So baut ihr euer eigenes Mediacenter mit dem Raspberry Pi

(Bild: Fer Gregory)

Es gibt mittlerweile zahlreiche Geräte, mit denen ihr euch Videos auf dem Fernseher ansehen könnt. Von Chromecast über Apple TV bis zu Amazons Fire TV Stick. Wer aber ein etwas individuelleres Mediacenter haben möchte, kann sich in ein paar Schritten eine vielseitige, kleine Kiste bauen, die Streamingdienste, eigene Videos im Heimnetzwerk und YouTube vereint. Und noch viel mehr kann. Wir zeigen Euch, wie einfach das geht.

Die Wunderkiste, die ihr braucht, heißt Raspberry Pi und dürfte mittlerweile jedem bekannt sein. Von Alarmanlagen, über Messgeräte bis hin zur Heimautomatisierung findet der Bastel-PC überall Anwendungen. Selbst auf der Internationalen Raumstation ISS wird der Mini-PC genutzt, um wissenschaftliche Experimente durchzuführen. Um ihn zu einem universellen Mediacenter/HTPC zumachen, braucht es im Grunde nicht viel. Legen wir also los.

1. Raspberry Pi und Zubehör bestellen

Der Raspberry Pi braucht nicht viel Zubehör zum Laufen. Die meisten Komponenten wie Prozessor, Arbeitsspeicher und Grafikeinheit sind bereits auf dem kleinen Mainboard verbaut. Und die Kabel habt ihr möglicherweise schon zu Hause. Zum Bau eures Mediacenters braucht ihr Folgendes:

Raspberry Pi 2 Model B oder den neuen Raspberry Pi 3

Wer hätte es geahnt, aber ihr braucht tatsächlich einen Raspberry Pi für dieses Projekt. Es bietet sich an, die jeweils aktuelle Version des Mini-PCs zu nutzen, die momentan der Raspberry Pi 3 ist. Ihr könnt stattdessen aber auch den Raspberry Pi 2 Model B nehmen, wenn ihr ein paar Euro sparen wollt.

(Foto: Übergizmo)

Ein flüssig laufendes Mediacenter lässt sich auch mit einer älteren Version, wie dem Raspberry Pi 1 Model B betreiben. Dieser ist dann bei der Anzeige der Menüs nicht ganz so flott, aber auf keinen Fall unbedienbar oder unmenschlich langsam. Eine ältere Version als das Model B solltet ihr aber nicht nehmen, da die Grafikchips und die CPU sonst arg überlastet werden und das Ganze keinen Spaß mehr macht. Full HD wird von der ältesten Version der kleinen Kiste gar nicht erst unterstützt.

Den neuen Raspberry Pi Zero habe ich nicht getestet, aber er hat ziemlich sicher zu wenig Power, um als Mediencenter herzuhalten. Bei einem ungefähren Preis von rund 50 Euro (manchmal sogar noch günstiger, wenn der Raspberry Pi 3 im Angebot ist) empfiehlt sich einfach die aktuellste Version, die mit einem 1,2 GHz starken Quadcore-Prozessor getaktet genug Power hat.

Eine microSD Karte

Für die Installation des Betriebssystems braucht ihr eine microSD-Karte. Das kann wahlweise eine SDHC oder SDHX-Variante sein. Die Größe spielt keine Rolle, da es mittlerweile eh nur noch 8GB große Karten zu kaufen gibt. Und das ist mehr als genug für das Betriebssystem, das ihr gleich installiert.

Wenn ihr aber Videos, Fotos oder Musik mitspeichern möchtet, braucht ihr natürlich eine größer Karte. Eine einfache, flotte mircoSD-Karte reicht aber im Grunde, da ihr eure Medien auch von einer USB-oder Netzwerkfestplatte oder von einem NAS abspielen könnt. Alte Raspberry Pi Modelle (alle, die kein + im Namen haben) nutzen übrigens die größeren SD-Karten.

