Fleetize im Test: Fahrzeugortung zum Nachrüsten

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Ein deutsches Start-Up namens Fleetize bringt Fahrzeugortung, Fahrtenbuch und Co. zum Nachrüsten für jedes Auto. Wir haben ein Modul zugeschickt bekommen und erzählen euch, was wir davon halten.

Fleetize im Detail

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Fleetize - Fahrzeugortung zum Einstecken
(Bild: übergizmo)

Ein kleiner Stecker soll jedes Auto smarter machen. Der Stuttgarter Hersteller Fleetize hat sich mit seinen Modulen im Business-Bereich bereits einen Namen gemacht. Nun wird der Normalbürger ins Visier genommen.

Wer oder was ist Fleetize?

Fleetize bezeichnet ein kleines Modul, welches über den Diagnoseanschluss des Autos angesteckt wird. Es verfügt über eine SIM-Karte und kann über die hauseigene Website oder App (iOS und Android) ausgelesen werden.

Ziel von Fleetize war es ehemals den Fuhrpark von Unternehmen besser zu kontrollieren. Das läuft nach eigenen Angaben bereits sehr gut, sodass Fleetize sich nun auch zum individuelleren Kunden traut.

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Sowohl für Privat- als auch Unternehmenskunden gestaltet sich Fleetize ähnlich. Das Modul liest Daten wie den Standort (GPS) des jeweiligen Autos, bietet einen Überblick über gefahrene Routen und dient sogar als offizielles Fahrtenbuch. Viele weitere Funktionen lest ihr im folgendem Text im Detail.

Wir testen das Business-Modell

Nachdem Fleetize bisher nur eine Business-Version anbietet, haben wir natürlich auch nur diese getestet. Vom Funktionsumfang wird sich das bisherige Produkt aber nicht vom Modell für Privatkunden unterscheiden. Also fangen wir mal an.

Das Modul von Fleetize ist kaum größer als eine halbe Zigarettenschachtel. Angesteckt wird es an den Diagnoseanschluss des Autos, der sich irgendwo im Innenraum befindet. Danach ist Fleetize tatsächlich sofort einsatzbereit.

Bevor es losgeht, muss Fleetize kurz eingerichtet werden.

Bevor es losgeht, muss Fleetize kurz eingerichtet werden.

Nach einer überraschend simplen Installation des Moduls muss nun die App beziehungsweise der Account über die Website eingerichtet werden. Einen Nutzernamen und ein Passwort bekommt der Kunde zugeschickt, diese können natürlich individuell geändert werden.

Wer sich erstmalig mit seinem Account einloggt, bekommt sofort sein erworbenes Modul zugewiesen. Hier muss einmalig zugestimmt werden, dass Fleetize das Auto „modifiziert“ hat. Auf Nachfrage beim Hersteller wurde uns aber bestätigt, dass dies keine Auswirkungen auf die Garantie des Fahrzeuges hat.

Über den Account können Kennzeichen, ein Bild des Autos und der Kilometerstand individualisiert werden. Wichtige Daten wie die Position des Autos können nicht verändert werden. Tja und das war es auch schon, Fleetize ist voll einsatzbereit.

Ein paar Klicks und schon ist Fleetize einsatzbereit.

Ein paar Klicks und schon ist Fleetize einsatzbereit.

Die Funktionen von Fleetize

Dem Kunden stehen bei Fleetize sehr viele Funktionen zur Verfügung, die unsere Erwartungen fast schon übertroffen haben. Hierzu deshalb ein geordneter Überblick:

Standortverfolgung und Routenverläufe

Im Business-Modell lässt sich diese (Haupt-)Funktion einfach nachvollziehen. Der Unternehmer möchte wissen, wo sich seine Fahrzeuge und Mitarbeiter aufhalten. Hier kann beispielsweise eingesehen werden, ob das Lieferfahrzeug die richtige Route genommen hat, ob der Mitarbeiter das Auto für seine Freizeit nutzt oder ob das Auto länger an einem Standort parkt, als es vielleicht geplant war. Das bedeutet natürlich für den Mitarbeiter hauptsächlich eines: Kontrolle, Kontrolle und nochmals Kontrolle. Der Unternehmer spart sich hingegen Kosten, kann Routen vom Schreibtisch aus optimieren und weiß immer genau, wo seine Fahrzeuge stehen.

Doch auch der Privatkunde soll von dieser Funktion profitieren. Hier plant Fleetize vor allem die Überwachung von Fahranfängern durch die Eltern. Hier steht vor allem eine Frage im Raum: Ist das Kind an Orten unterwegs, wo es nicht sein sollte?

