Star Wars Battlefront im Test: Gelungener Shooter ohne Charakter

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Gamer wurden dieses Jahr zunehmend mit unschlagbarem Material überschüttet. Ein Witcher 3, Fallout 4 oder Batman Arkham Knight sind zu nennen. Star Wars Battlefront will dem Anspruch gerecht werden, verfehlt aber sein Ziel.

Star Wars Battlefront für Xbox One

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Was waren das für wundervolle Stunden, die ich mit Battlefront I und II auf der Xbox verbringen durfte. Große Schlachtfelder, stimmige Schauplätze und Online-Schlachten, die seinerzeit ihresgleichen suchten. Das war 2004 und 2005.

Ganze zehn Jahre später kommt mir der dritte Teil der Shooter-Saga auf einem X-Wing der deutschen Post ins Haus geflogen. Die Erwartungen sind hoch: Noch größere Schlachtfelder, epische Stimmung für die harten Fans und ein ausgeklügeltes Gameplay.

Und nein, das (erste) Battlefront des Disney-Franchise und EA hat mich nicht überzeugt. Nicht den Fan der Sternenkriege in mir. Vielleicht den Gelegenheits-Gamer, aber sicherlich nicht den Jungen, der seit 1995 mit seiner ersten VHS von Star Wars „Eine neue Hoffnung“ an der Saga hängt.

Story, Kampagne, Charakter – Fehlanzeige

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Ich bin etwas unentschlossen, ob Battlefront wirklich über einen Story-Mode verfügen sollte. In meiner Erwartung hätte ich damit gerechnet. Nun, Fehlanzeige. Das neue Battlefront fährt weder mit einer Kampagne auf, noch findet sich bei den Online-Kämpfen irgendeine Geschichte – etwas schade.

Als Held, Imperiale Truppe oder Rebell geht es über bekannte Schauplätze wie Hoth oder Tatooine. Ganz schön, doch fehlt es meiner Meinung nach an der Tiefe. Bis auf die Kampfszene in der Eis-Wüste Hoths findet man nichts, was der eine oder andere Fan aus den Filmvorlagen kennt.

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So ist die Stimmung zwar meist gut eingefangen – keine Frage bei der spitzen Grafik – doch wer sich Jabbas Palast, einen Kampf in der Wolkenstadt Bespin oder ein Kashyyyk aus den Vorgängern wünscht, geht leer aus. Hier hilft selbst die typische Filmmusik nicht mehr. Der Reiz für den Fan bleibt einfach aus – schade.

Electronic Arts als Entwickler hinter dem Spiel bestätigt meinen Eindruck: Das Spiel sei nicht mehr für Fans gemacht, man will lieber die breite Masse abfangen. Also diejenigen, die vielleicht noch unter 18 Jahren sind, diejenigen die mehr auf Shooter und weniger auf Obi-Wan Kenobi stehen.

Nun ja, ich bin anscheinend nicht in dieser Zielgruppe. Ich brauche nicht noch einen simplen Shooter à la COD oder Titanfall. Wer allerdings darauf steht, der wird sicherlich seinen Spaß mit diesem Game haben.

Gameplay für erfahrene Jedi-Ritter

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Und damit kommen wir auch gleich zur Zielgruppe. Denn: Sich durch rundenbasierte Schlachten mit Helden zu kämpfen, Stützpunkte zu halten oder wichtige Kriegs-Güter zu beschützen, das sind klassische Shooter-Elemente, die viele Gamer ziehen.

Selbst ich habe da meine Freude sich durch Battlefront zu metzeln. Warum? Nun, erstens wimmelt es in Battlefront aktuell nur so von erfahrenen Gamern, gegen die der Kampf zu einer anspruchsvollen Aufgabe wird. Das sagt mir als Hobby-Spieler durchaus zu.

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Zudem machen die Extras Spaß. Grundsätzlich läuft Battlefront so ab: Ihr spielt das erste Mal und habt nur einen Blaster und einen Charakter in der Auswahl. Stück für Stück spielt ihr euch in den Rängen hoch, kauft neue Waffen, Charaktere und Co.

