Test: Lego Dimensions – Die erste echte Verschmelzung von Videospiel und Realität

(Bild: Warner Bros. Interactive) Lego Dimensions Rank

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft hat Warner Bros. mit Lego Dimensions das wohl ambitionierteste Spiel um die beliebtesten Bauklötzchen der Welt veröffentlicht. Gleichzeitig steigt der Titel mit einer Flut von Toys-to-Life-Figürchen aus den beliebtesten Franchises in den Ring und will den Skylanders und amiibo das Fürchten lehren. Unser Test (is AWESOME!!).

Das Lego Dimensions Starter Set unter der Lupe

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In der gar nicht so großen Schachtel stecken ein Exemplar des Spiels, das Toypad und die Bausätze.
Bild: Übergizmo.de

Seit zwei Tagen gibt es einen weiteren Mitbewerber unter den bereits etablierten Toys-to-Life-Größen, Skylanders, Disney Infinity und amiibo. Auch, wenn mit Skylanders SuperChargers erst kürzlich ein neuer Titel veröffentlicht wurde, könnte die Luft für den Pionier von Activision spätestens jetzt dünn werden. Denn nun handelt es sich bei Skylanders um die einzigen Figurenreihe, die nicht auf extrem bekannte Charaktere zurückgreifen kann, die schon im Vorhinein einen Sympathiebonus bei den Käufern haben. Und was gerade das angeht, fährt Warner Bros. Interactive die ganz großen Geschütze auf.

Der Herr der Ringe, DC-Comics, Jurassic World, Der Zauberer von Oz, Zurück in die Zukunft, Portal, Ghostbusters, Die Simpsons, The Lego Movie, Midway Arcade, Scooby Doo, Lego Chima, Lego Ninjago und sicher nicht zuletzt Doctor Who – all diese beliebten Franchises warfen die Entwickler in ein einziges Spiel. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Irgendetwas aus dieser Auswahl spricht jeden an.

Lego Dimensions Wizard of Oz (Bild: Warner Bros.)

Wo sonst treffen die Böse Hexe des Westens, Gollum und Marty McFly aufeinander? (Bild: Warner Bros.)

In Lego Dimensions kommen richtige Minifiguren und Minikits zum Einsatz, die zusammengebaut und auf einen dazu gehörenden NFC-Chip, ein Toy Tag, gesetzt werden müssen. Interessant ist, dass ihr bis auf das Portal selbst, welches auf das Toypad, das die Figuren einliest, gesetzt wird, sämtliche Bauanleitungen erst im Spiel erhaltet. Das erbaute Modell wird anschließend auf dem Chip gespeichert. Eine Verflechtung von Spiel und Realität, die die Konkurrenz so noch nicht hat.

Ein seltsames Trio

Das heillose Durcheinander von Welten, die sich nie im Traum begegnet wären, macht in der Geschichte von Lego Dimensions durchaus Sinn. Lord Vortech beabsichtigt, ohne dass wir zunächst erfahren weshalb, Universen kollidieren zu lassen. Vorher aber schickt er seine Schergen in jede Welt, um je einen Gegenstand von besonderer Bedeutung von dort einzusacken. Seien es der eine Ring, Kryptonit oder ähnliches. Denn Vortech bleibt offenbar nicht mehr viel Zeit, um seinen Plan umzusetzen.

Lego Dimensions Starter Set (Bild: Übergizmo.de)

Die drei Hauptfiguren aus dem Starter Set sind Batman, Gandalf und Wyldstyle. (Bild: Übergizmo.de)

