Ford zeigt uns sein 2,3-Millarden-Werk in Valencia

(Bild: Ford).

Ford hat seit 2011 rund 2,3 Milliarden Euro in sein Werk in Valencia investiert, was es nicht nur zu einem der wichtigsten Standorte des Autobauers macht, sondern laut dem Unternehmen auch zu einer der modernsten und flexibelsten Produktionsstätten der Welt. Letzte Woche durften wir Fords Werksgelände in Valencia betreten und uns auf dem 2,7 Millionen Quadratmeter großen Areal einen Eindruck davon verschaffen, wie dessen Fahrzeuge entstehen und welche hochmoderne Technik hinter der Fertigung steckt.

Ford zeigt uns sein 2,3-Millarden-Werk in Valencia

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Ford-Werk in Valencia

Dank seiner flexiblen Produktionsstraße können in dem spanischen Werk fünf Ford-Modelle in zahlreichen Ausführungen für unterschiedliche Märkte gleichzeitig produziert werden. Unter anderem wird dort der Ford S Max, der Kuga, der Mondeo und der neue Ford Mondeo Vignale gefertigt, mit dem der Automobilhersteller ins Premiumsegment vorstoßen will. Im Dreischichtbetrieb stellen über 8000 Angestellte sowie 600 Roboter aus knapp 18.000 Einzelteilen die fünf Modelle her. 400.000 Fahrzeuge laufen insgesamt pro Jahr vom Band, die aus Spanien in 75 Länder exportiert werden.

Bevor ein neues Modell in Serie geht, erklärte uns Ford, dass alle Teile der Karosserie wie die Motorhaube per Hand mit einem Laser vermessen und auf Unebenheiten & Co. untersucht werden. Anschließend tastet noch ein Roboterarm die Karosserieteile ab und prüft alle Zwischenräume und Befestigungspunkte, sodass die Einzelteile in der späteren Serienfertigung auch maßgenau passen.

(Bild: Übergizmo).

Danach ging es weiter in die Produktionshalle. Mit Schutzbrillen bewaffnet führte uns Ford seine Produktionsstraße entlang. Mitarbeiter sind erst einmal kaum zu sehen. Beim Karosseriebau geht alles automatisch von der Hand. Die Karosserieteile werden von riesigen Pressen geformt und von lasergesteuerten Roboterarmen zusammengesetzt und miteinander verschweißt. Durchaus beeindruckend anzusehen, wie schnell und präzise die Roboterarme agieren. Für einen kurzen Moment könnte man fast meinen, sie haben ein Eigenleben.

(Bild: Ford).

Zum Einbau von Antrieb und Aufhängung sind dann aber wieder menschliche Mechaniker nötig, die diese an einem Punkt mit der Karosserie zusammenführen. Der Motor wird beispielsweise beim sogenannten „Engine Lifting“ mithilfe einer Maschine von unten an seinen vorgesehenen Platz gehoben und montiert. Es fehlen natürlich noch Fenster, Sitze oder das Armaturenbrett, die ebenfalls von Mitarbeitern im Fließbandbetrieb installiert werden. Zur Installation der Infotainment-Software hat Ford ein umfangreiches WiFi-Netz eingerichtet, sodass die Mechaniker beispielsweise SYNC 2 sowie die Karten für das Navigationssystem in der passenden Sprache herunterladen und einspielen können. Die für jedes Modell vorgesehenen Reifen werden zum Schluss wieder automatisch aufgezogen.

(Bild: Übergizmo).

Die Produktionsstraße kann sich stets automatisch und ohne Verzögerungen anpassen, um die verschiedenen Modelle zu fertigen. Hier folgt auf einen Mondeo schon einmal ein Tourneo Connect und ein S Max.

Bevor Chassis & Co. mit der Karosserie verbunden werden, erhält diese jedoch ihren Anstrich. Auf den Lackierprozess ist Ford besonders stolz. Seit dem Jahr 2000 sollen keine Medien mehr Zutritt zu Fords Lackierwerkstatt bekommen haben. Wir sind also gespannt, was uns erwartet. Zuerst müssen wir uns weiße Kittel überziehen und durch eine Schleuse, die jegliche Staubpartikel wegpustet.

(Bild: Ford).

Per Förderband werden im Inneren die Fahrzeuge langsam durch eine Art Autowaschanlage in die Lackieranlage gefahren. Hier setzt Ford riesige Staubwedel aus bis zu 76 Zentimeter langen Straußenfedern ein, um Staubpartikel, die durch statische Aufladung am Fahrzeug haften, zu entfernen. Das soll eine staubfreie Karosserieoberfläche und somit eine besonders glatte Lackierung gewährleisten. Anschließend waren in Schutzanzüge gehüllte Mitarbeiter in der Kabine zu sehen, die die nicht erwischten Karosse bereich nochmals mit Druckluft und Staublappen per Hand reinigen.

(Bild: Übergizmo).

Der Lackierprozess erfolgt dann in mehreren Stufen und wird wiederum von automatischen Hightech-Roboterarmen durchgeführt, die auch die Türen der Autos öffnen können, um die Fahrzeuge von innen und von außen gleichmäßig zu besprühen. Neben einer Grundierung werden ein Farb- und Klarlack sowie eine Versieglung aufgetragen, die anschließend bei 180 Grad getrocknet wird. Ford will durch den Wegfall einer zweiten Ofentrocknung bei der Lackierung die CO2-Emissionen um rund 15 bis 25 Prozent gesenkt haben. 40 Minuten dauert es insgesamt, bis ein Fahrzeug komplett lackiert ist. Alle 90 Sekunden ist ein Wagen abgefertigt.

(Bild: Übergizmo).

Zur Überprüfung auf Lackschäden führte uns Ford zu einem System mit Kameras und zahlreichen Leuchtstoffröhren. Dabei handelt es sich um sein eigens patentiertes „Dirt in Paint Vision“-System. Hier nehmen Kameras anhand von bis zu 3150 Bildern, die unter den mobilen Leuchtstofflampen aufgenommen werden, jeden Millimeter des Lacks unter die Lupe. So sollen auch kleinste Anomalien im Lack erkannt werden, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann.

(Bild: Übergizmo).

Dann ging es ab ins Auto. Rund fünf Prozent aller vom Band laufenden Fahrzeuge werden Stichprobenartig Probe gefahren. Wir stiegen in einen frisch produzierten S Max. Mit dem schwarzen Ford ging es erst über eine holprige Teststrecke, die verschiedene Straßenbeläge und -zustände simuliert, anschließend in einen Rundkurs, bei dem wir aber leider nicht schneller als 120 Km/h gefahren sind. Mit den Tests soll zum einen das Fahrwerk geprüft, aber auch klappernde Geräusche im Innenraum entdeckt werden.

(Foto: Ford)

Der Innenraum wird zudem mittels bestimmter Frequenzen auf lose Teile geprüft. Diese werden bei geschlossen Türen über das Soundsystem abgespielt. Im Innenraum hört man nur einen kurzen Ton. Der Sound der Vibrationen wird von einem Mikrofon aufgenommen und an das System weitergeleitet, das anhand der Daten feststellen kann, ob etwas nicht stimmt. Mit einer losen Münze in einem Fach in der Tür hatte man uns dies demonstriert. Darüber hinaus werden die Fahrzeuge natürlich noch an jeder ihrer Stationen von Systemen und Ford-Mitarbeitern überprüft.

(Bild: Übergizmo).

Für den neuen Ford Mondeo Vignale hat der Autobauer ein eigenes Quality-Center eingerichtet, in dem Teams von jeweils sechs erfahrenen Handwerksmeistern die abschließenden Arbeiten wie das Polieren des Lacks übernehmen. Jedes Fahrzeug wird hier einzeln an die individuellen Wünsche des Kunden angepasst und nochmals auf seinen Zustand und alle Funktionen überprüft.

Tags :Quellen:Ford

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