Welche Strecke bin ich gefahren? Fleetize zeigt jede einzelne Route im Überblick.

Welche Strecke bin ich gefahren? Fleetize zeigt jede einzelne Route im Überblick.

Doch beispielsweise könnte auch nachvollzogen werden, ob die Frau bald vom Einkauf zurückkehrt, ob der Mann brav auf der Arbeit parkt oder ob das Auto an einem ungewöhnlichen Ort steht – Stichwort Seitensprung.

Zusätzlich kann Fleetize aber auch für die Fahrzeugsuche genutzt werden. Diese Funktion hatte vor allem ich im Test oft genutzt. Denn wer sein Auto in fremden Städten parkt, weiß nach dem Einkauf oder Termin oft nicht mehr genau wo er das Auto genau abgestellt hat. Ein kleiner Blick auf die Karte in der App und schon findet sich das Auto wesentlich schneller wieder.

Alarm-Feature

Nicht ganz eine der wichtigsten Funktionen, aber gerade zur Vorherigen passend. Mit Fleetize können Alarme programmiert werden. Hier kann ein Warnsignal auf dem Smartphone empfangen werden, wenn das Auto beispielsweise zu schnell unterwegs ist (Fahranfänger), wenn es einen bestimmten Ort erreicht hat (Lieferdienst), wenn es eine Kilometergrenze überschritten hat oder wenn es unaufgefordert einen Standort verlassen hat (Diebstahl).

Fahrtenbuch

In meinen Augen stellt das Fahrtenbuch eine der hilfreichsten Funktionen von Fleetize dar. Denn dieses wird automatisch geführt, ist rechtlich sogar abgesegnet und kann einfach als .pdf oder Excel-Datei exportiert werden. Egal ob Firmenwagen mit privater und gewerblicher Nutzung oder ein reines Dienstfahrzeug, Fleetize sammelt alle nötigen Daten und wertet sie aus.

Keine unnötigen weiteren Fahrtenbuch-Apps, keine Zettel zum ausfüllen. Meiner Meinung nach ein fantastischer Mehrwert, wenn man sich Fleetize sowieso anschaffen möchte.

Wann wurde geparkt, wie lange hat die Fahr gedauert? Die Routen lassen sich im Detail auslesen.

Wann wurde geparkt, wie lange hat die Fahr gedauert? Die Routen lassen sich im Detail auslesen.


Zu den bereits erwähnten Features gesellen sich noch weitere Unterfunktionen wie eine Fahrten-Historie, eine Optimierungs-Funktion und eine Standortverwaltung.

Bei der Fahrtenhistorie lassen sich beispielsweise einzelne Tage, Zeiträume, oder Monate nachträglich einsehen. Bei jedem Parkvorgang des Fahrzeuges errechnet Fleetize einen Zwischenstopp der Route und kennzeichnet diesen. So lassen sich über Monate, Tage oder Stunden gezielt ganze Routen oder Teil-Routen einsehen.

Bei der Optimierung scheiden sich meiner Meinung nach die Geister. Für meinen Geschmack lässt sich durch Fleetize nur eine Sache optimieren, der Spritverbrauch. Denn über die Routenverfolgung lassen sich Strecken optimieren. Das ist eine feine Sache, bietet jedoch auch folgenden Nachteil: Unternehmer sehen genau, ob sich nicht auch am Personal sparen lässt. Denn eine optimierte Route heißt vor allem, dass man aus Sicht des Chefs weniger Personal benötigt, welches die gleichen Strecken bei geringerem Spritverbrauch abfahren kann.

Zum Thema Standortverwaltung hatte ich bereits unter dem Punkt „Alarm“ einige Möglichkeiten genannt. Grundsätzlich lassen sich GPS-Koordinaten festlegen. Werden die gewünschten Punkte erreicht, erhält man eine Benachrichtigung. Egal ob der Lieferant also am Ziel ist, oder der Ehemann beim Techtelmechtel mit der Nachbarin informiert wird, dass die Ehefrau noch 15 Minuten bis zum Eigenheim braucht, Fleetize piept.

Datenschutz – Hilfe, meine Daten!

Mir persönlich war es wichtig in Erfahrung zu bringen, ob Fleetize sicher ist. Nun, meine Antwort lautet: Ja, in meinen Augen macht der deutsche Hersteller in Bezug auf Datenschutz alles richtig.

