Huawei MateBook Test – Der Surface Konkurrent mit Luft nach oben

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Huawei hat mit dem MateBook sein erstes Windows 10 Gerät mit Intel-Core-M-Prozessor veröffentlicht. Das 2-in-1-Gerät positioniert sich dabei als Konkurrent zu Microsofts Surface-Reihe, kann aber nicht in allen Punkten überzeugen.

 

 PRO  CON
 (Bild: Übergizmo)Perfekte Verarbeitung des Tablet-Teils…  (Bild: Übergizmo)… Konstruktionsfehler beim Aufsteller
(Bild: Übergizmo)Sehr guter Fingerabdrucksensor  (Bild: Übergizmo)Kaum Anschlüsse – MateDock nötig
 (Bild: Übergizmo)Gute Tastatur mit großem Touch-Feld  (Bild: Übergizmo)MateDock nicht in allen Punkten durchdacht
 (Bild: Übergizmo)Sehr gutes Display (Bild: Übergizmo)Schwache Akkulaufzeit
 (Bild: Übergizmo)Ausreichende Performance  (Bild: Übergizmo)Konkurrenz ist besser und kaum teurer

Hier unser ausführliches Testvideo zum Huawei MateBook:

Detachables, also 2-in-1-Geräte mit abnehmbarem Tastaturteil, gibt es mittlerweile von sehr vielen Herstellern. Als eines der besten seiner Art kann das Microsofts Surface Pro 4 bezeichnet werden. Nun mischt also auch Huawei mit dem auf dem MWC 2016 vorgestellten Huawei MateBook (hier geht es zur Herstellerseite) mit. Es positioniert sich als stylische Business-Alternative zum Microsofts Surface-Reihe. Aber auch wenn das MateBook in vielen Punkten überzeugt, merkt man ihm an, dass es Huaweis erstes Gerät dieser Geräteklasse ist.

Verarbeitung & Design

Das Huawei MateBook ist hervorragend verarbeitet. Es ist nur 6,9 Millimeter dick, 640 Gramm schwer und besteht fast vollständig aus Metall. Seine Kanten wurden abgeschliffen, wodurch es hervorragend in der Hand liegt. Sehr viel mehr „Premium“ als der Tablet-Teil des Huawei MateBook geht fast nicht. Hier spielt Huawei seine ganze Erfahrung aus dem Bau von Premium-Smartphones aus.

Auf der oberen Seite befinden sich zwei Aussparungen für die Stereo-Lautsprecher, die einen zufriedenstellenden Klang erzeugen. Allerdings kann er nicht einmal annähernd mit dem Klang eines iPad Pro 9.7 mithalten, welches zwar gleich vier verbaute Lautsprecher besitzt, aber ebenfalls lediglich 6,9 Millimeter dick ist. Er wirkt dagegen bassarm und dünn.

Auf der rechten Seite des MateBook verbirgt sich zwischen zwei Laut- / Leisetastern ein Fingerabdrucksensor mit den schlanken Maßen von 3,5 mal 14 Millimetern. Trotz der geringen Auflagefläche arbeitet dieser sehr zuverlässig – trockene Finger vorausgesetzt. Auch hier spürt man sofort, dass Huawei bereits viel Erfahrung mit Fingerprintscannern hat.

Anschlüsse / MateDock

Neben den offenen Pins für die Tastatur besitzt das MateBook lediglich zwei Anschlüsse: Einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss als Audio Ein- und Ausgang. Sowie einen USB-Typ-C-Port. Das ist nicht gerade üppig für ein Gerät, welches sich im Business-Einsatz sieht.

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Das MateDock kann für knapp 100 Euro zum Huawei MateBook hinzu gekauft werden.

Selbst im Privatgebrauch wird man den einen oder anderen Anschluss vermissen. Deswegen ist es für Matebook-Besitzer fast schon verpflichtend, sich das entsprechende MateDock für knapp 100 Euro gleich mitzukaufen.

Das MateDock wird an dem USB Typ C Port angeschlossen und erweitert ihn um folgende Anschlüsse: 2 x USB 3.0, LAN-Port, HDMI und VGA. Viele Nutzer werden hier einen SD-Karten-Slot vermissen.

Das 15 Zentimeter lange USB-Typ-C-Kabel lässt sich nicht vom MateDock trennen. Auch wenn es bei der Dicke des Kabels erstmal unwahrscheinlich wirkt, sollten man dennoch bedenken: Kommt es zu einem Kabelbruch, muss das komplette MateDock getauscht werden.

Am MateDock zeigt sich deutlich, dass Huawei nicht jedes Detail am MateBook und seinem Zubehör zu Ende gedacht hat. Das fest verbaute Kabel könnte nicht nur kaputt gehen, es steht auch unschön und unpraktisch ab.

