Pebble Time im Test – der Smartwatch-Underdog schlägt sich prächtig

(Bild: Andreas Donath)

Mit Smartwatches verbinden viele Nutzer kurze Akkulaufzeiten, wenig Nutzen in der Praxis und vor allem hohe Preise. Muss das alles sein? Nein, beweist Pebble mit der neuen Smartwatch Pebble Time, die wir für euch ausprobiert haben. Die Uhr besitzt ein E-Ink-Display und hält damit angebliche eine Woche aus. Zudem spielt sie im Team mit iOS und Android.

Pebble Time

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Pebble Time am Handgelenk

Die Pebble Time in der Kunststoffversion sieht in der grauen Fassung recht unscheinbar aus, und das ist auch gut so: Viele Smartwatches fallen vor allem durch ihr klobiges Äußeres auf – was bei der Pebble Time definitiv nicht der Fall ist. Sie erinnert auf den ersten Blick an eine LCD-Uhr aus den 80er Jahren, auch wenn diese keine Farbdisplays besaßen.

Matt, aber stromsparend: Das Display

Das Display ist es, was die Uhr im besonderen Maße von Ihresgleichen unterscheidet: Es ist ein E-Ink-Modell, das sehr stromsparend ist, weil es im Gegensatz zu LCD Modellen unbeleuchtet ist. Vielmehr reicht es, wenn Licht auf das Display scheint, um darauf etwas erkennen zu können. Für die Nacht gibt es natürlich auch eine LED, die anspringt, wenn man eine der Tasten drückt oder das Handgelenk etwas ruckartig dreht. Der Beschleunigungsmesser in der Uhr macht’s möglich.

Das Display (1,25 Zoll) ist aufgrund der eingesetzten Technik aber keineswegs so brilliant wie das der Apple Watch sondern wirkt etwas matt und kontrastarm. Zudem stellt es nur 64 Farben dar – was natürlich für Fotos nicht reicht, aber wer will eigentlich Bilder am Handgelenk betrachten? Einen Touchscreen wie die Vertreter aus dem Android-Wear- oder Apple-Watch-Lager besitzt die Pebble Time übrigens auch nicht. Zur Bedienung müssen die vier Knöpfe an den Seiten ausreichen.

Auf dem MWC 2015 konnten wir bereits einen ersten Blick auf die Pebble Time Steel werfen:

Die Bedienung

Die Pebble Time besitzt insgesamt vier Knöpfe – einen auf der linken und gleich drei auf der 9 mm hohen Gehäuseseite. Sie lassen sich sehr gut eindrücken und gegen ein ordentliches taktiles Feedback. Das erlaubt es, die Uhrfunktionen auch ohne Hinsehen zu bedienen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber den Touchscreen-Brüdern.

(Bild: Pebble)

Der linke Knopf führt immer wieder zurück – zum Beispiel zum Menü aber auch innerhalb von verschachtelten Apps eine Ebene höher. Das lässt sich leicht merken. Auf der rechten Seite befinden sich die drei Knöpfe, mit denen die namensstiftende Zeitleiste gesteuert wird. Die Pebble Time zeigt alles chronologisch an – der obere Knopf führt in die Vergangenheit und der untere in die Zukunft. Entlang dieser Zeitschiene werden Ereignisse, Todos, Benachrichtigungen, Anrufe, der Wetterbericht und was Apps sonst noch dort platzieren, untergebracht. Das mag erst einmal verwirrend sein – weil das Konzept so andersartig ist. Mit der Zeit erschließt sich jedoch sehr gut der Nutzen:

Die Pebble Time will nicht der Minibildschirm des Smartphones sein sondern den Benutzer nur über das Wichtigste informieren. Auch müssen keine Apps geöffnet werden, um lediglich ein paar Infos abzurufen.

Die Apps

Natürlich gibt es auch Apps für die Uhr – und zwar sehr viele, weil Pebble die Kompatibilität zur ersten Smartwatch gewahrt hat. Alle Apps laufen auch auf der Pebble Time. Im App Store, der nur über die zur Pebble gehörige iOS- und Android-App erreicht werden kann, finden sich über 6.000 Einträge. Mit dem mittleren Knopf wird das App-Auswahlmenü geöffnet.

(Bild: Pebble)

Das Angebot der farbfähigen Apps mit Timeline-Unterstützung ist hingegen noch recht gering. Kein Wunder, die Uhr ist erst seit kurzem auf dem Markt. Herausragende Beispiele für Pebble-Apps sind Evernote, Tripadvisor, die App des Sportsenders ESPN, der Fitnesstracker von Misfit und der Lichtschalter für das Philips Hue System. Sogar Spiele gibt es. Einige Apps funktionieren nur mit der iOS- bzw. Android-App auf dem iPhone, iPad oder Android-Gerät zusammen und ziehen ihre Daten per Bluetooth LE. Damit ist die Uhr mit dem mobilen Endgerät verbunden – und das war es dann auch schon. WLAN, NFC oder gar GPS gibt es nicht. Für Ortsinformationen nutzt die Uhr den GPS-Chip im mobilen Gerät. Das klappt erstaunlich gut, wie Apps wie Maptastic und Tripadvisor zeigen.