Ein Ladekabel mit Micro-USB-Anschluss

Vermutlich habt ihr noch irgendwo eins bis gefühlt fünfzig von diesen Smartphone-Ladekabeln mit Micro-USB-Anschluss rumliegen. Diese funktionieren perfekt mit dem Raspberry Pi. Wenn ihr eine USB-Festplatte und andere Peripherie mit Strom versorgen wollt, solltet ihr aber einen Stecker mit 1600mA oder mehr wählen. Sonst kann es passieren, dass euer Mediencenter zwischendurch abstürzt oder gar nicht erst startet.

Für den reinen Betrieb des Betriebssystems ohne direkt angeschlossene Festplatten reicht aber schon ein einfacher 1200mA-Stecker, wie er mittlerweile bei jedem Smartphone dabei ist. Es kann aber auch ein Stecker mit USB-Anschluss und ein entsprechendes Micro-USB-Kabel sein. Solltet ihr keinen Stecker haben, werdet ihr bei Amazon fündig.

Ein HDMI-Kabel

Es reicht ein normales HDMI-Kabel, das an beiden Enden einen Full-HDMI-Anschluss hat. Also kein mini HDMI. Es sollte eins mit mindestens Version 1.3 sein, damit auch Audiosignale übertragen werden. Diese Kabel sind aber schon seit Jahren Standard.

Übrigens spielt es entgegen häufiger Annahmen keine Rolle, ob die Kabel vergoldet oder mit Superplatin vom Mars gebaut sind. HDMI-Kabel übertragen digitale Signale. Deshalb werden sie im Gegensatz zu den gängigen, analogen Audiokabeln nicht von elektrischen Störquellen beeinflusst. Nur bei diesen macht eine zusätzliche Beschichtung mit Gold wirklich Sinn. Es gibt Ausnahmen, bei besonders billigen HDMI-Kabeln, die aber eher mit der Verarbeitung zu tun haben.

Ein Netzwerkkabel oder ein WLAN-Dongle

Ihr könnt hier ein Netzwerkkabel oder wahlweise einen WLAN-Dongle nehmen, wenn ihr nicht den Raspberry Pi 3 verwendet. Dieser hat ein WLAN-Modul integriert. Wer sich beim Raspberry Pi 2 Model B ein Kabel sparen möchte, kann beispielsweise einen WLAN-Adapter von EDIMAX nehmen. Dieser ist günstig und funktioniert sehr gut mit dem Betriebssystem zusammen. Er wird einfach in einen der vier USB-Ports gesteckt wird vom Betriebssystem automatisch erkannt. Er muss dann nur noch in den Einstellungen aktiviert und mit Anmeldedaten befeuert werden.

Optional: Ein Gehäuse

Puristen können eins der zahlreichen Gehäuse nutzen, die es für den Raspberry Pi gibt. Die reichen von transparent über grelle Neon-Farben bis zu schlichtem schwarz. Alle haben Zugänge zu den Schnittstelle und manche besitzen zusätzlich Schienen für Schrauben für die Befestigung an der Wand.

Im inneren dieses NES werkelt ein Raspberry Pi als Mediacenter (Foto: Übergizmo)

Im Inneren dieses NES werkelt ein Raspberry Pi als Mediacenter (Foto: Übergizmo)

Für die richtigen Geeks unter uns reicht das aber nicht und es muss etwas Besonderes sein. Da der Raspberry Pi nicht besonders warm wird und er keine aktiven Kühler braucht, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Der Raspberry Pi kann im Grunde überall da verstaut werden, wo er mit seinen Handteller großen Maßen rein passt. Ich habe mich für ein defektes NES entschieden. Flux die Technik und überflüssiges Plastik mit dem Dremel rausgesägt, bietet das Gehäuse mehr als ausreichend Platz für den elektrischen Himbeerkuchen.

Optional: Kühlkörper

Wer ganz sicher gehen will, kann noch Kupferkühler kaufen und sie auf den Chips des Raspberry Pi befestigen. Im Test haben meine Kühler die Temperatur um fünf bis sieben Grad abgesenkt und vor allem im Dauerbetrieb verlängern sie die Lebenszeit des kleinen Mediencenters sicherlich ein wenig. Zwingend sind die Kühlkörper aber nicht.

