Apple – Der Arbeitgeber mit den zwei Gesichtern

(Bild: Shutterstock)

Apple ist weltweit eines der erfolgreichsten Unternehmen. Mit schicken Restaurants, Cafés, Fitness-Centern, Einkaufszentren, ärtzlicher Versorgung und Spaß will Apple die Kreativität und Leistung der Arbeitnehmer steigern. Ehemalige Apple-Mitarbeiten erzählen von Manipulation, Kontrolle und Einschüchterung.

Viele Menschen erhoffen sich einen Job bei Apple und sind bereit, dafür alles zu tun. Sie lieben die Herausforderung und sind dankbar für die Chancen, die ein Job bei Apple mit sich bringt.

Aber auf diese teilweise überzogenen Hoffnungen werfen sich dunkle Schatten. Ehemalige Apple-Mitarbeiten erzählen von Manipulation, Kontrolle und Einschüchterung. Sie packen aus, wie es in den Medien häufig heißt: Arbeiten an Sonntagen, ständige Erreichbarkeit und absolute Verschwiegenheit was aktuelle Projekte anbelangt – auch der Familie gegenüber. Das alles sind nicht zu unterschätzende psychische Belastungen.

Einer der bekannstesten ehemaligen Mitarbeiter von Apple ist Ben Farrell. In seinem Blog packte Farrell über seinen ehemaligen Arbeitsgeber aus. Farrel bezeichnet Apple  als „kollektive iCult-Maschinerie, deren dreckige, abgenutzte, schmierige und naive interne Mechanismen des Schikanierens, des Belästigens und der Psychospiele jedes Jahr glänzende und polierte iPhones herauspressen“. In seinem Blog-Eintrag beschreibt er noch konkreter, warum er Apple als Arbeitgeber den Rücken gekehrt hat:

„In recent weeks I contracted a nasty incapacitating mosquito born virus and was hospitalised for a short time. However, rather than receiving support, I was emailed a presentation to my hospital bed with a note that it needed to be completed ‘urgently’. Even on the very morning of my wedding I was still being harassed by phone and email to send a report someone had lost.“

[Übersetzung: In den letzten Wochen erkrankte ich an einer Virusinfektion und war für eine kurze Zeit stationär im Krankenhaus. Doch statt Unterstützung erhielt ich eine E-Mail, dass eine Präsenation fertig werden muss. Mt dem Vermerk dringlich. Sogar am Morgen meiner Hochzeit wurde ich per Anruf und E-Mail belästigt, dass ich einen Bericht senden sollte, den jemand verloren hat.]

Ben Farrell (Bild: <a href="http://roadlesstravelled.me/2015/04/06/why-steve-jobs-motivated-me-to-quit-apple/" target="_blank">Ben Farrell</a>)

Andrew Guan beschreibt die Situation in China. Dort ist Apple ein regelrechter Kult.

I don’t know what’s the internal culture like in the states, in China, it’s pretty insane. Imagine, on the quarter meeting, manager stand on the table and shouting „WHO ARE YOU!“ All the employees raise their hands over the head and answer „WE ARE APPLE!“

[Übersetzung: Ich weiß nicht wie es international aussieht, aber in China ist es wirklich verrückt. Stellt euch vor, beim Quartalsmeeting steht der Manager auf dem Tisch und ruft: „WER SIND WIR?“ Und die Mitarbeiter heben die Hände über den Kopf und antworten: „WIR SIND APPLE!“]

 

Besonders schlimme Erfahrungen mit Apple hat Ariel Maislos gemacht. Er war der CEO des Start-Ups Israel´s Anobit. Das Unternehmen wurde von Apple für 500 Millionen Dollar aufgekauft. Ariel Maislos gab ein ausführliches Interview zu seiner Arbeit bei Apple unseren Kollegen von ZDnet. Hier ein paar Auszüge daraus.

„They say that Intel is full of paranoids, but at Apple, ‚they‘ really are after you. At Apple, you have to run ahead just to stay in place, and there are very high expectations of everyone. Apple expects everything you do to be amazing.“

[Übersetzung: Sie sagen Intel ist voll von Paranoiden, aber bei Apple sind „sie“ wirklich hinter dir her. Bei Apple muss man rennen um an Ort und Stelle zu bleiben und es gibt sehr hohe Erwartungen an jeden. Apple erwartet von dir, dass alles was du tust erstaunlich ist.]

Ariel Maislos (Bild: ZDnet.com Shmuel Auster)

Damals als Tim Cook noch der COO von Apple war, gab er ein Statement zur Geheimhaltung von Apple und seinen Mitarbeitern ab. Er versuchte damit zu erklären, wieso Apple und seine Mitarbeiter nicht über Projekte außerhalb des Konzerns sprechen können.

“Well, that is a part of the magic of Apple. And I don’t want to let anybody know our magic because I don’t want anybody copying it,”

[Übersetzung: Nun, dass ist ein Teil der Magie von Apple. Ich will niemand an unserer Magie teilhaben lassen, weil ich nicht will, dass sie jemand kopiert.]

Tim Cook (Bild: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Cook#/media/File:Tim_Cook_2009_cropped.jpg " target="_blank">Wikipedia</a>)

Doch nicht alle Mitarbeiter von Apple kritisieren die Arbeitsmethoden des Konzerns. Brandon Carson fand die internen Methoden von Apple anfangs auch störend. Doch er änderte seine Meinung. Nun findet er, dass sogar mehr Unternehmen so vorgehen sollten wie Apple.

„They desire and demand a collaborative atmosphere. Your work is peer-vetted — we had to present our work to the team and take feedback. At first I found this a bit disruptive, cause I’m used to working on my own projects in a silo, but at the end of the day, the collaboration ensured a better product. And the work didn’t progress too far without checks and balances. More companies need to operate like that internally.“

[Übersetzung: Sie wünschen und verlangen eine kooperative Atmosphäre. Deine Arbeit wird immer prüfend begutachtet – Wir mussten unsere Arbeit einem Team präsentieren und Feedback dazu entgegennehmen. Am Anfang fand ich das eher störend, denn ich arbeite eigenständig an Projekten in meinem Silo. Aber am Ende des Tages führte die Zusammenarbeit zu einem besseren Produkt. Und die Arbeit ging nicht zu schnell voran ohne Kontrolle oder Ausgleich. Mehr Firmen sollten intern so mit einander kooperieren.]

Brandon Carson (Bild: <a href="https://twitter.com/brandonwcarson" target="_blank">Brandon Carson</a>)

Insgesamt ist es sehr schwierig ein allgemein gültiges Statement zu „Apple als Arbeitsgeber“ abzugeben. Es sind stressige Jobs mit hohen Erwartungen, an denen die wohl klügsten Köpfe der Welt arbeiten.

Manche wie Ben Farrell oder Ariel Maislos haben Apple für immer den Rücken zu gekehrt und sehen die Arbeit bei Apple als eine der schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens an. Andere hingegen wie Brandon Carson haben aus ihrer Erfahrung bei Apple viel für ihr Leben und ihre weitere Kariere mitgenommen. Es bleibt dabei: Apple ist ein Arbeitsgeber mit viel Licht und mit ebensoviel Schatten.

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