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Da hilft auch die hübsche, mitgelieferte Kunstlederhülle wenig. Hier findet zumindest auch der optionale MatePen Platz. Etwa ein Drittel dieser Kunstlederhülle füllt ein massiv wirkender Gummiklotz aus, in dem ein winziger microUSB auf USB-Adapter und ein zwölf Zentimeter langes microUSB- auf USB-Typ-C-Kabel passt.

Gerade bei einem Produkt, welches laut Huawei kompromisslos auf Mobilität getrimmt wurde, fällt das massive MateDock mit seiner unnötig schweren Hülle negativ auf.

Tastatur & Hülle

Im Gegensatz zur ersten Ankündigung des Huawei MateBooks, ist die Tastatur-Hülle nicht optional, sondern wird immer mitgeliefert. Eine nachvollziehbare Entscheidung, da das MateBook nur mit der Tastatur sein Potenzial voll ausschöpfen kann.

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Die hintergrundbeleuchtete Tastatur kommt mit einem ordentlichen Hub und einer normalen Tastaturbreite. Dadurch gewöhnt man sich sehr schnell an sie; dieser Text wurde auf ihr geschrieben. Das Touch-Feld ist angenehm groß und lässt sich hervorragend bedienen.

Doch gerade die Tastaturhülle legt schonungslos offen, dass sich Huawei noch am Anfang seiner Reise in den Detachable-Markt befindet. Denn an einigen Stelle wird man den Eindruck nicht los, dass die Funktionalität nicht bis zu Ende gedacht wurde.

Doch gerade die Tastaturhülle legt schonungslos offen, dass sich Huawei noch am Anfang seiner Reise in den Detachable-Markt befindet.

So halten die Magneten die Tastaturhülle fest am Tablet-Teil. Beim Aufsteller hätten dagegen unbedingt stärkere Magneten zum Einsatz kommen müssen. In der gekippteren der zwei Positionen (67 Grad & 52 Grad) genügt ein kleiner Stupser gegen das Tablet – schon fällt die Konstruktion in sich zusammen. Das macht die Nutzung auf dem Schoß oder anderen unebenen Flächen zum Balanceakt.

Als unglücklich kann auch der Übergang zwischen Tablet und Tastatur bezeichnet werden. Das Kunstleder ist an dieser Stelle deutlich zu hart, wodurch die Tastatur auf ebenen Flächen nie ganz aufliegt und beim Tippen immer etwas klackert. Leicht ankippen wie beim Microsoft Surface Pro 4 kann man die Tastatur auch nicht.

Mit der Tastaturhülle kommt auch eine kleine Schlaufe für den MatePen, der magnetisch an der Rückseite der Hülle hält. Zumindest in der Theorie. Denn der Magnet ist viel zu schwach, um den Stift sicher zu halten. Man muss nur leicht dagegen kommen, schon fällt er ab.

MatePen

Für knapp 70 Euro kann der MatePen hinzu gekauft werden. Er soll laut Huawei einen Monat mit einer Akkuladung auskommen. Geladen wird er über den microUSB-Port, der sich hinter einer Abdeckung verbirgt. Er soll 2048 Druckstufen unterscheiden können, was ihn auch als Kreativ-Tool qualifiziert. Allerdings erkennt er im Gegensatz zum Apple Pen nicht seinen Aufsetzwinkel.

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Der MatePen besteht aus Metall und Kunststoff. Seine Spitze ist dicker als die des Stiftes zum Microsoft Surface Pro 4, Apple iPad Pro oder Samsung Galaxy Note 7. Im hinteren Ende versteckt sich ein sehr gut funktionierender Laser-Pointer. Die zwei weiteren Knöpfe simulieren den rechten Mausklick und eine Radiergummifunktion.

Im Business-Bereich könnte der MatePen eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Mit ihm lassen sich nicht nur schnell handschriftliche Notizen erstellen. Er hilft auch bei Präsentationen. Bei den meisten Privatnutzern wird der MatePen allerdings nicht auf dem Wunschzettel stehen.

Display

Das 12-Zoll-Display ist eines der Highlights des MateBooks. Es löst mit 2.160 mal 1.440 Pixel auf und kommt damit auf eine angenehme Pixeldichte von 216 ppi. Sein Verhältnis beträgt 4:3, welches sich besonders beim Surfen und Schreiben bewährt hat. Die Display-Ränder sind mit einem Zentimeter für Tablet-Verhältnisse gering.

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Die Helligkeit reicht aus, um auch bei direkter Sonneneinstrahlung alle Inhalte ablesen zu können. Das Display des MateBook gibt Farben kräftig wieder, ohne unnatürlich oder übertrieben zu wirken. Die Blickwinkel sind stabil. Insgesamt hat Huawei ein sehr gutes Display-Panel verbaut.

Performance

Für den deutschen Markt kommt das MateBook entweder mit einem m3-Modell mit 4 GByte Arbeitsspeicher und 128-GByte-SSD, oder mit m5-Prozessor, 8 GByte RAM und 256-GByte-SSD. Letzteres liegt uns als Testgerät vor. Beide Versionen basieren auf der Skylake-Architektur.