(Bild: Pebble)

Im App Store gibt es auch die Watchfaces – also die Zifferblätter für die Smartwatch. Viele sind nur Schmuckwerk und zeigen mehr oder weniger hübsch die Uhrzeit an. Wer Strom sparen will, besorgt sich eine Ziffernblatt ohne Sekundenanzeige, denn dadurch muss das Display ständig aktualisiert werden, was akkuzehrend ist. Ein besonders gutes Watchface ist YWeather, das auch die aktuelle Temperatur und – gegen einen Obulus – auch die Wettervorhersage einblendet. Sogar Sonnenauf- und Untergangszeiten, die Höchst- und Tiefstemperaturen und die Windgeschwindigkeit werden angezeigt. Dabei greift die Uhr auf die Ortsdaten und einen Wetterdienst zu, den sie über die iOS- oder Android-App erreicht und halbstündlich aktualisiert.

Die Uhr macht sich mit einem Vibrationsalarm bemerkbar – und das ziemlich deutlich. Auf flachem, harten Untergrund liegend hört man sie sehr gut, und am Handgelenk merkt jeder, dass eine Benachrichtigung eingetroffen ist. Wer will, kann in den Einstellungen eine Ruhephase festlegen, in der kein Alarm ausgelöst wird.

Unter Android macht die Uhr eine bessere Figur

Unter iOS sind die Funktionen der Uhr etwas eingeschränkt. Was das iOS-Gerät in der Benachrichtigungszentrale ausgibt, wird an die Uhr weitergeleitet. Der Anwender kann lediglich in den Einstellungen von iOS bei jeder App einstellen, ob sie sich melden soll oder nicht. Unter Android können die Benachrichtigungen wesentlich feiner justiert werden.

(Bild: Andreas Donath)

Eingehende SMS und Anrufe meldet die Smartwatch sowohl bei iOS als auch bei Android – doch nur bei Android kann der Nutzer auf die SMS antworten. Dazu spricht er einfach die Antwort ein, eine Spracherkennung der Pebble-App setzt sie in Text um, der dann von der Uhr aus über das Smartphone verschickt wird. Das klappt unglaublich gut. Eine deutsche Sprachversion ist schon jetzt vorhanden. Alternativ können wie bei der Apple Watch auch einige vorgefertigte Antworten ausgewählt und abgeschickt werden. Eine Bildschirmtastatur fehlt, so dass es keine weiteren Eingabe- oder gar Korrekturmöglichkeiten gibt.

Die Akkulaufzeit

Zugegeben: Wir haben die Uhr gequält, aber es nicht geschafft, sie an einem Tag leerzuspielen. Selbst bei starker Beanspruchung durch etwa 40 Mitteilungen am Tag, aktiviertem Fitnesstracker und ständiger Bluetooth-Verbindung hielt der Akku, der zuvor auf 100 Prozent geladen wurde, immerhin im Schnitt 5 Tage aus. Das ist etwas weniger als die von Pebble versprochene Woche doch immer noch genug, um ganz vorn mit dabeizusein. Die Edelstahlversion der Uhr soll einen etwas größeren Akku besitzen und dann vielleicht wirklich eine Woche halten. Geladen wird die Uhr mit einem USB-Kabel, das mit einem Magneten hinten am Gehäuse gehalten wird – doch das Teil ist eine Fehlkonstruktion, die bei leichten Bewegungen abfällt. Wer die Uhr laden will, sollte deshalb auf den richtigen Sitz achten und sie nicht verschieben. Erfreulich schnell ist der Akku selbst bei Leerstand wieder voll. Es dauert nicht länger als eine Stunde, bis die Uhr wieder 100 Prozent anzeigt.

Fazit

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Wer von einer Smartwatch nicht telefonieren sondern schlicht seltener sein Smartphone aus der Hosentasche ziehen will, um den Grund für die Benachrichtigung zu erfahren oder seinen Terminkalender einzusehen, liegt mit der Pebble Time goldrichtig – wenn man Android-User ist. Denn nur hier gibt es auch die Möglichkeit, auf eingehende SMS zu antworten – und das spart im Alltag schlicht viel Zeit. iOS-Benutzer haben davon bislang nichts. Das heißt aber keinesfalls, das die Uhr für Apple-Freunde unbrauchbar ist. Ganz im Gegenteil – wer Apps hat, die sinnvolle Benachrichtigungen auswerfen und einen ordentlich gepflegten Kalender besitzt der profitiert von dem kleinen Display am Handgelenk. Ob die Apps im Einzelfall etwas bringen, hängt vom Nutzungsprofil ab. Wir schalten seitdem unsere Hue-Lampen vom Handgelenk an und aus.

Mit 250 Euro ist die Uhr allerdings recht teuer, doch der Markt wird schon dafür sorgen, dass der Preis auf ein erträgliches Niveau fällt.

(Bild: Andreas Donath)

Pro- und Kontra

plusLange Akkulaufzeit
plus viele Apps
plus geniales Zeitleistenkonzept
plusSpracherkennung unter Android

minusziemlich kontrastarmes Display
minusmiese Aufladehalterung
minusiOS-Unterstützung noch etwas mau
minusrecht teuer.

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