FBI will keine iPhone-Backdoor sondern nur eine faire Chance

(Bild: FBI)

FBI-Direktor James Comey hat sich in den Streit um die Verschlüsselung von iPhones eingemischt. Das FBI will keine generelle Backdoor für iPhones oder andere Apple-Geräte sondern nur eine faire Chance, den Passcode eines Geräts zu erraten, ohne dass es sich selbst löscht.

Nach einem Artikel von FBI-Direktor James Comey auf Lawfareblog verlangt das FBI gar keine generelle Backdoor für iPhones. Man wolle nur eine Chance, nach einer richterlichen Genehmigung, den Passcode selbst zu hacken. iOS-Geräte können so eingestellt werden, dass sie nach 10-maligen Fehlversuch die Daten löschen. Außerdem wird die Eingabe immer stärker verzögert.

„Wir wollen niemandes Verschlüsselung knacken oder einen Universalschlüssel freisetzen,“ so Comey.

Das fragliche iPhone 5C gehörte einem der Täter, die im Dezember 2015 im südkalifornischen San Bernardino bei einem Anschlag 14 Menschen getötet und 21 weiter verletzt haben. Ein Richter verpflichtete Apple, bei der Entsperrung zu assistieren. Dessen CEO Tim Cook erklärte in einem Brief an die Kunden, dass dies einer zu schaffenden Hintertür gleichkomme, weshalb sich Apple der Anweisung widersetze.

Seine technischen Argumente scheinen bei Comey nicht angekommen zu sein. Dessen Hoffnung ist es, angesichts eines Terrorszenarios öffentlichen Druck aufzubauen. Denn „großartige neue Technik“ habe eine Spannung zwischen zwei wichtigen Werten geschaffen, schreibt er, nämlich „Privatsphäre und Sicherheit. Diese Spannung sollte nicht von Unternehmen gelöst werden, die von Verkäufen leben. Sie sollte auch nicht vom FBI gelöst werden, das von Ermittlungen lebt. Sie sollte vom amerikanischen Volk gelöst werden, das entscheidet, welche Regeln wir uns für eine bisher noch unbekannte Welt geben.“

Diesem demokratischen Ansatz allerdings stellt Comey seine Ansicht entgegen, dass alles doch eigentlich ganz einfach sei: „Vielleicht enthält das Telefon einen Hinweis auf weitere Terroristen. Vielleicht auch nicht. Aber wir können den Überlebenden nicht ins Auge sehen, oder uns im Spiegel, wenn wir dieser Spur nicht nachgehen.“

Wie am Wochenende durchgesickert ist, haben sich die FBI-Ermittler durch die Rücksetzung eines iCloud-Passworts selbst einen möglichen Weg versperrt, auf einfache Weise an die Daten zu kommen. Dazu hat das FBI eine Stellungnahme vorgelegt, die Recode im Volltext zitiert. Das Zurücksetzen des Passworts habe sich nicht auf Apples Kooperationsmöglichkeiten ausgewirkt, heißt es dort, und die Erfahrung zeige, dass das Gerät selbst oft weit mehr Spuren enthalte als ein einfaches Backup.

Von Bloomberg enthüllte Details eines Decision Memo zeigen außerdem auf, dass die US-Regierung und die Sicherheitsbehörden eine breit angelegte Strategie verfolgen, um die Inhalte verschlüsselter Smartphones einsehen zu können. Dem Geheimdokument zufolge suchen sie dabei insbesondere nach Umgehungswegen, die nicht explizit als eingebaute Hintertür erscheinen, um Vorwürfen von vornherein auszuweichen.

Eine solche Umgehung wird auch beim fraglichen iPhone 5C angestrebt. Da es bereits auf iOS 9 aktualisiert ist, erlaubt es die Eingabe sechsstelliger Passcodes, was Brute-Force-Angriffe praktisch unmöglich macht, da nach zehn falschen Passworteingaben alle Inhalte automatisch gelöscht werden. Andererseits verfügt es noch nicht wie die folgende iPhone-Generation über den mit Touch ID einhergehenden Hochsicherheitsbereich „Secure Enclave“. Apple bleibt deshalb bei diesem Gerät wohl noch die Möglichkeit, durch ein gezieltes Firmware-Upgrade die Passwortabfrage auszuhebeln.

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Tags :Quellen:Mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de
  1. „Wir wollen niemandes Verschlüsselung knacken oder einen Universalschlüssel freisetzen,“ so Comedy.
    Comedy… ist das nun Sarkasmus oder doch nur ein Fehlerchen? :D

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