Amazon Fire Test – Tablet aus dem Sixpack

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Gerade mal 59 Euro kostet das Amazon Fire Tablet und kauft man gleich fünf, so erhält man das sechste kostenlos dazu – einen Sixpack eben. Doch was kann man für diesen Preis bei einem Tablet erwarten und worauf muss man eventuell verzichten? Wir waren überrascht, denn das Amazon Fire ist im Gesamtpaket kein schlechtes Tablet.

Amazon Fire Test: Das 59€ Tablet

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Design & Verarbeitung

„1,8 Mal so robust wie das iPad Air 2“, das schreibt Amazon stolz auf die Produktseite des Fire Tablets. Ich habe keinen Tablet-Weitwurf veranstaltet, um dies möglichst wissenschaftlich herauszufinden, doch was man sofort fühlt, dass das Amazon Fire sich nicht unbedingt billig anfühlt. Das matte Kunststoffgehäuse verleiht ausreichend Stabilität, sodass es recht verwindungssteif ist und den einen oder anderen Sturz unbeschadet überlebt. Nicht umsonst ist es auch die Basis für die Fire Kids Edition, die allerdings noch eine große Gummihülle enthält.

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In der Hand liegt es äußerst angenehm, was an der kompakten Größe, dem geringen Gewicht von 313g und den abgerundeten Kanten liegt. Auf der Oberseite befinden sich die Lautstärketasten sowie der An/Aus-Knopf, die über einen knackigen Druckpunkt verfügen. Auch die beiden Anschlüsse für microUSB sowie den Kopfhörer befinden sich auf der Oberseite, nur der microSD-Karteineinschub befindet sich oben auf der rechten Seite.

Machen wir uns nichts vor: Das Amazon Fire ist bei weitem nicht das schönste oder dünnste Tablet. Auch das Gewicht könnte durchaus geringer ausfallen, wiegt es beispielsweise 2g mehr als das größere Fire HD8. Auch die Rückseite kann man etwas eindrücken. Man muss aber eben im Hinterkopf folgendes behalten: You get what you pay for und hier ist es noch etwas mehr als das, wofür man bezahlt.

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Display

Die Displayauflösung von 1024×600 bringt uns auf den Stand von 2010 als das allererste Samsung Galaxy Tab vorgestellt wurde. Die Pixeldichte von 171 Pixel pro Zoll reißt heutzutage keinen mehr vom Hocker, weil Pixel jederzeit gut sichtbar sind und Schriften und Grafiken pixelig dargestellt werden. Immerhin haben wir es mit einem IPS-Panel zu tun, das weite Blickwinkel ohne Farbverfälschungen in der Horizontalen bietet, betrachtet von oben oder unten wird aber schwarz schonmal bläulich.

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Doch zum Betrachten von Filmen oder zum Surfen im Web ist das Display ausreichend. Auch Apps werden angenehm dargestellt und profitieren von der kleinen 7 Zoll Größe, sodass auch Smartphone Apps auf diesem kompakten Tablet noch gut aussehen. Farben sind natürlich gesättigt und auch die Displayhelligkeit ist für den Einsatz im Inneren sehr gut. Einen Helligkeitssensor, der die Beleuchtung automatisch steuert, gibt es übrigens nicht.

Hardware

Das Amazon Fire wird von einem MediaTek MT8127 D Prozessor, der auf vier Cortex A7 Kernen mit maximal 1,3 GHz Frequenz basiert. Unterstützt wird er von 1GByte Arbeitsspeicher und einer ARM Mali 450 MP4 Grafikeinheit, die unter anderem auch HEVC Video unterstützt. Letzteres ist vor allem für Videostreams von Amazons Prime Instant Video Plattform hilfreich, weil der HEVC Codec mehr Videoqualität bei gleichbleibender Bitrate ermöglicht.

