Hintertüren sinnlos: ISIL verwendet eigene Chat-App

(Bild: Shutterstock)

Die Terroristen von ISIL haben angeblich eine eigene Chat-App entwickelt, die verschlüsselt arbeitet. Das berichtet das auf Terrorismusabwehr spezialisierte Unternehmen Ghost Security Group. Der Name der App: Alrawi.

Die App soll verschlüsselte Kommunikation zulassen und sie ist natürlich nicht im App Store von Google zu finden, sondern wird nur auf dubiosen Seiten zum Download angeboten. Der Ghost Security Group nach verwendet ISIL ansonsten vornehmlich Twitter oder Telegram. Der Instant Messenger Telegram wurde von Pawel Durow, einem in Deutschland lebenden russischen Emigranten, entwickelt.

Telegram hatte nach den Terroranschlägen von Paris im November 2015 insgesamt 78 öffentliche IS-Chats in zwölf Sprachen gelöscht – und auch angekündigt, der Terrormiliz keine Plattform zu geben. Verschlüsselte private Kommunikation steht allerdings weiter jedem Nutzer offen.

Dem Bericht von Defence One zufolge verwies IS seine Mitglieder vergangenen Monat zunächst auf einen inzwischen nicht mehr verfügbaren Server, um eine App namens Amaq Agency herunterzuladen. Diese erwies sich als für die Verteilung von Propaganda vorgesehen – was Nachrichten ebenso wie Videos einschließt.

Auf die Alrawi-App stieß Ghost Security wenig später – und hielt sie zunächst für eine Variante von Amaq. Erst in den letzten Tagen wurde klar, dass sie auch eine – im Vergleich etwa zu Telegram rudimentäre – Verschlüsselungsfunktion für Chats enthält.

Nach den Terroranschlägen insbesondere von Paris im Januar und November 2015 hatten Politiker mehrfach ein Verbot verschlüsselter Kommunikation gefordert. Kritiker glauben jedoch, ein solches Verbot würde vor allem die Privatsphäre unbescholtener Bürger einschränken, da Kriminelle und Terroristen einen Weg finden, das Verbot mit eigenen Anwendungen zu umgehen. Die Entdeckung von Alrawi bestätigt diese Kritiker.

Im März 2015 hatte der Islamische Staat den Twitter-Gründern und Mitarbeitern gedroht, da das Social Network wiederholt ISIL-Konten löschte. Die Organisation warb dort um Mitglieder und benannte potenzielle Anschlagsziele. Gewaltaufrufe verstoßen gegen Twitters Richtlinien. Ende Dezember verschärfte das Netzwerk zudem seine Maßnahmen gegen Hass-Postings: Neue und präzisere Richtlinien sollen helfen, hetzende Inhalte und Drohungen einzudämmen. Twitter will „kein Verhalten tolerieren, das belästigt, einschüchtert oder Angst erzeugt, um andere Meinungen zu unterdrücken“.

Tags :Quellen:Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising