Doctor Strange – unsympathisch, arrogant und witzig

Quelle: Walt Disney

Doctor Strange in 3D auf der Leinwand bringt dir einen durchgeknallten Trip auch ohne LSD auf der Zunge ein Stückchen näher. Der neueste Streifen aus dem Marvel-Universum, Doctor Strange, ist die bunteste und vielleicht verrückteste Comic-Verfilmung aller Zeiten. Auch die Beste? Nein, das leider nicht.

Doctor Strange

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Mads Mikkelsen als Kaecilius - ein fader Bösewicht
© Marvel Studios. All Rights Reserved.

Nach Iron ManThor, Guardians of The Galaxy, Captain America und wie sie sonst noch alle heißen, kommt nun mit Doctor Strange ein weniger bekannter Comic-Held in die Kinos. Doctor Stephen Strange ist ein Unsympath. Er ist ein arroganter, überheblicher und selbstverliebter Neurochirurg. Schon zu Beginn von „Doctor Strange“ fragst du dich als Zuschauer, wie du diesen „Helden“ jemals liebgewinnen wirst. Du wirst es womöglich nicht. Amüsieren wird er dich vermutlich am Ende trotzdem.

Doctor Strange – ein Unsympath

Die Eröffnungsszene von Doctor Strange erinnert an Matrix mit einem Schuss Inception. Gebäude verbiegen sich, es wird magisch gekämpft, die Optik lässt dich die Realität um dich herum vergessen. Cut. Die nächste halbe Stunde erinnert an eine Mischung aus Dr House, Grey’s Anatomy und ER. Doctor Strange ist zu Beginn der Geschichte ein „Superheld“ der anderen Art. Ein Rockstar im Arztkittel mit einer Gefolgschaft aus hörigen medizinischen Fachkräften. Er ist das Nonplusultra der Neurochirurgie.

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Doctor Strange © Marvel Studios. All Rights Reserved.

Bis zu dem Tag, als er mit seinem schicken Sportwagen verunglückt und seine Hände zertrümmert. Egal was für eine Koryphäe er vor seinem Unfall war, zitternde Hände beenden seine Karriere. Doctor Strange kann sich nicht damit abfinden und sucht unentwegt nach experimentellen Behandlungsmethoden, die er aber nicht finden kann.

Bis er auf Jonathan Pangborn (Benjamin Bratt) trifft. Der Mann, der eigentlich im Rollstuhl saß und selbst damals vom genialen Doctor Strange als inoperabel abgelehnt wurde, spielt mittlerweile Basketball und scheint geheilt zu sein. Die Quelle seiner magischen Heilung ist ein mysteriöses Kloster in Tibet, Kamar-Taj. Dort lehrt The Ancient One (Tilda Swinton als Mischung aus Yoda und Harry Potters Dumbledore) ihren Zöglingen Magie.

Auch Doctor Strange, ein Mann der Wissenschaft, wird schließlich in den Bann der Zauberei gezogen und erlernt Zauberkünste, die ohne großen Erklärungen als Bestandteil des Marvel-Universums existieren. Doctor Strange ist anfangs einzig und allein von seinem egomanischen Wunsch, wieder brillant zu werden, getrieben. Natürlich durchzieht sich ein kaum merklicher Wandel zum Superhelden, der mittels seiner Magie die Welt retten muss.

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Nicht jeder Comic-Held ist ein sympathischer Menschenfreund. Iron Man oder Batman sind schließlich auch keine Paradebeispiele für herzerwärmende Gutmenschen. Bei Doctor Strange ist die mangelnde Sympathie für diesen Gockel von Arzt doch ein wenig schmerzhaft und lässt bis zum Ende der 115 Minuten etwas vermissen.

Dass der Bösewicht Kaecilius an Hannibal in Kutte und langen Haaren erinnert, mag wohl daran liegen, dass er von Hannibal-Darsteller Mads Mikkelsen gespielt wird. Wenn hier große Erwartungen in dir aufkeimen, dann wirst du leider enttäuscht.

Doctor Strange trifft auf fade Gegenspieler

Mit Kaecilius präsentiert uns Regisseur und Autor Scott Derrickson einen durchgehend faden und facettenlosen Charakter, der es als Bösewicht keine Sekunde schafft zu überzeugen. Hier liegt das grundsätzliche Problem von Doctor Strange. Benedict Cumberbatch als Doctor Strange, wenn auch unsympathisch, so ist er doch allzeit präsent. Sein Charakter ist ausgefeilt bis in die kleinsten arroganten und humorvollen Züge. Alle anderen Rollen verblassen neben ihn. Tilda Swinton als Chef-Magier The Ancient One ist die Einzige, die ansatzweise herausstechen kann aus diesem Brei an unscheinbaren, persönlichkeitsarmen Charakteren.

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Die eigentlich überragenden Schauspielkünste von Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) sind an seiner Rolle Mordo in Doctor Strange komplett verschwendet. Austauschbar, unscheinbar – so bleibt er uns (nicht) in Erinnerung. Die süße Rachel McAdams wurde wahrscheinlich aufgrund ihrer „Everybody’s Darling“-Ausstrahlung gecastet. Wenigstens eine, die sympathisch ist in Doctor Strange – und gleichzeitig ebenfalls austauschbar.

Fazit

Trotz der Schwächen lässt sich ohne Weiteres sagen, dass Doctor Strange unterhaltsames Popcorn-Kino ist. Einige gelungene Lacher, gut choreographierte Kampfszenen und eine verrückte, knallbunte Optik lassen über eine unausgereifte Story und austauschbare Charaktere hinwegsehen. Doctor Strange ist ein Klamauk – mal gewollt, mal ungewollt.

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