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Die Performance im Alltag geht durchaus in Ordnung, lässt sich aber natürlich nicht mit teureren Angeboten vergleichen. Die Bedienung der Fire OS Oberfläche läuft größtenteils flüssig ab, ohne große Ruckler hervorzurufen. Bilder der einzelnen Kategorien müssen aber ab und zu nachladen und es kommt zu einem Mosaik-Effekt.  Dafür funktionieren Wechsel zwischen den letzten drei bis vier Apps ohne große Wartezeiten, mehr darf man allerdings nicht erwarten. Überrascht war ich von der Performance des vorinstallierten Silk-Browsers, der Webseiten recht schnell aufgebaut hat. Auch mehrere Tabs waren ohne ständiges Neuladen gut nutzbar.

Das Angebot an Spielen ist im Amazon Store zwar nicht ganz so groß wie im Google Play Store, trotzdem lassen sich auch aufwendigere Titel finden. Beach Buggy Racing war dabei      komplett flüssig spielbar und machte durchaus Spaß. Etwas verwunderter war ich aber, als ich Real Racing 3 startete und auch das größtenteils flüssig, wenn auch mit Einschränkungen in der Darstellungen lief. Die Autos waren etwas pixelig und die Schatten sowie Reflexionen waren nicht ganz detailliert dargestellt. Klar ist, dass ihr keine graphische Meisterleistung erwarten dürft, doch für das eine oder andere aufwendigere Spiel ist auch das günstigste der Amazon Tablets gut gerüstet.

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Der interne Speicher fällt mit 8GB etwas knapp, davon stehen dem Nutzer auch nur 4,4GByte zur freien Verfügung. Dieser lässt sich zwar über microSD Karten um bis zu 128GByte erweitern, allerdings schreiben einige Apps und Spiele trotzdem primär auf den internen Speicher, sodass ihr da aufpassen solltet.

Zur übrigen technischen Ausstattung gehört WLAN a/b/g/n sowie Bluetooth. Eine 3G Version bietet Amazon nicht an.

Sound

Der Sound über Kopfhörer ist ausgewogen und gut, auch wenn es minimal am Klarheit fehlt. Wer gerne laut Musik hört, wird von dem einzelnen Lautsprecher auf der Rückseite enttäuscht sein. Dadurch, dass dieser nach hinten gerichtet ist, verschenkt man hier viel Lautstärke beim Schauen von Filmen. Dazu ist er nicht nur recht leise, sondern auch qualitativ eher im unteren Segment anzusiedeln. Der Ton kommt sehr dünn und leicht verzerrt rüber, Bässe hört man nicht. Zum Podcast-Hören ist er okay, einen Film möchte ich mir damit nicht anschauen.

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Kamera

Wenn etwas an diesem Tablet enttäuschend ist, dann ist es die Kamera. Bei einer Auflösung von 2 Megapixeln kann man schon erahnen, dass die rückseitige Kamera nicht wirklich gute Bilder schießen kann. Selbst bei Tageslicht ist das Ergebnis sehr matschig und unscharf, Details sucht man vergebens. Dazu kommt, dass die Brennweite recht hoch ist und man somit nur einen kleinen Ausschnitt dessen fotografiert, was man mit seinen Augen sieht. Besonders deutlich wird dieser Effekt bei der VGA-Frontkamera, bei der selbst eine Armlänge kaum ausreicht, um das Gesicht vollständig aufs Foto zu bekommen – von bequemen Skype-Gesprächen brauchen wir da gar nicht erst anfangen, oder? Auch die Frontkamera hat extrem mit ihrer geringen Auflösung und einem sehr hohen Rauschen zu kämpfen. In etwas dunkleren Räumen ist sie nicht benutzbar, außer ihr seid an expressionistischer Kunst interessiert.

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Software

Die neue Amazon Fire OS 5 Oberfläche kommt auch auf dem kleinsten der drei neuen Tablets zum Einsatz und basiert auf Android 5.0 Lollipop. Sehen kann man dies am besten an der Benachrichtigungsanzeige, die man von oben herunterwischt. Dort bekommt man nicht nur die neuesten Notifications angezeigt, sondern kann auch Schnelleinstellungen treffen und so das WLAN, Bluetooth etc. bequem ein- und ausschalten.

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Das Fire Tablet ist vor allem auf Konsum ausgelegt und bietet eine perfekte Integration der Amazon Dienste. Die neue Fire OS 5 bietet dafür einen zweidimensionalen Home-Bildschirm. Auf der horizontalen Achse könnt ihr zwischen eurer persönlichen Startseite, Büchern, Videos, Apps, Shop und mehr scrollen. Jede dieser Themenseiten lässt sich vertikal durchscrollen, um mehr Inhalte dieser Art zu sehen oder man kann oben nach Inhalten dieser Art suchen.

Apropos Inhalte: Wer gerne Filme oder Serien über den hauseigenen Prime-Dienst schaut, der wird sich über die Möglichkeit freuen Inhalte auch offline auf der SD-Karte speichern zu können. Ebenfalls nützlich: X-Ray. Mit X-Ray ist es möglich den Bildschirm bei der Wiedergabe einmalig anzutippen und weitere Informationen zur Serie, den Schauspielern, Charakteren sowie den Soundtracks zu erfahren.

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Wer Prime-Mitglied ist, bekommt also das perfekte Gerät, um alle Services von Amazon mit wenigen Clicks erreichen zu können. Dazu hat Amazon vor einiger Zeit Underground gestartet, einen App Store, in dem alle Anwendungen komplett kostenlos sind – inklusive etwaiger In-App-Käufe. Die Auswahl an Apps ist also auch mehr als ausreichend, auch wenn einige neue Spiele-Titel fehlen.

Wem das nicht reicht, der kann über diverse Anleitungen auch den Google Play Store installieren, um auch an dessen Vielfalt zu kommen. Vor allem die offiziellen Google Apps wie Kalender, Maps und mehr gibt es im Amazon App Store nämlich nicht.

Zu erwähnen gilt noch die Werbung auf dem Sperrbildschirm, falls ihr die Version für 59 Euro wählt. Ob Zubehör, Apps oder neue Serien – der Lock Screen wird zum Werbefenster. Für 15 Euro könnt ihr sie deaktivieren, aber das ist meiner Meinung nach kaum wert, denn seien wir ehrlich: Das gesamte Fire OS basiert auf Werbung.

Akkulaufzeit

Obwohl die Akkukapazität mit 2980mAh nicht gerade groß ausfällt, so schaffte das Amazon Fire in unserem Test etwa 8 Stunden 720p Videowiedergabe bei 50% Displayhelligkeit ohne Anstrengungen. Wer das Tablet etwas aktiver zum Surfen benutzt, wird auf etwa sechs bis sieben Stunden kommen. Erwähnenswert ist die geringe Selbstentladung im Standby, sodass ihr ohne zu überlegen das Tablet für ein Paar Tage zur Seite legen könnt, um es danach wieder zu benutzen. Für einen Interkontinentalflug reicht der Akku also aus. Das ist gut.

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Fazit

Mit dem Fire bricht Amazon mal wieder einen Preisrahmen und zwar nach unten. Es ist dadurch schwer das Amazon Fire mit anderen Marken-Tablets zu vergleichen, weil es in dieser Preisklasse einfach nichts vergleichbares von bekannten Herstellern gibt.

Das Amazon Fire ist bei weitem nicht für jeden gedacht und geeignet. Das Display hat eine geringe Auflösung, der Lautsprecher klingt furchtbar und die Kameras liefern kaum nutzbare Ergebnisse. Doch der Rest geht in Ordnung. Die Performance ist mehr als ausreichend um ein Paar Mails zu schreiben, etwas bei Google nachzuschauen, ein Rezept nachkochen oder sich Videos bei Prime, Youtube oder Netflix anzuschauen. Wenn man sich dann noch überlegt, dass dieses Tablet gerade mal so viel kostet wie ein guter Abend in der Lieblingsbar, dann erkennt man, dass es sogar ein sehr gutes Tablet für diesen Preis ist.

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