Google Glass erkennt deinen Schädel

skullconduct_01

Fingerabdruck, Iriserkennung, Handvenen-Scan oder das Tippen auf der Tastatur - Authentifizierungsverfahren gibt es jede Menge. Doch das beste Passwort tragen wir auf unseren Schultern herum.

„SkullConduct“ heißt dieses neue Verfahren und könnte laut Forschern der Universität des Saarlandes und der Universität Stuttgarts nicht nur bei smarten Brillen wie Google Glass oder der Hololens sowie weiteren Wearables zum Einsatz kommen. Die Forscher sind sich sicher, dass auch Smartphones von „SkullConduct“ proditieren könnten.

Dafür nutzen die Forscher nur Sensoren, die ohnehin bereits in den Wearables verbaut sind. Das sind in diesem Fall ein Miniatur-Mikrofon und der so genannte Bone Conduction Speaker, der unsichtbar in das Gestell in der Nähe des rechten Ohrbügels eingelassen ist.

Der überträgt Schallwellen über den Schädelknochen an das Ohr. Diesen Effekt nutzen unter anderem auch Hörgeräte, die dafür Schallschwingungen über den das Ohr umgebenden Schädelknochen direkt an das Innenohr leiten.

Doch jeder Mensch ist einzigartig. „Da der Schädelknochen individuell unterschiedlich ist, wird dabei das Tonsignal auf eine für jeden Menschen charakteristische Art und Weise verändert. Das aus dem Schädelknochen austretende Tonsignal nutzen wir dann als biometrisches Merkmal“, erläutert Andreas Bulling vom Exzellenzcluster für „Multimodal Computing and Interaction“ an der Universität des Saarlandes, der auch Leiter des Forschungsprojektes ist.

Der Knochenschall-Lautsprecher sendet ein Signal, das ein breites Frequenzspektrum abdeckt. Das durch den Schädelknochen veränderte Audiosignal nimmt dann das in der Brille integrierte Mikrofon auf. In einem zweistufigem Rechenverfahren setzen die Forscher dann aus dieser Aufnahme einen „digitalen“ Fingerabdruck zusammen. „Dieser ist charakteristisch für jede Person und wird dann abgespeichert“, sagt Bulling.

skullconduct-1

Setzt dann jemand den Brillencomputer auf, startet der Vorgang automatisch. Das Signal wird durch jeden Schädel verändert und das Mikrofon nimmt diese Veränderungen auf. Passt der aktuelle Audio-Fingerabdruck zu einem abgespeicherten Sample, bekommt die Person Zugriff auf die Brille. „Es reicht, wenn das Signal eine Sekunde lang abgespielt wird. Damit sind wir gut eine halbe Sekunde schneller als klassische, nicht-biometrische Verfahren, die auf mobilen Endgeräten den rechtmäßigen Nutzer erkennen“, sagt Bulling.

Die Erkennung des Nutzers könne künftig auch implizit stattfinden – also über Töne, die die Brille ohnehin an die Nutzer weitergibt. Die Entwicklung von „SkullConduct“ steht noch am Anfang. Bei ersten Tests wurde eine Genauigkeit von 97 Prozent erreicht. Allerdings wurden diese Tests unter Laborbedingungen, sprich ohne weitere Störgeräusche, durchgeführt.

maxresdefault

Bullig sieht durch dieses Identifikationsverfahren einige Vorteile, gerade im Zusammenhang mit Brillencomputern wie Google Glass: „Die Nutzer haben bei diesen Anwendungen nicht die Hände frei, um umständlich ein Passwort einzugeben. Außerdem teilen sich oft mehrere Personen ein Gerät und speichern darauf sensible Daten ab.“ Nicht nur die Daten, auch die Brillencomputer selbst lassen sich leicht stehlen.

Dies bestätigte 2015 eine Studie des Branchenverbandes Bitkom. 28 Prozent der 1074 befragten Sicherheitsexperten aus Unternehmen gaben demnach an, dass in den vergangenen zwei Jahren Geräte auf diese Art und Weise samt den darauf gespeicherten Daten verschwunden sind.

Google Glass Verkauf USA

Bild 1 von 20

...entlarven!
In San Francisco rannte eine Frau wutentbrannt auf den Journalisten Kyle Russell zu, riss ihm seine Google Glass vom Gesicht und zertrümmerte sie. In der kalifornischen Stadt wird zur Zeit häufiger gegen Google protestiert. Der IT-Konzern bezahlt seine Mitarbeiter so gut, dass die Mieten und Preise in der Stadt deutlich ansteigen. Großen Teilen der restlichen Bevölkerung wird es nun zu teuer.

Das neue Verfahren zur berührungslosen Authentifizierung haben die Forscher Andreas Bulling und Youssef Oualil von der Universität des Saarlandes zusammen mit Stefan Schneegass von der Universität Stuttgart entwickelt (PDF). Im nächsten Schritt wollen die Forscher ihre Methode auch unter Alltagsbedingungen testen und mit Ultraschall-Signalen experimentieren. Damit würde der Nutzer das Signal für die Authentifizierung nicht hören.

Prinzipiell könnte dieses Verfahren auch an einem Smartphone funktionieren. „Wenn das Smartphone über einen entsprechend platzierten Knochenschalllautsprecher und ein Mikrofon verfügt und der Anwender es mit Knochenkontakt an seinen Schädel drückt, könnte es möglicherweise sogar mit dem normalen Klingelton des Smartphones funktionieren“, erklärt Bulling.

Tags :Via:Mit Material von Martin Schindler, CNET.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising