Forscher arbeiten an Beinprothesen aus recyceltem Plastik

(Bild: Shutterstock.com/Bignai)

In Krisengebieten und Kriegsregionen treten leider häufig schwere Verwundungen auf. Wer etwa ein Bein verliert soll künftig aber schon nach wenigen Tagen eine außerordentlich günstige, passgenaue Prothese erhalten können. Ein Forschungsteam aus Deutschland arbeitet daran.

Seit anderthalb Jahren wird an der Universität Erlangen-Nürnberg und der Fachhochschule Lübeck eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, um  herauszufinden, ob und wie Menschen in Entwicklungsländern mit solchen Prothesen geholfen werden könnte. Das dabei bereits entstandene Projekt trägt den Namen 3DPro.

Das Team um den Wirtschaftsinformatiker Dr. Christian Zagel sieht vor, dass ärztliches Personal vor Ort mit einem Smartphone den Beinstumpf des Opfers vermessen kann. Binnen ein bis zwei Minuten werden dabei 20 bis 30 Aufnahmen gemacht. Anschließend erstellt eine Software ein exaktes 3D-Modell. Jede Prothese ist dadurch ein Unikat, das genau sitzt und Schmerzen sowie Entzündungen am Beinstumpf dadurch vermieden werden.

30 Stunden Druckzeit

Technisches Vorwissen ist für die Anwendung dieser Technologie vor Ort also nicht vonnöten, nur ein Smartphone sowie 3D-Drucker. Der übersetzt das digitale Modell anschließend in die tatsächliche Prothese. Dafür werden etwa 30 Stunden und das passende Material benötigt. Um die Kosten zu senken, arbeitet das Team um Zagel daran, recycelte Plastikbecher verwenden zu können.

Schon gelesen? Zukünftige Füllungen aus Biomaterialien stimulieren Zahnreparatur

Anstelle von Kunststofffilamenten für 15 bis 20 Euro je Kilogramm sollen kompostierbare Kunststoffbecher aus Polymilchsäure (PLA) zerkleinert und in einem Extruder geschmolzen sowie in Schnur-Form gebracht werden. Das senkt die Kosten natürlich enorm.

Prothesen für wenige Euro

Aus dem Grund lässt Zagel auch mit der günstigsten Technologie drucken. Damit gehen allerdings auch Fehldrucke einher, die das Team immer wieder vor Herausforderungen stellen. Trotzdem werden wohl schon dieses Jahr erste Testpersonen die Prothesen nutzen dürfen. Weitere Patienten könnten schon 2017 damit ausgestattet werden – zum Glück.

Der Bedarf an solchen Prothesen ist in Entwicklungsländern nämlich groß. Etwa jeder 200. Mensch der Erde benötigt eine Pro- bzw. Orthese, die ein Körperteil entlastet oder stützt. In Entwicklungsländern hat allerdings nicht mal jede*r fünfte Betroffene die Möglichkeit, solche Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen. Der finanzielle Faktor dürfte bei den 3D-gedruckten Prothesen aber kaum noch eine Rolle spielen. Langfristig möchte man den Preis für eine Prothese nämlich auf etwa zehn Euro bringen.

Tags :Quellen:3d-grenzenlosBild: ShutterstockVia:t-online
  1. Konventionelles anfertigen von Prothesen aller Art, war bis heute sehr Arbeitszeitintensiv und Lohnkostenintensiv für spezielle knappe Fachkräfte.
    Durch Prothesen Herstellung (inklusive Zahnersatz) mit 3D Scan und 3D Druck wird die ganze Branche radikal verändert, und die Erzeugnisse werden nur 10 bis 25 % der alten Preise kosten. Wenigstes hier können Krankenkassen etwas einsparen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising