Android-Passwörter offenbar von Google ferngesteuert rücksetzbar

(Bild: Google)

Wer sein Android-Gerät mit einem Kennwort versieht, denkt, dass niemand an das Smartphone oder Tablet herankommt. Das scheint so nicht zu stimmen. Nach einem Bericht aus den USA kann Google Passwörter zurücksetzen - aus der Ferne.

Nach einem Bericht des New Yorker Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance kann Google auf gerichtliche Anordnung hin Passwörter auf Android-Geräten zurücksetzen. So können Strafverfolger an die Daten auf den Geräten kommen. Das Ganze soll aus der Ferne funktionieren, heißt es in dem Bericht (pdf).

Allerdings räumt der Bezirksstaatsanwalt auch ein, dass diese „Hintertür“ nur für ältere Android-Geräte gilt. „Für Android-Geräte auf denen das Betriebssystem Lollipop 5.0 oder höher läuft, plant Google jedoch eine Geräteverschlüsselung ab Werk, wie sie auch Apple nutzt, die es für Google unmöglich macht, Durchsuchungsbefehle oder Gerichtsbeschlüsse für eine Datenextrahierung zu befolgen.“

Die Verschlüsselung ab Werk hatte Google im Oktober für neue Geräte mit Android 6 Marshmallow verpflichtend gemacht. Allerdings gilt das nur für Geräte, die eine Verschlüsselungsleistung von mindestens 50 MBit/s erreichen. Geräte, die ein Upgrade auf Android 6 erhalten, sind ebenfalls davon ausgenommen. Die ursprünglich bereits für Android 5 Lollipop geplante Verschlüsselung ab Werk sagte Google im März 2015 ab und legte die Verantwortung alleine in die Hände der Hersteller.

Trotz Googles Zusage für Android Marshmallow und der Möglichkeit, die Verschlüsselung nachträglich zu aktivieren, lassen sich die meisten Android-Geräte nicht vor einem behördlichen Zugriff schützen. Grund dafür ist die Fragmentierung des Betriebssystems. Anfang November liefen Android 5 und 6 zusammen nur auf 25,9 Prozent aller Android-Smartphones und –Tablets.

Besitzer älterer Geräte haben auch oftmals keine Möglichkeit, auf eine neuere OS-Version umzusteigen, weil der Hersteller ihres Produkts kein Update anbietet. In einigen Fällen werden vorhandene Updates zudem nur verzögert oder gar nicht von den Mobilfunkanbietern ausgeliefert, was die Zahl der Geräte, deren Passwort von Google zurückgesetzt werden kann, weiter erhöht.

Vance hatte in der vergangenen Woche auch Gesetze gefordert, die Hersteller zwingen sollen, ihre Smartphonebetriebssysteme so zu gestalten, dass Strafverfolgungsbehörden Daten jederzeit entschlüsseln können. Die Entscheidungen von Apple und Google, ihre Produkte sogar schon ab Werk zu verschlüsseln, hätten „erhebliche“ Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit.

Apple betonte erst vor Kurzem, dass es selbst auf Anordnung eines Gerichts nicht auf verschlüsselte Nutzerdaten zugreifen könne. „Für Geräte mit iOS 8 oder höher hätte Apple nicht die technische Fähigkeit, um dem Verlangen der Regierung nachzukommen“, heißt es in einem Schriftsatz des iPhone-Herstellers. „Zu den Sicherheitsfunktionen in iOS 8 gehört ein Feature, das jeden vom Zugriff auf die verschlüsselten Daten des Geräts ausschließt, der nicht über den Passcode verfügt. Das schließt Apple ein.“

Tipp: Wisst ihr alles über Edward Snowden und die NSA? Überprüfe dein Wissen – mit 15 Fragen auf silicon.de.

Tags :Quellen:Mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.deVia:ZDNet.com

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising