BQ Aquaris U Plus: Fingerprint und 16 MP ab 220 Euro [Testbericht]

(Bild: Übergizmo)

Vor wenigen Wochen hat BQ drei Smartphones der U-Reihe vorgestellt: Aquaris U Lite, U und U Plus. Letzteres ist ab 220 Euro erhältlich und kommt mit 5-Zoll-großem HD-Display. Wir hatten das U Plus mehrere Wochen im Einsatz. Was uns gefiel und was nicht, liest du hier.

BQ Aquaris U Plus

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Eine Rückseite aus Metall
(Bild: Übergizmo)

 PRO

 CON

(Bild: Übergizmo)Tolle Akkuleistung  Kamera mit leichten Defiziten(Bild: Übergizmo)
Fingerabdrucksensor  (Bild: Übergizmo)   (Bild: Übergizmo)Akku nicht wechselbar
 (Bild: Übergizmo)Schönes Design
 (Bild: Übergizmo)LTE

Im Bereich der unteren Mittelklasse werfen dutzende Hersteller jeweils mehrere Geräte in steter Neuauflage auf den Markt. Die Konkurrenz für eine Aquaris U-Reihe ist also groß. Vor diesem Hintergrund werden vor allem Features wie die relativ hochauflösende Kamera sowie der Fingerabdrucksensor interessant. Zunächst bekommen wir aber den Bildschirm  zu Gesicht.

Display des U Plus

BQ überdeckt die ganze Vorderseite des U Plus mit einer Glasschicht. Darin ist auch das 5-Zoll-Display integriert. Der LCD A-SI-Bildschirm löst bei einem Seitenverhältnis von 16:9 in HD-Qualität (720 x 1.280 Pixel) auf. Das entspricht einer Pixeldichte von 294 ppi. Andere Hersteller erreichen mit Full-HD-Auflösung zwar ganz andere Werte, im täglichen Gebrauch ist das aber relativ egal. Bei einem normalen Augenabstand zum Bildschirm lassen sich Pixel auf dem Display ohnehin nicht erkennen.

(Bild: Übergizmo)

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Die Leuchtdichte ist mit 400 nits, relativ zu den Top-Modellen, freilich nur mittelmäßig. Volle Bildschirmhelligkeit sorgt aber dennoch für eine ausgewogene Anzeige mit ausreichend hellen Lichtern sowie recht tiefem Schwarz. Die Farben werden satt wiedergegeben – insgesamt ein schönes Bild mit farblich zufriedenstellender Blickwinkelstabilität.

Hersteller BQ schreibt über sein verwendetes Dinorex-Glas, es besäße „Anti-Fingerprint“-Eigenschaften. Unser Test konnte das nur zum Teil bestätigen. Fingerabdrücke bleiben natürlich auf dem Display zurück, sie sind aber nur zu sehen, wenn man das Gerät in einem speziellen Winkel ins Licht hält.

Erste Metallrückseite bei BQ

Die in verschiedenen Grautönen gehaltene Rückseite des U Plus gefiel uns ausgesprochen gut. Zum allerersten Mal verwendete der spanische Hersteller Metall beim Cover – ein gelungenes Update. BQ ordnete die rückseitigen Elemente in erster Linie zentriert an. So befinden sich unten mittig die Lautsprecheröffnung sowie Produktkennzeichnung, zentral das Hersteller-Logo.

Darüber, ebenfalls mittig, sitzt der leicht nach innen versetzte Fingerabdrucksensor in runder Form. Darüber hat BQ zwei weitere Kreise aufs Cover gezeichnet: den Blitz sowie die Kamera selbst. Leider steht der schwarz glänzende Ring, der die Linsen fasst, etwa einen Millimeter von der Rückseite hervor. Dadurch wackelt das Smartphone, wenn es zum Schreiben auf einen Tisch gelegt und mit dem Finger aufs Display gedrückt wird – ärgerlich.

(Bild: Übergizmo)

(Bild: Übergizmo)

Insgesamt wirkt das Aquaris U Plus recht ordentlich verarbeitet. Die Spaltmaße der einzelnen Gehäuseteile sind weitestgehend identisch und die Druckpunkte der haptischen Tasten angenehm voreingestellt. Positiv aufgefallen ist auch, dass Staub oder Haare am Metallcover nicht so stark haften bleiben, wie auf manch anderen Smartphones.

Dank der abgerundeten Kanten liegt das U Plus auch angenehm in der Hand. Lautsprecherwippe, On/Off-Button und Fingerabdrucksensor sind außerdem für Rechts- wie Linkshänder gut zu erreichen.