Das Rechenzentrum mit Servern befindet sich an einem deutschen Standort. Die Daten werden nur innerhalb Deutschlands übertragen. Ausnahme: Ihr befindet euch im Ausland, aber das kann man sich denken.

Die Daten eurer Fahrzeuge werden verschlüsselt und kommen nur als Koordinaten- und ID-Salat direkt auf euer Smartphone. Hier werden sie dann entschlüsselt und in Grafiken und Kalendereinträge übersetzt. Auf den Fleetize-Servern werden diese Daten natürlich zwischengespeichert, sodass ihr sie zu einem späteren Zeitpunkt einsehen könnt. Mit einem deutschen Standort wirkt das Ganze aber eher vertrauenserweckend.

Selbst die Hotline von Fleetize hat einen deutschen Standort und kann sich mit euren Problemen sofort auseinandersetzen. Hier handelt es sich übrigens um sehr freundliches Personal wie ich in anonymen Testanrufen erfahren habe.

Hier würde mich auch eure Meinung interessieren: Hättet ihr Angst eure Fahrzeugdaten als Zahlencodes einem fremden Server anzuvertrauen? Wenn ja, welche Konsequenzen könntet ihr euch vorstellen, etwa bei Missbrauch durch einen Hack?

Die Zukunft von Fleetize für Privatkunden

Fleetize‘ „B2C“-Modell, also Privatkunden-Angebot, steht noch in den Startlöchern. Einen genauen Termin konnte uns noch keiner nennen. Die Funktionen sind jedoch weitestgehend bereits klar.

So will der Hersteller vor allem seine Preise auf den Privatkunden anpassen. Wo der Business-Kunde monatlich ordentlich zahlen muss (ab 20€/Monat), soll der Normalo ohne Vertragsbindung mit einer Prepaid-Zahlung zufrieden gestimmt werden. Denn die Module von Fleetize enthalten natürlich eine SIM-Karte, die gezahlt werden will.

Von den Funktionen werden sich das B2B- und B2C-Modell, wie bereits weiter oben geschrieben, ziemlich gleichen. Natürlich sollen die einzelnen Funktionen aber auf den Nutzen für Privatpersonen angepasst werden.

Neu könnte beispielsweise eine Mitfahrgelegenheiten-Funktion für Privatfahrzeuge sein. Zudem will Fleetize die Ortung von Elektrogeräten ausweiten. So sollen nicht nur Autos, sondern auch Smartphones, Tablets oder Laptops mit Fleetize geortet werden. Alles über eine IMEI-Nummer des jeweiligen Gerätes. Das klappt grundsätzlich aber bereits jetzt schon in der Business-Variante.

Fazit

Fleetize ist so einfach zu bedienen, wie das Öffnen einer Autotür. Jede einzelne Funktion erklärt sich quasi von selbst, die Installation des Moduls im Auto ist selbst Kleinkindern zuzutrauen.

Auch das Paket mit seinen einzelnen Funktionen überzeugt. Gerade in Hinblick auf Fahrtenbuch, Alarme und Standortortung bietet Fleetize nicht nur für Geschäfts-, sondern auch für Privatkunden einen tollen Mehrwert. Hier stellt sich natürlich nur die Frage: Steht ihr darauf die NSA zu spielen? Dann kauft euch Fleetize, das klappt hervorragend. Oder wollt ihr Fleetize, um tatsächlich die eigenen Kosten zu optimieren und eure Kinder vor unvorsichtigem Fahren zu schützen? Auch dann kauft euch Fleetize.

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In meinen Augen kann Fleetize viele Aspekte des Autofahrens optimieren. Die Daten des Autos sind schließlich sowieso vorhanden und werden über das Modul endlich auch dem Kunden zur Verfügung gestellt. Andererseits kann man mit dem Modul wahrscheinlich auch eine ganze Menge Missbrauch anstellen. Hier fallen Stichworte wie Fremdgehen im Privathaushalt oder Geldgier durch Kostenreduktion in der Geschäftswelt.

Doch von allen versprochenen Funktionen her gesehen, erfüllt Fleetize alles, was es können soll. Deshalb gibt es von mir die vollen fünf von fünf Sterne im überrank.

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Pro und Contra

plusKinderleichte Einrichtung

plusApp und Website sehr einfach zu bedienen

plusViel Mehrwert (für den passenden Kunden)

plusFunktioniert mit iOS und Android (Tablet und Smartphone)

plusVerhältnismäßig hoher Datenschutz

minusMöglicher Missbrauch durch Kontroll-Freaks und Co.

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