Drift Compass Test – Die winzige Action-Kamera

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Die winzige Drift Compass Kamera will unser alltäglicher Begleiter sein und “die Momente des Lebens per Fingertipp” einfangen. Klingt nett. Doch nach ein paar Tagen ausprobieren wurde ich unsanft zurück auf dem Boden der Tatsachen befördert.

Drift Compass - Alle Bilder

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Drift Compass

Das Konzept der Drift Compass, einer winzigen Kamera, die ich immer bei mir trage und die möglichst selbstständig mein Leben protokolliert, finde ich sehr spannend. Doch nach kürzester Zeit folgte Ernüchterung.

Hier ein paar Testaufnahmen mit der Drift Compass:

Super Verpackung, super Verarbeitung!

Die Verpackung wirkt edel und durchdacht. Das Gerät selbst auch. Es ist 43 x 43 Millimeter breit und 14 Millimeter dick. Die Linse steht leicht aus dem mit 34 Gramm sehr leichten Gehäuse. Die Oberfläche ist grau gummiert, wodurch die Drift Compass sehr gut in der Hand liegt.

Über den microUSB-Port kann der 750 mAh Akku geladen werden, der im vollen Zustand laut Hersteller für 4 Stunden Laufzeit sorgen soll. Beim Filmen mit 1080p / 30fps hielt die Drift Compass etwa zwei Stunden durch.

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Farbige LED in der Sonne kaum zu erkennen

Der microSD-Kartenslot erweitert den internen Speicher von lediglich 2 GByte und soll Karten mit einer Kapazität von bis zu 32 GByte verstehen. Der kleine Knopf an der Seite aktiviert WLAN. Der beleuchtete Knopf auf der Front schaltet Drift Compass ein / aus und wechselt durch die Modi.

Leuchtet er grün, filmt die Kamera. Gelb steht für fotografieren und lila erstellt ein Timelapse-Video mit einem Bild pro Sekunde. Im Sonnenlicht ist jedoch kaum zu erkennen, ob sich Drift Compass im Foto- oder Filmmodus befindet.

Doppeltipp als Auslöser – eine schlechte Idee

Tippt man doppelt auf die Front, löst Drift Compass aus – theoretisch. Denn so ganz sicher war ich mir nie, ob nun tatsächlich der Befehl angenommen wurde, oder nicht. Im Alltag erwies sich der Auslöser als unzuverlässig, mehrmals erkannte Drift Compass meinen doppelten Fingertipp nicht.

Also muss man immer die LED überprüfen, ob der Doppeltipp auch wirklich angenommen wurde, was im Sonnenschein problematisch ist. Kommt noch hinzu, dass der Doppeltipp beim Fotografieren praktisch immer zu verschwommenen Bildern führt. Dieser Auslöser ist ein grundsätzlicher Designfehler und mindert die Nutzbarkeit der Drift Compass enorm.

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Durchschnittliche Bildqualität

Gefilmt wird mit maximal 1080p und 30fps, Fotos mit maximal 12 Megapixeln. Die Pressemitteilung sagt hier 8 Megapixel, tatsächlich kann die Kamera Fotos mit 4.000 x 3.000 Pixeln aufnehmen, was 12 Megapixeln entspricht.

Die Videoaufnahmen enttäuschen mich. Da Drift Compass keinen Bildstabilisator nutzt, sind Aufnahmen aus der Bewegung meist sehr verwackelt. Hier wäre eine Weitwinkellinse gut gewesen. Die hätte nicht nur die Wackler verringert, sondern auch dafür gesorgt, dass mehr in den Bildausschnitt passt. Schließlich besitzt Drift Compass kein Display oder Sucher.

Eine typische Drift Compass Aufnahme? Nicht ganz. Trotzdem weiß man nie so genau, was man gerade fotogafiert.

Eine typische Drift Compass Aufnahme? Nicht ganz. Trotzdem weiß man nie so genau, was man gerade fotografiert.

Um mit der Drift Compass gerade Bilder hinzubekommen, muss man sie so halten, dass eine Ecke direkt nach unten zeigt. Das schaut interessant aus, erschwert aber das Filmen und Fotografieren unnötig.

