Animal Crossing: Happy Home Designer im Test – Mach doch was du willst

Animal Crossing Happy Home Designer Rank (Bild: Nintendo)

Nicht länger heißt es in Animal Crossing einfach in den Tag hinein zu leben. Im Spin-off Happy Home Designer versucht ihr euch als Architekt und greift tierischen Stadtbewohnern bei ihren abstrusen Eigenheimvorstellungen unter die Arme. Wir haben Happy Home Designer ausführlich getestet und verraten euch, warum die Simulation jeden Anspruchs entbehrt, aber trotzdem Spaß macht.

Animal Crossing: Happy Home Designer

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Jeder Nachbar sagt euch, wie in etwa er sich sein neues Heim vorstellt. Zufrieden ist er in jedem Fall.
(Bild: Nintendo)

Das Gezeter zur diesjährigen E3 war groß. Die Erwartungshaltung gegenüber einem großen Animal Crossing für die Wii U wurde durch ein weiteres Spin-off namens Animal Crossing amiibo Festival, einem Mario Party-Verschnitt von NDCube im Universum der Simulationsreihe mit tiefgreifender amiibo-Funktion durchbrochen. Am Rande zeigte man Happy Home Designer, welches schon eine Weile vorher angekündigt wurde. Zumindest auf diesen Ableger schienen sich die Fans etwas zu freuen. Ohne euch um Geld, Platz und Feng Shui sorgen zu müssen, könnt ihr nach Herzenslust Häuser einrichten und eurer Kreativität freien Lauf lassen.

Der neue Architekt in der Stadt

Erstmals in der Anima Crossing-Serie könnt ihr euer Aussehen zu Spielbeginn direkt beeinflussen. Das war bisher nur indirekt durch die Beantwortung von Fragen möglich, nun dürft ihr euch gleich zu Beginn für oder gegen schielende Augen oder grüne Haare entscheiden. Als neuer Architekt der Immobilieneinrichtung ImmoNook müsst ihr euer Talent als virtuelle Tine Wittler unter Beweis stellen.

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Zunächst dürft ihr nur den Innenraum kleiner einräumiger Häuser gestalten und nach den Wünschen des tierischen Eigentümers Teppiche, Möbel und Tapeten platzieren. An dieser Stelle geben wir Entwarnung an alle, die an das mühselige System der Hauptreihe denken müssen. Statt Möbel im Inventar auszuwählen und anschließend mit dem Charakter manuell zu verschieben, werden Tische, Schränke, Bilder und Lampen einfach über den Grundriss des Hauses auf dem Touchscreen geführt und mit einer Berührung gedreht, was den Prozess um ein Vielfaches erleichtert.

Unglaublicher Umfang

Während euch zu Beginn des Spiels eine überschaubare Anzahl an Einrichtungsgegenständen zur Auswahl steht, wächst diese mit jedem neuen Auftrag den ihr annehmt. Denn jeder der putzigen tierischen Bewohner, derer es Hunderte gibt, fordert – zumindest scheinbar – ein spezielles Thema, welches bei der Dekoration berücksichtigt werden soll. Dieses kann zum Beispiel „Spielen bei jedem Wetter“ oder „Punkte überall“ lauten. Entsprechend werden neue Möbel dem Katalog hinzugefügt, die diesem Anspruch gerecht werden. Außerdem bringt jeder Auftraggeber zwei bis drei Möbel mit, die ihr unbedingt in euren Plänen berücksichtigen sollt.

Während unser Möbelkatalog zusehends dicker wird und wir über Fortbildungskurse, die mit den Schritt-Münzen des Nintendo 3DS-Systems zu bezahlen sind, unsere Fähigkeiten als Architekt erweitern, merken wir schnell, wie unübersichtlich das Portfolio an Schrank und Co. wird. Denn durch die Kurse, die als kurzer Lehrtext geliefert werden, erhalten wir nicht nur neue Möbel, sondern auch weitere Gestaltungsmöglichkeiten.

Irgendwann dürfen wir damit auch Einfluss auf Form und Farbe der Fenster und Gardinen nehmen, mehrere Räume ausstatten oder Gebäuden eine Geräuschkulisse verpassen. In all der Vielfalt verlassen wir uns daher auf die zuverlässige Suchfunktion nach Stichworten, Farben oder neuen Möbeln. Dadurch, dass im Verlauf des Spiels ein Großteil der Möbel auch noch individuell umgestaltet werden kann, dürft ihr eurer Fantasie nach allen Regeln der Kunst freien Lauf lassen. Gerade nach Feierabend eine entspannende Tätigkeit.

Mach doch was du willst – ohne Konsequenzen

Während ihr in der kleinen Stadt nach und nach auf Kundenfang geht und ihnen ein Grundstück aussucht, taucht eines Tages Serienliebling Melinda von der Stadtverwaltung auf, um euch mit dem Bau einer Schule zu beauftragen. Hier dürft ihr aus mehreren Gebäudefassaden wählen, bevor ihr auch hier nach bestimmten Kriterien die Räume befüllt. Ein Klassenzimmer zum Beispiel erfordert mindestens ein Lehrerpult sowie vier Tische und Stühle. Genau wie bei gewöhnlichen Aufträgen könnt ihr in der abschließenden Begutachtungssequenz Fotos von eurer Einrichtung aufnehmen, um sie später im Miiverse zu teilen.

