Huawei P9 Test – Leica-Smartphone mit Dual Kamera

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Das Huawei P9 ist das neuste Flaggschiff der P-Serie von Huawei. Es lockt mit einer Dual-Kamera des deutschen Kameraherstellers Leica, einem edlen Aluminium-Gehäuse und einer guten Akkulaufzeit. Wir haben das Smartphone die letzten 4 Wochen ausführlich getestet.

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Huawei P9 Test Ubergizmo 12

Huawei P9 im Übergizmo Video-Test

Design & Verarbeitung auf höchstem Niveau

Edel, schlank und elegant – mit diesen drei Worten lässt sich das Huawei P9 kurz und knapp beschreiben. Huawei hat es wie kaum ein anderer Hersteller geschafft eine Komplettwandlung in wenigen Jahren zu vollziehen, was sich in den neuesten Geräten und insbesondere im P9 sehr gut widerspiegelt.

Optisch ist es klar an das Huawei P8 angelehnt, bringt aber einige feine Änderungen mit sich, die den entscheidenden Unterschied machen, sodass das P9 im Vergleich zum Vorgänger erwachsener und raffinierter aussieht. Die subtilen Rundungen, die hinzugekommen sind, machen das P9 organischer. So ist die Rückseite zu den Seiten hin leicht abgerundet, sodass das Smartphone angenehm weich in der Hand liegt, ohne sich unangenehm in die Handfläche zu bohren. Auch das Displayglas ist an den Seiten ähnlich wie beim Huawei Mate S abgerundet, Huawei nennt es 2.5D Glas. Dieses nimmt die Kantigkeit, sodass sich Wischgesten von der Seite weich und geschmeidig anfühlen.

Die Verpackung ist diesmal weiß - das Leica Logo ist prominent rot (Bild: Übergizmo)

Die Verpackung ist diesmal weiß – das Leica Logo ist prominent rot (Bild: Übergizmo)

Geschmeidig ist auch das Stichwort für das hochwertige Aluminium, das Huawei für das Gehäuse des P9 verwendet. Dieses ist matt gehalten und fühlt sich durch die Unibody-Bauweise sehr stabil an. Die angeschliffenen Kanten, die im Licht schön glitzern, verleihen dem Handy einen edlen Look. Insgesamt ist die Verarbeitung auf höchstem Niveau und braucht sich nicht vor anderen Flaggschiffen zu verstecken. Das Gehäuse gibt keine Geräusche von sich, alle Spaltmaße sind minimal und gleichmäßig und die Bohrungen für Lautsprecher und Anschlüsse sind sauber verarbeitet. Sogar die Knöpfe auf der rechten Seite verdienen ein Lob, sie sitzen nicht zu fest und nicht zu locker, haben einen knackigen Druckpunkt und sind durch unterschiedliche Muster auch ohne hinzusehen bestens auseinander zu halten.

Mit einem Gewicht von 144 Gramm und einer Dicke von 6,95 Millimeten ist das Huawei P9 übrigens mit Abstand das dünnste und (mit etwas weniger Abstand) das leichteste Smartphone-Flaggschiff diesen Jahres, ohne Abstriche bei der Akkulaufzeit hinnehmen zu müssen (siehe unten).

Die Knöpfe haben einen knackigen Druckpunkt (Bild: Übergizmo)

Die Knöpfe haben einen knackigen Druckpunkt (Bild: Übergizmo)

Wer etwas Rosinenpickerei betreiben möchte, der könnte bemängeln, dass das P9 bei schwitzigen Händen recht rutschig und unsicher in der Hand liegt. Dieses Problem haben aber alle Smartphones aus Aluminium, dieser Punkt zählt also nicht.

Der beste Fingerabdrucksensor

Wer die schöne Rückseite betrachtet, wird nicht nur die Dual-Kamera mit prominentem Leica-Logo erkennen, sondern natürlich auch den darunter liegenden Fingerabdrucksensor, der seine Premiere in der P-Klasse feiert. Auch hier zeigt Huawei seine Erfahrungen und setzt die Messlatte für alle anderen Smartphones. Kein Fingerabdruckleser erkennt Finger so präzise und schnell wie beim Huawei P9.