2. Das Betriebssystem vorbereiten

Wenn ihr die Komponenten zusammen habt, bereitet ihr die microSD-Karte vor. Zum Glück gibt es neben uns Geeks noch zahlreiche andere, die sich der Sache angenommen haben, Betriebssysteme für den Raspberry zu basteln. Diese basieren auf Linux und sind meist entschlackte Varianten bestehender Distributionen.

Zwei prominente sind OSMC (der Nachfolger von Raspbmc) und OpenELEC. Ich habe die zwei getestet und kann auch beide empfehlen. Die Betriebssysteme sind von Grund für den Einsatz als Mediencenter konzipiert worden und es ist letztlich Geschmacksache, welches ihr nutzt.

Ich habe mich für OpenELEC entschieden, doch den Unterschied werden ihr im laufenden Betrieb nicht merken. Sobald ihr euer Mediencenter nämlich startet, landet ihr in beiden Fällen in Kodi, dem Betriebssytem im Betriebssystem, mit dem ihr eure Medien abspielt.

Ihr braucht jetzt OpenELEC, das ihr hier herunterladen könnt. Scrollt runter zu Raspberry Pi Builds und achtet darauf, dass ihr die Version herunter ladet, die zu eurem Pi passt. Alternativ könnt ihr euch hier OSMC herunterladen. Hier müsst ihr nur das Betriebssystem auswählen, mit dem ihr die Installation vornehmen wollt, da OSMC für alle Plattformen in einem Paket gebündelt ist.

Steckt nun die microSD-Karte in einen Adapter und dann in euren PC. Installiert das Tool Win32DiskImager. Entpackt OpenELEC und schiebt das Image mit dem Win32DiskImager auf die microSD-Karte. Diese Variante funktioniert für Windows. Mac- oder Linux-Nutzer müssen ein wenig in der Kommandozeile rumwuseln. Eine Installationsanleitung für Mac gibt es hier, eine für Linux hier.

Nach dem Kopiervorgang ist zu raten, die Karte in Windows/OSX/Linux „sicher zu entfernen“, damit sicher gestellt ist, dass alle Daten auch wirklich zu Ende kopiert wurden (auch wenn die Funktion im Grunde etwas übertrieben ist, aber warum ein Risiko eingehen).

3. OpenELEC auf dem Raspberry Pi installieren

Zunächst müsst ihr euren frischen Raspberry Pi natürlich verkabeln. Steckt die microSD-Karte in den entsprechenden Slot. Verbindet den Raspberry Pi per HDMI mit eurem Fernseher, schließt eine Tastatur an (die braucht ihr nur zur Einrichtung), steckt optional das Netzwerkkabel oder einen WLAN-Dongle bei älteren Modellen und dann erst dann den Stromstecker ein. Der Raspberry Pi bootet nämlich sofort, sobald er Strom bekommt.

Die Installationsroutine startet automatisch und braucht ein paar Minuten, um OpenELEC zu installieren. Danach startet der Raspberry Pi automatisch in Kodi, euer neues Betriebssystem und öffnet einmalig die Einstellung für OpenELEC. Folgt den Anweisungen auf dem Bildschirm, wählt eine Netzwerkverbindung aus und aktiviert Samba. Damit könnt ihr später Dateien ganz einfach zwischen dem Mediacenter und eurem PC austauschen. Für Terminal-Freunde gibt es noch einen OpenSSH-Zugang zum Remote-Zugriff.

Nach der Installation seid ihr im Grunde fertig. Die Sprache könnt ihr ganz leicht umstellen, wenn ihr auf System geht und dort direkt den ersten Punkt Appearence auswählt. Geht jetzt auf International und wählt unter Language Deutsch (oder wahlweise Suaheli oder Klingonisch) aus. Kodi ändert die Sprache sofort um.

Mediacenter mit Raspberry Pi

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Arctic: Zephyr Skin (Bild: jurialmunkey)

Da der Standard-Skin zwar funktionell, aber nicht besonders schick ist, installieren wir jetzt einen neuen. Geht dazu im Hauptmenü auf System (Einstellungen) und dann auf Add-Ons. Geht jetzt auf Suchen und tippt Arctic Zephyr ein. Wählt den Skin aus der Liste aus, installiert und aktiviert ihn, falls Kodi es nicht automatisch macht.

