor unabdingbar ist – gut, wie Prof. Dr. Balderjahn jüngst auf dem Bamberger Hochschultag verlautbarte. Nicht vorenthalten möchte ich hierbei, dass die Verhaltenslücke doch (noch) recht groß ist und der Anteil der Personen, die tatsächlich nach diesen Kriterien einkaufen, bei unter 5 Prozent liegt.

Diese Leute würden meist auch etwas mehr Geld ausgeben, um dafür nicht die Prinzipien zu verletzen. Da es im Bereich der Smartphones aber scheinbar nur den Anbieter Fairphone gibt, der ernsthaft versucht, sich diesen Anforderungen zu stellen, ist es für die großen Hersteller wie Apple schon beinahe ein Leichtes, sich ein grünes Image aufzubauen und damit das Gewissen der Konsumenten zu besänftigen. Doch irgendwie ahnen wir wohl alle, dass auch das, was ein multinationaler Großkonzern macht, nicht konsequent nachhaltig sein kann.

Allerdings scheint Apple genau dies zu wollen – hurra! Apple-CEO Tim Cook schrieb jüngst in einer Mail an seine Mitarbeiter, man wolle „die Welt in einem besseren Zustand hinterlassen,“ als man sie vorgefunden hat. Ein Credo, das man häufiger liest, wenn man die Homepage Apples durchwühlt. Klingt irgendwie idealistisch und schwammig, ist aber von keinem Naivling geschrieben worden. Nehmen wir diesen Satz als moralische Verpflichtung seitens Apple an, einen Satz, der mich an die Formulierung der Nachhaltigkeit als Generationengerechtigkeit aus dem Brundtland-Bericht von 1987 erinnert. Demnach solle eine nachhaltige Entwicklung die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichern und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Möglichkeit lassen, ihre eigenen Bedürfnisse mindestens in dem gleichen Maße zu erfüllen.

Nachhaltigkeit?

Zunächst ein kleiner Crash-Kurs. Die drei großen, sich überlappenden Bereiche der Nachhaltigkeit sind Ökologie, Soziales und Ökonomie. Ersteres lässt sich unter anderem mit dem Erhalt von Biodiversität beschreiben, also dem Beibehalten der Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten sowie außerdem der kontrolliert geringen oder gestoppten Entnahme nicht-regenerativer Ressourcen. Weder Ausrottung beziehungsweise Rodung, Vergiftung durch Pestizide oder Ähnliches, noch eine übermäßige Landversiegelung, Überfischung oder die Erderwärmung sind demnach gut für die Umwelt, die selbst an die Grenzen dessen gelangt, womit sie der steigenden Anzahl an Menschen ein Leben in Saus und Braus ermöglichen kann. Die Biodiversität ist wichtig für das komplette System der Natur, deren Teil wir gezwungenermaßen sind. Kleine Einschnitte führen zu großen Auswirkungen, die langfristig auch für Menschen Katastrophen bedeuten.

Damit einher gehen auch Themen wie Gesundheit, welche durch Antibiotika in Tierfleisch aufgrund von Massentierhaltung oder die potentiellen Auswirkungen einer nuklearen Katastrophe gefährdet wird.

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Der soziale Aspekt von Nachhaltigkeit ist ebenso unverzichtbar. Mindestlohn, Versicherungen, Mitbestimmungsrecht und keine ausbeuterischen Arbeitszeiten oder Kinderbeschäftigungen sind hier zentrale Themen. Dass beispielsweise der Kampf um das für Smartphones notwendige Metall Coltan und anderen Rohstoffen, nach denen der Westen lechzt, mitunter ein Kriegstreiber des seit rund 20 Jahren wütenden Krieges im Kongo ist, entspricht in keinster Weise den sozialen Kriterien einer nachhaltigen Wirtschaft. Tatsächlich kostete der genannte Krieg bislang fünf bis sechs Millionen Menschen das Leben. Von den demografischen und psychologischen Folgeschäden ganz zu schweigen.

