TomTom Bandit Test: Actionkamera mit GPS & smarter App

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Bereits äußerlich sieht man der TomTom Bandit Actionkamera an, dass sie nicht wie die GoPro Hero sein will. Doch auch innerlich ist sie vom Klassenprimus stark verschieden und bietet GPS, eine intelligentere App und sogar einen optionalen Herzfrequenzmesser!

TomTom Bandit im Test

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Design und Verarbeitung

Actionkameras müssen nicht rechteckig und langweilig sein, das hat Sony bereits mit der FD-X1000V und ihren Vorgängern bewiesen. Die TomTom Bandit sieht jedoch noch um einiges sportlicher aus, was an ihrem komplexeren Außengehäuse liegt, das modular aufgebaut ist. Die Actionkamera ist im Grunde ein länglicher Zylinder, der in drei Teile unterteilt ist: Das Hauptgehäuse, eine spritzwassergeschützte Frontlinse sowie den Batt-Stick, der den Akku enthält. Sowohl die Frontlinse als auch der Batt-Stick lassen sich ersetzen, indem sie aufgedreht werden. Somit ist es möglich mit einer speziellen, optionalen Linsenabdeckung eine Wasserdichte bis zu 50 Metern Tiefe zu erreichen; die mitgelieferte Andeckung ist nur für kurzzeitiges Untertauchen in bis zu einem Meter Tiefe bis zu 30 Minuten zertifiziert.

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(Bild: Ubergizmo)

Schauen wir uns das Hauptgehäuse genauer an, das wie der Rest auch aus stabilem Kunststoff gefertigt ist. Auf der Oberseite findet sich dort ein recht großes schwarz-weiß Display, das über das Steuerkreuz darunter bedienen lässt. Darüber findet sich die Stop-Taste, die über eine integrierte LED verfügt. Eine weitere LED ist auf der Rückseite oberhalb des Bat-Stick eingebaut – beide zeigen an, ob eine Aufnahme derzeit läuft. Die obere Bedieneinheit wird von sechs kleinen Torx-Schrauben festgehalten und von einem roten Band mit TomTom Schriftzug verziert. Insgesamt ist die TomTom Bandit somit meiner Meinung nach eine der bestaussehendsten Actionkameras auf dem Markt, denn das Design spiegelt eine sportliche Komplexität wieder, was den anderen Kameras einfach fehlt.

Die Frontlinse ist abschraubbar (Bild: Ubergizmo)

Die Frontlinse ist abschraubbar (Bild: Ubergizmo)

Batt-Stick: Pro und Contra

Während GoPro auf kleine, eckige Akkus setzt, die direkt ausgetauscht werden können, hat sich TomTom für den Batt-Stick entschieden. Der Batt-Stick (nicht zu verwechseln mit einem anderen, ähnlich klingenden englischen Wort) ist die Batterie der Bandit und wird von hinten in das weiße Gehäuse eingeschoben und mit einer Drehung des Gummirings fixiert. Neben dem 1900mAh großen Akku beherbergt sie außerdem einen Einschub für die microSD Speicherkarte und bietet gleichzeitig einen USB 3.0 Anschluss, um die Daten sofort an den Rechner transferieren zu können und die Batterie auch an einem Netzteil zu laden. Einerseits ist das natürlich ungemein praktisch, denn so muss man keinen microSD Adapter mehr mit sich herumschleppen (und glaubt mir, ich kann ein Lied davon singen, wie schnell sie verloren gehen). Andererseits nimmt es Platz in der Kamera weg, der sonst für mehr Akkukapazität genutzt werden könnte. Der zweite und letzte Grund dagegen: So ein Batt-Stick hat zwar deutlich mehr Batterie-Kapazität als ein GoPro Akku (1160mAh) und ermöglicht somit längere Aufnahmen, er kostet jedoch auch schlappe 59€, also das dreifache eines GoPro Akkus. Ihr seht, die zusätzliche Technik kostet einen hohen Aufpreis und seien wir ehrlich: Vor allem bei Actionkameras gehört ein zweiter Akku einfach dazu, um nicht beim womöglich größten Erlebnis seines Lebens ohne Akkuladung dazustehen.

Der Batt-Stick: Batterie mit USB-Anschluss (Bild: Ubergizmo)

Der Batt-Stick: Batterie mit USB-Anschluss (Bild: Ubergizmo)

Doch der Batt-Stick bietet noch ein bisschen mehr, denn auf seiner Rückseite findet sich noch eine Taste, mit der ihr Filmaufnahmen starten und eure Lieblingsmomente markieren könnt. Radelt ihr also beispielsweise auf einem Panoramaweg entlang und habt etwas tolles gesehen, könnt ihr kurz die Taste drücken und die TomTom Bandit merkt sich diese Stelle im Video und zeigt sie euch später an. Recht praktisch, um später nicht stundenlang nach diesem perfekten Moment suchen zu müssen. Mit Hilfe von GPS- und Herzfrequenzdaten kann man das noch etwas weitertreiben, doch dazu später mehr.

