China Labor Watch: Apple-Zulieferern mit schlechten Arbeitsbedingungen

(Bild: Jay Greene/CNET)

China Labor Watch (CLW) erhebt schwere Vorwürfe gegen Pegatron. Der Apple-Zulieferer soll riesige Überstundenkontingente vor sich herschieben und den Mitarbeitern zu wenig zahlen. Auch Foxconn ist wieder ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Apples Zulieferer in China scheinen nach wie vor ihre Beschäftigten massiv auszubeuten. So soll nach einem Bericht von China Labour Watch (PDF) teilweise so wenig gezahlt werden, dass die Beschäftigten davon kaum leben könnten, es sei denn, sie machen extrem viele Überstunden.

Auch Apple-Zulieferer Foxconn ist wieder in der Kritik: Dort gab es einen Suizid und einen tödlichen Unfall.

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Dem Bericht zufolge haben sich parallel zu Apples rückläufigen Gewinnen auch die Arbeitsbedingungen bei seinen Auftragsfertigern verschlechtert. Für ihre Untersuchung werteten die Arbeiterschützer Lohnabrechnungen von Mitarbeitern bei Pegatron Shanghai im letzten Jahr aus, befragten Arbeiter und ermittelten in der Fabrikation.

62 Prozent der Abrechnungen wiesen mehr als 82 Überstunden monatlich aus. Ein Arbeiter kam mit 109 Überstunden auf insgesamt 293 Arbeitsstunden. Wer keine Überstunden leistet, verdient jedoch nach Abzügen nur rund 213 Dollar, was zum Leben in dieser Region nicht reicht. Der Arbeitslohn in Shanghai betrug 2015 durchschnittlich 895 Dollar. Pegatron-Arbeiter jedoch verdienten selbst mit 80 Überstunden nur 672 Dollar. Mit 20 Überstunden kamen sie lediglich auf 490 Dollar. Nach den Auswertung von China Labor Watch lagen die Löhne von 42,3 Prozent der Pegatron-Mitarbeiter unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns in Shanghai. Das Unternehmen musste daher durchschnittlich 19 Dollar zuzahlen.

Viele Probleme entstehen laut CLW auch durch Apples Marketingpraxis, die für extremen Druck in der Herstellung sorgt, wenn gewaltige Mengen neuer iPhones für den Verkaufsstart zu produzieren sind. Wie Foxconn 2012 erklärte, war es außerdem schwierig, auf einmal 20 Prozent mehr Arbeiter zu finden – bei einer Million Mitarbeitern wurden 200.000 zusätzlich benötigt.

Bei Foxconn wie Pegatron werden daher auch Berufsschüler als Praktikanten eingespannt. Diese sind oft nur 17 bis 18 Jahre alt und sollten eigentlich nicht zur Arbeit am Fließband gezwungen sein, die keinen Bezug zu ihrem Unterricht hat. Freiwillig machen sie es nicht, denn Behörden und Schulen setzen sie ebenfalls unter Druck. China Labor Watch wirft Pegatron vor, dass seine Praktikanten durchschnittlich sogar noch mehr Überstunden leisten als Mitarbeiter in Vollzeit.

Das gängige Argument, dass doch alle Hersteller zu solchen Bedingungen produzieren lassen, lässt CLW-Geschäftsführer Li Qiang nicht gelten: „Derzeit verhindert Apple die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der ganzen Smartphoneindustrie. 2015 hat Apple über 90 Prozent der gesamten Gewinne der Smartphoneindustrie erzielt, während eine Vielzahl anderer Unternehmen Verluste einfuhren. Wenn Apple sich nicht seinem Status entsprechend verantwortlich verhält, sind auch andere Firmen nicht in der Lage, für Verbesserungen zu sorgen.“

Bei Foxconn in Zhengzhou, dem Hauptwerk für die iPhone-Produktion, kam es kürzlich erneut zu einem aufsehenerregenden Suizid. Ein 31-jähriger Arbeiter sprang nach seiner Nachtschicht aus der obersten Etage in den Tod. Er war erst seit einem Monat dort beschäftigt.

„Warum sind es immer die einfachen Arbeiter, die springen?“ zitiert das Wall Street Journal eine Mitarbeiterin von Foxconn. Es geschehen immer wieder solche Selbsttötungen in der Foxconn-Fabrik, erklärte sie weiter. Das spiegle die prekäre Existenz chinesischer Wanderarbeiter. Mangels Geld und Ressourcen gelinge es ihnen nicht, persönliche Probleme zu lösen.

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Tags :Quellen:ZDNet.comVia:Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de

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