Auch sind die Aufnahmen nicht besonders lichtstark. Bei perfekter Beleuchtung sind sie in Ordnung. Bei schlechten Lichtverhältnissen sollte man die Drift Compass lieber stecken lassen. Hier hätte ich von der f2.2 Blendenöffnung mehr erwartet.

Autofokus? Ist scheinbar auch nicht an Bord. Zumindest sind nur Objekte ab einem Meter Entfernung scharf. Bei Fotos sieht es ähnlich aus. Tatsächlich machen die meisten Kameras von Mittelklasse-Smartphones bessere Bilder und Videos.

Die Drift Compass App-okalypse

Die Drift Compass kann auf Wunsch ein WLAN erzeugen, um sich mit dem iOS- oder Android-Smartphone zu verbinden. Mit der „Drift Life App“ kann das Smartphone so als Sucher und Auslöser verwendet werden, was sich ob des obskuren Doppeltipp-Auslösers sehr empfiehlt.

Außerdem können einige Einstellungen vorgenommen werden. Nett: Es ist möglich, die Lämpchen am Gerät auszuschalten und so unauffälliger zu filmen / fotografieren.

Die App zu bedienen, war zuweilen frustrierend. Nicht nur, dass sie mir auf dem LG G5 regelmäßig abstürzte. Vieles schien auch nicht so zu funktionieren, wie es sollte. So soll es möglich sein, die Kamera mit einem Cloud-Konto zu synchronisieren. Allerdings reagiert hier bei der Einrichtung der „Next“-Button nicht. Denn eigentlich soll man über die App die geschossenen Aufnahmen direkt bearbeiten und auf seinen sozialen Kanälen teilen können.

Drift wirbt damit, dass Compass auch live streamen kann. Für einige sicher ein verlockendes Feature. Nach etwa 30 Minuten vergeblichen Versuchens, dieses Feature zum Laufen zu bekommen, gab ich entnervt auf. Intuitiv oder nutzerfreundlich ist etwas anders.

Im Zuge den Livestream zum Laufen zu bekommen, lud ich ein Firmware-Update auf die kleine Kamera. Eigentlich geht man davon aus, dass dies über die App funktioniert, schließlich ist die Drift Compass via WLAN mit dem Smartphone verbunden. Nein, die App gibt einen den Hinweis, dass man eine Datei am Rechner herunterladen und via microUSB-Kabel auf die Drift Compass spielen muss.

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Aber günstig ist sie

Die Drift Compass kann ab sofort für 128,90 Euro inklusive 32 GByte microSD-Karte exklusiv bei Gravis gekauft werden. Im Lieferumfang befindet sich unter anderem ein Halterungs-Clip, mit dem man die Kamera zum Beispiel ans Revers klemmen kann. Für weitere 29 Euro kann das Mount Pack erworben werden. Dank Silikonhülle und einigen praktischen Magnethalterungen kann die Drift Compass an vielen Objekten befestigt werden.

Fazit

Damit das Konzept einer ultramobilen Kamera, die das eigene Leben dokumentiert, funktionieren kann, muss sie praktischer und besser als eine Smartphone-Kamera sein. Das ist die Drift Compass nicht. Sie macht keine besonders tollen Video- und Fotoaufnahmen, hat keine überragende Akkulaufzeit und ist umständlich zu bedienen. Zwar ist sie gut verarbeitet, recht klein und günstig. Allerdings gibt es so viele Punkte, die mir regelmäßig den Spaß an der Drift Compass vermiesten. Allen voran der wenig durchdachte Doppeltipp-Auslöser.

Pro / Con

(Bild: Übergizmo)Gute Verarbeitung

(Bild: Übergizmo)Günstig

(Bild: Übergizmo)Klein

(Bild: Übergizmo)Durchschnittliche Video- und Bildqualität, keinen Bildstabilisator

(Bild: Übergizmo)Unzuverlässiger Auslösemechanismus

(Bild: Übergizmo)Wenig Intuitiv

(Bild: Übergizmo)Keinen Weitwinkel

(Bild: Übergizmo)LED-Farbe im Hellen kaum erkennen

(Bild: Übergizmo)Kaum Vorteile gegenüber einem Smartphone

(Bild: Übergizmo)App stürzt häufig ab (LG G5)

Hier ein paar Testaufnahmen mit der Drift Compass:

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