Der Reiz findet sich aber vielmehr in den sogenannten Sternenkarten. Die gibt es, wie Waffen und die verschiedenen Figuren, im Tausch gegen eure erkämpften Credits. Nette Waffen-Boosts, Gadgets und passive Fähigkeiten mach euch so langsam zum Über-Rebell oder Elite-Sturmtruppler. Mein absoluter Liebling findet sich im Jetpack.

Gespielt wird dann letztendlich wie jeder andere Shooter. Die Tasten sind auf der Xbox One klassisch belegt, nach nur wenigen Minuten kommt man vollständig im Game zurecht.

Lediglich bei den Helden, also etwa Luke Skywalker, dem Imperator oder Boba Fett, benötigt es etwas Feingefühl. Diese zeichnen sich durch spezielle Fähigkeiten aus und sind nicht so einfach wie ein normaler Soldat zu steuern – gut so, denn der Held ist in Battlefront das wichtigste Spielelement. Dazu aber später mehr.

Mit verschiedenen Spiele-Modi zum Sieg über die Galaxie

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Vorherrschaft, Kampfläufer-Angriff, Jägerstaffel, Gefecht, Fracht, Abwurfzone, Droidenalarm und Co. – hach bei diesen Namen pocht mein Fan-Herz wieder.

Und bei den Spiele-Modi macht Battlefront auch alles richtig. Für jeden ist etwas dabei, egal ob Hobby-Gamer, Fan, Shooter, Luft-Gefecht oder rundenbasierte Kämpfe in kleinen Gruppen.

Ihr habt Bock auf ne schnelle Runde Battlefront? Kein Problem, 5 Kämpfe in „Helden vs. Schurken“ kosten euch nur rund 20 Minuten. Ihr wollt mal wieder die Sau rauslassen? Dann zieht die AT-ATs von ihren Beinen. Und wie wäre es mit großen Schlachten und vielen Spielern auf einer Map? „Vorherrschaft“ werdet ihr lieben.

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Ein einziger Kritikpunkt: Es gibt keine Weltraumschlachten mehr. Doch ich will nicht schon wieder meckern, ihr könnt einfach nicht mehr wie in Battlefront II euren Raumgleiter in den Hangar fremder Sternenzerstörer fliegen und im Inneren alles kaputt machen – Punkt.

Stattdessen schließt euch lieber zu einer lustigen Runde „Heldenjagd“ zusammen. Hier geht es den Darth Vaders und Boba Fetts ans Leder. Zu 7. steht ihr dabei jeweils einem Sith oder Jedi gegenüber. Wer den Todesstoß versetzen kann, schlüpft selbst in die Rolle des Gegners und hat seine Kollegen gegen sich.

Große Welten, kleine Helden

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Gerade in Spielen wie Kampfläufer-Angriff und Fracht kann man zuweilen den Überblick verlieren. Hier geht es mit insgesamt 20 Spielern auf eine richtig große Map. Viele Stunden kann dabei vor allem der Angriff auf die Kampfläufer fressen.

Das ganze aus den Augen der Imperialen Truppen: Ihr habt zwei dicke AT-ATs und müsst sie mit aller Kraft bis auf die andere Seite der Map beschützen. Dazu stehen euch Tie-Fighter und nette Power-Ups zur Verfügung. Ab und an könnt ihr sogar als Held übers überdimensionierte Schlachtfeld metzeln.

Doch aufgepasst: Die Rebellen verstecken sich allzu gerne in Bunkern, haben feste Geschütztürme und können Funktürme erobern.

Bei Fracht ist das Gameplay nicht anders, lediglich gibt es hier keine Fahrzeuge und beide Teams müssen sich auf eine Rettungskapsel stürzen und diese bergen. Große Teams, riesige Maps, viele Schlupfwinkel und dreckige Hinterhalte.

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Mit den großen Maps hat mich Battlefront letztendlich dann doch wieder stark begeistert. Hier klingeln Erinnerungen an die Vorgänger, vereint mit attraktiven Fahrzeugen, liebevoll gestalteten Karten und einem Zwang zum Zusammenspiel und taktischen Denken.