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Mit der Zeit dürft ihr auch Krankenhäuser, Cafés, Büros und so weiter nach eurem Geschmack gestalten. Je nach Detailverliebtheit könnt ihr so rund zehn Stunden investieren, bis alle öffentlichen Gebäude voll ausgebaut sind. Euch gefällt etwas nicht mehr? Dann dürft ihr zu einem späteren Zeitpunkt natürlich die erforderlichen Veränderungen vornehmen.

Gerade der schier endlose Freiraum, den Animal Crossing: Happy Home Designer dem Spieler lässt, ist unser großer Kritikpunkt an der Einrichtungssimulation. Denn wie bereits angedeutet fordert das Spiel von euch nicht ein Mindestmaß an Anspruch. Auf die Gegenprobe haben wir ein Haus ohne ein Möbelstück abliefern wollen. Da nun auch die verpflichtenden Möbelstücke nicht mehr vorhanden warem, ließen uns die Bewohner nicht einfach gehen. Solange diese Möbel stehen, könnt ihr nichts falsch machen und eine ansonsten leeren, überfüllte oder komplett das Thema verfehlende Inneneinrichtung abliefern. Eure Kunden werden immer behaupten, dass es genau ihren Vorstellungen entspricht oder diese sogar noch übertrifft.

Animal Crossing: Happy Home Designer (Bild: Nintendo) (Screenshot: Übergizmo.de)

Diese Kundin ist mit ihrer spartanischen Einrichtung sichtlich zufrieden. Und genau damit sind wir unzufrieden.

Wir hätten uns ein wenig mehr Anspruch erwartet. Keine Akademie des schönen Hauses, kein von den Bewohnern zur Verfügung gestelltes maximales Budget, keine abgestufte Zufriedenheit, nicht das kleinste Bisschen Anstrengung wird gefordert. Eine Enttäuschung, wenn man mit dieser Erwartungshaltung an Happy Home Designer heran geht. Verständlich ist, dass Nintendo gerade jüngeren Spielern nicht vermitteln möchte, dass sie nicht das geringste Gespür für Ästhetik zu haben. Es hinterlässt aber einen negativen Beigeschmack, wenn es auf diese Weise völlig egal ist, was ihr tut.

Haha… viel Umfang, aber nur mit amiibo-Karten, oder?

Mit Animal Crossing: Happy Home Designer veröffentlicht Nintendo außerdem neue amiibo in Form von Karten, die die unzähligen Bewohner aus dem Franchise abbilden. Allein die mit dem Spiel erscheinende erste Serie umfasst 100 verschiedene Karten. Darunter auch besondere Tiere wie Melinda oder Tom Nook, die im normalen Spielverlauf nicht auftauchen. Alle anderen klopfen früher oder später von sich aus an die Tür von ImmoNook. Von daher verpasst ihr ohne amiibo-Karten kaum etwas.

Im Spiel könnt ihr die Karten natürlich dazu nutzen, das Auftauchen bestimmter Nachbarn zu beschleunigen, indem ihr sie über das amiibo-Fon anruft. Außerdem könnt ihr so den abgebildeten Nachbarn in das Haus eines anderen Kunden einladen oder Möbel auf der Karte speichern, um sie mit einem Freund zu tauschen, der diese noch nicht hat. Ein faires System, das amiibo-Verweigerer nicht ernsthaft benachteiligt. Übrigens, haltet ihr die amiibo-Figur des Bewohners auf den Touchscreen, erhaltet ihr eine goldene Statue, die ihr in euren Einrichtungsplänen verwenden könnt.

Fazit

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Ich hatte und habe mit Animal Crossing: Happy Home Designer meinen Spaß. Die erheiternde und putzige Aufmachung sowie die gewohnt drolligen Verhaltensweisen der Bewohner versprühen ihren ganz eigenen Charme. Vor allem hat mich der schiere Umfang des Titels überrascht. Hunderte Tiere, die Tausende Möbel und Gestaltungsmöglichkeiten mitbringen, lassen das Herz eines jeden höher schlagen, der sich in Spielen nichts vorschreiben lassen will.

Bei all dem Umfang sind aber einfach Mechanismen notwendig, um die Langzeitmotivation aufrecht zu erhalten, sonst richtet ihr einfach nur ein Haus nach dem anderen ein, ohne je einen Zweck dahinter zu erkennen oder Anerkennung für besonders herausragende Designs zu erhalten. Wir vermuten, dass Happy Home Designer mit der Prämisse als kurzer Zeitvertreib zwischendurch zur Anregung der Kreativität entwickelt wurde, ohne sich über zu vieles Gedanken machen zu müssen. Vielleicht macht ja gerade das für manche den Reiz daran aus.

Update: Erst nach beinahe 40 eingerichteten Gebäuden wurde die Online-Funktion des Spiels hinzugefügt, in der ihr eure Häuser hochladen und so der Öffentlichkeit zugänglich machen könnt. Außerdem könnt ihr die Werke anderer Spieler begutachten und nach den Kriterien „süß“, „cool“, „Traumhütte“, etc bewerten. So wird zumindest so eine gewisse Feedback-Komponente hinzugefügt. Außerdem werden Wettbewerbe zu bestimmten Themen stattfinden, bei denen das gelungenste Design gewinnt.

plusEnormer Fundus an Einrichtungsgegenständen und Gestaltungsmöglichkeiten

plusExzellente Einrichtungssteuerung mit dem Touchscreen

plusamiibo-Karten-Feature nebensächlich

minusKein Anspruch (Kein Budgetlimit. Es ist egal, was ihr tut)

minusÖffentliche Gebäude erfüllen abseits des Betrachtens keinen weiteren Zweck

minusKaum Abwechslung, daher wenig Langzeitmotivation

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