Qualcomm-CPU im Aquaris U Plus

Im 7,8 Millimeter dicken U Plus taktet ein Qualcomm Snapdragon 430 mit 1,4 GHz auf acht Kernen. Der Arbeitsspeicher beträgt in unserem Fall 2 GByte, BQ bietet auch eine Version mit 3 GByte an. Außerdem ist die Qualomm Adreno Grafikeinheit 505 (450 MHz) verbaut.

Bei der täglichen Verwendung leistet die verbaute Hardware mitsamt der Software gute Arbeit. Apps öffnen schnell, die Reaktion auf Toucheingaben ist sehr akkurat und auch aufwändige Games lassen sich ohne Probleme spielen. Kleine Hänger gab es nur beim Annehmen einiger Telefongespräche. Hie und da reagierte der Touchscreen nämlich aufgrund eines Software-Problems nicht – stattdessen bewegte sich die Benachrichtigungszentrale eigenständig nach oben und unten wie ein Jojo. Zweimaliges On/Off-Button-Betätigen löste das Problem allerdings.

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Fingerabdrucksensor unter der Kamera (Bild: Übergizmo)

Fingerabdrucksensor und anpassbare LED

Relativ schnell (maximal eine Sekunde) und zuverlässig reagierte dafür der Fingerabdrucksensor. Er wertet das U Plus gehörig auf und macht Entsperren sehr schnell, einfach und sicher. Darüber hinaus verbaute BQ einen Helligkeits- und Näherungssensor, Beschleunigungsmesser, eCompass, Gyroskop und Hall Sensor.

BQ nennt bezüglich des U Plus außerdem Funktionen wie ein Inaktivitätsdisplay und anpassbare LED. Letzteres bedeutet, dass die Benachrichtigung per LED-Zeichen in den Einstellungen manuell angepasst werden kann. Für verpasste Anrufe, einen schwachen Akku oder Benachrichtigungen irgendeiner installierten App kann die Farbe der LED an der Vorderseite gewählt werden. Mit sieben möglichen Farben sowie sechs wählbaren Blinkeinstellungen lässt sich genügend Varianz herstellen, um die meisten Mitteilungen schon an der LED zu erkennen.

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Fotografiert mit dem BQ Aquaris U Plus (Bild: Übergizmo)

16-Megapixel-Kamera an der Rückseite

Als Hauptkamera hat BQ einen Samsung 3P3-Sensor mit bis zu 16 Megapixel Auflösung verbaut. Das System besitzt fünf Linsen und hat einen Blendenwert von f/2.0. Teure Modelle anderer Hersteller haben mit bis zu f/1.4 eine vielfach lichtstärkere Kamera. Die 16 Megapixel des Sensors sind außerdem leider mit einem Makel behaftet: Sie lassen sich nur für das antiquierte 4:3-Format wählen.

Wer Bilder in 16:9 machen möchte – also dem Format, das auch das Display besitzt – muss sich mit maximal 12 Megapixel begnügen. Nur gut, dass Megapixel alleine noch kein gutes Bild machen.

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Gegenlichtaufnahme (Bild: Übergizmo)

Übrigens: Wer bei der Bildbearbeitung am liebsten mit Rohdaten arbeitet, muss auf Smartphone-Aufnahmen oftmals verzichten. Das Aquaris U Plus bietet hingegen tatsächlich die Funktion an, Bilder nicht nur als JPEG, sondern auch im Rohdatenformat DNG zu speichern.

Langsamer Auslöser

Die letztliche Qualität der Bilder ist für die Kategorie des Smartphones durchaus in Ordnung. Manchmal scheinen die Lichter zu hell, zum Teil könnte auch die Sättigung höher sein, doch solche Defizite lassen sich auch in der Nachbearbeitung anpassen. Sogar gegen das Licht fotografiert lässt sich deutlich mehr als nur die bloße Silhouette erkennen.

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Etwas zu „starke“ Lichter (Bild: Übergizmo)

So manches Manko gibt es aber trotzdem: Der Auslöser ist in weniger schlecht belichteten Situationen leider ziemlich langsam, was Schnappschüsse oft erschwert. Ein bisschen schneller ist hingegen der Autofokus mit Phasenerkennung, wenngleich man auch hier im Schnitt eine Sekunde berechnen kann. Immerhin: Ein Blitz unterstützt die Kamera in dunklen Umgebungen.

Weitere Funktionen sind Fast Motion und Time Lapse, HDR und Panorama. Von Letzterem wurden wir leider ziemlich enttäuscht: fehlende Schärfe, falsche Anschlüsse, krumme Linien und häufige Bildfehler machten wenig Lust auf Panorama-Aufnahmen.

