Honor 8 im Test – Schick, schnell und fast zu günstig

Seit etwa drei Jahren bietet Huawei mit seiner erfolgreichen Tochtermarke Honor Smartphones für Digital Natives an. Also quasi alle, die mit dem Handy in der Hand auf die Welt gekommen sind. Mit dem Honor 8 ist jetzt das neuste Flaggschiff des Herstellers aus Shenzhen erschienen, dem Silicon Valley Chinas. Wir haben das Mittelpreis-Smartphone mit den Ambitionen eines Premium-Handys auf CPU-Herz und RAM-Nieren geprüft. Spoiler-Alert: Es ist ziemlich gut geworden.

Honor 8

Bild 1 von 15

Das Display des Honor 8
(Bild: Übergizmo)

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Wirklich schickes Gehäuse…  (Bild: Übergizmo)…das Fingerabdrücke sammelt wie C.S.I. Miami
(Bild: Übergizmo) Performance. Acht Kerne für ein Halleluja!  (Bild: Übergizmo)Lautsprecher klingen etwas dünn
 (Bild: Übergizmo)Ordentliche Kamera
 (Bild: Übergizmo)Ausreichend ausdauernder Akku
 (Bild: Übergizmo)USB-C-Anschluss
 (Bild: Übergizmo)Sinnvolle und nützliche Funktionen in EMUI
 (Bild: Übergizmo)Infrarot-Sender macht das Honor 8 zur Fernbedienung

Verarbeitung und Design

Was auf den ersten Blick auffällt, ist das wirklich schicke Design des Honor 8. Das braucht sich keinesfalls vor deutlich teureren Smartphones, wie dem Samsung Galaxy 7 verstecken, respektive Edge und Note. Das 5,2 Zoll große Full HD-Display wird von einem Metallrahmen eingefasst, der zu den erhältlichen Farben Midnight Black, Pearl White und dem uns für den Test vorliegenden Sapphire Blue passt. Vorne und hinten gibt es fingerabdruckfreudiges Glas, das auf der Rückseite mit 15 übereinander liegenden Schichten für einen schimmernden Effekt sorgt. Das hebt  das Honor 8 optisch angenehm von der Konkurrenz ab.

(Bild: Übergizmo)

Die Glasoberfläche des Honor 8 schimmert im Licht (Bild: Übergizmo)

Das Glas ist an der Seite leicht abgerundet, sprich 2,5D. Das fügt sich gut in  den stilistischen Look ein, sorgt aber gleichzeitig für Schlüpfrigkeit in der Hand. Vor allem bei Menschen mit kleineren Händen dürfte das Honor 8 mit den Maßen 145,5mm x 71mm x 7.45mm öfters aus der Kralle rutschen. Das ist noch lange kein Phablet, aber eben auch kein iPhone SE mehr, was dann Richtung Boden segelt.

Hier bietet sich die hauseigene Hülle von Honor an. Diese gibt es als transparente Variante, die gut zum Design des Smartphones passt. Ich persönlich bin ja kein Fan von Hüllen oder Abdeckungen, diese Variante ist jedoch sehr gut gelungen. Sie ändert das Aussehen nicht komplett ab und verpasst dem 153 Gramm schweren Honor 8  mehr Halt.

Was designtechnisch noch zu erwähnen wäre, ist dass weder Kamera noch der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite hervorstehen. Es gibt also weder den berüchtigten Camera-Bump, noch einen Hubbel dort, wo der Zeigefinger das Honor 8 entsperrt.

Unter der schicken Haube des Honor 8

(Bild: Übergizmo)

Der Fingerabdrucksensor des Honor 8 mit Zusatzfunktionen (Bild: Übergizmo)

Das passiert übrigens ausreichend schnell. Nach der ersten Einrichtung und nachdem ihr das Honor 8 einige Male entsperrt habt, braucht es etwa 0,4 Sekunden, bis ihr das Display seht. Das geht bei anderen Modellen durchaus schneller, ist aber vollkommen ausreichend im alltäglichen Gebrauch. Huawei hat zur Erkennung eures Fingers einen 3D-Scan integriert, der davor schützen soll, dass jemand das Honor 8 mit einen geklauten Fingerabdruck entsperrt. Aufgrund mangelnder krimineller Energie konnten wir dieses Feature leider nicht genauer testen. Fremde oder nicht vorher gescannte Finger lassen das Display aber erwartungsgemäß dunkel.

