Kurz vor dem Google-Krankenhaus – Ärzte überflüssig?

(Bild: getgero)

Mehr noch, 2012 stellte Google den Dienst "Google Health" zunächst ein. Der Hauptgrund war "Angst der Patienten". Doch inzwischen hat sich bedeutendes getan auf dem Sektor der digitalen Medizin.

E-Health ist das Thema in der Medizin der Zukunft. Doch wie weit ist diese Zukunft entfernt? Der Hamburger Trend- und Innovationsberater Torsten Rehder meint sinngemäß, dass diese Zukunft schon zu Google Health Zeiten begonnen habe. Rehder sprach auf der Winterkonferenz der Bayerischen TelemedAllianz in München aus, was viele aus der Branche sich bis jetzt nicht trauten.

Neben der von Datenschützern kritisierten Gesundheitskarte und der sich immer weiter ausbreitenden Telemedizin ist E-Health nicht erst seit der Flüchtlingskriese das Thema Nummer eins auf der Agenda des mitunter wichtigsten deutschen Wirtschaftssektors. Auf der diesjährigen Medica, der weltgrößten Messe für Medizintechnik in Düsseldorf blickten ebenfalls alle Augen in genau diese Richtung.

Gesundheitssektor mitten in digitaler Transfomation

„Google, Apple und Co. sind relevante Player im Markt, die man keinesfalls unterschätzen darf“, machte Rehder deutlich. Allein Google erfasse pro Tag weltweit mehr als 280 Millionen gesundheitsbezogene Suchanfragen. Und wer kennt dies nicht? Vor dem Arztbesuch, bemüht sich schließlich so gut wie jeder einer vorherigen Googlesuche. Was läge also näher, als diese Daten zielgerichtet nutzbar zu machen?

Wenn Big Data maschinelles Lernen ermöglicht und dadurch scheinbar nebenher die nächste industrielle Revolution einzuleiten vermag, was kann sie erst für unser Gesundheitswesen bedeuten? Schon jetzt verkaufen Hersteller auf dem Gebiet der Medizintechnik Systeme, welche Krankheits- „Diagnosen“ ganz automatisch erstellen.

CAD heißt dieser disruptive Technologiesprung der digitalen Anamnese (Krankheitserkennung). Computer-assisted detection. Dieser Begriff ist nicht umsonst einer der umstrittensten in der Medizin. Von Seiten digitaler Medizin-Pioniere wird er auch gerne provokativ computer-assisted diagnosis genannt. Dies gefällt vielen Ärzten keineswegs. Schließlich sind es doch sie, welche traditionell nach intensivem Studium und dem Erwerb langjähriger Erfahrung Diagnosen stellen.

Maschinen erkennen Krankheitsbilder besser als jeder Arzt

Statistisch ist dies im direkten Vergleich tatsächlich in einigen Fällen zutreffend. Gerade wenn es um die bildgestützte Diagnose geht, hat die Maschine entscheidende Vorteile. Sie arbeitet nicht nur schneller, sondern auch mit zuverlässiger Aufmerksamkeit. 24-Stunden-Schichten sind für einen Computer kein Problem.

Das entscheidende Kapital von Google und Co. sind aber die Unmengen an Daten. Diese ermöglichen bei entsprechend fortgeschrittenem Stand der Technik eine Interpretationsdiagnose. Dies ginge weit über die geradezu „autistische“ Arbeitsweise hinaus, wie wir sie bisher von Computern gewohnt waren.

Kurz vor dem Google-Krankenhaus?

Google konzentriert sich momentan in der Tat auf eine Zusammenarbeit mit einem Klinikum. Damit Gesundheitsdaten effektiv aufbereitet werden können ist Google in Kooperation mit der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota, USA. So sollen entsprechende Suchanfragen via Google über den Button „Talk with the doctor“ zu einem Video-Chat mit einem fachspezifischen Arzt hergestellt werden.

Aber auch Apple strebt weit nach vorn auf diesem Gebiet. So integrieren bereits erste Kliniken und Arzt-Praxen Gesundheitsdaten von Apple-Nutzern in ihre Arbeit. Dies wurde durch das Apple Research-Kit namens „Health-Kit“ ermöglicht. Innerhalb nur eines Tages ist es so gelungen mehr als 10.000 Teilnehmer für ein Studie zu gewinnen.

Ärzte überflüssig?

Allein die zumeist unbewusst selbst erhobenen Daten eines jeden Smartphonenutzers aus Bewegung, Ernährung und Schlafgewohnheit erzeugen ein nie zuvor dagewesenes schlüssiges Gesundheitsbild, an dem selbst Wissenschaftler ein enormes Interesse hegen. Nach Rehders Ansicht kreiere dies einen enormen Mehrwert für telemedizinische Leistungen, welche auch außerhalb des Wartezimmers und jenseits von Öffnungszeiten von Klinik und Arztpraxis rund um die Uhr geltend würden.

Wenn künftig nicht mehr die Kausalität, sondern die Korrelation von Daten das Handeln in der Medizin bestimmen, sei der Arzt als Experte zwar immer noch wichtig, er stehe dann jedoch nicht mehr an erster Stelle erklärte Rehder.

 

(Bild: getgero)

Tags :Via:ÄrzteZeitung

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