Huawei Mate S Test – Groß. Schön. Teuer.

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Huawei ist der Smartphone-Hersteller der Stunde. Die Chinesen bewiesen mit ihren letzten Geräten, dass sie eine sehr genaue Vorstellung davon haben, was Kunden von einem Smartphone erwarten. Wir haben uns ihren neuesten Spross, das Huawei Mate S im Test genauer angeschaut.

Huawei Mate S

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Huawei Mate S
(Bild: Übergizmo.de)

Huawei Smartphones sind meist wertig verarbeitet, recht flott, oft mit großem Akku, und guter Kamera. Noch dazu verkauft Huawei seine Smartphones zu vernünftigen Preisen. Kein Wunder also, dass Huawei im weltweiten Smartphone Markt einen ordentlichen Sprung nach oben macht und nun auf Platz drei hinter Samsung und Apple rangiert.

Huawei Mate S in unserem ausführlichen Videotest:

Nun zeigte Huawei zur IFA 2015 das Huawei Mate S (hier gehts zum Hands-On), den Nachfolger des vor allem wegen seines immensen 4.100 mAh Akkus hoch gelobten Huawei Mate 7. Dabei stellt die Mate-Reihe nicht Huaweis Flaggschiffreihe, sondern Huaweis Phablet-Reihe dar. Damit bleibt das aktuelle Huawei Flaggschiff das Huawei P8. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich das Huawei Mate S verstecken muss, denn es ist ein außergewöhnlich gutes Smartphones geworden.

Design & Verarbeitung

Das Huawei Mate S gehört zu den schönsten Smartphones auf dem Markt. Smartphones aus Metall sind zwar zum Glück keine Seltenheit mehr, dennoch übertrifft sich Huawei mit dem Mate S selbst. Weder das Huawei Mate 7, noch das Huawei P8 können hier mithalten. Das liegt nicht nur an der Optik, sondern auch an der schmeichelnden Haptik. Alle Kanten wurden konsequent abgerundet, sogar der Alurücken kommt mit einem leichten Schwung.

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Die Rückseite und der Rahmen bestehen aus einem Stück Aluminium, auf dem im oberen und unteren Bereich sehr dünne und in der Farbe des Smartphones gehaltene Antennen aufgedampft wurden. Mittig oben steht die Kamera einen knappen Millimeter aus dem Gehäuse heraus, direkt darunter befindet fast in der gleichen Größe ein Fingerabdruckscanner, der seinerseits wiederum einen knappen Millimeter  in das Gehäuse eingelassen wurde.

Das Mate S misst an der dicksten Gehäusestelle 7,6 Millimeter, direkt an der hervorstehenden Kamera sogar 8,4 Millimeter. Dank des abgerundeten Designs fühlt es sich jedoch deutlich dünner an. Zum Vergleich: Das recht kantige Huawei P8 misst 7,1 Millimeter und fühlt sich subjektiv etwas massiver und dicker an. An Gewicht bringt das Huawei Mate S angenehme 156 Gramm auf die Waage.

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Das Huawei Mate S kann in den Farben  Coral Pink, Mystique Champagne, Titanium Grey und Prestige Gold gekauft werden. Uns liegt die dezent goldene Mystique Champagne Variante vor.

Display

Das 5,5 Zoll große Super AMOLED löst mit 1.920 mal 1.080 Pixel auf und kommt damit auf eine Pixeldichte von gut 400 ppi. Klar gibt es Displays mit deutlich höheren Auflösungen. In meinen Augen wurde beim Mate S jedoch der perfekte Kompromiss aus scharfer und dennoch akkuschonender Darstellung gefunden. Lediglich in Kombination mit Smartphone VR Brillen wie der Zeiss VR One werden höhere Auflösungen notwendig. Wobei sich bei unserem VR Porno Test auf der IFA auch niemand an der geringen Auflösung störte. ;)

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Wer schon ab und an Smartphone-Tests von mir gelesen hat, weiß: Ich mag AMOLEDs. Deswegen hat das Display des Mate S bei mir sofort ein Stein im Brett. AMOLED-typisch kommt es mit extremen Kontrasten, leuchtenden Farben und geringem Energieverbrauch.

Auf der anderen Seite sind die Blickwinkel zwar recht stabil, aber es kommt zu leichten Verfärbungen. Huawei bietet übrigens die Möglichkeit, die Farbtemperatur des Displays anzupassen. Die Displayränder des Mate S kommen mit 2,5D, sind also leicht gewölbt um die Haptik des Mate S zu verbessern.