Der Sensor selbst kann übrigens mit eigenen Funktionen versehen werden. Ein Mal drücken öffnet die Kamera-App, zwei Mal drücken den Audiorekorder oder jede andere App beispielsweise. Zudem könnt ihr mit einem Druck auf den Sensor Anrufe annehmen oder den Wecker ausschalten. Mit einer Wischgeste lässt sich das Notification Panel herunter fahren. Damit bekommt ihr Zugriff auf Benachrichtigungen und konfigurierbare Funktionen, wie WLAN ein- und ausschalten, Bluetooth, NFC und so weiter. In der Praxis funktionieren diese Gesten auch ganz gut. Manchmal schiebt man jedoch unbeabsichtigt das Notification Panel herunter. Grobmotoriker können diese Funktion in dem Fall auch einfach deaktivieren.

Flott wie ein Samsung Galaxy S7

(Bild: Übergizmo)

Der Phone Manager sorgt für Ordnung auf dem Honor 8 (Bild: Übergizmo)

Nicht nur diese Funktionen des Fingerabdrucksensors machen die Bedienung des Honor 8 verdammt schnell. Auch unter der Haube zeigt der Kirin 950 Octacore mit einem i5 Co-Prozessor was er kann. Vier der Kerne laufen dabei mit 1,8 und die anderen vier mit 2,3 Gigahertz. Im Geekbench liegt das Honor 8 mit 1708 Punkten im Single-Core- sowie 5165 Punkten im Multi-Core-Benchmark nahezu gleichauf mit dem Samsung Galaxy S7 (sowie Edge und Note). Von den nackten Zahlen abgesehen, merkt man auch im alltäglichen Gebrauch, wie flott das Honor 8 ist. Selbst mit Dutzenden geöffneten Apps (inklusive Ressourcen-Vampir Facebook und Chrome mit unzähligen Tabs) läufts rund. Flüssiges Scrollen durch die App-Liste sowie Youtuben oder Surfen ist problemlos möglich. Dafür sorgen die vier Gigabyte RAM, von denen etwa 2,4 für aktive Apps zur Verfügung stehen. Den Rest schnabuliert Android in Version 6.0 weg.

Der Speicher ist übrigens je nach Version 32 oder 64 Gigabyte groß und kann dank dem Dual SIM-Slot mit einer microSD-Karte erweitert werden. Und mit NFC, Bluetooth 4.2 sowie WLAN in 2,4 oder 5 GHz ist auch von der Konnektivität her alles an Bord, was man von einem Flaggschiff erwarten darf. Was bei vielen, auch teureren Geräten noch keine Selbstverständlichkeit ist, ist der verbaute USB-C-Anschluss. Somit seid ihr für die Zukunft gewappnet, denn der USB-C-Port wird meiner Ansicht nach alle anderen in die Knie zwingen. Auf mittlere Sicht auch den Kopfhörereingang, der beim Honor 8 aber dabei ist (seit dem Announcement des iPhone 7 sollte man das ruhig mal erwähnen).

Akku des Honor 8

(Bild: Übergizmo)

Audiobuchse, USB-C-Anschluss und Lautsprecher des Honor 8 (Bild: Übergizmo)

Der USB-C Port kann zum Datenaustausch mit Huaweis eigenem Tool für PC und Mac verwendet werden und lädt selbstverständlich den fest verbauten 3000 mAh großen Akku. Mit dem schafft ihr es im normalen Gebrauch auf etwa anderthalb Tage, für Heavy-User reicht es locker für einen ganzen. Dank Fast Charge pumpt ihr den Akku innerhalb einer halben Stunde um rund 50% auf, was die Smart Power 4.0 genannte Technologie ermöglicht. Das interne Energiemanagement übernimmt übrigens der i5 Co-Prozessor und macht seinen Job entsprechend ordentlich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass hier acht Kerne und vier Gigabyte Arbeitsspeicher an der Batterie nuckeln. Lediglich, wenn ihr den ganzen Tag über viel mit dem Honor 8 filmt und fotografiert, müsst ihr spätestens am Abend an die Steckdose. Das ist bei anderen Smartphones aber nicht anders.

