Toshiba beerdigt seine Computerbrille Wearvue TG-01

(Bild: Toshiba)

Die Toshiba Wearvue TG-01 sollte eine Augmented-Reality-Brille werden, doch kurz vor dem Marktstart hat das japanische Unternehmen die Brille nun eingestampft. Eigentlich sollte der Verkauf am Montag starten.

Die Wearvue TG-01 von Toshiba wird nicht wie geplant Ende Februar 2016 auf den Markt kommen. Das Wall Street Journal berichtet, dass die Brille, die für den professionellen Einsatz gedacht war, nun eingestellt wurde.

Die Brille wäre mit einem Windows-Computer verbunden worden und hätte nur 50 Gramm gewogen. Als CPU wollte Toshiba einen Intel Atom Z3735F mit 1,33 GHz verbauen, der auf 2 GByte RAM zugegriffen hätte. Wearvue sollte sich für Service-Techniker, im Logistikbereich, aber auch in der Unterhaltung einsetzen lassen.

Von einem Sprecher erfuhr die Wirtschaftszeitung, das plötzliche Ende sei dem großen Druck von außen geschuldet: „Weil brillenartige Geräte auf großes Interesse stoßen, auch bei den Medien, wollten wir uns die Entscheidung bis zur letzten Minute offenhalten.“ Das könnte heißen, dass Toshiba fürchtete, sich ähnlicher Kritik wie Google Glass auszusetzen, dessen Träger in den USA bisweilen auch als „Glassholes“ bezeichnet wurden, wenn sie etwa durch unverhohlene Foto- und Videoaufnahmen ihre Umgebung brüskierten. Von Google vorgelegte Verhaltensregeln brachte zumindest keine Trendwende der öffentlichen Skepsis gegenüber Glass.

Möglicherweise fürchtete Toshiba aber auch etablierte Konkurrenten wie Brother (für Service-Techniker), die US-Firma Vuzix und die deutsche Firma Ubimax (im Bereich Logistik) oder auch Epson mit der inzwischen dritten Generation seines Produkts Moverio. Auch Google Glass soll sich künftig vor allem auf den Einsatz für Firmen konzentrieren, während Sony ein Heimanwender-Produkt zum Anklippen an normale Brillen verfügbar gemacht hat.

Das Aus der Toshiba-Brille wird aber vor allem durch die internen Sparmaßnahmen und die Neuausrichtung begründet. Nach 4,2 Milliarden Euro Jahresverlust entlässt der Konzern bis zu 10.000 Mitarbeiter. 6800 müssen im Bereich Heimelektronik gehen – etwa 30 Prozent seiner Belegschaft. Bei der Konzernmutter fallen 1000 Stellen weg. Dazu streicht Toshiba Verträge mit externen Mitarbeitern, um schon bis März 2016 Einsparungen in Höhe von etwa 150 Millionen Euro zu erreichen.

Parallel wurde nun auch eine teure Version eines vernetzten Armbands abgesagt: Toshiba will sich auf Erfolg versprechende Bereiche konzentrieren. Seine gesamte Medizin-Abteilung, die etwa Röntgengeräte und andere Arten Körperscanner herstellt, steht zum Verkauf. Das Geschäft mit Bildsensoren wurde bereits an Sony abgestoßen, der PC-Bereich könnte mit dem von Fujitsu fusionieren.
(Bild: Toshiba)
Die Krise des japanischen Konzerns war 2015 durch Bekanntwerden eines Blianzfälschungsskandals eingeleitet worden, der bis ins Jahr 2008 zurückreicht. Präsident und CEO Hisao Tanaka erklärte im Juli seinen Rücktritt.

Tags :Quellen:Mit Material von Peter Marwan, ITespresso.de

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