Arctic Zephyr ist ein minimalistischer und moderner Skin, der euch in den Einstellungen dennoch mehr konfigurieren lässt als andere Skins. Ihr könnt jeden Menüpunkt im Hauptmenü anpassen und beispielsweise YouTube Streamingdienste sowie eure eigenen Inhalte von der Festplatte oder einem NAS  bereit stellen.

Videos, Musik und Bilder ergänzt ihr übrigens auf den entsprechenden Punkten im Hauptmenü, indem ihr die Quellen angebt. Kodi bietet dazu alle vorstellbaren Protokolle: Von USB, über Samba bis NFS, UPnP (was viele Mediaserver wie Plex anbieten) und zahlreiche andere. Wählt einfach das aus, was ihr braucht.

Kodi wird dann eine Bibliothek anlegen, lädt Cover-Bilder und Beschreibungen von IMDB oder Musikdatenbanken herunter und bereitet sie in der Übersicht für euch auf. Die Anzeigeoptionen ändert ihr, indem ihr die Pfeiltaste nach links so lange drückt, bis ein Menü erscheint.

4. Ein paar Tipps zum Schluss

Und ansonsten heisst es ausprobieren und einstellen, wie ihr es braucht. Es empfiehlt sich zusätzlich in den Einstellungen die CEC-Funktion einzustellen. Damit könnt ihr dann mit eurer normalen Fernsehfernbedieung Kodi steuern. Ihr müsst die Funktion dazu in Kodi und auf eurem Fernseher aktivieren.

Die Hersteller nennen den CEC-Standard jeweils anders. Bei Sharp heißt er Aquos, bei LG Simplelink und bei Samsung Anynet+. Im Grunde leitet eure Fernseher bei allen Varianten die Signale eurer Fernbedienung per HDMI an eurer Mediacenter weiter und ihr navigiert so komfortabel mit einem Eimer Popcorn von der Couch aus durch die Menüs.

Wenn ihr nicht jedes Mal den Stecker ein- und ausstecken wollt, solltet ihr den Stromstecker des Raspberry Pi einfach in eine Funksteckdose stöpseln. Wem auch das zu aufwändig ist, der kann seinen Pi auch einfach 24/7 laufen lassen. Die kleine Kiste braucht nämlich im laufenden Betrieb Energie im niedrigen, einstelligen Wattbereich. Auf das Jahr hoch gerechnet kostet eine einzige Kinokarte zum Studententarif mehr.

Weitere Skins, sowie Add-Ons findet ihr unter dem entsprechenden Punkt in den Einstellungen. Damit holt ihr euch die Mediathek der öffentlich-rechtlichten Sender oder andere weltweit frei empfangbare Sender auf eure neue Box, lasst Wetterdaten anzeigen, holt euch Netflix und Amazon Instant Video auf den Fernseher und noch vieles mehr. Eine Übersicht findet ihr auf der Seite von Kodi.

Zusätzliche Quellen mit leider auch jede Menge illegalen Streaming-Inhalten gibt es auch zu finden, von deren Nutzung wir aber abraten. Diese Quellen sind nämlich nicht durch Kodi verifiziert und können Schadsoftware enthalten. Und nun viel Spaß mit eurem selbstgebauten Mediacenter.

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    1. Funktioniert über ein Add-On einwandfrei. Das Add-On ist in einem inoffiziellen Repository verfügbar, das wir aber aus offensichtlichen Gründen nicht empfehlen wollen.

  1. Hallo,
    kann ich jede 2,5-Zoll-USB-Platte an den Pi anschließen?
    Wie muss die formatiert sein, liest der Pi NTFS oder sogar andere Formate?
    Danke & Grüße

  2. Vielen Dank für den Artikel, kann ich zusätzlich noch einen DLNA Server auf dem Pi betreiben um z.B.: den guten Pi auf der Hinfahrt zum Urlaubsort als Medienserver für die Tablets im Auto via Wlan nutzen zu können? Und am Urlaubsort dann als lokalen client zusätzlich?

    LG

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