Facebook-Chatbotflut droht, weil Zehntausende daran arbeiten

(Bild: Shutterstock)

Chatbots von Facebook sollen bald unseren Alltag bestimmen. Daran arbeiten nach Angaben von Facebooks Messenger-Chef Stan Chudnovsky zehntausende von Entwicklern. Ob diese Zahl wirklich so stimmt?

Auf der Konferenz TechCrunch Disrupt NY ließ es Facebooks Messenger-Chef Stan Chudnovsky krachen. Seinen markigen Worten nach würden zehntausende von Entwickler an Chatbots für die Facebook-App arbeiten. Zudem hätten schon 5.000 E-Commerce-Betreiber der Plattform Shopify nutzten angefangen, Bestell- und Versandbestätigungen über Facebook Messenger zu verschicken.

Das hört sich nach Chudnovskys Meinung so an, als hätten Onlinehändler großes Interesse an einer Kommunikation per Chat mit ihren Kunden. Eine Entmenschlichung von Facebooks Chat-Programm befürchte er nicht. Schließlich sei die Kommunikation zwischen Kunden und Firmen heute zu sehr roboterartig, dominiert von Telefonhotlines mit Sprach- und Zifferneingaben sowie Warteschleifen. Das werde man mit Chatbots verbessern: „Wenn wir es für die Menschen einfacher machen können, mit Firmen zu kommunizieren, ist das eine gewaltige Chance.“

Allgemein seien viele der bisherigen Bots sehr aktiv. Activisions Call-of-Duty-Bot etwa tauschte in der ersten Woche über 6 Millionen Nachrichten mit Nutzern aus. In Anbetracht dieser Zahlen arbeitet Facebooks Messenger-Team auch an Spamvermeidungstechniken. Für Anwender lästige Nachrichten könnten blockiert oder gesammelt versandt werden. Auch unterschiedliche Hinweistöne oder Vibrationen sind im Gespräch.

Für Entwickler soll es ein umfassendes Chatbot-Analytics-System geben, damit sie selbst erkennen, wenn ihre Künstlichen Intelligenzen zu viele Nachrichten versenden – und auch, auf welche Art Botschaften Nutzer besonders positiv reagieren.

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Jede Neuerung im Messenger müsse aber durchdacht sein, erklärte Chudnovsky, weil sie doch immer ein beträchtlicher Teil der Nutzerschaft von fast einer Milliarde Menschen ausprobieren wolle. Ohne große Werbung von Facebooks Seite seien beispielsweise nach dem Start von Gruppentelefonie in Messenger binnen 24 Stunden fast 11 Millionen Minuten solcher Gespräche angefallen. Ob Gruppenvideokonferenzen der nächste Schritt sind, wollte der Facebook-Manager nicht kommentieren, sagte aber, das würde auch nach seiner Meinung „eine exzellente Erfahrung sein.“

Erste Tests bescheinigten Facebooks Chatbots im Messenger mäßigen Erfolg. In Erfahrungsberichten von Anwendern, die die Programme in englischer Sprache sinnvoll einzusetzen versuchten, hieß es, sie seien „langsam“, „frustrierend und nutzlos“ oder sogar „mies“. Deutlich besser funktionieren Chatbots Nutzerbewertungen zufolge beim Krypto-Messenger Telegram, der die Technik bereits seit Mitte letzten Jahres unterstützt. Im Juni 2015 stellte der Messaging-Dienst seine Bot-Plattform vor, die er im April mit Version 2.0 um zahlreiche Zusatzfunktionen erweiterte. Im Telegram Bot Store finden sich Bots aus Kategorien wie Spiele, Sozial, Nachrichten, Bildung, Broadcast, Unterhaltung, Foto & Video, Hilfsmittel sowie Erotik. Um das Angebot weiter auszubauen, hat es jetzt eine Million Dollar für Entwickler ausgelobt. Wer mittels seiner Bot API „einen beeindruckenden Bot“ programmiert, soll mindestens 25.000 Dollar erhalten.

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Auch Microsoft hat sich schon mit einem Twitter-Bot namens Tay blamiert, will sich davon aber nicht von einer umfassenden Bot-Strategie abbringen lassen, die wie bei Facebook auf Entwickler ausgerichtet ist, aber eine ganze Reihe Kanäle für die Veröffentlichung umfasst. Microsoft geht unter anderem davon aus, dass schon bald Firmen aller Größen Bots als Front-End für ihre Dienste entwickeln werden. Schließlich lässt sich jede Nutzerinteraktion als „Konversation“ deuten. So könnte ein Anwender genauso gut einem Bot seinen Namen und die Adresse nennen wie ein Formular ausfüllen.

Tags :Quellen:Mit Material von von Florian Kalenda, ZDNet.de

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