(Screenshot: NetMediaEurope)

Standorte der Apple-Zulieferer (Screenshot: NetMediaEurope)

Eigentlich fußt der dritte Aspekt, die Ökonomie, auf beiden Erstgenannten. Ohne Umwelt keine Ressourcen oder Menschen. Ohne Menschen keine Unternehmen. Leider werden diese jedoch der Wirtschaft, die viel jünger und konstruierter ist, häufig unterworfen. Dabei sollte die Wirtschaft doch den Menschen dienen, nicht umgekehrt. Tatsächlich mag man den Eindruck teilen, die Wirtschaft täte genau dies, schließlich war es auch das ursprüngliche Ziel des Kapitalismus. Doch das gilt größtenteils nur für Menschen in westlichen Ländern. Anderswo beutet unser Wohlstand, basierend auf Kapitalismus und Globalisierung, Millionen von Menschen aus.

Wo steht Apple?

Apples Vizepräsidentin für Umweltfragen, Lisa Jackson, ist seit kurzem auch für Politik, Menschenrechte, Bildung und soziale Initiativen zuständig. Was macht der Mega-Konzern eigentlich bislang hinsichtlich seiner ethischen Verantwortung?

Dass Apple die Energie für seine Rechenzentren aus erneuerbaren Energiequellen gewinnt, habe ich ja schon erwähnt. Insgesamt sei dieser Anteil bei Apples weltweiten Vorgängen laut des unten sichtbaren Screenshots sogar bei 87 Prozent. Auch die Reparierbarkeit des iPhone 6 ist deutlich besser als bislang, was die Lebenserwartung eines Smartphones erhöhen kann. Das sieht beim iPad Air 2 aber ganz anders aus. Dort wurden einige Bauteile verklebt, was eine Reparatur sehr erschwert.

(Screenshot: NetMediaEurope)

Der Anteil erneuerbarer Energien an Apples Stromverbrauch. (Screenshot: NetMediaEurope)

Bei Produkten wie dem iPhone 6 wurde überdies auf Stoffe wie Arsen, Beryllium, Quecksilber und Blei verzichtet. Die Apple Watch wird als Quecksilber-, PVC- und Beryllium-frei bezeichnet. Das Recycling-Programm, welches Apple in 99 Prozent der Länder, in denen Apple-Produkte verkauft werden, anbietet, schaffte von 2010 bis 2014 ferner eine Steigerung von 70 auf 75 Prozent Recycling-Quote der in den sieben Jahren zuvor produzierten Stoffmenge. Das spart Kosten und schont die Umwelt auf vielfache Weise, da weniger neue Ressourcen der Erde entnommen werden müssen. Die 140 Recycling-Partner agieren laut Apple weitestgehend lokal, um starke CO²-Emissionen durch den Transport möglichst zu vermeiden.

Auch von verbesserter Schmutzwasseraufbereitung ist bei Apple die Rede, so wird diesbezüglich in Dongghuan, China investiert. Den 12 Prozent des wieder nutzbaren Wassers aus 2013 stehen bereits 61 Prozent in 2014 gegenüber. Der Einzelfall ist Teil des Clean Water Programs, bei dem Apple zusammen mit seinen Zulieferern versucht, den Wasserverbrauch zu senken, die Wasseraufbereitung zu verbessern und illegaler Wasserverschmutzung vorzubeugen. Kraft diesen Programms wurden laut Apple hierbei 1,9 Milliarden Liter Frischwasser bei 13 Zulieferern eingespart.

Apple veröffentlichte 2014 außerdem  zum ersten Mal seine Spezifikationen für regulierte Stoffe, mit denen die Lieferkette dazu angehalten werden soll, bestimmte schädliche Substanzen zu vermeiden. Für die Zukunft setzt man sich zum Ziel in die Erforschung neuer Materialien und Technologien zu investieren. Dazu soll unter anderem ein neues Beratergremium zusammengestellt werden. Auch von Manager-Schulungen bezüglich „Luftreinhaltung und zu anderen umwelt- und sicherheitsrelevanten Themen“ ist die Rede.

