Smartphone-Diagnose: Depression

(Bild: Shutterstock)

Forscher aus Chicago und Michigan versuchen Depressionen frühzeitig zu erkennen. Was ihnen dabei helfen soll? Die kleinen und großen Smartphones, die so viele von uns tagtäglich mit sich herumschleppen. Erste Untersuchungen deuten dabei tatsächlich auf einen Erfolg hin. Wie toll - wie gruselig.

Seit Smartphones in den letzten Jahren verstärkt Satelliten erhalten haben, die an den Handgelenken oder Oberkörpern mancher Nutzer sitzen und Daten wie den Puls aufzeichnen, hielt das Mobiltelefon auch mehr und mehr Einzug in den Gesundheitssektor. Nun denken Forscher gar daran, die Gadgets bezüglich Depressionen einzusetzen: und zwar als Frühwarnsystem, das passiv das Verhalten des Smartphone-Besitzers aufzeichnet.

Wirklich beschäftigt hat sich mit dieser Idee bislang lediglich eine explorative Studie in den USA. Deren Ergebnisse sollen jedoch zuversichtlich machen. Die Forscher testeten zunächst 40 Freiwillige mittels eines Standardfragebogens auf eine Depression. Daraufhin wurde sämtlichen Personen eine App auf deren Smartphone installiert, die via GPS den Standpunkt sowie die Häufigkeit der Smartphone-Benutzung aufzeichnete.

Zwei Wochen später wurden die Daten ausgewertet und mit Modellen verglichen. In der Tat ermittelten die Forscher eine Korrelation, so verbrachten Probanden mit einem Risiko für eine Depression mehr Zeit zuhause und benutzen ihr Smartphone viel häufiger. Letztlich sei es laut dem Forscherteam möglich, mittels dieser App eine Depression mit 87 Prozent Genauigkeit vorherzusagen. Nicht schlecht für den ersten Versuch.

Allerdings unterliegt die Studie auch einigen Restriktionen, die den Forschern natürlich bewusst sind. So ist sie beschränkt auf eine kurze Zeitperiode sowie ein enges demografisches Feld und macht außerdem (bislang) keine Aussagen darüber, was die Probanden denn überhaupt so lange mit ihren Smartphones taten. Es dürfte schließlich ein Unterschied sein, ob jemand sein Mobilgerät des Abarbeitens von Firmenmails wegen besonders lange nutzt, oder weil er beim Bus-Simulator 2015 einen neuen Schwenkbus fahren darf.

Insgesamt beweist die Studie aber dennoch das Potential von Smartphones in der Diagnose mentaler Gesundheitsangelegenheiten und was unser Verhalten respektive Umgang mit den mittlerweile zur Normalität gewordenen Gadgets alles über uns verraten kann. Ich blicke darum sowohl interessiert, der Forschungsmöglichkeiten wegen, als auch kritisch auf die Studie, da sie eine weitere Interpretation von persönlichen Daten erlaubt, die in den falschen Händen, beispielsweise beim Arbeitgeber oder Versicherer, für viel Unmut sorgen können. Vor allem, wenn sie nicht zu 100 Prozent korrekte Aussagen über die Wirklichkeit machen.

Wie ärgerlich sich diese Überwachung durch Fremde anfühlt, vor allem, wenn daraus intime und falsche Schlüsse über die eigene Person gezogen werden, kannst du übrigens hier nachlesen und auch selbst ausprobieren: „Do Not Track – die interaktive Webdoku von Arte und BR im Selbstversuch„.

Tags :Quellen:Bild: ShutterstockVia:Sean Buckley, Engadget

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