Robustes Gehäuse

So eine Actionkamera muss bei der Benutzung auch einiges wegstecken können, die Robustheit und die Verarbeitung sind also extrem wichtig. Hier kann die TomTom Bandit auf voller Strecke überzeugen: Sowohl die Linsenabdeckung als auch der Batt-Stick rasten satt hörbar und spürbar ein und wackeln nicht, sodass die Wasserdichte garantiert werden kann. Das matte, weiße Kunststoffgehäuse sieht nicht nur schick aus und fühlt sich angenehm in der Hand an, es kann auch den einen oder anderen Sturz aushalten. Bei meiner letzten Ausfahrt ist die Gummihalterung der Bandit vom Fahrrad gesprungen (Tipp: verwendet die Klebepads wirklich nur ein Mal, dann passiert euch so etwas nicht), und die Kamera hat sich mehrmals auf dem Waldboden überschlagen bis ich mit dem Hinterrad noch über sie gefahren bin. Bis auf ein Paar Verschmutzungen ist die Bandit unbeschadet gewesen und verrichtet bis heute treu ihren Dienst.

Die Halterung der Bandit (Bild: Ubergizmo)

Die Halterung der Bandit (Bild: Ubergizmo)

Flexible Halterung mit Schwächen

Recht einzigartig ist nicht nur die Form der Bandit, sondern auch ihre Halterung. Diese besteht als einziges Teil aus Metall und ist nicht fest, sondern lässt sich fast komplett um das Gehäuse der Bandit drehen. Mit feinen Zwischenschritten erreicht man somit also nicht nur die sonst übliche frontale Ausrichtung auf der Unterseite, sondern man kann die Kamera auch seitlich (beispielsweise am Helm oder am Auto) befestigen, ohne dafür eine flexible Zubehörhalterung zu benötigen. Im Bereich von 180 Grad hat man also die komplette Freiheit und zu meinem Erstaunen blieb die Kamera trotz ihres recht hohen Gewichts von 190 Gramm jederzeit stabil.

Weniger zufrieden war ich mit der Klemmhalterung für das Zubehör. So ist der Schnappmechanismus deutlich einfacher zu bedienen als bei der GoPro (bei der ich mir schon mehrmals die Finger geklemmt habe), allerdings ist Schmutz der größte Feind der eingebauten Federn. Der Mechanismus ist nämlich recht filigran aufgebaut und verbirgt sich hinter einer breiten Metallschiene. Zwei Federn stellen sicher, dass die Halterung einschnappt und die Kamera am Halter festhält, sind diese jedoch verschmutzt, so werden die Federn nicht mehr zurückgedrückt und die Kamera hält nicht mehr sicher, sodass man per Hand die Kunststoffflügel rausziehen muss. Eine erfolgreiche Reinigung ist leider nicht ohne Werkzeug möglich, denn dafür müssen zwei kleine Torx-Schrauben aufgedreht werden. Wer in sauberen Umgebungen filmt, wird nichts davon feststellen können, für Aufnahmen in Sand und Dreck ist die TomTom Bandit dadurch eher weniger gut geeignet.

Die Kamera kann im Bereich von 180 Grad gedreht werden (Bild: Ubergizmo)

Die Kamera kann im Bereich von 180 Grad gedreht werden (Bild: Ubergizmo)

Einfache Bedienung

Das Herzstück der TomTom Bandit bildet der 1 Zoll große Bildschirm, der unter anderem aus den Sportuhren des niederländischen Herstellers bekannt ist. Seine Auflösung ist zwar nicht sehr hoch und er zeigt nur schwarz und weiß an, trotzdem ist er vor allem bei hellem Sonnenlicht eine sehr große Hilfe, um Einstellungen zu treffen. Aufgrund seiner hochreflexiven Eigenschaften nimmt die Lesbarkeit zu, je heller das Umgebungslicht ist – für alle Außenaktivitäten also ein sehr großer Vorteil. Der Nachteil: Ihr seht nicht was ihr aufnehmt, dafür braucht ihr nämlich eine Smartphone App.