Lies auch: Akku der Apple Watch muss nach drei Jahren gewechselt werden

(Bild: Gizmodo.com)

Für Mitarbeiter hat Apple das Supplier Employee Education and Development (SEED) Programm ausgeweitet und 2014 nach eigenen Angaben mehr als 2,3 Millionen Arbeiter zu Apples Verhaltenskodex geschult und über ihre Rechte aufgeklärt. 92 Prozent der Arbeiter halten außerdem die maximal erlaubte Wochenarbeitszeit von 60 Stunden ein, wobei dieser Prozentwert im September, dem Monat, in dem stets das neue iPhone veröffentlicht wird, stark sinkt. Im Schnitt, so Apple bei dieser Erfassung, kommen die Angestellten auf eine Arbeitszeit von 49 Stunden, wobei auch dieser Durchschnitt im Monat September nur knapp unter 60 Stunden liegt. Sechs Prozent der Arbeiter haben aktuell jedoch keinen freien Tag in der Woche. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf.

Bezüglich Gesundheit und Sicherheit bietet Apple eine EHS Academy (Environment, Health, Safety) an, die insgesamt 632 Werksleiter über 18 Monte hinweg schulte. Wie auch beim SEED-Programm sind zu den konkreten Inhalten allerdings keine Informationen verfügbar.

Bezüglich Kinderarbeit verfolgt Apple nach eigenen Angaben eine Null-Toleranz-Strategie und schickt Kinder auf Kosten des Zuliefererunternehmens nach Hause. Sie müssen außerdem die Schulausbildung der Minderjährigen an einer vom Kind und seiner Familie gewählten Schule vollständig finanzieren, den Arbeitslohn weiterzahlen und dem Minderjährigen nach Erreichen des gesetzlichen Mindestalters einen Job anbieten. Bei Apples 633 Überprüfungen im Jahr 2014 wurden 16 Fälle von Kinderarbeit an sechs Standorten festgestellt, was einer Quote von 0,001 Prozent entspricht. Alle Fälle wurden „erfolgreich beseitigt“, so Apple.

World of Warcraft: Das motivierende Schulsystem

(Bild: Blizzard) (Screenshot: Ubergizmo DE)

Zusammen mit der Stanford University und der Bildungsbehörde der chinesischen Provinz Henan entwickelt Apple außerdem das erste Zertifizierungssystem für Berufsschulen in China. Der Anteil an Studenten in der Lieferkette wurde außerdem auf ein bis zwei Prozent gesenkt, zusammen mit den Schülern, die ein Praktikum machen, liegt der Anteil laut Apple noch unter dem Maximalwert von 20 Prozent der Arbeiter pro Standort. Klingt trotzdem nach viel.

Die Anzahl der Schmelzwerke, die geprüft „konfliktfrei“ sind, wurde auf 135 erhöht. Hier findest du eine Liste von Apples weltweit wichtigsten Schmelzwerken, die sich allerdings auf die Metalle Gold, Zinn, Tantal und Wolfram beschränken. Tantal, so Apple, ist mittlerweile komplett konfliktfrei in Apples Lieferkette integriert. Das muss aber nicht immer positiv sein, so kann konfliktfrei bedeuten, dass nun mit einer neuen Schmelze zusammengearbeitet wird, die sich an einem wirtschaftlich und politisch unkritischen Standort befindet.

Apple macht an zwei Beispielen fest, dass es sich auch anders verhält. So wurden, wie auch beim Kontrahenten Fairphone, gezielt Schmelzwerke in Zentralafrika, beispielsweise der Demokratischen Republik Kongo, gefördert, um den Menschen dort nicht die wirtschaftliche Lebensgrundlage zu entziehen und die Arbeitsbedingungen dort zu verbessern (In der Grafik zu den Apple-Zulieferern weiter oben ist jedoch keine einzige Mine oder Schmelze in Zentralafrika verzeichnet. Selbiges gilt für andere Schmelzen, beispielsweise in Saudi-Arabien). In Indonesien wird zusammen mit der NGO „Friends of the Earth“ versucht, den Zinnbergbau besser zu verstehen sowie Sicherheits- und Besitzprobleme zu lösen.

