Rückzug: Sorge um Adblocker-Kolateralschäden führen zu einem Umdenken

(Bild: Apple)

Der erfolgreichste iOS-Adblocker Peace ist nicht mehr zu haben. Der Entwickler Marc Arment bekam kalte Füße, als er sah, was er damit angerichtet hatte. Die selbstentwickelte Software blendete überall Werbung aus und nimmt so Anbietern ihre Geschäftsgrundlage weg.

Marco Arment hat seinen iOS-Adblocker Peace wieder aus dem App Store entfernt. Wer will, kann die 2,99 US-Dollar Kaufpreis zurück erhalten. Weiterentwickelt wird das Tool nämlich nicht, denn Arment hat erkannt, welchen Schaden es anrichten kann.

An mangelndem Zuspruch der Anwender lag es nicht, sondern an Zweifeln am Sinn des Adblockers, die dem prominenten Softwareentwickler selbst kamen. Als Problem sah er vor allem die Alles-oder-Nichts-Herangehensweise von Peace an, das ohne Unterschied jegliche Werbung abwehrt. „Adblocker sind mit einem sehr bedeutsamen Sternchen versehen“, schrieb er in einem Blogeintrag. „Während sie vielen Leuten erhebliche Vorteile bringen, fügen sie anderen Schaden zu. Das trifft auch viele, die das nicht verdient haben.“ Er meinte damit offenbar die Anbieter aufwendig erstellter Inhalte im Web, die sich nur durch Werbung finanzieren können.

Das Blockieren von Werbung habe sich zu einer Art Krieg entwickelt, so der iOS-Entwickler. Obwohl er zu den Gewinnern zähle, fühle er sich nicht wohl dabei. Deshalb ziehe er sich aus diesem Markt zurück, und er sei in der glücklichen Situation, eine solche geschäftliche Chance nicht nutzen zu müssen. Arment ist Mitgründer der von Yahoo erworbenen Blogging-Plattform Tumblr und hat außerdem den beliebten Online-Dienst Instapaper entwickelt, der Artikel für das spätere Lesen speichert.

Während es Marco Arment nicht direkt anspricht, reagiert er offenbar auf die Kontroverse um die strategischen Hintergründe von Apples Entscheidung, mit iOS 9 Adblocker zuzulassen. Mit der neuesten Version von Apples Mobilbetriebssystem können Entwickler Erweiterungen für den integrierten Browser Safari erstellen, mit denen bestimmte Webinhalte wie Werbung blockiert werden können.

„iOS 9 ist Apples Versuch, das Messer voll in Googles Umsatz-Plattform zu treiben“, schreibt dazu Nilay Patel, Chefredakteur von The Verge, in einem scharfen Debattenbeitrag. Es gehe um Geld und Macht im Silicon Valley. „iOS 9 enthält eine ausgeklügelte Suche, die automatisch Inhalte vorschlägt und innerhalb von Apps suchen kann, Google Inhalte entzieht und dem Web Nutzer. Es erlaubt Anwendern, Inserate zu blockieren, und es bietet Publishern die Rettung an in Form von Apple News, innerhalb derer Apple fröhlich (unblockierbare!) Werbung ausliefert. Es verkauft sie sogar gerne für die Publisher für einen Anteil von nur 30 Prozent.“

Als Kollateralschaden dieses Krieges sieht Patel das Web und insbesondere kleinere Publisher im Web, die nicht in proprietäre Plattformen für die Distribution, Native Advertising und Ähnliches investieren können: „Es wird ein Blutbad für die unabhängigen Medien werden.“ Geld und Aufmerksamkeit vom Web abzuziehen, bedeute zugleich, die Web-Innovation in den Kriechgang zu schicken. Die Auseinandersetzung Apple vs. Google vs. Facebook könnte zum „langsamen Tod des Web“ führen.

Tags :Quellen:ZDNet.comVia:Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de

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