Etwas verwirrend fand ich zunächst das Steuerkreuz unterhalb des Bildschirms, denn die große weiße Fläche in der Mitte ist komplett ungenutzt und nicht wie ich erst dachte der Bestätiguns-/OK-Knopf; doch man gewöhnt sich schnell an diese Art der Navigation durch das Menü. Etwas zu schwach finde ich übrigens das Feedback der Tasten: Druckpunkte sind schlecht spürbar, eine Bedienung mit Handschuhen liefert fast keine haptische Rückmeldung.

Anschluss für das Mikrofon und das Ladekabel (Bild: Ubergizmo)

Anschluss für das Mikrofon und das Ladekabel (Bild: Ubergizmo)

Der Aufbau der einzelnen Menüpunkte ist übersichtlich in Listen aufgebaut und bietet ausreichend viele Einstellungsmöglichkeiten, um funktional und gleichzeitig intuitiv zu sein. Fünf Hauptfunktionen gibt es: Foto, Video, Zeitlupe, Zeitraffer und Film; mit einem Druck nach rechts wählt man den entsprechenden Modus und kann dann sofort mit der Sterntaste die Aufnahme beginnen. Alternativ geht man nach oben, wo sich das WLAN einschaltet und die SSID sowie das Passwort anzeigt. Rechts befinden sich die Anzeigen für die gemessene Geschwindigkeit per Global Positioning System (GPS), den Speicherstatus der SD-Karte sowie die Anzeige der Herzfrequenz, falls man einen Herzfrequenzsensor damit verbunden hat. Drückt man die untere Taste, so gelangt man in die Einstellungen des jeweiligen Modus und kann die Auflösung, Bildfrequenz, Szene und mehr einstellen.

Straßenszene (Bild: Ubergizmo)

Straßenszene (Bild: Ubergizmo)

Gute Bildqualität mit bis zu 4K

Folgende Einstellungen werden von der TomTom Bandit angeboten und können entweder direkt in der Kamera oder in der App vorgenommen werden:

  • Foto: Einzelbild 16 Megapixel, Serienbild 8 Megapixel
  • Video: 1080p30/1080p60/720p60/720p120
  • Film: 4k15/2,7k30
  • Zeitraffer: 1080p30/4k30 (Aufnahme mit 1 Sek., 1/5 Sek., 1/10 Sek., 1/15 Sek., 1/30 Sek., 1/60 Sek.)
  • Zeitlupe: 1080p (2 x)/720P (4 x)/WVGA (6 x)

Etwas verwirrend finde ich dabei die Trennung zwischen Video und Film, letztendlich ergeben beide Video-Dateien. In dieser Preisklasse nicht ungewöhnlich werden auch 4K Aufnahmen unterstützt, allerdings nur mit ruckeligen 15 Bildern in der Sekunde. Somit ist diese Option nur für Profis gedacht, die wissen was sie tun, für den Rest gibt es maximal 2,7K bei flüssigen 30 Bildern pro Sekunde.

Die Qualität der Aufnahmen ist sehr gut, Framedrops oder Ruckeln konnten wir nicht feststellen. Der recht weite Aufnahmewinkel ist perfekt für Action-Aufnahmen, verzerrt aber wie üblich an den Rändern. Sowohl bei der Schärfe als auch bei der Farbwiedergabe gibt es wenig zu bemängeln – Bilder sehen selbst in Innenräumen dynamisch und natürlich gesättigt aus. Der Dynamikbereich und die Schärfe nehmen bei Videoaufnahmen im Vergleich zu Fotos etwas ab, sind jedoch immer noch im grünen Bereich. Mit abnehmendem Licht steigt natürlich das Rauschen, im Dunkeln würde ich die Bandit ungerne nutzen wollen. Doch für eine Ausfahrt zum Sonnenuntergang ist sie gut geeignet. Eine Bildstabilisierung bietet die TomTom Bandit übrigens nicht, bei einer ruhigen Hand macht der Weitwinkel kleine Ruckler jedoch wett. Leider hatten wir keine Gelegenheit die Bandit mit einer GoPro Hero 4 zu vergleichen, bei YouTube finden sich jedoch einige Gegenüberstellungen, die keine großen Unterschiede vermitteln. Insgesamt ist die Aufnahmequalität sehr gut und kann sich mit der Konkurrenz messen.