Die Rückseite samt Fingerabdrucksensor (Bild: Übergizmo)

Die Rückseite samt Fingerabdrucksensor (Bild: Übergizmo)

Dazu bietet er die größte Funktionalität. Neben dem typischen Entsperren des Bildschirms und dem Bezahlen im Play Store kann man auch durch Fotos navigieren oder Apps per Fingerabdruck sperren. Besonders praktisch ist aber die Möglichkeit mit einem Wisch nach unten die Benachrichtigungen anzeigen zu lassen und mit einem Wisch nach oben sie wieder auszublenden. Somit erspart man sich den Daumen ganz nach oben zu strecken.

Das Huawei P9 liegt gut in der Hand (Bild: Übergizmo)

Das Huawei P9 liegt gut in der Hand (Bild: Übergizmo)

Gutes Display ohne Überraschungen

Beim Display setzt Huawei auf einen 5,2 Zoll großen Bildschirm, es gibt jedoch auch eine Plus Version des P9 mit 5,5 Zoll und einem AMOLED-Display. Die Anzeige beim normalen P9 basiert hingegen auf der IPS-Technologie und bietet dadurch nicht ganz so tiefe Schwarzwerte, weniger Farbintensität und geringere Blickwinkel.

Versteht mich nicht falsch, das Display des P9 ist sehr gut. Es bietet weite Blickwinkel, gute, satte Farben und einen angenehmen Schwarzwert. Durch die hohe Helligkeit lässt es sich auch bei Sonnenlicht noch gut ablesen. Aber es geht eben auch etwas farbintensiver, schärfer und heller wie das Samsung Galaxy S7 zeigt, das preislich derzeit etwa 70 Euro teurer ist.

Das Display ist scharf und farbenfroh (Bild: Übergizmo)

Das Display ist scharf und farbenfroh (Bild: Übergizmo)

Hardware mit genug Dampf

Wie sieht’s „unter der Haube“ aus? Da verbaut Huawei den aktuellsten Kirin 955 Prozessor seiner Tochterfirma HiSilicon. Dieser besitzt insgesamt acht Kerne, vier davon sind leistungsstarke ARM Cortex A72 Kerne, die mit bis zu 2,5 Gigahertz takten, die restlichen vier basieren auf dem ARM Cortex A53 Design, sind mit bis zu 1,8 Gigahertz getaktet und sollen leichte Aufgaben übernehmen und dabei Strom sparen.

Insgesamt ist die Performance auf einem hohen Niveau. Der Benchmark-König ist der Kirin 955 nicht ganz, er liefert dafür aber konstant hohe Performance und knickt nicht wie die Konkurrenz wegen Hitzeproblemen ein. Im Alltag merkt man keine Verzögerungen, Apps öffnen schnell und das System läuft butterweich, sobald alle Inhalte geladen sind. Beim Multitasking helfen drei Gigabyte Arbeitsspeicher, wovon in der Regel ein Gigabyte frei bleiben. Der Wechsel zwischen Apps gestaltet sich schnell, einen Grund zur Beschwerde gibt es nicht.

USB Typ-C auf der Unterseite (Bild: Übergizmo)

USB Typ-C auf der Unterseite (Bild: Übergizmo)

Auch für Spiele ist das Huawei P9 sehr gut geeignet. Alle aktuellen Titel laufen flüssig und es sind genügend Reserven vorhanden. Rein synthetisch in Benchmarks betrachtet hinkt die verwendete Mali T880 MP4 GPU aber ihren Konkurrenten hinterher, was man hervorragend im GFXBench sehen kann. Im Vergleich zur T880 MP12 GPU auf dem System on Chip des Samsung Galaxy S7 oder der Adreno 530 GPU der Qualcomm Snapdragon 820 Geräte liefert das P9 etwa nur ein Drittel bis die Hälfte der Power – braucht sie aber auch nicht, weil das Display weniger hoch auflöst.

Speicher, Lautsprecher & Netz

Im Huawei P9 sind 32 GByte Speicher eingebaut, wovon dem Nutzer etwa 25 GByte zur freien Verfügung stehen. Per microSD Karten lässt sich dieser um weitere bis zu 200 GByte erweitern.

Über den verbauten Lautsprecher auf der Unterseite kann man gut Musik und Podcasts hören, er ist laut und klar und ist vergleichbar mit dem Lautsprecher des Samsung Galaxy S7. Bei Spielen passiert es aber häufiger, dass man ihn verdeckt. Die Gesprächsqualität hat sich als sehr gut herausgestellt. Die Ohrmuschel gibt den Gesprächspartner klar und laut wieder, auf der anderen Seite wird man ebenfalls sehr gut verstanden.

