Raubkopierer muss bei Anti-Raubkopiervideo mitwirken

Bild: Shutterstock

Ein verurteilter Raubkopierer aus Tschechien kann den ihm aufgebrummten Schadenersatz nicht bezahlen. Nun muss er stattdessen in einem Video mitwirken, bei dem er über seine 'Karriere' sprechen muss. Das Video muss 200.000 Mal aufgerufen werden, damit ihm seine Schulden erlassen werden.

Der Raubkopierer aus Tschechien wurde zu einer 3jährigen Bewährungsstrafe verurteilt und ist nun gezwungen, in einem Video gegen Piraterie aufzutreten. Nur so kann er einer riesigen Schadenersatzzahlung entgehen, die die Business Software Alliance fordert. Das Video „Die Geschichte meiner Piraterie“ muss in zwei Monaten mindestens 200.000 Mal abgerufen werden.

Wie ein BSA-Sprecher der BBC sagte, sollte diese Bedingung sicherstellen, dass der 30-jährige Softwarepirat mit für ein möglichst breites Teilen des in Tschechisch gedrehten Videos sorgt. Das tat er auf der dafür eingerichteten Webseite Mojepiratstvi.cz, wo er dringend um Hilfe bat, die angesetzten 200.000 Ansichten mit dem Clip zu erreichen. Er musste selbst in dem von einer professionellen Videofirma produzierten Video auftreten, um die abschreckenden Folgen seiner Piraterie zu demonstrieren.

„Ich musste diese Site starten, weil ich acht Jahre lang Piraten-Software verbreitet habe, und sie mich dann erwischt haben“, schrieb der an den Pranger gestellte Raubkopierer, dessen Name mit Jakub F. angegeben wurde. „Ich dachte, dass ich nichts Falsches mache, dass es die großen Unternehmen nicht schmerzt. Ich habe es nicht einmal für Geld gemacht, nur so zum Spaß.“ Er habe sich in der Warez-Community anerkannt gefühlt und sei überzeugt gewesen, ein zu kleiner Fisch zu sein, um mit seinem Auffliegen rechnen zu müssen. „Aber schließlich haben sie mich erwischt. Selbst für mich haben sich die Ermittler interessiert.“

Jakub F. soll über Jahre hinweg Windows 7 und 8 sowie weitere Inhalte auf Filesharing-Sites bereitgestellt haben. Ein Amtsgericht verurteilte ihn zu drei Jahren Haft auf Bewährung, wollte aber keine zusätzliche Geldbuße verhängen. Es verwies die geschädigten Firmen, zu denen neben Microsoft HBO Europe, Sony Music und 20th Century Fox gehören, auf eine mögliche Zivilklage oder eine außergerichtliche Einigung. Diese Unternehmen nahmen wie üblich eine extrem hohe Schätzung des ihnen entstandenen Schadens vor, die sich auf insgesamt 6 Millionen Tschechische Kronen (222.000 Euro) belief.

Die geforderte Summe wäre für Jakub F. ohnehin unbezahlbar gewesen. Die verlangten Klickzahlen aber übertraf er innerhalb von Tagen. Youtube nennt inzwischen über 470.000 Abrufe des viralen Videos – und ihre Zahl erhöht sich noch immer laufend.

Tags :Quellen:Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de

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