E-Bikes: Shimano Steps im Praxistest

(Foto: Übergizmo.de)

Wer heute in einen Fahrradladen geht und sich auf die Suche nach einem E-Bike macht, wird fast erschlagen von der Fülle an Angeboten. Waren die motorisierten Räder einst vor allem als Modelle für ältere Herrschaften zu haben, gibt es heute auch Cross- und Mountainbikes mit Verstärkung unter dem Hintern. Weitaus geringer als die Auswahl an E-Bike-Modellen ist die Auswahl an Antriebssystemen. Ein System aber kann mit einer Vielzahl an Bikes kombiniert werden. Ein solches System, das Steps von Shimano, durfte ich in den letzten Wochen an einem Trekkingbike testen.

Shimano Steps

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Der Fahrradcomputer zeigt die Geschwindigkeit an ...

Das Shimano Steps System

Das Herzstück des Systems Shimano Steps ist natürlich der Motor. Er wiegt 3,2 Kilogramm und ist damit etwas leichter als andere herkömmliche Motoren. Angesteuert wird er über einen übersichtlichen Schalter am Lenker, der auch die Lichtanlage steuert. Ein weiterer Schalter bedient die elektrisch gesteuerte Nabenschaltung zum Wechseln der Gänge. Der Fahrradcomputer gibt eine Übersicht über das System. Die Power liefert schließlich der Akku, der, je nach System, am Rahmen oder unter dem Gepäckträger eingebaut ist und sich mit einem Schlüssel entfernen und mit einem Ladegerät an jeder beliebigen Steckdose laden lässt. Ebenfalls am Akku befindet sich ein dezenter Knopf, um das ganze System zu starten.

Der Motor

Der Motor bietet 250 Watt Leistung und drei Unterstützungsstufen, die über einen Schalter am Lenker eingestellt werden: niedrig (eco), normal und hoch. Ebenfalls über denselben Schalter wird die Schiebeunterstützung aktiviert. Sie ist praktisch, um das Fahrrad bei Schrittgeschwindigkeit einen steilen Berg oder Treppen hochschieben zu können.

Im Eco-Modus fällt die Unterstützung noch recht schwach aus, hier kann der Motor seine Leistung noch nicht zeigen. Eines aber wird schnell bemerkbar: das Leise Summen der Antriebseinheit. Störend ist das nicht – dennoch hört jeder Mitradler bei einer Tour sofort, wenn jemand den Motor an seinem Fahrrad aktiviert. Schummeln ist also nicht möglich! Bei normaler und hoher Unterstützung kann der Motor zeigen, was in ihm steckt. Auf gerader Strecke ist so die Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h locker und ohne Kraftanstrengung erreicht. Bergauf wird es im Normal-Modus bei großen Steigungen etwas anstrengend, bei hoher Unterstützung radelt man aber locker und mühelos an allen nicht motorisierten Radlern vorbei!

Verglichen mit anderen Systemen (etwa von Bosch) fällt mit beim Shimano Steps auf: Vor allem bei schwereren Gängen lässt die Leistung nach, das Fahrrad zieht nicht so stark, wie gewünscht. Einen Pluspunkt erhält das Steps-System dafür für die sanfte, ruckelfreie Beschleunigung, die das Fahren mit dem E-Bike zu einer äußerst komfortablen Angelegenheit macht.

Die Gangschaltung

Auch die Gangschaltung (je nach Modell acht oder elf Gänge) funktioniert hervorragend und schaltet fast ruckelfrei. Die Gänge springen während der Fahrt und auch bei Steigungen und starker Belastung in Sekundenschnelle hoch und runter. Tolles Feature: Ist man in einem hohen Gang unterwegs und hält dann an, schaltet das System automatisch in den dritten Gang, um das Anfahren zu erleichtern. Panisches Runterschalten beim Zurollen auf eine Ampel gehört so der Vergangenheit an! Da die Gänge elektrisch gewechselt werden, funktioniert die Schaltung natürlich nur, wenn das System eingeschaltet ist beziehungsweise der Akku noch Saft hat.

Die Akkuleistung

Sorgen machen muss man sich beim Steps-System allerdings nicht, dass der Akku zu schnell schlapp macht: Laut Herstellerangaben reicht er für 60 Kilometer bei starker Unterstützung, 85 Kilometer bei mittlerer Unterstützung und satte 125 Kilometer im Eco-Modus. Mein Praxistest hat diese Werte auch im Großen und Ganzen bestätigt. Geladen wird der Akku in rund vier Stunden, und auch das An- und Abmontieren am Fahrrad ist kinderleicht. Leider ist der Akku nicht nur schwer, sondern auch deutlich zu sehen, da ziemlich groß. Wenn schon das Summen des Motors das E-Bike nicht verrät: Der Akku tut es bestimmt!

Der Fahrradcomputer

Der übersichtliche und fest montierte Fahrradcomputer zeigt nicht nur den Akkustatus und die noch zu erwartende Reichweite an, sondern auch andere Daten wie Geschwindigkeit, Uhrzeit, zurückgelegte Strecke – und natürlich den gewählten Gang.

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Fazit

Zugegeben: Der Motor des Steps-Systems könnte etwas stärker sein. Gerade bei starken Steigungen oder hohen Gängen gerät er – so mein subjektives Gefühl – schneller als andere Antriebssysteme an seine Grenzen. Dafür aber schaltet er sich reibungslos zu und unterstützt das Fahren ruckelfrei. Die perfekte Gangschaltung macht das bequeme und super komfortable Fahrerlebnis perfekt. Auch die Akkuleistung kann sich mit einer Maximalreichweite von 125 Kilometern absolut sehen lassen! Der Motor ist verglichen mit anderen Systemen recht kompakt geraten, der Akku leider nicht. So bringt ein mit dem Steps-System ausgerüstetes Fahrrad ordentlich Gewicht auf die Waage. Die maximal mögliche Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht man dank Motorunterstützung zwar problemlos – danach wird es aber anstrengend, mit dem Rad höhere Geschwindigkeiten zu erreichen, schließlich muss einiges an zusätzlichem Gewicht bewegt werden. Aber das ist ein Problem, das (noch) alle E-Bikes haben. Von diesem generellen Manko einmal abgesehen, macht das Shimano Steps System seine Sache aber ziemlich gut: So macht E-Bike-Fahren Spaß!

Pro / Con

plusplusPerfekter Wechsel der Gänge

plusplusHervorragende Akkuleistung

plusUnterbrechungsfreies Zuschalten des Motors

plusGroßer Fahrspaß

minusMotor könnte stärker und leiser sein

minusAkku sehr groß und schwer

Tags :
  1. Angeblich soll das mit der Schwachen unterstützung in den oberen Gängen so gewollt sein. :
    “ Die Kraft des „Steps“-Systems zeigt sich nur, wenn man auch richtig schaltet. Nur in den unteren Gängen steht ein vom Start weg sattes Drehmoment zur Verfügung. Im oberen, achten Gang unterstützt der Motor kaum noch. Die Idee dahinter: Das E-Bike soll nicht Motorrad sein, sondern Fahrrad bleiben. Letztlich soll der Fahrer zum aktiven Mitschalten angeregt werden. Das ist effizienter, materialschonender und generiert mehr Reichweite. Auch an anderer Stelle demonstriert Shimano seinen eigenen Weg“

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