Geschützt wird das Display von Gorilla Glass 4. Ganz ehrlich: Mir ist es bei meinem persönlichen Nutzungsverhalten völlig gleich, ob hier Gorilla Glass 1, 2, 3, 4 oder sonst irgendeine kratzerabweisende Schicht über dem Display liegt. Bei mir befinden sich spätestens nach zwei Wochen deutliche Kratzer auf der Front – so auch beim Huawei Mate S.

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Dabei behandle ich die Geräte aus meiner subjektiven Sicht durchaus pfleglich. Trotzdem: Gorilla Glass 4 verhindert zumindest bei mir keine Displaykratzer. Immherin soll Gorilla Glass 4 deutlich weniger spröde und damit stabiler als der Vorgänger sind.

Hardware & Performance

Im Inneren des Huawei Mate S taktet ein HiSense Kirin 935. Er baut auf dem Kirin 930 auf, besitzt acht Kerne und taktet mit 2,2 GHz. Einige spekulierten im Vorfeld der Präsentation auf den Kirin 950 – und waren entsprechend enttäuscht. Unterstützt wird der Kirin 935 von 3 GByte RAM.

Die Performance ordnet sich mit knapp 50.000 Punkten im Antutu Benchmark im oberen Bereich ein, ohne jedoch mit den Top-Modellen wie dem Qualcomm Snapdragon 808 / 810 oder dem überragende Exynos 7420 aus der Samsung S6 Reihe mithalten zu können. Dafür bleibt er im Gegensatz zum Snapdragon 810 auch unter Volllast angenehm kühl.

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Die gefühlte Geschwindigkeit hält sich in Grenzen. So kommt es beim Navigieren durch die Menüs immer wieder zu Microrucklern und zu sehr kurzen Wartezeiten. Wenn ich allerdings ehrlich bin, gibt es diese Ruckler bei allen Android-Smartphones – das Samsung Galaxy S6 und seine Brüder sind hier die einzigen Ausnahmen. Bei Anwendungen und Games gibt es keinerlei Probleme, alle getesteten liefen einwandfrei.

Sound

Auch wenn es so aussieht, als ob auf der Unterseite des Huawei Mate S Stereolautsprecher verbaut wurden, ist es in Wirklichkeit nur ein einziger Monolautsprecher. Dieser verrichtet seinen Dienst ordentlich. Soll heißen: Er ist ausreichend Laut und verfügt über gute Klangeigenschaften – für ein Smartphone wohlgemerkt.

Nicht so geschickt ist dagegen seine Platzierung. Hier kommt es in unangenehmer Regelmäßigkeit vor, dass man den Lautsprecher beim Halten des Gerätes im Landscape-Mode verdeckt. Besser wäre hier natürlich ein Frontlausprecher, im Idealfall sogar zwei.

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Die mitgelieferten In-Ear-Kopfhöhrer sehen dank ihrer Kombination aus Metall und weißer Plastik sehr wertig aus. Ihr Design kommt ohne Gummiaufsätze aus und erinnert deshalb stark an die aktuellen Apple EarPods. Für einige Ohren, meine gehören hier leider dazu, entpuppt sich ihre Form jedoch als suboptimal, da sie ständig aus dem Ohr zu fallen drohen.

Die Soundeigenschaften der Kopfhörer sind ok, ohne dass man sie jedoch als gut bezeichnen könnte. Schon wieder eine Gemeinsamkeit mit den Apple EarPods.

Akku

Der Akku kommt mit einer Kapazität von 2.700 mAh. Damit erreicht das Mate S natürlich nicht annähernd die überragenden Akkulaufzeiten eines Mate 7 mit seinem 4.100 mAh Akku. Doch auch wenn die Akkulaufzeit des Mate S mit Sicherheit keine Rekorde bricht, sie bringt den Nutzer zumindest sicher über den Tag. Im Schnitt bot das Mate S bevor es allabendlich an die Steckdose kam bei mir noch 20 bis 45 Prozent Akku.

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Diese 20 bis 45 Prozent vermitteln ein angenehmens Gefühl von Akkusicherheit. Allerdings ist damit auch klar: Über den zweiten Tag kommt das Mate S ohne Zwischenladung nur schwer.

Kamera

Huawei legte bei seiner Präsentation des Mate S auf der IFA 2015 viel Wert darauf, die „überragende Kamera“ hervorzuheben und sie in einer Tour mit der Kamera des großen iPhones zu vergleichen.

