Firefox nimmt API-Änderung vor und die Entwickler ärgern sich

(Grafik: Firefox)

Der Firefox-Browser soll sicherer und das Add-on-System zeitgleich einer Frischzellenkur unterzogen werden. Das gefällt einigen Entwicklern allerdings gar nicht, denn sie reagierten auf die Ankündigung von Mozilla mit Verärgerung. Der Grund? Die APIs XPCOM und XUL sollen ausgemustert werden.

Browsertest: Chrome 40, Firefox 36, Internet Explorer 11 und Safari 8 im Benchmark-Test

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Der gerade vorgestellte Firefox 36 kann sich im Peacekeeper-Test von Futuremark an die Spitze setzen. Beim letzten von ZDNet durchgeführten Test im Oktober 2014 musste sich Firefox 33 knapp hinter Chrome 38 und Safari 8 geschlagen geben. Der Internet Explorer 11 kommt nur auf 2762 Punkte und ist damit das Schlusslicht. Auffällig an den Ergebnissen ist zudem, dass Firefox unter OS X deutlich fixer zu Werke geht als unter Windows. Vergleichsmessungen mit Opera und dem neuen Vivaldi-Browser haben ergeben, dass sie sich von Google Chrome - auf dessen Technik die beiden basieren - hinsichtlich Performance so gut wie nicht unterscheiden. Daher fehlen die beiden Kandidaten in der Grafik.
Grafik: ZDNet

In einem Blogeintrag beleuchtet der Firefox Desktop-Manager Kev Needham die Hintergründe für die Ablösung von XPCOM und XUL durch Electrolysis und Servo. Man wolle die Prüfzeit neuer Add-ons reduzieren und für dieses Vorhaben seien vier Maßnahmen notwendig.

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Erstens schafft Mozilla eine neue Programmierschnittstelle (API) für Erweiterungen, die WebExtensions heißt und zu den Modellen vonChrome und Opera weitgehend kompatibel ist. Dies erleichtert die Entwicklung von Erweiterungen für mehrere Browser parallel. Das JavaScript-zentrierte WebExtensions wird dazu Blink-kompatibel sein: Blink ist Googles WebKit-Fork. Es wird von Grund auf Browser mit mehreren parallelen Prozessen unterstützen und Malware-Risiken minimieren.

Zweitens entwickelt ein Projekt namens Electrolysis eine neue, schnellere Multiprozess-Version von Firefox. Unterstützung dafür wird für Erweiterungen verpflichtend sein. Drittens wird Mozilla ab Firefox 41 alle Erweiterungen prüfen und signieren, um das Risiko für Nutzer zu senken. Firefox 41 soll ab 22. September 2015 verteilt werden. Und viertens werden Add-Ons auf Basis von XPCOm und XUL in etwa 12 bis 18 Monaten keine solchen Zertifizierungen mehr erhalten.

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Anfang Juli hatte Mozilla erstmals angekündigt, es wolle die XML User Interface Language (XU) für Webtechniken aufgeben; seither ist die Diskussion nicht abgerissen. Als auf XML aufbauende Beschreibungssprache für grafische Benutzeroberflächen wurde XUL für Mozilla entwickelt. In Firefox und anderen Mozilla-Anwendungen diente sie dazu, die gesamte Benutzeroberfläche zu schaffen.

Obwohl sie auch andernorts aufgegriffen wurde, kommt sie noch immer vor allem bei Mozilla zum Einsatz. Diese enge Bindung sorgte für Abhängigkeiten. Needham zufolge mussten mehrfach Firefox-Versionen verschoben werden, weil es Probleme mit bestimmten Erweiterungen gab.

Kritik an den Planungen äußert beispielsweise Nils Maier, Autor der beliebten Firefox-ErweiterungDownThemAll für verbesserte Downloadmöglichkeiten. „Dass XUL-basierte Add-ons mit XPCOM-Zugang ‚auslaufen‘, ist der Gipfel. Wenn das passiert, werde ich definitiv aussteigen. Die Flexibilität XUL-basierter Add-ons war der größte Vorteil des Firefox-Add-on-Ökosystems und ist deshalb einer der letzten großen Vorteile von Firefox insgesamt.“

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Andere Kommentatoren sehen die Blink-Kompatibilität als Gefahr. „Eine Migration weg von Firefox wird so schmerzfrei wie möglich gemacht. Ich hoffe, Google schickt ihnen eine Torte, wenn sie erst einmal unter 5 Prozent sind.“ Und auf Redditschreibt einer, die Plug-in-Entwickler-Community sei ungefähr das einzige, was Firefox noch am leben erhalte. „Wie viele, glauben die, werden noch dabeibleiben, wenn man die ganze API ausmustert und Zugang zu Browserfunktionen beschränkt?“ Ähnlich schreibt ein anderer auf Y Combinator, Mozilla wirke entschlossen, genau jene Entwickler loszuwerden, „die bereit sind, tief ins Innerste einzutauchen, um etwas zu entwickeln, woran zuvor niemand gedacht hat.“

Firefox verliert seit 2012 langsam, aber regelmäßig Marktanteile. Die Umstellung der Plug-in-Schnittstellen soll das Interesse an dem unabhängigen Browser wiederbeleben – durch mehr Sicherheit, aber auch zugleich mehr Wahlfreiheit für Anwender unter sicheren Plug-ins.

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Tags :Quellen:MozillaVia:Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de

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