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TomTom Bandit App

Vor allem für Gelegenheitsnutzer kann es ziemlich lästig werden seine Aufnahmen zu sortieren und die Highlights zusammenzusuchen, um dann das finale Video zu schneiden. TomTom bietet genau dafür eine ziemlich praktische und simple Lösung an: Verbindet man die Bandit mit der entsprechenden App (iOS und Android) über WLAN und schüttelt das Smartphone, dann wird automagisch ein Video erstellt, das man sofort teilen kann. Die Idee ist smart: Die App bedient sich dabei der Highlights, die während der Aufnahme per GPS, Stern-Knopf oder dem Herzfrequenzsensor aufgezeichnet wurden. Im Alltag heißt das: Habt ihr eine besonders hohe Geschwindigkeit erreicht, seid am höchsten Punkt eurer Reise angelangt oder erlebt einen herzrasenden Moment, dann weiß das auch die Bandit und schneidet diese aufregenden Momente rein. Ihr könnt natürlich auch eigene Ausschnitte wählen und die Länge der Videos bestimmen sowie eine Hintergrundmusik einstellen und eure Geschwindigkeit und Puls im Video einblenden lassen. Eine sehr schicke Funktion, die die TomTom Bandit einzigartig und praktisch für die sozialen Medien macht.

Natürlich könnt ihr auch alle Einstellungen zu der Aufnahme selbst in der App einstellen. Die Verbindung ist dabei immer stabil und liefert ein verzögerungsfreies Live-Bild direkt von der Kamera.

Akkulaufzeit

Bis zu drei Stunden Akkulaufzeit verspricht TomTom bei 1080p-Aufnahme (30 Bilder/ Sekunde) und das können wir in etwa bestätigen, bei 2,7k sind es in etwa 90-100 Minuten, was einen sehr guten Wert darstellt. Dazu ist der Akku durch den 1900mAh großen Batt-Stick schnell gewechselt, dieser kostet allerdings ganze 59€ – im Vergleich zu Alternativen von GoPro und Co. zu teuer, dazu mehr oben unter Batt-Stick.

GPS bei der Bandit (Bild: Ubergizmo)

GPS bei der Bandit (Bild: Ubergizmo)

Lieferumfang und Zubehör

Es gibt zwei unterschiedliche Pakete, in denen die TomTom Bandit verkauft wird: Das Base Pack mit 4 Zubehörteilen sowie das Premium Pack mit 9 Teilen. Bei dem günstigen Paket sind neben einem Batt-Stick zwei Klebehalterungen, ein GoPro Adapter sowie eine spritzwassergeschützte Linsenabdeckung enthalten. Der Premium Pack bietet zusätzlich noch eine Unterwasserabdeckung, eine Bluetooth-Fernbedienung, eine Fahrradhalterung sowie diverse weitere Befestigungsmöglichkeiten. Während es am Anfang noch recht wenig weiteres Zubehör gab, hat TomTom nachgelegt und bietet nun eine sehr umfangreiche Auswahl an Zubehör an. Von einer schwimmenden Hülle bis hin zu einem Selfiestick findet man fast alles – selbst wenn nicht, hilft der mitgelieferte GoPro Adapter an dieser Stelle weiter und bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten.

Gut lesbares Display auch bei Sonnenlicht (Bild: Ubergizmo)

Gut lesbares Display auch bei Sonnenlicht (Bild: Ubergizmo)

Fazit: TomTom Bandit Test

Die TomTom Bandit bietet ein sehr stimmiges Gesamtpaket, das mit einfacher Bedienung und einzigartigen Funktionen überzeugt. Die Bildqualität ist auf einem hohen Niveau, die Robustheit und das Gehäusekonzept sind gut. Verbesserungswürdig sind die etwas schwer zu spürenden Tasten sowie der Schließmechanismus für das Zubehör. Sehr gut gefällt der etwas teure Batt-Stick, der gleich an den USB-Anschluss angesteckt werden kann und eine sehr lange Akkulaufzeit liefert. Zusammen mit dem automatischen Videoschnitt in der App, der über die verbauten Sensoren die Highlights aufbereitet, ist die TomTom Bandit für Anfänger und Gelegenheitsnutzer genauso zu empfehlen wie für Fortgeschrittene. Das derzeit angebotene Cashback von 75€ (bis 31.01.2016) macht die Actionkamera noch attraktiver, als sie schon ist.

(Bild: Übergizmo)

Pro / Con

(Bild: Übergizmo)Einfache Bedienung

(Bild: Übergizmo)Gute Bildqualität

(Bild: Übergizmo)smarte App mit automatischem Videoschnitt

(Bild: Übergizmo)GPS und Herzfrequenzmesser sinnvoll eingebunden

(Bild: Übergizmo)lange Akkulaufzeit

(Bild: Übergizmo)keine Windows Phone App

(Bild: Übergizmo)teurer Batt-Stick

(Bild: Übergizmo)Tasten lassen sich etwas schwer drücken

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  1. Ich finde es gut, dass bemängelt wird, dass es keine Windows Phone App gibt! Windows Phone wird viel zu sehr vernachlässigt, und das sollte generell mehr angeprangert werden, damit die Entwickler mal aufwachen.

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