Die Geschichte beginnt damit, dass Batman und Robin Bösewicht Bane auf den Fersen sind, als Robin in ein plötzlich auftauchendes Dimensionstor gerissen wird. Batman stürmt natürlich sofort hinterher. Schnitt, wir befinden uns in Moria, der alten Zwergenmine und sehen die bekannte Szene aus Der Herr der Ringe, in der Gandalf sich dem Balrog stellt. Als der Zauberer mit diesem in den Abgrund stürzt, taucht Batman durch ein Portal auf und rettet den alten Herren. Plötzlich wird auch Frodo mit dem Meisterring in ein Tor gezogen. Als die Fledermaus und Gandalf die Verfolgung aufnehmen, landen sie in Wolkenkuckucksheim aus The Lego Movie (Everything is AWESOOOOOME!), wo sie auf Wyldstyle treffen und nun zu dritt durch ein weiteres Portal zum Planeten Vorton, dem Ausgangspunkt für jedes Level, gebracht werden. Dabei zerstört sich das Dimensionstor und ihr müsst dem seltsamen Trio helfen, es zu reparieren.

Lego Dimensions: Sinnvolle Nutzung der Hardware

Nachdem ihr in gewohnter Manier alles zerkleinert und dabei fleißig Lego-Studs eingesammelt habt (denn es handelt sich im Wesentlichen immer noch um ein Lego-Spiel), könnt ihr mittels Wyldstyles Fähigkeit als Meisterbauerin das Portal zusammenbauen. Plötzlich fangen die Flächen auf dem Toypad an, pink zu leuchten. Eine Aufforderung, ihre Minifigur auf die entsprechenden Felder zu bewegen, um die Lego-Teile zu erfassen. Anschließend taucht eine Bauanleitung auf, nach der ihr das Dimensionstor baut. Ähnlich wird zeitnah mit dem Batmobil verfahren.

Während wir durch die Welten reisen und Oz und Springfield hinter uns lassen, sammeln wir sogenannte Schlüsselsteine ein, die die Fähigkeiten des Portals erweitern. Zunächst werdet ihr aufgefordert, das entsprechende Teil, welches vorher an der Rückseite verstaut wurde, vorne an das Portal zu klemmen. Auch hier findet wird das Spiel wieder in die Realität eingeflochten. Fortan tauchen die Schlüsselsteine immer wieder im Spiel auf und helfen dabei, unterschiedliche Rätsel zu lösen. An dieser Stelle muss der Einfallsreichtum und die sinnvolle Einbindung der Hardware gelobt werden. Denn statt als einfache Lesestation für die Figuren zu fungieren, werdet ihr immer wieder dazu aufgefordert, mit dem Toypad zu interagieren, was anfangs etwas verwirrend ist, später aber viel Spaß bereitet.

Lego Dimensions Toypad (Bild: Übergizmo.de)

Das Toypad wird sehr gut in das Spiel eingebunden. Immer wieder müsst ihr die Figuren versetzen. (Bild: Übergizmo.de)

Im Laufe des Spiels etwa tauchen Elemente auf, die eine bestimmte Farbreihenfolge vorgeben. Der virtuelle Schlüsselstein erzeugt Farbpunkte, mit denen ihr eine Figur einfärben könnt. Anschließend müsst ihr die reale Minifigur mit der Farbe so auf dem Toypad platzieren, dass die Beleuchtung dem virtuellen Vorbild entsprechend eingefärbt und das Rätsel gelöst wird. Auch repräsentieren die drei Flächen mal mehrere Portale, deren Ausgänge durch Versetzen der Figuren erreicht werden können. Damit erschließen sich Orte, die man vorher nicht erreichen konnte. Dieser Einsatz gefällt uns wirklich gut und verbindet reales Spielen mit Videospielen so, wie es amiibo oder Skylanders nicht tun.

Die typischen Schwächen… und Stärken

Auch wenn es sich wohl um das bisher ambitionierteste Lego-Spiel handelt, ist Lego Dimensions eben trotz aller Figuren genau das: Ein Lego-Spiel. Und damit bringt es die gewohnten Schwächen und Stärken mit, die jedem vergangenen Spiel anhaften. Das fängt bei dem sehr simplen Kampfsystem an, welches kaum mehr verlangt, als ständig nur eine Taste zu drücken. Auch das etwas unpräzise Verhalten der Spielfiguren in Sprungpassagen begleitet Dimensions.

Was mich persönlich an Lego-Spielen bisher am meisten störte, war die katastrophale Tonabmischung der Sprachausgabe. Denn diese ist in den meisten Ablegern wegen ihrer geringen Aufnahmequalität (gerade bei unwichtigen Figuren) und der zu geringen Lautstärke kaum zu verstehen oder gar zu hören, wenn sie sich nicht genau in der Mitte des Bildes befinden. In Lego Dimensions wurde dieses Problem zwar nicht beseitigt, allerdings merklich entschärft. Und da es fast nur wichtige Charaktere gibt, ist ihre Sprachqualität entsprechend hoch.

Hier hat es sich Warner wieder nicht nehmen lassen – soweit noch lebendig – die Originalsprecher aus den Filmen und Spielen zu engagieren. Im englischen Ton hat sich halb Hollywood um das Klötzchenspiel versammelt: Chris Pratt, Christopher Lloyd, Gary Oldman, Elijah Wood, Stephen Merchant oder Michael J. Fox, um nur einige zu nennen.

gandalf shaggy raptor Lego Dimensions (Bild: Warner Bros.)

Wenn derart unterschiedliche Charaktere sich begegnen, bietet das genügend Fläche für gute Gags. (Bild: Warner Bros.)

Natürlich darf der typische Lego-Humor nicht fehlen, der sich irgendwo zwischen Slapstick und lustigen Referenzen zum Original einreiht. Die Lacher sind meiner Meinung nach wieder deutlich gelungener und weniger auf pure Albernheit ausgelegt als es in Lego Jurassic World der Fall war. Dazu bietet das Aufeinandertreffen von Charakteren wie Saruman dem Weißen mit dem Joker auch genügend Nährboden. Abgesehen davon ist erstaunlich, mit welcher Präzision Warner Bros. das Gefühl jedes Franchises wieder einmal reproduzieren konnte.

Eine Frage des Geldes

Lego-Spiele bieten innerhalb ihres Lizenz-Universums schon eine enorme Charakter-Vielfalt. Lego Dimensions treibt diesen Umfang auf die Spitze. Der größte Vorteil ist gleichsam auch ein großer Nachteil: Die enorme Menge verschmelzender Franchises belebt Lego Dimensions, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Sammler dagegen müssen viel Geld zur Seite legen, sehr viel Geld.

Lego Dimensions DC-Comics (Bild: Warner Bros.)

So schön die Figuren auch sind, ihr Preis ist hoch. Alleine der Wert dieser drei Sets beträgt 45 Euro. (Bild: Warner Bros.)

Denn alleine schon das Starter Set mit Spiel, drei Minifiguren, einem Fahrzeug, dem Toypad und dem Portalbausatz kostet stolze 100 Euro. Ein Preis, den man sich zweimal durch den Kopf gehen lässt. Auf der anderen Seite sind Lego-Sammler die Hochpreisstrategie ohnehin gewohnt und womöglich weniger überrascht. Denn man darf nicht vergessen, dass eben echte Bauteile mit im Set enthalten sind.

Es geht allerdings noch weiter. Denn alleine zum aktuellen Zeitpunkt wurde eine enorme Menge an Paketen angekündigt, die optional hinzugekauft werden können. Die Spaß Pakete mit einer Figur und einem Fahrzeug kosten 15 Euro. Team Pakete mit je zwei Figuren und Gegenständen kosten 25 Euro. Ein Level Paket mit einer Figur, zwei Gegenständen und dem zugehörigen Level schlägt mit 30 Euro zu Buche. Wer allein alle bisher angekündigten Pakete sammeln möchte, die sich bis ins Frühjahr 2016 verteilen, muss 685 Euro ausgeben (27 Spaß Pakete, sechs Level Pakete und vier Team Pakete). Dazu wurde erst kürzlich angekündigt, dass Lego Dimensions die nächsten drei Jahre mit Nachschub versorgt wird.