Fotografieren und Filmen

Beim Knipsen kommt eine zwölf Megapixel starke Dual-Kamera zum Einsatz, die sehr an den großen Cousin erinntert, das Huawei P9. Statt Leica- kommen Sony-Sensoren zum Einsatz, vom Prinzip her funktioniert die Kamera aber genauso: Die RGB-Linse fängt primär Farben ein, während der zweite, monochrome Sensor für Details und Kontrast im Bild sorgt. Da der zweite Sensor drei Mal so viel Licht einfängt wie ein normaler Chip, verbessern sich die Bilder in puncto Farbdynamik und sorgen vor allem bei schlechteren Lichtverhältnissen für weniger Rauschen.

(Bild: Übergizmo)

Die Dual-Cam des Honor 8 macht bei ausreichend Licht gute Bilder (Bild: Übergizmo)

Das funktioniert recht gut, auch wenn es deutlich bessere Handy-Knipsen gibt. Für die Preisklasse von rund 400 Euro für 32 Gigabyte und 450 Euro für die 64 Gigabyte-Variante sind die Aufnahmen aber sehr gut. Bei Aufnahmen am Tag, beziehungsweise mit ausreichend Licht kommen knackscharfe Bilder mit angenehmer Farbtemperatur zustande.

(Bild: Übergizmo)

Bei wenig Licht rauschen die Bilder leider etwas (Bild: Übergizmo)

Als besonderes Feature könnt ihr den Schärfepunkt der Bilder auch nachträglich ändern oder ein Bokeh hinzufügen. Das ähnelt in etwa dem Effekt, den Apple für das iPhone 7 angekündigt hat und den Hintergrund weichzeichnet. Somit könnt ihr artistische Bilder erstellen, die an Aufnahmen mit einer Spiegelreflex-Kamera erinnern. Weitere Modi erlauben Panorama-Aufnahmen oder besonders akzentuierte Aufnahmen eures Essens im Food-Modus. Mittlerweile typisch bei vielen Android Smartphones.

(Bild: Übergizmo)

Ein Übergizmo Redakteurs-Abendessen im „Food-Modus“ fotografiert (Bild: Übergizmo)

Bei Videoaufnahmen gilt übrigens das gleiche wie bei Fotos: Bei gutem Licht gibt es nichts an der Qualität zu meckern, in Low-Light-Situationen stößt die Kamera jedoch an ihre Grenzen und zeigt deutliches Rauschen. Abhilfe schafft hier der Dual-LED-Blitz, der sich an die Farbtemperatur der Umgebung anpasst und im Fall der Fälle durchaus brauchbare Ergebnisse ermöglicht. Zeitlupenaufnahmen sind auch möglich, 4K jedoch nicht. Dafür könnt ihr Videos und Fotos im „Pro-Modus“ aufnehmen. Hier setzt ihr die ISO selbst oder nehmt den Weißabgleich manuell vor. Insgesamt nette Features für die hauseigene Kamera-App, ein paar mehr hätten es aber noch sein dürfen.

(Bild: Übergizmo)

Bei ausreichend Licht kommen auch gute Bilder zustande (Bild: Übergizmo)

Selfie-Cam und Fernbedienung

Auf der Vorderseite kommt eine acht Megapixel auflösende Kamera zum Einsatz. Die ist überraschend gut und hellt eure Front bei schlechten Lichtverhältnissen per Display-„Blitz“ auf. Um das Ergebnis dann noch etwas aufzuwerten gibt es verschiedene Modi, mit denen ihr euch fotografieren könnt. Im Beauty-Modus könnt ihr euch beispielsweise mit einem Regler von eins bis zehn die Falten aus dem Gesicht ziehen lassen. Falls ihr auf dem Eiffelturm mal wieder euren Schminkkasten vergessen habt. Auf Stufe 10 siehts natürlich arg künstlich aus (Beispiel hier). Insgesamt macht die Selfie-Cam gute Fotos, besonders für die Preisklasse.

(Bild: Übergizmo)

Die Selfie-Cam des Honor 8 ist erstaunlich gut (Bild: Übergizmo)

Als kleinen Bonus hat das Honor 8 übrigens einen Infrarot-Blaster an der Geräte-Oberseite verbaut. Mit dem steuert ihr beispielsweise euren Fernseher, eure Set-Top-Box, Musikanlage oder eins von zigtausend anderen Geräten, die in der Datenbank der App gespeichert sind. Auf Anhieb funktionierte das bei allen von uns getesteten Geräten perfekt, auch bei eher unüblichen Geräten wie der NVIDIA SHIELD Android TV. Theoretisch könnte die App also endlich für Platz auf dem Couchtisch sorgen.  Das ist aber Geschmacksache, denn nicht jeder kommt damit klar, virtuelle Tasten ohne haptisches Feedback auf einem Display zu drücken. Mit etwas Übung sollte es aber möglich sein, Tasten zu drücken, ohne ständig aufs Remote-Display gucken zu müssen.