Oben links befindet sich der Einschub für SIM und SD Karte (Bild: Übergizmo)

Oben links befindet sich der Einschub für SIM und SD Karte (Bild: Übergizmo)

Das Huawei P9 verfügt als erstes P-Smartphone über ein Dual Band WLAN, sodass nun auch Empfang im 5GHz Frequenzbereich und somit WLAN ac möglich sind. Auch beim LTE-Empfang ist das P9 gut aufgestellt und unterstützt 18 Frequenzbänder, womit man auch im Ausland auf LTE nicht verzichten muss. Die Empfangsqualität war in unseren Tests sehr gut.

Huawei P9 Test Ubergizmo 2

Leica Kamera – mit dem zweiten schießt man besser?

Das wohl interessanteste Hardware-Feature ist aber natürlich die Dual-Kamera, die in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt wurde. „Zwei Sensoren fangen einfach mehr Licht ein“ – so lautet die einfache Begründung von Huawei, ganz so einfach ist es aber nicht. Es gibt insgesamt zwei Haupt-Kameras beim Huawei P9, eine gewöhnliche RGB-Kamera und eine zweite monochrome Kamera, die dazu bestimmt ist, mehr Details und Kontrast ins Bild zu bringen und Tiefeninformationen für Blendeneffekte zu sammeln.

Dass man mit dem Smartphone eine Art virtuelle Blende mit Tiefenschärfe einstellen kann, ist nicht komplett neu; diese Funktion gab es bereits vor zwei Jahren mit dem HTC One M8. Huawei hat es aber geschafft, dass der Effekt deutlich natürlicher aussieht, vor allem, weil die Übergänge an den Kanten präziser berechnet werden (auch wenn kleinere Fehler sich ab und zu einschleichen). Dadurch macht die Verwendung der virtuellen Blende deutlich mehr Spaß, als es in der Vergangenheit der Fall war.

Ebenfalls viel Spaß bereitet der monochrome Modus, mit dem kontrastreiche und einzigartige Bilder entstehen, die nicht nachgefiltert aussehen. Sicherlich kann man den Effekt bei Tag mit Filtern nachstellen, bei Nacht zeigt sich aber die Stärke der monochromen Aufnahme, weil sie mehr Licht aufnimmt.

Die Leica Kamera (Bild: Übergizmo)

Die Leica Kamera (Bild: Übergizmo)

Am Tag ist die Bildqualität des P9 sehr gut, die Bildverarbeitung macht Fotos sehr ansehnlich. Farben sind natürlich gesättigt, Kontrast und Schärfe sind gut. Wer etwas mehr „Leica“ rausholen möchte, wählt am besten einen der beiden Filmmodi (leuchtende Farben oder glatter Farbverlauf), die mehr „Pepp“ in die Aufnahme bringen. Fotos werden dadurch stärker gesättigt und die Farben werden wärmer – der typische Leica-Look eben. Letztendlich habe ich mein P9 im „leuchtende Farben“-Modus gelassen, weil die Bilder einfach knackiger und gefühlt künstlerischer aussehen, ohne sie danach durch Snapseed jagen zu müssen. Wer noch etwas mehr rausholen möchte, kann den Pro-Modus benutzen und mit Verschlusszeit, Farbtemperatur, ISO-Wert und Belichtungskorrektur spielen. Schön ist, dass dieser Modus nur einen Wisch entfernt ist.

Die virtuelle Blende des Huawei P9 (Bild: Übergizmo)

Bei wenig Licht nimmt die Bildqualität des P9 leider schnell ab und kann nicht mit anderen aktuellen Flaggschiffen mithalten. Zu kleine Pixel, zu kleine Blende und/oder der fehlende optische Bildstabilisator führen dazu, dass Fotos zu dunkel geraten, wo andere Smartphones noch ein klares Bild liefern. Im direkten Vergleich zum Nexus 6P sieht man den Unterschied recht stark. Der Nachtmodus bietet nur bedingt Abhilfe. Ohne Frage sind damit beeindruckende Ergebnisse möglich, aber dafür benötigt man ein Stativ oder zumindest eine ruhige Unterlage.

