Kurztest zu Devil’s Third: Der Schlitzer mit dem groben Schnitzer

(Bild: Nintendo)

Devil's Third  gehört zu den Titeln, die die Spieler in zwei Lager spalten. Zum einen gibt es jene, die an die Individualität des gewöhnungsbedürftigen Shooters glauben, zum anderen bemängeln Kritiker nicht ganz unwesentliche technische Mängel und seine B-Movie-Qualitäten. Wir haben des Teufels Dritte aus dem Kukident-Glas gefischt und verraten wir euch, warum wir trotz aller Kritik Spaß hatten.

Bilder zu Devil's Third

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Gerade mit Nahkampfwaffen geht es blutig zu.
Bild: Nintendo

Devil’s Third, das bereits am Freitag erscheint, zählt zu den an einer Hand abzählbaren Spielen ohne Jugendfreigabe für Nintendos Wii U. Schon im Vorhinein war der Titel stark diskutiert. Nach den ersten Eindrücken während der E3 im vergangenen Jahr beschloss ich, den Shooter mit extravagantem Schlag im Auge zu behalten. Doch nach und nach büßte das Spiel an Qualitäten ein. Differenzen zwischen Valhalla Game Studios und Nintendo scheinen dabei nicht förderlich gewesen zu sein. Aber sei es drum.

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Ich oute mich als bekennender Trash- und B-Movie-Anhänger, vielleicht übte Devil’s Third gerade deswegen eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus. Und schon in den ersten Minuten wird klar, woran man ist. Protagonist Ivan, der wie das an erblich bedingtem Haarausfall leidende Konterfei des Entwicklers Tomonobu Itagaki aussieht, ist über und über mit asiatisch anmutenden Tätowierungen übersäht und spielt das Schlagzeug wie ein junger Gott.

Devil’s Third, versoftete Klischee

Ivan ist ein ehemaliger Terrorist, der wegen seiner ehemaligen Aktivitäten zu 180 Jahren verknackt wurde. Als im Orbit jedoch Satelliten zerstört werden und ein EMP die Erdbevölkerung lahmlegt, wird Ivan als Insider beauftragt gegen die Organisation SOD, welcher er anno dazumal selbst angehörte, vorzugehen. Also müsst ihr euch erst einmal euren Weg aus dem Gefängnis bahnen.

Was ebenfalls während der ersten Uhrzeigerumdrehungen auffällt, sind die Mängel, die sich im Laufe der Spielstunden mehr und mehr in Devil’s Third bestätigten. Ich spreche von (ja, sogar für Wii U-Verhältnisse) unzeitgemäßer Grafik, schwammigen Texturen, an Wänden fliegenden Gegnerschatten, einer emotionslosen englischsprachigen Synchro fast schon auf Gina Wild-Niveau, einer wenig intuitiven Steuerung, einer „mutigen“ Kamera und nicht besonders ausgereifter, um nicht zu sagen saublöder KI.

(Bild: Nintendo)

Ivan ist ein knallharter Typ. Selbst in wilden Schießereien zündet er sich in aller Ruhe eine Zigarette an oder nimmt einen Schluck aus dem Flachmann. (Bild: Nintendo)

Nur um ein Beispiel zu nennen: Werft ihr eine Granate, suchen die dämlichen Widersacher in den seltensten Fällen Schutz. Sich wiederholende Bewegungsschemata lassen sich gut erkennen. Trotzdem solltet ihr Gegner nicht unterschätzen, denn was ihnen an Intelligenz fehlt, machen sie durch ihre schiere Masse und bloßes Rumgeballere wieder wett. Das kann mal sehr schnell, mal überraschend langsam zum Tod führen, solltet ihr nicht rechtzeitig Schutz suchen, um euch automatisch in Sekundenschnelle zu regenerieren. Während ihr euch durch die überwiegend geradlinigen Abschnitte bewegt, habt ihr aber trotzdem immer wieder die Gelegenheit, die Schießwütigen zu umgehen und von hinten zu überraschen. Das sind die freudigen Momente von Devil’s Third.

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Spätestens hier geht es recht blutig zur Sache, denn Ivan versteht sich bestens auf den Einsatz mit Nahkampfwaffen wie Katana, Machete, Axt oder Stahlrohr. Gegner werden nach allen Regeln der Kunst geteilt, enthauptet oder krankenhausreif geprügelt. Das klappt durch einfache Betätigungen von X oder Y, was angesichts der nicht unbedingt einfach von der Hand gehenden Steuerung noch das geringste Problem darstellt. Nach und nach wird die Prämisse von Devil’s Third, einen Gegner nach dem anderen abzuschlachten durch Bosskämpfe oder andere verrückte Einlagen wie Jeepfahrten auf der Flucht vor Bombenhagel aufgelockert. Apropos Bosse: Diese sind bis auf wenige Ausnahmen knallhart, aber mindestens genauso langweilig. Meist geht es nur darum, auszuweichen und günstige Zeitfenster zum Gegenangriff auszunutzen. Schafft ihr das nicht, könnt ihr spätestens nach dem zweiten Treffer die Radieschen von unten zählen.

Mehrspielermodus mit Potenzial

Leider konnte ich den Mehrspielermodus noch nicht ausführlich testen. Doch er macht deutlich mehr her als die Einzelspielerkampagne. Kern der darin enthaltenen sehr abwechslungsreichen Modi sind der Deathmatchmodus und eine Variante des klassischen Capture the Flag. Vor dem offiziellen Release geht es naturgemäß noch nicht so zu wie in den darauf folgenden Wochen, daher kamen für einige Matches gerade einmal vier Spieler zusammen, was angesichts der recht großen Maps ziemlich dünn gesät ist.

(Bild: Nintendo)

(Bild: Nintendo)

Durch den Wechsel von Nah- und Fernkampfwaffen sowie den möglichen akrobatischen Einlagen ist das Spielgeschehen dynamisch und für viele Überraschungen gut. Beispielsweise könnt ihr über einen Truck hinweg klettern, statt an ihm vorbei zu laufen, um Gegner zu beseitigen. Einen etwas bitteren Beigeschmack gibt es allerdings dennoch. Denn mit goldenen Eiern könnt ihr bessere Ausrüstung kaufen. Die Belohnungen sind selbstverständlich selten und können bedauerlicherweise mit echtem Geld nachgekauft werden. So kristallisiert sich schnell heraus, dass Spieler, die bereit sind den Geldbeutel zu öffnen, einen spürbaren Vorteil erhalten.

Fazit des Kurztests

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Die vielen Abstriche, die man mit Devil’s Third machen muss, können einem ordentlich die Suppe versalzen, wenn man sich überdies nicht mit dem B-Movie-Setting des Spiels anfreunden kann. Es verhält sich ähnlich wie mit dem Film-Äquivalent. Objektiv betrachtet sind sie von mäßiger Qualität, versprühen aber gerade deswegen und aufgrund einer gewissen Selbstironie einen unglaublichen Charme. Mit wenig Budget und noch weniger Feinschliff kommt am Ende im Film genau wie bei Devil’s Third doch ein spaßiges Produkt heraus, das nicht jedermann, aber ganz sicher eine bestimmte Zielgruppe unterhält. Gerade im Mehrspielermodus sehen wir eine gute Alternative zum bekannten Angebot.

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