Netatmo Welcome Test: Kamera fürs Smart Home

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Netatmo ist kein unbekannter Akteur im Smart Home Bereich und ist am besten durch die vernetzten Wetterstationen bekannt. Mit der Welcome Kamera stellt Netatmo nun eine Lösung vor, mit der man sein Heim von überall her live überwachen kann.

Netatmo Welcome Test

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Netatmo Welcome

Das Heim etwas smarter gestalten – das steht derzeit oft im Fokus unterschiedlicher Hersteller. Jeder setzt dabei auf unterschiedliche Strategien: Erst kürzlich haben wir mit Elgato Eve ein System getestet, das sich komplett auf Apple HomeKit verlässt und somit für Nutzer anderer Betriebssysteme nicht zur Verfügung steht. Netatmo geht hier einen anderen Weg und bietet für die Welcome Kamera Apps sowohl für iOS- als auch Android-Nutzer an. Der Nachteil: Die Daten werden über Netatmos eigene Server geschleust, doch dazu später mehr.

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Design & Verarbeitung

Wer die Netatmo Wetterstation kennt, wird die Ähnlichkeiten im Design sofort erkennen. Die Welcome Kamera hat eine zylindrische Form, ist kaum größer als eine Dose Red Bull und besteht zum Großteil aus einem Stück Aluminium. Die Oberfläche ist hochwertig behandelt und sieht mit ihrer goldenen Farbe edel und elegant aus, ohne groß hervorzustechen. Die Netatmo Welcome bindet sich somit sehr gut in die Einrichtung ein und macht neben der typischen Armada aus WLAN-Router, Festnetztelefon und Handy-Ladestation eine gute Figur.

Etwas verbessern könnte man den unteren, weißen Fuß, der aus hartem Plastik besteht und keinerlei Gummierung aufweist. Das führt dazu, dass die Welcome je nach Stärke der Spannung hervorgerufen durch die hinteren Kabeln sich zurückdreht und somit ihre Ausrichtung nicht beibehält. Ebenfalls wird keine Wandhalterung mitgeliefert, das Gerät ist also klar für den Einsatz auf einem Tisch oder einer Kommode im Eingangsbereich gedacht.

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Die Netatmo Welcme ist kaum größer als eine Getränke Dose (Bild: Ubergizmo)

Einrichtung

Selten habe ich die Einrichtung so spielerisch simpel erlebt wie bei der Netatmo Welcome. Ans Netz stecken, die App starten, die Welcome auf den Kopf stellen und schon koppelt sie sich mit dem Smartphone. Dann hat man die Möglichkeit die Station über WLAN 802.11 b/g/n (2,4Gigahertz) oder Ethernet zu verbinden, letztere Option wird vor allem in innerstädtischen Wohnungen mit vielen WLAN-Netzen drum herum die etwas zuverlässigere Option darstellen, denn das weniger ausgelastete 5 Gigahertz Band fehlt leider. Am Ende nur noch die mitgelieferte 8GB microSD Karte auf der Rückseite einschieben und schon kann es losgehen.

Die Netatmo Welcome sollte am besten im Eingangsbereich aufgestellt werden, denn diese soll ja vor allem überwachen, wer das Heim betritt und wieder verlässt. Mit ihrem 130 Grad weiten Betrachtungswinkel gestaltet sich die Positionierung recht flexibel, denn dadurch muss die Kamera nicht 100% direkt auf beispielsweise die Eingangstür ausgerichtet sein. Auch muss sie nicht zwingend auf Augenhöhe hingestellt werden – eine Komode ist völlig ausreichend, denn der Blickwinkel ist auch nach oben sehr weit.

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Die Anschlüsse sind auf der Rückseite (Bild: Ubergizmo)

Ich empfehle jedoch dringend das Aufnahmefeld über die App zu überprüfen. Dieses ist nämlich so weit, dass in meinem Fall ein Teil des Fernsehers am rechten Rand mit aufgenommen wurde. Innerhalb weniger Stunden hatte ich an die hundert fremde Gesichter, die mir die App ohne Unterbrechung mitteilte. Daran merkt man, wie zuverlässig die Gesichtserkennung funktioniert. Kurz: Aufpassen beim Ausrichten, es sei denn ihr wollt benachrichtigt werden, wenn euer Partner wieder einen Til Schweiger Film schaut.