Lego Dimensions Marty McFly (Bild: Übergizmo.de)

Manche Hindernisse lassen sich nur mit den Fähigkeiten bestimmter Figuren überwinden. (Bild: Übergizmo.de)

Wie sieht es also mit der Notwendigkeit all dieser Pakete im Spiel aus? Ganz grundlegend kann Dimensions mit allem, was das Starter Set enthält, durchgespielt werden. Es besteht kein Zwang, alle Figuren zu kaufen. Zumindest nicht direkt, denn man wird ständig daran erinnert, welche Charaktere man noch haben sollte, um wirklich alle Geheimnisse des Spiels zu erkunden. Denn wie für Lego-Games typisch hat jede Figur spezielle Fähigkeiten, um etwa bestimmte Materialien zu zerstören oder spezifische Elemente bedienen zu können: „Charaktere wie Superman, die einen Laser haben, können rissige Lego-Teile zerstören.“ Solange sich hinter solchen Barrieren keine goldenen Lego-Steine befinden, derer es eine definierte Zahl zu sammeln gilt, ist das kein Problem. Andernfalls wird man Lego Dimensions wirklich nur mit zusätzlichen Figuren zu absolut 100 Prozent beenden können.

UPDATE: Inzwischen haben wir uns auch die Dimensionen abseits des Storymodus wie Jurassic World angesehen, die als kleine offene Welten betreten werden können. Diese wirken im Vergleich zum Rest des Spiels sehr lieblos und unbelebt. Auch finden sich (nur) hier einige Bugs und starkes Kantenflimmern, wie ihr nachfolgend sehen könnt:

Bugs in Lego Dimensions (Bild: Übergizmo.de)

Bugs in Lego Dimensions (Bild: Übergizmo.de)

Lego Dimensions Bugs

Bugs in Lego Dimensions (Bild: Übergizmo.de)

 

Unser Fazit zu Lego Dimensions

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In Lego Dimensions heißt es kleckern statt klotzen. Von allem gibt es mehr, vielleicht ein bisschen zu viel. Lego Dimensions fühlt sich wie eine Kindheitserinnerung an, in der die gute alte Lego-Kiste einfach ausgeschüttet wurde und Ritter plötzlich neben Indianern und C3PO lagen. Genau dieser verrückte Kistenwust wurde in ein Videospiel verwandelt und das funktioniert überraschend gut, auch wenn es sich für mich persönlich immer noch unnatürlich anfühlt, mit Gandalf durch Springfield oder Isla Nublar zu wandern.

Lobenswert ist der durchdachte Einsatz des Toypads, mit dem sich das zusätzliche Teil nicht nur wie ein unnötig wuchtiges Lesegerät anfühlt. Stattdessen verbindet es das reale Spielen besser mit dem Videospiel als es bisher jede andere Toys-to-Life-Serie zu tun vermag.

Dem gegenüber stehen die gewohnten Schwächen der Lego-Spiele, die aber bei diesem Großprojekt zumindest teilweise gebessert wurden. Auch ist der enorme Preis für die Anschaffung und die Erweiterung des Spiels nicht zu verkennen. Denn gerade das dürfte Eltern in Anbetracht des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts den Magen umdrehen. Aber auch hier profitiert der große Umfang davon, dass für jeden etwas dabei ist. Ihr könnt also getrostt nur die Pakete kaufen, die euch wirklich gefallen.

plusVerrücktes Story-Konzept

plusViele große Marken

plusGelungene Verbindung von Realität und Videospiel

plusEchtes Lego

plusViele bekannte Synchronsprecher

plusMehr Umfang als bisherige Lego-Spiele

plusGrandiose Gags

minusTeure Anschaffung

minusZusätzliche Figuren teuer und scheinoptional

minusMangelnde Qualität in Non-Story-Dimensionen

minusÜbliche Lego-Spielprobleme

 

Übrigens: Für Lego Dimensions wurde eigens ein neuer Portal-Song von GLaDos aufgenommen. Der Kuchen ist nicht länger eine Lüge!

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