„Hauptsächlich ältere Personen kaufen gebrauchte Computer“

(YouTube-Screenshot: NetMediaEurope)

Die von der Bamberger Fairtrade Town Steuerungsgruppe und lokalen Vereinen organisierte Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten "Fairen Woche" drehte sich dieses Jahr unter anderem um nachhaltige IT-Produkte. Recycling- und Fairhandels-Spezialisten sprachen bei einer Vortragsreihe über deren Arbeit und stellten klar: Es muss nicht immer das neueste Gerät sein.

Ökosoziale Produkte sind in der Lebensmittel- und Textilbranche kaum noch als Nischenerzeugnisse zu bezeichnen. Bei Elektrogeräten wie etwa Computer oder Mobiltelefonen sieht das allerdings ganz anders aus. Dabei werden Smartphones in enormen Mengen produziert und beherbergen trotz der geringen Größe etwa 60 verschiedene stoffliche Elemente. Darüber hinaus sind die schlechten Arbeitsbedingungen in vielen afrikanischen Minen sowie südostasiatischen Fabriken seit Jahren im Zusammenhang mit der steigenden Anzahl an Elektrogeräten in den Schlagzeilen.

Grund genug, ökologischere und sozialere Produkte zu fordern. Frank Braun vom Eine Welt Netzwerk Bayern stellte im Rahmen der Vortragsreihe „Computer, Smartphone und Co. – geht das auch fair und nachhaltig?“ in Bamberg einige Kriterien vor. IT-Produkte müssten möglichst so designed sein, dass sie einfach zu reparieren bzw. um- und hochzurüsten sind. Die Laufzeit der Geräte müsse so lange wie möglich sein und Geräte, die sich nicht mehr reparieren lassen, dem fachgerechten Recycling zugeführt werden.

Das wäre ökologisch sowie wirtschaftlich von großer Bedeutung, schließlich werden 80 Prozent der Stoffe eines Elektrogerätes durch Recycling-Methoden wiederverwendet. Klingt gut, allerdings werden eben viel zu wenige Altgeräte fachgerecht entsorgt. Allein in den Haushalten Deutschlands lagern wohl etwa 100 Millionen ungenutzte Mobiltelefone.

Recycling oder Wiederaufbereitung

Und was geschieht bei einer fachgerechten Entsorgung? Klaus-Dieter Fuierer, Niederlassungsleiter des Recycling- und Reparaturunternehmens AFB (Arbeit für Behinderte) gibt Einblick ins Unternehmen. 42 Prozent der Angestellten sind Menschen mit Behinderung, die über das Unternehmen weiterführend in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Altgeräte können bei Firmen wie AFB, selbst neunmal in Deutschland vertreten, abgegeben werden. Von großer Bedeutung sind für AFB die Altgeräte von Firmen, die man eigenständig einholt. Gebrauchte Hardware wird abgenommen und entweder geschreddert sowie anschließend mit Partnern nach strengen Regeln recycelt oder repariert und weiterverkauft.

So werden Computer geschreddert

Aus den funktionierenden Bauteilen von alten Business-PCs oder -Notebooks werden also verschieden ausgestattete Geräte für Verbraucher*innen gebaut – individuelle Gerätekonfiguration ist hier natürlich kein Problem. Eine zertifizierte Datenlöschung garantiert auch, dass private Informationen beim Verkauf der Refurbished-Geräte nicht weitergegeben werden.

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Ökologisch ist die Weiternutzung alter Geräte und das fachgerechte Recycling der nicht mehr verwendbaren PCs allemal. Für Endkunden lohnen sich solche Geräte außerdem wegen des niedrigen Preises. Ein Computer mit i5-Prozessor geht, so Fuierer, statt für 600 Euro für 300 Euro über die Ladentheke. Das steht letztlich auch im Verhältnis zur weiteren Laufzeit solcher wieder aufbereiteten Geräte.

„Ein hochwertiger, neuer Rechner kann schon sechs Jahre laufen, bei guter Pflege auch acht Jahre“, so Fuierer. Computer, die AFB verkauft, haben zwar nur ein Jahr Garantie, laufen aber „definitiv noch vier Jahre“ – tendenziell länger. Besonders wichtig für solche Laufzeiten: die Altgeräte sollten Business-Modelle gewesen sein.

Fuierer führt aus, dass beispielsweise die Hersteller von CPUs nach der Produktion die Leistung eines Prozessors messen. Gute Erzeugnisse landen in Business-Geräten, schlechtere Prozessoren werden hingegen hochgetaktet und in Consumer-Geräten verbaut, die dann in den großen Hallen der bekannten Elektromärkte liegen und nur wenige Jahre lang gute Dienste verrichten können.

Nur was für Nerds? Fehlanzeige

Hinzu kommt, dass die Hersteller Business-Geräte ohnehin so konzipieren, dass sie einfacher zu reparieren und umzurüsten sind – das wollen und brauchen die Großkunden schließlich. Beim Kauf von wieder aufbereiteten Geräten sollte also darauf geachtet werden, dass für den Computer oder das Notebook Business-Produkte verwendet wurden.

Computer-Kenner oder tendenziell jüngere, IT-interessierte Klientel gehören allerdings kaum zur Kundschaft von AFB. Es sind vor allem ältere Personen, die Interesse an gebrauchten Computern zeigen. Ganz im Gegensatz zum Studenten Mathias Renner. Er hat sein Notebook zwar nicht bei AFB erstanden, ist allerdings Berater für nachhaltige IT-Produkte. Auf Nachfrage von Übergizmo gab Renner diesbezüglich auch seine Favoriten in puncto Notebooks preis: Die 420, 430, 520 und 530er-Business-Modelle der Lenovo T-Serie. Sie seien insbesondere sehr langlebig und relativ modular aufgebaut.

Vollkommen nachhaltige Produkte sind diese Notebooks aber natürlich auch nicht. Dies ist in der IT-Branche bislang einfach noch nicht möglich, wie Susanne Jordan ausführt. Sie hat 2009 den Verein nagerIT gegründet und versucht mit ihrem Team seither, eine möglichst fair gehandelte Computermaus produzieren zu lassen.

Die vollständige Lieferkette der fairsten Maus findet man hier

Faires Lötzinn, ein Mausrad aus Holz sowie ökologisches Gehäuse aus Zuckerrohr zählen zu den spannendes Features der 30 Euro teuren Maus. Viel Geld für ein derartiges Gadget ohne besondere technische Ausstattung. Würde man manche Teile wie das USB-Kabel nicht in China produzieren lassen, „weil es dort billiger ist“, läge der Kostenpunkt allerdings deutlich höher, sodass die Abnehmerschaft deutlich geringer wäre. Letztendlich hängt man auch hier am Tropf des fließenden Geldes.

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