Extrem lichtstark: Leica DG Summilux 12mm/F1.4 von Panasonic im Test

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Mit Leicas Weitwinkelobjektiv DG Summilux 12mm/F1.4 ist für Panasonic-Systemkameras. kann man auch in der Dämmerung noch schnelle Schnappschüsse knipsen. Unser Test des Leica DG Summilux 12mm/F1.4 zeigt, warum das Objektiv wirklich Spitze ist - und was man damit besser nicht fotografieren sollte.

DG Summilux 12mm/F1.4

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Leica DG Summilux 12 mm/D1.4 - gefertigt von Panasonic

Mit einer UVP von knapp 1.400 Euro ist das Leica DG Summilux 12mm/F1.4 ASPH nicht gerade ein Sonderangebot unter den Wechselobjektiven. Doch Fotografen erkennen bereits an der Produktbezeichnung, warum dieses Objektiv etwas Besonderes ist.

Für hochgezogene Augenbrauen sorgt allein schon die Ziffer F1.4. Als Bezeichnung für die maximale Blendenöffnung steht sie für ein extrem lichtstarkes Objektiv, mit dem auch bei Dämmerung noch Schnappschüsse mit kurzer Verschlusszeit möglich sind. Andere Hersteller vermarkten bereits Objektive mit der größten Blendenöffnung F2.8 als lichtstark.

Und da wäre noch der Name: Leica Summilux. Eine legendäre Marke, die allerbeste Bildqualität verspricht. Das Objektiv wurde nach Leica-Vorgaben von Panasonic produziert und von Leica zertifiziert.

DG Summilux 12mm/F1.4 mit Festbrennweite

Das Summilux ist als Festbrennweite mit 12 mm konzipiert. Bezogen auf Kleinbild ergibt das ein Weitwinkelobjektiv mit 24 mm. Mit dem Zoom herumspielen kann man also nicht, was der Konzentration beim Fotografieren eher förderlich ist.

Panasonic bewirbt das Summilux „als ideal für Street Photography und Landschaftsaufnahmen“. Das Objektiv ist vor Staub und Spritzwasser geschützt und laut Hersteller „außergewöhnlich robust“.

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Der Bajonettanschluss des Objektivs passt auf Panasonic-Digicams mit dem Standard Micro Four Thirds. Der Sensor ist mit einer Fläche von 17,3 x 13,0 mm eigentlich ziemlich klein für Equipment aus der Profi-Preisklasse. Denn Profis, die Beträge von 1.000 Euro und mehr für ein Objektiv ausgeben, nutzen in der Regel am liebsten Vollformatkameras, bei denen ein 36 x 24 mm großer Sensor die Qualität des Objektivs voll ausnutzt. Andererseits sind die Vollformatkameras deutlich schwerer und größer.

Die Test-Kamera: Panasonic Lumix GH4

Im Test haben wir die spiegellose Systemkamera Panasonic Lumix DMC-GH4 benutzt. Die 1.199 Euro ( UVP Body) teure GH4 bietet alle Optionen, die sich ambitionierte Fotoamateure wünschen.

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Darüber hinaus ist die GH4 auch bei Videofilmern beliebt. Das schwenkbare Display, die 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel), die zahlreichen Einstellmöglichkeiten und Videoformate und nicht zuletzt der Mikrofonanschluss machen sie zur kompakten Videomaschine. Mit der GH4 wurden auch schon diverse professionelle Projekte realisiert, darunter Musik- oder Werbeclips. Trotz des relativ kleinen Sensors ist die GH4 ein standesgemäßer Partner für das exklusive Summilux.

Der Praxistest

Im Praxistest zeigen sich die besonderen Qualitäten des Leica-Objektivs sehr schnell. Der Autofokusmotor arbeitet schnell und nahezu geräuschlos, das Zusammenspiel mit der intelligenten Mehrfeldmessung der Panasonic-Kamera gelingt perfekt.

Ohnehin hat der Autofokus wenig Arbeit, da ein Weitwinkel-Optik von vornherein mehr Tiefenschärfe aufweist. Nur bei Bildern, bei denen beispielsweise ein einzelnes Objekt sehr nahe vor der Kamera liegt, kommt die Fokusmessung gelegentlich ins Grübeln.

DG Summilux 12mm/F1.4 auf der Straße

Für die als Einsatzzweck bereits erwähnte Straßenfotografie ist das Leica-Objektiv aber nicht in jedem Fall geeignet. Gut ist die Optik, weil der Fotograf durch das Weitwinkel auch aus geringer Distanz die ganze Szenerie im Kasten hat. Durch das schwenkbare Display und den nahezu lautlosen Autofokus fotografiert man sehr schnell und diskret.

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Das 24-mm-Objektiv DG Summilux 12mm/F1.4 ist ideal für Situationen, in denen der Fotograf nah dran am Motiv ist und trotzdem möglichst viel aufs Bild bekommen möchte. Blende 2.2 – 1/8000 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak)

Schnell hat man sich auch daran gewöhnt, dass man mit dem Summilux nicht zoomen kann. Gerade für schnelle Schnappschüsse ist das hilfreich, weil man keine Zeit mit Hin- und Her-Zoomen verliert. Viele gute Schnappschüsse gelingen, wenn man beispielsweise eine mittlere Blende einstellt, den ISO-Wert fixiert, und dann einfach drauflosknipst.

Auch für schnelle unkomplizierte Schnappschüsse eignet sich das Summilux. Durch die Weitwinkeleinstellung ist auch das Scharfstellen kein Problem. Blende 2.0 - 1/400 s - ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak)

Auch für schnelle unkomplizierte Schnappschüsse eignet sich das Summilux. Durch die Weitwinkeleinstellung ist auch das Scharfstellen kein Problem. Blende 2.0 – 1/400 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak)

Die Einschränkungen bei der Jagd nach guten Bildern sind keine technische Schwäche des Leica-Objektivs, sie ergeben sich aus der Weitwinkel-Optik. Denn in der Straßenfotografie machen oftmals nicht die großen Bildkompositionen, sondern Einzelmotive das schönste Bild.

Ein hochwertiges Objektiv und eine intelligente Mehrfeldbelichtungsmessung bewältigen auch noch schwierige Gegenlichtsituationen. Blende 9.0 - 1/800 s - ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak)

Ein hochwertiges Objektiv und eine intelligente Mehrfeldbelichtungsmessung bewältigen auch noch schwierige Gegenlichtsituationen. Blende 9.0 – 1/800 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak)

Wer aber die Dame mit dem Hündchen oder den Zeitungsleser auf der Parkbank knipsen will, gerät mit dem Weitwinkel an die Grenzen. Man muss entweder nahe herangehen – und die Person dabei stören – oder das Motiv in der Bildbearbeitung als Ausschnittvergrößerung herausholen. Was wiederum zulasten der Bildqualität geht. Das Leica-Objektiv ist also nur für einen bestimmten Stil der Straßenfotografie ideal, nämlich immer dann, wenn man komplexe Szenen und Bildkompositionen bevorzugt.

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Perfekt für Landschaft und Stadtansichten

Keinerlei Zweifel gibt es aber an der Eignung für Landschaftsaufnahmen, Panoramen oder Stadtansichten. Hier besticht es durch hohe Schärfe bis an den Rand. Zumindest beim subjektiven Sehtest auf einem 24-Zoll-Monitor (RGB-Modus) von Eizo werden keinerlei gekrümmte Linien oder Unschärfen sichtbar.

Das Leica-Objektiv liefert feine Kontraste und hohe Detailschärfe bis zum Rand. Blende 5.6 - 1/1300 s - ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak / Übergizmo)

Das Leica-Objektiv liefert feine Kontraste und hohe Detailschärfe bis zum Rand. Blende 5.6 – 1/1300 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak / Übergizmo)

In der Ausschnittvergrößerung zeigt sich die bessere Auflösung und Schärfe des Leica Summilux (linkes Bild) im Vergleich zum Standard-Zoomobjektiv. Im orangefarbenen Rahmen: Die Originalaufnahme, aus der die Ausschnitte stammen. Links: Blende 5.6 - 1/1300 s - ISO 200 Rechts: Blende 11 - 1/400 s - ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak)

In der Ausschnittvergrößerung zeigt sich die bessere Auflösung und Schärfe des Leica Summilux (linkes Bild) im Vergleich zum Standard-Zoomobjektiv. Im orangefarbenen Rahmen: Die Originalaufnahme, aus der die Ausschnitte stammen. Links: Blende 5.6 – 1/1300 s – ISO 200 Rechts: Blende 11 – 1/400 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak)

Genial für Available Light

Sein größtes Talent zeigt das Summilux bei Aufnahmen in der Dämmerung. Das zeigt die Foto-Session bei einsetzender Abenddämmerung in einem bereits recht schattigen Garten. Hier ermöglicht die Blendenöffnung 1.4 noch kurze Verschlusszeiten von beispielsweise 1/60 Sekunde. So braucht man kein Stativ und kein Blitzlicht und der ISO-Wert muss auch nicht über Gebühr hochgeschraubt werden. Wer ein Objektiv für die Available-Light-Fotografie sucht, findet auf dem Markt nichts Besseres.