Netatmo Welcome – Heimüberwachung mal anders

Ab sofort überwacht die Netatmo Welcome wer an ihr vorbeiläuft und meldet das an die entsprechende Smartphone App. Jedes Mal, wenn eine Person von der Linse erkannt wird, nimmt die Kamera einen 30 sekündigen Video-Clip auf und vergleicht das gesehene Gesicht mit den bekannten Gesichtern. Genauer: Im Grunde nimmt die Kamera ständig auf, wodurch sich auch die deutlich spürbare Hitzeentwicklung erklären lässt. Nur bei erkannten Personen werden entsprechende Schnitte gesetzt und diese Dateien auf die SD Karte gespeichert. Ist die SD Karte voll, so werden die ältesten Videoabschnitte überschrieben.

In einer Timeline werden die Ereignisse aufgelistet (Bild: Netatmo)

In einer Timeline werden die Ereignisse aufgelistet (Bild: Netatmo)

Die Gesichtserkennung erfolgt übrigens auf der Kamera selbst. Neben den Videodateien werden dabei auch möglichst aussagekräftige Screenshots erstellt, die verschlüsselt samt Namen der Person an die App gesendet werden. Dort bekommt jedes Gesicht ein kleines Symbol und wird – falls vorhanden – mit einem Namen unterlegt. Wenn nicht, kann man die nicht erkannten Aufnahmen einer Person zuordnen, um die Genauigkeit zu erhöhen. Je öfter also die Welcome ein Gesicht sieht, desto zuverlässiger wird auch die Erkennung. Die Kamera lernt täglich dazu.

Im Alltag wurden nicht nur die Gesichter zuverlässig erkannt, auch jede Bewegung wurde mit kaum merkbarer Verzögerung als Benachrichtigung auf das Telefon geschickt. Selbst dunkle Lichtverhältnisse stellen für die Welcome kein Problem dar, denn durch eine kleine Infrarot-LED wird der Raum unsichtbar ausgeleuchtet und Personen werden somit selbst nachts erkannt.

Wem das noch nicht unmittelbar genug ist, kann auch einen kompletten Live Stream von der Situation Zuhause auf sein Smartphone bekommen. Mit Hilfe eines Screenshots wird man in der App auf dem aktuellsten Stand gehalten, tippt man darauf, wird zunächst ein 360p Livestream gestartet, der je nach Verbindungsgeschwindigkeit bis zu Full High Definition, also 1080*1920, hochgestuft wird und man recht viele Details erkennt. Auch der Ton wird übertragen und bietet eine ausreichend hohe Auflösung, um im Notfall zu verstehen, was vor sich geht.

Einstellungen

Wem all diese Benachrichtigungen zu viel werden, der kann genauere Einstellungen vornehmen, bei welchen Ereignissen die App einen informieren soll. So ist es möglich den Zeitraum einzustellen, ab welchem Zeitintervall jemand als nicht mehr Zuhause gilt (also beispielsweise, wenn jemand 4 Stunden lang nicht mehr gesehen wurde). In diesem Sinne meldet die App auch nur das erste Betreten der Person, danach gibt es keine Benachrichtigungen mehr.

Darüber hinaus kann man einstellen, ob unbekannte  Gesichter immer oder nur, wenn niemand zu Hause ist, gemeldet werden. Auch die Videoaufzeichnung und generell alle Benachrichtigungen kann man näher einstellen, denn diese müssen nicht zwingend erfolgen. Hier kann man nämlich zwischen „Nie“, „Nur wenn niemand zu Hause“ und „Immer“ wählen.

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Nachtaufnahmen sind für die Welcome kein Problem (Bild: Ubergizmo)

Datenschutz

Im Vergleich zum kürzlich getesteten Elgato Eve System, das vollständig auf Apple HomeKit basiert und die Daten somit vollkommen der Apple iCloud anvertraut, setzt Netatmo auf eigene Server mit vollverschlüsselter Übertragung. Der Vorteil dessen ist natürlich klar: Man kann somit alle möglichen Betriebssysteme wie iOS und Android erreichen, hat also eine gewisse Flexibilität. Der Nachteil: Man muss sich auf die Datensicherheit von Netatmo verlassen, die ja vor allem bei einer dauernd aktiven Kamera in den eigenen vier Wänden nicht unerheblich ist.

Die einzelnen Clips sind nur auf der SD-Karte gespeichert, werden also nicht an die Server von Netatmo geschickt. Nur wenn man sich einen Clip gezielt anschauen möchte, wird dieser mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an das Telefon oder die Web-App gesendet. Auch der Videostream ist vollständig verschlüsselt und wird nicht gespeichert. Nur die kleinen Screenshots, die zu den kurzen Clips gehören, werden auf dem Server gespeichert, damit sie ohne Verzögerung auf dem Smartphone angezeigt werden können.