Großartige Nachtaufnahmen - aber nur mit Stativ (Bild: Übergizmo)

Großartige Nachtaufnahmen – aber nur mit Stativ (Bild: Übergizmo)

Der fehlende Bildstabilisator macht sich übrigens auch bei Videoaufnahmen bemerkbar, weil diese dadurch leicht wackeln. 4K Videos werden übrigens auch nicht unterstützt – beides sollte mittlerweile Standard sein.

Die Frontkamera löst mit 8 Megapixeln auf und bietet diverse Möglichkeiten zur Verschönerung des eigenen Gesichts. Auch Videos sind mit dieser in Full High Definition möglich. Die Qualität kann sich insgesamt sehen lassen.

Links Nexus 6P, rechts das Huawei P9. Das Rauschen kostet Details (Bild: Übergizmo)

Links Nexus 6P, rechts das Huawei P9. Das Rauschen kostet Details (Bild: Übergizmo)

Software: Android 6 und EMUI 4.1

Bei der Software setzt Huawei auf Android 6.0 und somit die neuste Version des Google Betriebssystems. Die eigene Benutzeroberfläche EMUI 4.1 verändert das Aussehen aber recht stark, Icons und Menüs sehen deutlich anders aus. Zum Glück schlägt sich das aber nicht negativ in der Performance nieder – das System läuft flüssig. Einige wird stören, dass kein App-Drawer vorhanden ist, dieser lässt sich durch einen anderen Launcher nachinstallieren.

Mehr zur Emotion UI findet sich im Testbericht zum Huawei G8.

 

Die virtuelle Blende ist zwar nicht immer realistisch, aber macht Spaß (Bild: Übergizmo)

Die virtuelle Blende ist zwar nicht immer realistisch, aber macht Spaß (Bild: Übergizmo)

Gute Akkulaufzeit

Trotz der geringen Tiefe von nur 6,95 Millimetern hat das Huawei P9 einen 3000 Milliamperestunden großen Akku. Bei unserer starken Nutzung ohne Spiele mit etwa einer Stunde Spotify Streaming, je einer Stunde Facebook, diversen Messengern und Twitter sowie einigen Fotos und Nachrichten kamen wir auf eine Akkulaufzeit von Tag bei etwa vier bis fünf Stunden Display-An-Zeit. Das ist ein sehr guter Wert, der auf dem Niveau eines Samsung Galaxy S7 liegt. Bei geringerer Nutzung sind zwei Tage Nutzungszeit kein Problem.

Huawei P9 Test Ubergizmo 3

Huawei P9 Test: Fazit

Das Huawei P9 ist ein sehr gutes Smartphone und ein würdiges Flaggschiff der P-Serie. Von der Verarbeitung und dem Design spielt Huawei in der obersten Liga mit und präsentiert ein edles und kompaktes Gerät. Der Fingerabdrucksensor ist der schnellste und präziseste auf dem Markt und bietet den größten Funktionsumfang. Das Display ist ebenfalls sehr gut, wenn es auch etwas schärfer und heller geht.

Die Leica-Kamera des P9 macht sehr viel Spaß in der Benutzung, weil sie durch intelligente und einfach zu bedienende Software zu schönen, einzigartigen Fotos führt, die man ohne Bearbeitung sofort teilen kann. Im Dunkeln schwächelt sie jedoch, da hilft auch das Leica-Branding nichts.

Insgesamt ist das Huawei P9 ein empfehlenswertes Gesamtpaket. Bei einem derzeitigen Preis von etwa 540 Euro ist es aber etwas zu nah einem Samsung Galaxy S7 oder einem LG G5, die bei der Hardware noch etwas mehr auf Lager haben. Sollte der Preis sich Richtung 500 Euro bewegen, dann sehen wir das P9 als einen starken Konkurrenten, der sein Geld wert ist.

(Bild: Übergizmo)

Pro / Con

(Bild: Übergizmo)Hervorragende Verarbeitungsqualität

(Bild: Übergizmo)Schnellster Fingerabdrucksensor

(Bild: Übergizmo)Gute Akkulaufzeit

(Bild: Übergizmo)

Leica-Kamera mit vielen kreativen Möglichkeiten…

(Bild: Übergizmo).. und Schwächen bei Nacht

(Bild: Übergizmo)kein optischer Bildstabilisator & 4K Aufnahme

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