Einzig bei den Helden lässt sich etwas streiten. Denn wer einmal in die Rolle eines Imperators schlüpft, fühlt sich ziemlich erbärmlich, wenn zwei kleine Soldaten ihn auf der Stelle töten. Klar, auf der einen Seite sollten Helden nie übermäßig stark sein, um den Spielfluss nicht zu sehr zu beherrschen.

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Doch auf der anderen Seite: Warum können zwei, im Vergleich lächerlich ausgerüstete, Rebellen-Infanteristen einen bis an die Zähne bewaffneten Boba Fett vom Himmel holen?

Müsste der Kopfgeldjäger nicht mehr als drei Waffen haben? Und sollten diese nicht mehr als eine Ladung abfeuern können – um dann 15 Sekunden für den nächsten Schuss warten zu müssen? Oder ein Imperator der nur rund 10 Sekunden Blitze abfeuern kann. Danach ist er nämlich überladen und muss abkühlen – ja ne ist klar, Altersschwäche grüßt.

Fazit: Ballern in bombastischen Welten

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Star Wars Battlefront versucht die Brücke zwischen Mainstream und Fans des Epos zu schlagen. Ich bin der Meinung, dass das EA und Disney nicht gelungen ist. Vielmehr entpuppt sich Battlefront als gut entwickelter Shooter mit vielen attraktiven Elementen.

Die verschiedenen Spiele-Modi, Waffen und das Belohnungssystem sprechen für viele Stunden Spielspaß. Die Maps sind fantastisch designed und beherbergen überraschend detailreiche Texturen. Noch ein Bonus: Es gibt Jedi-Ritter, Sith, Helden und Schurken – eine willkommene Abwechslung zu den normalen Infanteristen und eine kleine Freude für Star Wars Fans.

Anhänger des Krieges des Sterne bleiben allerdings etwas enttäuscht zurück. Es fehlt an der Liebe zum Star-Wars-Detail – oder Authentizität wenn man so will.

Ich persönlich kann das Spiel dennoch empfehlen – trotz der genannten Kritik. Gerade über die anstehende Weihnachtzeit bis zum Neujahr könnte Battlefront viele Stunden der feiertäglichen Einsamkeit überwinden ;-)


Star Wars Battlefront bietet im Gesamtbild einige Vorteile:

❯ Verkürzte Wartezeit auf Episode 7
❯ Shooter für Semi-Profis und Hobby-Gamer
❯ Stimmungsvolle Maps
❯ Anspruchsvolle Spiele-Modi


Ranking

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Rundum erhält Star Wars Battlefront von mir 3,5 von 5 Sternen. Einen positiven Eindruck hinterlassen die vielen Spiele-Modi, die Grafik, die verschiedenen Charaktere und die stimmungsvolle Atmosphäre.

Ein Stern geht von der vollen Punktzahl ab, da das Spiel den Fan-Mehrwert vernachlässigt. Das Spiel wirkt nicht liebevoll auf Freunde der Saga zugeschnitten – bekannte Gesichter in den Maps oder Sequenzen, Erklärungen zu den Schauplätzen oder Inhalten, die enger an der Filmvorlage liegen, sind nur drei Beispiele, die ich vermisse. Ich als Fan, kann „Star Wars“ in Battlefront nur teilweise finden.

Einen weiteren halben Stern Abzug erhält das Game für die etwas unzureichende Auswahl an Maps. Klar, es dauert eine Weile, bis man alles gesehen hat, doch nach etwa 3 Stunden Spielzeit kennt man jede Karte auswendig. Nicht schlimm, doch in Hinblick auf das letzte Statement von EA etwas ärgerlich.

Denn EA gibt offen zu, dass Battlefront bisher wenig Inhalte bietet. Der Season Pass mit allen DLCs soll es richten, auch ein Singleplayer-Modus ist im Gespräch. Der Pass kostet dann allerdings nochmals 60 Euro extra – bravo.

plusHervorragende Shooter-Atmosphäre

plusVielseitiges Gameplay

plusUnzählige Spiele-Modi

plusViele bekannte Schurken und Helden

plusTolle Grafik mit bildgewaltigen Explosionen, Soundelementen und Co.

minusSchwaches Spiel für Fans

minusZu wenig Star Wars-typische Elemente

minusKein Singelplayer

minusWenig Abwechslung bei den Maps

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