Sengled Boost & Pulse Solo im Test: Sound und WLAN aus der Glühbirne

(Bild: Übergizmo)

Glühbirnen sind nicht gerade die spannendsten Objekte, wenn es um Gadgets geht. Seit die ersten Birnen 1880 in Serienproduktion gingen, hat sich außer am Leuchtmittel nicht viel getan. Das hat sich aber in den letzen Jahren geändert und die Hersteller haben angefangen, die schnöden Lampen mit Zusatzfeatures auszustatten. So auch der Smart Lighting-Hersteller Sengled, der seiner Pulse Solo einen Lautsprecher und seiner Boost genannten Birne einen WLAN-Repeater verpasst hat. Wie gut diese beiden Fusionen aus Licht und Bonus-Feature funktionieren, haben wir mal genauer getestet.

Sengled Pulse Solo & Boost Review

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Sengled Pulse Solo
(Bild: Übergizmo)

Sengled Pulse Solo

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Futuristische Bauweise…  (Bild: Übergizmo)…die für einige Lampenfassungen zu groß und schwer sein könnte
(Bild: Übergizmo)Einrichtung und App funktionieren einwandfrei  (Bild: Übergizmo)Mit 60 Euro zwar nicht unglaublich teuer, aber eben auch kein Schnäppchen
 (Bild: Übergizmo)Sound ist für die Größe ordentlich
 (Bild: Übergizmo)Gute Leuchte, die dank App gedimmt werden kann
 (Bild: Übergizmo)Es ist eine Glühbirne, die Musik macht. Wir leben in der Zukunft!

Sengled Boost

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Schönes Spotlight…  (Bild: Übergizmo)…das trotz sechs Watt verdammt heiß wird
(Bild: Übergizmo)Kompakte Bauweise für GU10-Sockel  (Bild: Übergizmo)Einrichtung dauert lange
 (Bild: Übergizmo)Funktioniert nicht mit MAC-Filter am Haupt-Hotspot
 (Bild: Übergizmo)Erzeugt neues WLAN, statt es zu erweitern
 (Bild: Übergizmo)Datenrate im Test unter der des Haupt-Hotspots
 (Bild: Übergizmo)Nur 2,4 GHz
 (Bild: Übergizmo)Für fast 60 Euro technisch unzureichend

Sengled Pulse Solo: Sound aus der Glühbirne

(Bild: Übergizmo)

Die Sengled Pulse Solo sieht recht futuristisch aus (Bild: Übergizmo)

Die Sengled Pulse Solo fällt beim Auspacken vor allem durch ihr hohes Gewicht auf. Für eine LED-„Glühbirne“ wiegt die Speaker-Leuchte beachtliche 340 Gramm, was aber aufgrund der beiden verbauten Lautsprechern mit jeweils drei Watt auch so sein muss. Das Metalchassis macht einen sehr wertigen Eindruck, was man bei einem Preispunkt von rund 60 Euro auch erwarten darf. In die übliche E27- oder wahlweise B22-Lampenfassung eingeschraubt funktioniert sie – Überraschung – wie ein regulärer LED-Spot. Die Pulse Solo strahlt ihr Licht also größtenteils nach unten und etwas seitlich ab, nicht jedoch nach oben. Die Farbtemperatur ist mit 2700K (warmweiß) angenehm und erinnert an die guten alten, aber dafür stromfressenden Birnen mit Glühdraht.

Nur dass die Pulse Solo bei hellen 550 Lumen eben nur rund 13 Watt Strom frisst. Und das auch nur, wenn die beiden Lautsprecher arbeiten. Diese melden sich beim Einschalten über den Lichtschalter mit einem Ton und dann nochmal, wenn sie sich per Bluetooth mit einer Soundquelle verbunden haben. Das funktioniert recht flott und die Reichweite ist auch ordentlich. Es haben sich sogar Geräte mit der Pulse Solo verbunden, die vorher paired wurden und am anderen Ende der Wohnung standen. Im Grunde also eine unkomplizierte Angelegenheit, wie bei einem normalen Bluetooth-Lautsprecher. Die Übertragung vom Smartphone zur Pulse Solo hat aus gleicher Entfernung übrigens besser funktioniert, als vom PC aus. Das Audiosignal wurde dort leider von Interferenzen anderer Bluetooth-Geräte unterbrochen und machte die Musikübertragung quasi unhörbar.

JBL-Lautsprecher mit ordentlichem Klang

(Bild: Übergizmo)

Der Lautsprecher-„Grill“ der Sengled Pulse Solo (Bild: Übergizmo)

Der Lautsprecher für die Pulse Solo wurde übrigens vom Sound-Spezialisten JBL entwickelt und macht für seine Größe und Einsatzzweck eine gute Figur. Man darf hier aufgrund des fehlenden Resonanzkörpers natürlich keinen Klang eines Kopfhörers oder Lautsprechers erwarten. Folglich fehlen ein wenig die Bässe, von blechernem Klang ist die Birne aber weit entfernt und reicht für die Beschallung in der Küche oder am Nachttisch allemal aus. Zudem muss man auch bedenken, dass die Pulse Solo eine sowieso vorhandene Birne ersetzt und dann eben einen Lautsprecher als Bonus mitbringt. Pluspunkte für Fans von Minimalismus also.