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Der große Vorteil der Core-m-Serie: Entsprechende Geräte kommen meist ohne einen Lüfter aus. Dafür müssen – vor allem im Vergleich zur Core-i-Serie – Abstriche bei der Performance gemacht werden. Für normale Office-Arbeiten reicht die Leistung beider Versionen jedoch aus.

Schreiben, Surfen, Präsentieren, Mails beantworten und Fotos bearbeiten – alles kein Problem. Wer jedoch anspruchsvolle Games spielt oder Videos bearbeitet, sollte vielleicht eher zur Core-i-Serie, wie sie im Microsoft Surface Pro 4 verbaut wurde, greifen.

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Das MateBook beherrscht WLAN nach 802.11ac, Bluetooth 4.1. Die Frontkamera löst mit 5 Megapixeln auf und kommt mit einem festen Fokus. Für Videotelefonie ist sie gut geeignet. Eine rückseitige Kamera besitzt das MateBook nicht. Schlimmer fällt hier ins Gewicht, dass es keine Version mit Mobilfunkteil gibt.

Akkulaufzeit

Der im MateBook verbaute Akku hat eine Kapazität von 4.430 mAh. Laut Huawei soll er für eine Videowiedergabe von 9 Stunden reichen. Das ist schamlos übertrieben. In unserem Test hielt der Akku bei der Wiedergabe eines Youtube-Videos bei mittlerer Bildschirmhelligkeit lediglich 4,5 Stunden. Das reicht nicht einmal annähernd für einen kompletten Arbeitstag und enttäuschte uns im Test.

Preis / Verfügbarkeit

Das Huawei MateBook mit Core-m3-Prozessor, 4 GByte RAM und 128 GByte SSD kostet 870 Euro. Die Version mit Core-m5-Prozessor, 8 GByte RAM und 256 GByte SSD kostet 1.180 Euro. Beide Versionen kommen mit Tastatur-Cover. Während der 70 Euro teure Stift wohl nicht für alle Nutzer relevant ist, empfehlen wir dagegen, sich das MateDock für knapp 100 Euro genauer anzuschauen.

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Alternativen

Im Vergleich kostet das Microsoft Surface Pro 4 in der Version mit Core-m3-Prozessor mit Digitizer und Tastatur 1.020 Euro. Ist also ein klein wenig teurer als das m3-MateBook mit vergleichbarer Ausstattung und MateDock. Das Microsoft Surface Pro 4 mit i5, 8 GByte RAM und 256 SSD kostet mit Digitizer und Tastatur 1.360 Euro, also kaum mehr als das m5-MateBook mit MatePen und MateDock. Dabei bietet das Surface Pro 4 mit i5 deutlich höhere Performance und insgesamt ein durchdachteres Detachable-Konzept.

Eine weitere Alternative wäre das Acer Switch Alpha 12. Die Basiskonfiguration mit Core i5, 4 GByte RAM und 128 GByte Speicher ist bereits für 799 Euro erhältlich.

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Fazit

Schade, Huawei! Das MateBook hätte so gut werden können. Die Verarbeitung ist perfekt, das Display toll, die Performance ausreichend und der Fingerprintsensor zuverlässig. Doch man merkt dem Huawei MateBook an, dass es Huaweis erstes 2-in-1 Gerät ist. Gerade die wacklige Standkonstruktion und das nicht zu Ende gedachte MateDock nerven enorm.

Das MateBook ist für User, die ihren Rechner überall hin mitnehmen, dennoch ein gutes Gerät. Aber es hat ein entscheidendes Problem: Das Microsoft Surface Pro 4. Das Microsoft-Pendant überflügelt das MateBook in den meisten Disziplinen und kostet dabei nur unwesentlich mehr. Deswegen empfehlen wir jedem, der ein Gerät dieser Klasse kaufen möchte, sich unbedingt auch ein Gerät der Surface-Reihe anzuschauen.

Hier unser ausführliches Testvideo zum Huawei MateBook:

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  1. Danke für die ausführliche Videovorstellung des MateBooks.
    Frage: sind die schmalen Bildschirmränder (elegant im Laptop-Mode) nicht zu schmal beim Halten im Tablet-Mode? Danke!
    F.Ritz

  2. Hi, ich bin glücklicher Besitzer eines Matebook und das halten im Tablet-Mode ist tatsächlich manchmal so eine Sache bei den kleinen Rändern. Es fehlt einfach so eine Stelle wo man es richtig anpacken kann, ohne gleich auf den Screen zu kommen. Auf der anderen Seite ist das MateBook schön leicht, so dass man auch gar nicht so einen festen Griff verwenden muss, um es zu halten. Wenn man es nur ab und an auf der Couch zum surfen nutzt, etc. gleicht das die schmalen Ränder eigentlich ganz gut aus. Ich nutze es zu 80% als Laptop-Ersatz und nur zu 20% als Tablet und in dem Szenario ist es perfekt (zumindest für mich).

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