Sieh auch: Eine Tour durch die glasigen Hallen des künftigen Apples Campus

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Über die Arbeitsbedingungen beim weltweit größten Elektronikteilehersteller Foxconn in Südostasien liest man auf diesen Seiten jedoch wenig. Foxconn geriet in den letzten Jahren häufig in Kritik, da sich unter anderem mehrere ArbeitnehmerInnen das Leben nahmen, was das Unternehmen damit besänftigte, dass der Anteil an Suiziden relativ zu den mehreren Hunderttausend Beschäftigten gering sei.

Übrigens, das neue Headquarter, das auf dem Titelbild zu sehen ist und derzeit in Cupertino entsteht, wird laut Apple zu 95 Prozent aus den Materialien bestehender Gebäude errichtet. Außerdem umgeben den Raumschiff-ähnlichen Apple-Campus 2 mehr als 7000 Bäume, von denen 6000 Bäume neu gepflanzt wurden und zum Teil auch unter Dürren bestehen werden. Coole Sache.

Die Überprüfung des Energieverbrauchs, der erneuerbaren Energien, des Wasserverbrauchs und der Treibhausgasemissionen geschah durch das Bureau Veritas, dem weltweit zweitgrößten Unternehmen für solche Zertifizierungen. Das Unternehmen warf dazu jedoch nur einen Blick auf Apples Produktionsstandorte in Shanghai, Tokyo und Prineville sowie den Hauptsitz in Kalifornien. Ansonsten wurden die Berichte und Daten Apples überprüft und ausgewertet.

(Screenshot: NetMediaEurope)

Die Schlussbilanz des Bureau Veritas zu Apples Fiskaljahr 2014. (Screenshot: NetMediaEurope)

Wohin des Weges, Apple?

Es liest sich befriedigend, was Apple in seinen jährlichen Nachhaltigkeits-Berichten publiziert. Ebenso ist dem Konzern bewusst, dass die ständig steigende Anzahl an produzierten Gadgets natürlich auch den Ressourcenverbrauch und ökologischen Fußabdruck des Unternehmens steigert. Seit 2011, so Apple, wurde die CO²-Emission je Produkt jedoch gesenkt. Das nützt aber wenig, wenn dafür ein Gadget wie die Apple Watch eingeführt wird.

Eine Apple Watch selbst verursacht während Produktion, Transport, Recycling und Kundenbenutzung etwa 50 Kilogramm CO², so Apple. Zum Vergleich: Der ökologische Fußabdruck, den jeder Erdenbürger jährlich aufweisen dürfte, um nicht über seine Verhältnisse zu leben, liegt bei etwa 2.700 Kilogramm, also einer Apple Watch pro Woche. Für ein iPhone 6 wird dagegen fast doppelt so viel CO² (95 Kilogramm) emittiert.

Der Traum von grüner Technik scheint konstruiert und – noch besser – umsetzbar. Apple setzt sich etwa seit der Zeit, seitdem das Fairphone öffentlich bekannt ist, besonders für ökologische und soziale Nachhaltigkeit ein. Für das, was unseren vorhandenen und wachsenden Wohlstand nachhaltig machen soll, werden aber trotz alledem und nach wie vor Unmengen an Ressourcen verbraucht, die die Umwelt schädigen und den Klimawandel in keiner Weise abbremsen. Der klimafreundlichste Abbau aber ist logischerweise der, der gar nicht stattfindet.

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass auch ein Streben nach vermeintlich nachhaltigeren Konsumieren nicht automatisch mit Nachhaltigkeit einherging, sondern häufig neue Probleme und darüber hinaus Rebound-Effekte beim Konsumenten erzeugte. Das neue Smartphone, das etwas weniger Strom braucht, hat schließlich zunächst dutzende Metalle über die ganze Welt transportieren, transformieren und zusammensetzen lassen. Die CO²-Bilanz des neuen Gerätes steht in keinem Verhältnis zur Energieeinsparung des Neuen und diese Rechnung kann man für viele, wenn auch nicht gänzlich alle Produkte aufstellen. Selbst wenn es nur von elektrisch betriebenen Fahrzeugen transportiert wurde, so mussten diese zunächst aufwändig gebaut werden.