Erstmal zur Frontknipse. Sie nimmt Bilder mit einer Auflösung von 8 Megapixel auf und kann sich durchaus sehen lassen. Wenn da nicht dieser unsägliche Verschönerungsfilter ab Werk voreingestellt sein würde. Keine Ahnung, wer sowas toll finden soll: Gesichter gleich dank des Filters gepuderten Babypopos oder Keramikpuppen. Ich bestehe darauf, dass man meinem Gesicht auch sein Alter ansieht. Jede Falte, jede Narbe, jeder Bartstoppel ist ein Teil von mir und soll nicht wegretuschiert werden. Übrigens: So richtig gruselig wird es, wenn man ein Baby mit den Verschönerungsfilter fotografiert.

Aber gut, den Verschönerungsfilter kann man abstellen und dann macht die Frontkamera auch richtig gute Bilder.

Mate S (Bild: Übergizmo)

Mate S Selfie aus der Hölle: Links ohne, rechts mit „Verschönerungs“-Filter. (Bild: Übergizmo)

Die Kamera auf der Rückseite versteht 13 Megapixel, kommt mit optischen Bildstabilisator und einem Dual-LED-Blitz. Kommt euch bekannt vor? Richtig, das ist die gleiche Kamera wie im Huawei Flaggschiff P8. Schon im P8 gefiehl sie uns richtig gut, wer das genauer nachlesen will, kann das gerne im Test des Huawei P8 unter dem Punkt „Kamera“ tun.

Hier nur ganz kurz: Der Sony-Sensor mit seiner RGBW-Anordnung nimmt auch bei schlechten Lichtverhältnissen scharfe und wenig verrauschte Bilder auf. Der OIS hilft dabei, verwacklungfreie Bilder zu produzieren.

Insgesamt schlägt sich die Kamera des Huawei Mate S sehr gut. Allerdings muss sie sich dennoch den Kameras der aktuellen Apple iPhone 6s, Samsung Galaxy S6 sowie den LG G4 geschlagen geben.

 

Die Kamera-App von Huawei bringt alle vom Huawei P8 bekannten Funktionen. Mit dabei sind wieder die Rücklichtspuren, seidiges Wasser, Sternschnuppen, Super-Nacht, HDR, Zeitraffer und einges mehr. Besonders hervorzuheben ist hier der Pro-Modus. Hier können ambitionierte Smartphone-Fotografen von der Verschlusszeit, über Belichtung, ISO, Fokus, Weißabgleich und vieles mehr manuell einstellen.

Software

Das Huawei Mate S basiert auf Android 5.1.1 mit Huaweis EMUI 3.1. Das User-Interface von Huawei kommt wie gewohnt mit Höhen und Tiefen. So wurde der App-Drawer, sozusagen das Sammelbecken aller installierten Apps, gestrichen. Alle Apps werden auf den Starbildschirmen dargestellt. Unverständlich, warum man ein derart praktischen Android-Feature streicht. Glücklicherweise lässt sich dies mit entsprechenden Launcher Apps sehr einfach umgehen (Einstellungen > Apps verwalten > App-Standardeinst. > Übersicht).

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Aber EMUI 3.1 kommt auch mit vielen richtig guten Funktionen. So funktioniert der Fingerabdruckscanner nicht nur zum Entsperren des Gerätes. Mit einem Wisch kann hier auch der Benachrichtigungs-Slider herunter- und wieder hochgefahren werden. Mitt einen „Doppelklick“ auf den Fingerabdruckscanner werden alle Benachrichtigungen entfernt. So kann mit einer Fingerbewegung das Mate S entsperrt und Nachrichten gecheckt werden. Eine Kombination die gefählt unzählige Mal pro Tag ausführe.

Im Stand-By-Modus kann mit einem Doppelklick auf den Leiser-Knopf die Kamera gestartet werden. Auch eine von mir sehr häufig genutzte Funktion. Ein seitlicher Wisch über die Softkey-Leiste „schrumpft“ die Fläche des Displays, in dem die Inhalte dargestellt werden, so dass man das 5,5 Zoll Monstrum problemlos einhändig bedienen kann. Genial!

Weniger glücklich bin ich mit der Knuckle-Control. Mit Klopf- oder Wischgesten über den Fingerknöchel sollen so verschiedene Funktionen ausgeführt werden. So weckt zweimal mit den Knöchel auf das ausgeschaltete Display klopfen das Smartphone auf. Wenn das Display eingeschaltet ist, erstellt das doppelte Klopfen einen Screenshot. Das funktioniert in dem Fall zwar ganz gut. Allerdings hält sich der Mehrwert in Grenzen.