Wo andere Kameras in der Dämmerung nur verwackelte Bilder produzieren, ermöglicht das extrem lichtstarke Leica-Objektiv bei offener Blende noch eine kurze Verschlusszeit. Blende 1.4 - 1/60 s - ISO 3200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Wo andere Kameras in der Dämmerung nur verwackelte Bilder produzieren, ermöglicht das extrem lichtstarke Leica-Objektiv bei offener Blende noch eine kurze Verschlusszeit. Blende 1.4 – 1/60 s – ISO 3200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Bei Blende 1.4 ermöglicht das Summilux noch Dämmerungsaufnahmen ohne Blitz oder Stativ. Blende 1.4 - 1/40 s - ISO 3200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Bei Blende 1.4 ermöglicht das Summilux noch Dämmerungsaufnahmen ohne Blitz oder Stativ. Blende 1.4 – 1/40 s – ISO 3200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Im Praxistest zeigt sich allerdings, dass die Weitwinkel-Optik mit einem weiteren Fotogenre fremdelt. Für klassische Porträt-Fotografie ist das Summilux nicht konzipiert. Man muss mit dem Weitwinkel sehr nahe herangehen, das kann für die porträtierte Person aufdringlich wirken.

Zudem macht die große Tiefenschärfe der Weitwinkel-Optik es technisch schwierig, den Fokus nur auf das Gesicht zu legen und den Hintergrund in der Unschärfe verschwimmen zu lassen. Aber auch das ist konzeptionell durch die Weitwinkel-Optik bedingt und nicht etwa ein technischer Mangel des Objektivs.

Als Porträt-Objektiv ist das Weitwinkelobjektiv weniger geeignet. Selbst bei offener Blende bleibt auch der Bildhintergrund noch ziemlich scharf. Blende 1.4 - 1/80 s - ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Als Porträt-Objektiv ist das Weitwinkelobjektiv weniger geeignet. Selbst bei offener Blende bleibt auch der Bildhintergrund noch ziemlich scharf. Blende 1.4 – 1/80 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Das Standard-Zoomobjektiv der Panasonic Lumix GH4 begrenzt die Tiefenschärfe in der Telebrennweite (182 mm, bezogen auf Kleinbild) und lässt so den Hintergrund in der Unschärfe verschwimmen. Für Porträts ist es besser geeignet als ein Weitwinkel. Blende 5.6 - 1/100 s - ISO 3200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Das Standard-Zoomobjektiv der Panasonic Lumix GH4 begrenzt die Tiefenschärfe in der Telebrennweite (182 mm, bezogen auf Kleinbild) und lässt so den Hintergrund in der Unschärfe verschwimmen. Für Porträts ist es besser geeignet als ein Weitwinkel. Blende 5.6 – 1/100 s – ISO 3200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Bei mittlerer Blendenstellung im linken Bild erscheint der Hintergrund schärfer als im rechten Bild mit maximal geöffneter Blende. Links: Blende 7.1 - 1/60 s - ISO 200 Rechts: Blende 1.4 - 1/125 s - ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Bei mittlerer Blendenstellung im linken Bild erscheint der Hintergrund schärfer als im rechten Bild mit maximal geöffneter Blende. Links: Blende 7.1 – 1/60 s – ISO 200 Rechts: Blende 1.4 – 1/125 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Fazit: Highend-Optik für Könner

Das Leica DG Summilux 12mm/F1.4 ASPH ist keine gepflegte Universallinse für Hobbyfotografen, sondern eine Highend-Optik für Könner, die ein professionelles Werkzeug benötigen. Es eignet sich am besten für Landschaften, komplexe Bildkompositionen oder Straßenfotografie. Neben der Bildqualität beeindruckt besonders die extreme Lichtstärke der Leica-Optik.

blaetter

Natürliche Farben, Detailreichtum und gute Schärfe über das ganze Bild - in Kombination mit der Lumix GH4 liefert das Leica Summilux bestechend gute Bilder. Blende 1.4 - 1/200 s - ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Natürliche Farben, Detailreichtum und gute Schärfe über das ganze Bild – in Kombination mit der Lumix GH4 liefert das Leica Summilux bestechend gute Bilder. Blende 1.4 – 1/200 s – ISO 200 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Echte Leica-Qualität: Trotz weit geöffneter Blende leidet die Schärfe nicht spürbar, auch am Rand ist kein Schärfeabfall sichtbar. Blende 1.4 - 1/60 s - ISO 320 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Echte Leica-Qualität: Trotz weit geöffneter Blende leidet die Schärfe nicht spürbar, auch am Rand ist kein Schärfeabfall sichtbar. Blende 1.4 – 1/60 s – ISO 320 (Foto: Mehmet Toprak, mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm)

Nachsatz: Viele Fotos im Praxistest entstanden mit freundlicher Genehmigung von Musikzentrum Ohrwurm, www.ohrwurmmusic.de

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  1. Vielen Dank für diese Review!

    Grundsätzlich handelt es sich natürlich um eine interessante Linse, aber für meinen Geschmack wären 12 mm für eine Festbrennweite zu weitwinklig. Ich selbst habe mir ein 10-20 mm f3.5 von Sigma zugelegt. Die Lichtstärke reicht für meine Zwecke aus und ich habe mehr Spielraum.

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