Mit Rebound-Effekten ist weiterführend gemeint, dass Konsumenten ein neues, sparsameres Produkt, beispielsweise ein Elektroauto, nun womöglich intensiver nutzen, da es ja… sparsam ist! Es wäre also nichts gewonnen, solange auch der Strom wie aktuell weltweit nur zu einem Fünftel aus erneuerbaren Energien stammt.

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Auf das Gift des Überflusses, des wirtschaftlichen Wachstums würde also mit noch mehr Überfluss geantwortet, um die Worte Niko Paechs zu verwenden. Der Honorarprofessor der Universität Oldenburg ist es auch, der einen ökonomischen Gegenentwurf zu den Fängen des nicht gänzlich nachhaltigen Nachhaltigkeitsstrebens entwickelte. Die Postwachstumsökonomie sei eine Wirtschaft der Solidarität und Regionalität, die sich möglichst unabhängig macht und nur dort auf globalisierte Wertschöpfungsketten setzt, wo es wirklich nicht anders geht. Geringere Arbeitszeiten seien außerdem mitunter ein Faktor, die Wirtschaft vom Wachstumszwang zu befreien und den Menschen die Möglichkeit zu geben, nicht mehr nur für einen Konzern zu leben, sondern auch handwerklich, körperlich und gemeinschaftlich aktiv zu sein. Weniger Zwang, mehr Glück, so die Devise.

In den sauren Apfel beißen

Die Folgen dieser Ökonomie, die als konsequente Weiterführung der wahrlich lobenswerten Bestrebungen und Aktionen um Nachhaltigkeit bei Apple gesehen werden darf, wären für den erwähnten Konzern unter anderem:

– eine Produktarchitektur, die eine möglichst lange Funktion erlaubt (hier ist Apple relativ zur Konkurrenz ohnehin gut dabei, doch auch vier oder fünf Jahre Lebenszeit sind nur unserer aktuellen Gewohnheit entsprechend „gut“.)

– eine sehr gute Reparierbarkeit der Produkte (kein Verkleben, sondern Verschrauben der Bauteile. Zumindest mit dem iPhone 6 ging Apple diesbezüglich einen wichtigen Schritt, der weiter verfolgt werden sollte)

– Modularität von Gadgets (einfach wechselbare Teile wie Kamera, Akku, Display, CPU, um sich gegebenenfalls auch einem technologischen Wandel ressourcensparend anpassen zu können)

– möglichst langer Software-Support (damit ein iPhone 5 in einem Jahr nicht zum Wegwerf-Produkt wird, weil es nicht mit einem neuen Betriebssystem umgehen kann und ohne dies neue Apps nicht nutzbar wären. Apples aktuelles Mac-Betriebssystem OS X Yosemite lässt sich maximal auf einem Mac aus dem Jahr 2007 benutzen)

– die 20-Stunden-Woche (die restliche Zeit können die Angestellten nutzen, um ihre Fahrräder zu reparieren, Gemüse auf dem Campus 2 anzubauen oder die Windows-Updates benachbarter Senioren zu installieren)

– die Reduzierung der Reizüberflutung (was bei der Fülle an iOS-Apps, den 30 Millionen Songs bei Apple Music und den unzähligen Werbebannern, -plakaten und -videos sicher schwer wird)

– spezielle Software-Strukturen, die der praktischen Begleitung entschleunigter Lebensstile dienen (so etwas kann damit beginnen, dass die Software auf Nachfrage mitteilt: „Hurra, du hast keine neuen Nachrichten.“)

(Bild: Andreas Eichenseher)

Postwachstumsökonomie-Grafik aus „Befreiung vom Überfluss“ von Niko Paech. (Bild: Andreas Eichenseher)