Die Lautstärke regelt ihr über die Sengled Pulse-App, ebenso wie die Leuchtkraft. Somit könnt ihr Licht und Sound auf ein romantisches Niveau runter dimmen oder auf Scooter-Partymodus hochschrauben. Die App selbst braucht zur Steuerung leider ein oder zwei Schritte mehr, als wir uns das gewünscht hätten, funktioniert aber zuverlässig. Ausschalten könnt ihr Licht und Ton übrigens auch und solltet euch auch darauf umstellen, statt wie gewohnt den Lichtschalter zu nutzen. Ansonsten hört die Musik nämlich auf zu spielen und ihr müsst euch je nach Gerät eventuell nochmal verbinden.

(Bild: Übergizmo)

Die Sengled Pulse Solo verbindet sich per Bluetooth mit der Soundquelle (Bild: Übergizmo)

Für etwas volleren Klang empfiehlt es sich, die Sengled Pulse Solo in einen etwas größeren Lampenschirm zu installieren (wie diesen hier von IKEA), auch um die Lautstärke zu erhöhen. Für umfassenderen Raumklang bieten sich eher Lösungen wie die Sengled Pulse an, die wir bereits getestet hatten, auch wegen der Möglichkeit mehrere Boxen-Birnen in Stereo anzusteuern.

Sengled Boost: Die Glühbirne als WLAN-Repeater

(Bild: Übergizmo)

Die Sengled Boost wird während des Betriebs leider sehr heiß (Bild: Übergizmo)

Ebenfalls für rund 60 Euro bietet Sengled seine Boost getaufte LED-Leuchte an, die das WLAN-Netzwerk erweitern soll. Wir haben die Version mit GU10-Sockel getestet, die deutlich kompakter ist, als normale E27-Birnen. Somit eignet sie sich gut für Spotlights oder für Badezimmerdecken mit versenkten Leuchten. Mit 350 Lumen und 3000K strahlt die Sengled Boost etwas dunkler und minimal lichtkälter als die Pulse Solo. Dafür braucht sie auch nur sechs Watt und nutzt diese optimal für einen nach unten strahlenden Lichtkegel. Ein wenig wie ein Spotlight eben. Leider sind das auch fast schon die einzigen Highlights, denn als WLAN-Repeater hat die Boost deutliche Schwächen. Und genau diese Funktion sollte ja eigentlich das Kaufargument sein.

Zum ersten ist die Installation der Boost ein echtes Geduldsspiel. Die Suche der Birne dauert mehrere Minuten, nachdem ihr der App euer WLAN-Passwort anvertraut habt. Nach anfänglichen Fehlversuchen ist uns im Test aufgefallen, dass die Sengled Boost partout nicht erkannt wird, wenn das WLAN einen MAC-Filter nutzt (und die MAC-Adresse der Boost selbstverständlich auf der Whitelist des Routers steht). Für sicherheitsbewusste Heimnetzwerk-Betreiber ist das natürlich ein no-go.

Langwierige Einrichtung und technische Mängel

(Bild: Übergizmo)

Mit dem Button an der rechten Seite könnt ihr die Birne wieder reseten (Bild: Übergizmo)

Ohne MAC-Filter wird die Boost auch erst nach Minuten erkannt und erstellt dann ein eigenes WLAN-Netzwerk, statt das bestehende zu erweitern. Zumindest bleibt das Passwort das gleiche wie vom Hauptnetzwerk. Dafür müsst ihr aber ständig händisch zwischen euren beiden Hotspots wechseln. Eine gegoogelte Lösung des Problems soll sein, den Hotspot der Sengled Boost einfach mit dem gleichen Namen (genauer: der SSID) eures normalen WLAN zu versehen. Typischerweise nutzen alle Geräte mit WLAN immer das stärkste, ihnen bekannte Netzwerk, wenn die SSID und Passwort stimmen. In dem Falle würde also euer Smartphone automatisch zum Boost-Hotspot wechseln, wenn das Signal eures normalen Hotspots schwächer wird.

Soviel zur Theorie dieses Workarounds, der kaum im Sinne des Erfinders sein kann. Auch nicht der Umstand, dass der Boost-Hotspot nicht mehr als acht Buchstaben im Namen haben darf. Entweder man ändert also auch den Namen des Haupt-Hotspots und loggt sich dann nochmal auf allen Geräten neu ein. Oder man probiert es gar nicht erst. Denn der Workaround würde nur in der Theorie funktionieren, wenn das Signal stark genug wäre. Und das ist es definitiv nicht.