Entfernt ihr also die Speicherkarte aus dem Netatmo Welcome, ist die Kamera auch nicht mehr nutzbar, denn sowohl die Videodateien als auch die Identifikationsdaten sind dort enthalten. Alternativ könnt ihr die Kamera auch in der App komplett ausschalten. Wer einzelne Personen schützen möchte, kann Mitteilungen zu bestimmten Menschen ausstellen. Dafür werden dann auch keine Videodateien auf der SD-Karte hinterlegt, die Gesichter müssen aber vorher identifiziert werden.

Die Tags sind vor allem für Fenster und Türen gedacht (Bild: Netatmo)

Die Tags sind vor allem für Fenster und Türen gedacht (Bild: Netatmo)

Erweiterung mit Tags

Wem eine Kamera nicht reicht, kann übrigens mehrere Netatmo Welcome in der App verwalten. Alternativ kann man auch so genannte Tags nutzen, die den Zustand der Türen und Fenster überwachen. Anders als sonstige Sensoren, die aus zwei Teilen bestehen, sind die Tags einteilig und reagieren auf Erschütterungen. Leider konnten wir sie nicht testen, weil sie noch nicht im Handel verfügbar sind. Der Gedanke der Erweiterung ist jedoch logisch und sinnvoll. Hinzu kommt, dass die Tags wetterbeständig sind und somit auch außerhalb mit einer Entfernung von bis zu 100m verwendet werden können. Neben Fenstern und Türen am Haus sind somit auch ein Briefkasten oder eine Gartentür damit ausrüstbar.

Passt perfekt zur Einrichtung – die Netatmo Welcome (Bild: Ubergizmo)

Passt perfekt zur Einrichtung – die Netatmo Welcome (Bild: Ubergizmo)

Fazit zur Netatmo Welcome

Um ehrlich zu sein, war ich anfangs etwas skeptisch, ob die Netatmo Welcome mir einen Mehrwert bieten kann. Schließlich kann ich auch jederzeit zu Hause anrufen, ob jemand aus meiner Familie da ist, unbedingt sehen muss ich das nicht. Auch ist es mir nicht wichtig zu wissen, zu welchem Zeitpunkt wer nach Hause gekommen ist.

Doch es gibt mit Sicherheit Menschen, die genau das an der Netatmo Welcome schätzen werden. Familien, die wissen möchten, ob das Kind schon von der Schule gekommen ist, oder ob während des Urlaubs zu Hause alles in Ordnung ist. Wer sich einen sinnvollen Einsatzzweck vorstellen kann, der wird mit der Netatmo Welcome also mehr anfangen können als andere.

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Man muss sich natürlich vor Augen führen, dass die Welcome jederzeit – tags und nachts – ohne Unterbrechung aufnimmt und das können auch Momente sein, die intim sind und die man mit seinen anderen Familienmitgliedern vielleicht nicht teilen möchte.

Die Qualität der Aufnahmen sowie die Einfachheit der Bedienung können jedoch überzeugen. Die Gesichtserkennung ist zuverlässig und lernt ständig dazu, die hohe Auflösung des Videostreams ist angenehm anzusehen und bietet genügend Details auch bei Nacht. Auch der Datenschutz hat für Netatmo einen hohen Stellenwert, man muss aber auf die Verschlüsselung und die Sicherheit der externen Server vertrauen können.

Solange man weiß, wofür man die Netatmo Welcome verwenden möchte, liefert sie eine gute Möglichkeit zur intelligenten Heimüberwachung. Wer es noch nicht so genau weiß, sollte es sich noch einmal überlegen, ob er die circa 169€ nicht lieber für etwas anderes ausgeben möchte.

(Bild: Übergizmo)

Pro / Con

(Bild: Übergizmo)Einfache Bedienung

(Bild: Übergizmo)Gute Bildqualität & Gesichtserkennung

(Bild: Übergizmo)funktioniert systemunabhängig

(Bild: Übergizmo)keine Windows Phone App

(Bild: Übergizmo)teuer

Tags :
  1. Hallo,

    interessant wäre, ob man den Stream via ONIV Schnitstelle aufzeichnen kann.

    Dann könnte man nämlich diese Kamera mit der synology surveillance station Benutzen

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