EMUI und KnuckleSense

(Bild: Übergizmo)

EMUI kommt als Android-Aufsatz in Version 4.1 (Bild: Übergizmo)

Huawei-typisch kommt ein Android mit EMUI zum Einsatz, das ebenfalls Huawei-typisch vermutlich erst recht spät auf Nougat updated werden wird. Diese aktuelle EMUI-Version bringt einige nette Features mit, die euch alle offenen Apps auf einmal schließen lässt sowie den mächtigen Telefon-Manager. Der bereinigt Speicher, temporäre Dateien, Caches und sonstigen Datenmüll automatisch oder löscht auf Wunsch ganze Gigabytes an Medienformaten auf einmal. Und für Kontrollfreaks lässt sich auch nachträglich jeder Zugriff von Apps auf Kamera, Speicher, Kontakte und so weiter manuell ändern. Für Backups und erweiterte Funktionen braucht ihr eine Huawei ID, die auch Daten zwischen Geräten synchronisiert. Im Grude funktioniert das so, wie bei Apples iCloud.

Auch von Hauweis anderen Geräten bekannt ist Knuckle Sense. Das Honor 8 erkennt hierbei, wenn ihr auf das Display klopft und führt dann einstellbare Funktionen aus. Beispielsweise zeichnet es  Screenshots auf oder startet Video-Captures. Das hat im Test einwandfrei funktioniert und spart den Umweg über zusätzliche Apps oder das Wühlen in Menüs. Als Teil von EMUI ist Knuckle Sense ein schönes Feature und auch sonst ist es erfreulich, dass Huawei sein Android nicht mit zu vielen unnötigen Apps und Bloatware überlädt. Rein optisch stellt EMUI die Apps sehr klassisch, sprich langweilig dar. Deswegen bietet es sich an einen anderen Launcher zu installieren. Wer gerne einen sauberen Look mit integrierten Google-Funktionen möchte, greift zum Google Now-Launcher. Freunde von Bling-Bling nutzen den Nova-Launcher.

Fazit

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Wer momentan viel Smartphone für einen angemessenen Preis haben möchte, kann beim Honor 8 bedenkenlos zuschlagen. Das gute Stück macht optisch vor allem in Sapphire Blue eine gute Figur und die Kamera macht sehr gute Bilder und Videos. Das Gehäuse muss aber gelegentlich von der Fingerabdruckschmiere befreit werden, die Glashandys nun mal anziehen. Dass das Display mit Full HD auflöst, ist in dieser Preisklasse vollkommen in Ordnung, etwas brillanter und kontrastreicher hätte es aber schon noch sein dürfen. Zumal es die automatische Helligkeitsregelung manchmal etwas zu gut meint und den Bildschirm arg abdunkelt. Das manuelle Einstellen über den kleinen Schieberegler im Notification Panel hat mich mehr als nur ein Mal zum Wahnsinn getrieben.

Der Lautsprecher ist ausreichend laut, könnte aber noch ein wenig mehr Bass vertragen. Das sind aber Kleinigkeiten, die die Gesamtleistung des Honor 8 kaum schmälern. Alles in allem ist Huaweis beziehungsweise Honors neuster Streich für 400 beziehungsweise 450 Euro eine absolute Kaufempfehlung. Zumal das Honor 8 in einigen Angeboten bereits für 350 Euro zu haben war.

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  1. Stimme hier voll und ganz zu! Wirklich ein richtig schönes Teil.

    Nur kann man die Panoramafunktion direkt vergessen. Nicht mal mit Stativ ist es mir gelungen, saubere Übergänge zu bekommen. Es landen jede Menge „Kanten“ im fertigen Bild.

    Und wenn man die SIM-Karte(n) umbenennt, bekommt man keine SMS mehr gesendet. Empfang geht aber. Schätze das ist ein Bug in der App – werde Huawei/Honor vielleicht dazu mal anschreiben.

    Trotzdem – ich würd’s direkt wieder kaufen :)

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