(Foto: Ubergizmo.com)

Auch Wischgesten erkennt Knuckle Control. Malt man mit den Knöchel zum Beispiel ein „C“ auf das Display, öffnet sich die Kamera-App. Das soll auch im Stand-By-Modus funktionieren. Sobald man das „C“ jedoch auf das Display malt, verlangt das Mate S die Eingabe des Entsperrcodes beziehungsweise des Fingerabdrucks. Mit einem einfachen Doppleklick auf die Leiser-Taste öffnet sich die Kamera-App hingegen ohne zusätzliches Ensperren. Das macht diese Knuckle-Funktion dann schon wieder sinnlos.

Force Touch

Das Mate S soll mit 32 GByte, 64 GByte und in einer Premium-Version mit 128 GByte fest verbautem Flash-Speicher kommen. Ein ganz besonders Feature sol der Premium-Version vorbehalten sein: Force Touch. Ähnlich wie Apples in den aktuellen iPhones integriertes 3D Touch erkennt das Mate S mit 128 GByte nicht nur ob jemand auf das Display tippt, es erkennt auch, wie stark dieser Druck ist. Damit lassen sich theoretisch einige spannende Zusatz-Features realisieren.

The HUAWEI Mate S

Unser Test Mate S mit 32 GByte kennt leider kein Force Touch, allerdings konnten wir das Feature auf der IFA 2015 ausprobieren. Beim Betrachten von Bilder öffente sich durch einen Druck auf das Bild ein Lupe, um einzelne Bereiche genauer betrachten zu können. Je nachdem, wie stark nun auf das Display gedrückt wird zoomt der Auschnitt rein oder raus. Das Ganze funktioniert stufenlos.

Auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Mate S auf der IFA 2015 betonte Huawei, dass sie hier noch jede Menge Ideen für neue Features umsetzen wollen. Stand heute wissen wir jedoch immer noch nicht, wann das Mate S mit 128 GByte und Force Touch erscheinen soll und auch nicht, wie viel es kosten soll.

(Bild: Übergizmo)

Huawei Mate S Fazit

Das Huawei Mate S ist ein wundervolles Smartphone. Sofort beim ersten Anfassen habe ich mich ein klein wenig verliebt. Es fühlt sich dank detailverliebter Verarbeitung aus Metall und Glas einfach grandios wertig an. Das schicke Display, die gute Kamera und der zuverlässige Fingerabdruckscanner mit genialer Zusatzfunktion vertiefen diese Zuneigung noch. Da kann ich auch darüber hinweg sehen, dass das Huawei Mate S im Vergleich zur Konkurrenz vielleicht einen Ticken zu langsam und die Akkulaufzeit „nur“ Durchschnitt ist.

Alternativen

Der Internetpreis (Stand: 10.11.15) ist mit etwa 600 Euro derzeit jedoch zu hoch. Besonders, wenn man es mit dem sehr ähnlichen Honor 7 für 350 Euro vergleicht. Aber auch Konurrenten wie das OnePlus X (270 Euro), das Meizu MX5 (etwa 300 Euro), das Xiaomi Mi Note (etwa 300 Euro) oder dem LG G Flex 2 (mein Geheimtipp, für gerade einmmal 250 Euro fast schon unverschämt günstig) bieten eigentlich mehr fürs Geld. Selbst das Samsung S6 Edge als eines der allerbesten Smartphones ist preislich derzeit mit dem Huawei Mate S vergleichbar.

Trotzdem: Wem 600 Euro nicht zu viel Geld für ein Smartphone ist, der bekommt mit dem Huawei Mate S ein edles und hochelegantes Smartphone, in das er sich vielleicht genauso wie ich ein klein wenig verlieben wird.

Pro / Con

(Bild: Übergizmo)Eines der schönsten Android-Phones

(Bild: Übergizmo)Schönes Display

(Bild: Übergizmo)Genialer Fingerabdruckscanner

(Bild: Übergizmo)Clevere Software-Features

(Bild: Übergizmo)Gute Kamera

(Bild: Übergizmo)Mit 600 Euro zu teuer

(Bild: Übergizmo)Performance „nur“ gut

Huawei Mate S in unserem ausführlichen Videotest:

 

 

 

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