Signalstärke leider sehr schwach

(Bild: Übergizmo)

Die GU10-Version der Sengled Boost ist sehr kompakt verbaut (Bild: Übergizmo)

Ich habe die Signalstärke an fünf Stellen in meiner Wohnung getestet und dann nochmal an zwei Stellen vor dem Haus und im Garten. Gemessen wurde die Downloadgeschwindigkeit eines Apple Airport Express im Vergleich mit der Sengled Boost, die mit diesem Hotspot über etwa vier Meter und einer Wand dazwischen verbunden ist. Und bevor die Hate-Posts in den Kommentaren losgehen: Ja, der Airport Express ist unnötig teuer, aber er ist eben auch ein guter Router mit ordentlicher Reichweite. Für einen ausgeglichenen Test habe ich das 5GHz-Netz des Routers deaktiviert, denn die Sengled Boost unterstützt leider auch nur 2,4 GHz. Das 2,4 GHz-Netz sorgt zwar für erhöhte Reichweite, ist im Gegensatz zum 5 GHz-Netz aber nur etwa halb so schnell. Beim Test ergaben sich dann folgende Werte:

Entfernung von der
Sengled Boost
Sengled Boost (2,4 GHz) Apple Airport Express(2,4 GHz) Apple Airport Express (5 GHz) (nur zum Vergleich)
Messpunkt 1:
Direkt unter der Sengled Boost
18.25 Mbps 14.60 Mbps 32.90 Mbps
Messpunkt 2:
4 Meter mit 1 Wand
15.09 Mbps 25.65 Mbps 32.82 Mbps
Messpunkt 3:
3 Meter ohne Wand
12.51 Mbps 20.72 Mbps 27.28 Mbps
Messpunkt 4:
6 Meter ohne Wand
12.94 Mbps 25.53 Mbps 31.28 Mbps
Messpunkt 5:
6 Meter ohne Wand, vermutlich mit Interferenzen durch umherlaufende Katzen
15.34 Mbps 30.92 Mbps 37.31 Mbps
Messpunkt 6:
5 Meter mit einer Wand
plus einer Hauswand
6.55 Mbps 8.27 Mbps 7.39 Mbps
Messpunkt 7:
10 Meter mit einer Wand
plus einer Hauswand
0.52 Mbps 6.44 Mbps 21.71 Mbps

Die Messungen wurden mit der App Speedtest von Ookla durchgeführt, sind natürlich nicht wissenschaftlich genau und zeigen auch kleinere Abweichungen. Nach mehreren Testreihen zeigt sich aber im Durchschnitt ein Trend. Außer direkt unter der Sengled Boost ist die Geschwindigkeit im 2,4 GHz-Netz an allen anderen Stellen deutlich langsamer, auch wenn der Haupt-Hotspot weiter weg war. Seine Funktion als WLAN-Repeater hat die Sengled Boost also zumindest in meiner Wohnung nicht bestanden. Es mag sein, dass sie in anderen Wohnungen und Konfigurationen besser funktioniert. Ihrem Namen wird sie aber nicht gerecht, denn das WLAN-Signal erhält leider keinen Boost.

Fazit (Sengled Pulse Solo)

(Bild: Übergizmo)

Die Pulse Solo ist eine sinnvolle Variante, die eigene Wohnung unkompliziert mit „unsichtbaren“ Lautsprechern auszustatten. Die Birne lässt sich einfach einrichten, die Reichweite ist ausreichend hoch und der Sound vollkommen ausreichend. Zumal man bedenken muss, dass es sich hier um eine Glühbirne handelt, die Krach machen kann und nicht um einen Lautsprecher, der leuchtet. Wer ein paar Euro übrig hat und auf leicht extravagantes Technik-Spielzeug steht, ist bei der Sengled Pulse Solo genau richtig. Punktabzug gibt es für den Preis und die schiere Größe und das Gewicht. Die können bei kleineren Lampen für Unverbaubarkeit, zumindest aber für Abzüge in der Ästhetik-Wertung sorgen. Außer man möchte den futuristischen Look natürlich.

Fazit (Sengled Boost)

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Zumindest in meinem Setup hat die Sengled Boost ihre Funktion als WLAN-Repeater nicht erfüllt. Bei Amazon.com beschreiben auch andere Käufer das Problem, dass hier nichts boosted wird, bei anderen scheint es dagegen einigermaßen zu klappen. Die technische Umsetzung als zusätzliches WLAN, das Versagen bei aktiviertem MAC-Filter und fehlende 5 GHz-Unterstützung sind leider ein echtes Ärgernis. Dazu kommt die lang andauernde und nicht immer funktionierende Installation. Und dass die Birne trotz lediglich sechs Watt im Betrieb so heiß wird, dass man sie fast nicht mehr anfassen kann, erzeugt bei uns nur ein großes Fragezeichen. Deshalb gibt es von uns keine direkte Kaufempfehlung. Wer es aber mal probieren möchte, darf dies gerne tun und seine Erfahrungen in die Kommentare posten. Die Wertung von zweieinhalb Sternen läuft also ein wenig unter dem Motto „im Zweifel für den Angeklagten“.

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