Die Weiterführung von Apples Plänen müsse diesem Modell zufolge also weniger wachstumsorientiert sein und auf die erwähnten Punkte achten. Es ist demnach löblich, dass Apple die 250 Gramm CO², die 2008 pro Dollar Einnahme emittiert wurden, auf etwa 190 Gramm in 2014 gesenkt haben. In der gleichen Zeit hat sich der Nettogewinn des Konzerns jedoch verelffacht! Der Verdienst für die Umwelt fällt bislang absolut gesehen also leider gering aus, was nicht heißen soll, die Mühen wären umsonst gewesen – ganz im Gegenteil. Doch den vielen Initiativen für mehr Nachhaltigkeit in den letzten Jahren ging eine große Menge an Umweltschäden voraus, die aufgrund der Wachstumsbestrebungen exponentiell zunahm.

Die finanziellen Mittel, mit denen diese Initiativen gestartet wurden, sind schließlich nur Erlöse aus früheren umweltschädlicheren Produktionen und dienen mitunter der Imageaufwertung, die für mehr künftige Produktion sorgen soll. So kann es sich mittlerweile auch Amazon leisten, eine Solarfarm zu eröffnen und seinen geringen Anteil erneuerbarer Energien aggressiv zu erhöhen. Laut der Postwachstumsökonomie könne nur eine Abkehr von einer Ideologie des unendlichen Wachstums zu tatsächlicher Ressourceneinsparung führen und somit die genannten ökologischen Probleme zu lösen beginnen. Ein schädliches Wachstum muss aufgegeben werden. Und das möchte Apple doch, oder nicht?

Bitte Apple, du bist dran

In den letzten Jahren hat Apple stets Pionier-Geist bewiesen (auch wenn einige Samsung-Fans das anders sehen werden ;) ). Darüber hinaus bringt wohl kein Unternehmen derart viel ins Rollen, wie Apple, das mit seinen Produkten die Konkurrenz, die Konsumenten, die Drittanbieter und noch mehr hellhörig macht. Was Apple anpackt, so die landläufige Meinung, wird meistens gut. Umso schöner, dass Apple auch das Thema Nachhaltigkeit mit anpackt, hier kann es sich in einer neuen Dimension beweisen und fortführen, was es in den letzten Jahren erfolgreich begann. Die Welt wartet.

Ach, übrigens: Wer nicht warten möchte, kann natürlich einfach selbst loslegen. Meine Tipps: Benutz deine Geräte so lange wie möglich und suche im Zweifelsfall erst einmal Reparaturservices auf (es gibt auch kostenlose repair.cafés).

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  1. deine klitzekleinen kritischen einwürfe, die dir wahrscheinlich viel überwindung gekostet haben, um zu versuchen, einen hauch von glaubwürdigkeit zu hinterlassen, gehen in der lobeshymne fast unter :) für tiefgründigere leser ist der artikel zu einseitig und unkritisch, fast naiv.

    am ende habe ich fast den eindruck, apple sei ein gemeinnütziger verein. aber das ist ja die fifa auch. von daher … :)

    muss dich enttäuschen. ich bin kein samsung-lover. man muss nur bereit sein, die dinge zu hinterfragen.
    apple verkauft sich gern als der ökologischste, nachhaltigste, ethischste, konzern auf der ganzen welt und trotzdem steigen jährlich die bargeldreserven und die renditen sind für die großen anleger höchst zufriedenstellend. man muss in diesen bereichen auch nur ein kleines bisschen besser sein, als die anderen, dann stimmt das auch. genau das macht apple, und nicht mehr. man kann das kleine bisschen vergöttern, man kann es auch kritisch hinterfragen.
    es sind dieselben fabriken und zum großen teil dieselben zulieferer, wie bei anderen marken. und trotzdem will apple der gute junge inmitten der bösen buben sein.

    Andreas Eichenseher, den artikel minus der 1-2 kurz gehaltenen kritischen anmerkungen kannst du an das apple-marketing verkaufen. von einem journalisten erwarte ich was anderes.

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