5 Megapixel für 4:3-Selfies

Dafür klappt die manuelle Einstellung von Parametern wie Belichtungszeit, Fokus und ISO umso zuverlässiger – auch wenn diese leider nur bei aktiver Hauptkamera vorgenommen werden kann. Zu den Einstellungen zählt letztlich das Ändern der Farbtemperatur (2.500 bis 7.500 K), die Anpassung des ISO-Wertes (100 (dunkler) bis 1.600 (heller, doch verrauscht)), eine Fokusänderung und Verschlusszeitanpassung (0,5 Sekunden bis 1/6400 Sekunden). Mittlerweile lässt sich das mit nahezu allen Smartphones variieren.

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Schöne Tiefenunschärfe, satte Farben (Bild: Übergizmo)

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Schärfeverlagerung (Bild: Übergizmo)

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Digitaler Zoom-In (Bild: Übergizmo)

Als Selfie-Kamera kommt ein Omnivision OV5675-Sensor zum Einsatz. Im 4:3-Format löst er bis zu 5 Megapixel auf, im 16:9-Format nur noch maximal 2 Megapixel. Das Drei-Linsen-System bringt es auf einen Blendenwert von f/2.4. Der Unterschied der beiden Kameras fällt natürlich auch sofort auf.

So ist das Bild der Frontkamera deutlich dunkler, schlecht belichtete Flächen rauschen viel stärker und Bewegungen registriert die Kamera nur mit Verzögerung – nicht schön. Tatsächlich stürzte die Kamera-App bei einem Wechsel von Haupt- zu Frontkamera einmal ab. Angenehmes Selfies-Erlebnis: nicht unbedingt. Auch das Selfie-Vorschaufenster bleibt als Picture-in-Picture quasi ohne Mehrwert.

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Indoor-Selfie mit Gegenlicht (Bild: Übergizmo)

Full-HD-Videos mit Defiziten

Die Videoauflösung beträgt maximal Full-HD (1080p@30fps). Bei guten Lichtverhältnissen zeichnet die Kamera auch hier schöne Bilder auf, allerdings fehlt dem Sensor ganz klar ein Bildstabilisator. Bei schlechten Lichtverhältnissen stört natürlich auch das Rauschen dunkler Flächen, außerdem braucht der Autofokus etwa eine Sekunde Reaktionszeit – manchmal auch länger. Eine offenere Blende hätte hier gut getan.

Und noch etwas stört an der Videoaufnahme bei verhältnismäßig schlechten Lichtverhältnissen (beleuchteter Raum am Abend): das Bild flackert kontinuierlich in Wellen von rechts nach links. Hochzeitsvideos wird man mit dem U Plus wohl nicht drehen.

Wenig vorinstalliert – außer eben Google

Auch in puncto Software spart BQ enorm. Neben den zahlreichen Google-Anwendungen, die auf einem Android-Gerät obligatorisch vorinstalliert sind, platzierte der Hersteller nur eine zusätzliche App auf dem Smartphone: BQ Plus. Dahinter versteckt sich eine Versicherungsoption gegen Bildschirmbruch, Wasserschaden, Stößen, Stürzen und Raub für rund 20 Euro im Jahr. Keine Sorge: Anwendungen wie Kontakte, Galerie, FM-Radio oder Uhr sind natürlich auch auf dem Gerät.

(Bild: Übergizmo)

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Die Betriebssystem-Version lautet Android 6.0.1. BQ hat Android quasi unangetastet gelassen und keine eigene Benutzeroberfläche installiert.

Speicher und Konnektivität

Mal wieder ein Pluspunkt: Das Aquaris U Plus versteht auch 4G (LTE). WLAN 802.11 b/g/n im 2,4 GHz-Band sowie Bluetooth 4.2 und GPS + GLONASS sind ebenso an Bord. Neben MicroUSB-Anschluss besitzt das Smartphone auch einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für Audiogeräte.

16 GByte interner Speicher, davon 10 GByte zur Verwendung – so die Angabe des Herstellers. Wer sich die Version mit 32 GByte internen Speicher kauft, kann davon 24,3 GByte selbst verwenden. Per MicroSD-Karte lässt sich der Speicher aber um bis zu 256 GByte erweitern. Der Kartenslot versteckt sich in der Aufhängung, in die auch die Nano-SIM-Karte gelegt werden kann. Anstelle der MicroSD-Karte lässt sich übrigens auch eine zweite Nano-SIM einlegen.

(Bild: Übergizmo) BQ

(Bild: Übergizmo)

Großer Akku im BQ Aquaris U Plus

Einmal Aufladen dauert mit drei Stunden leider recht lange. Schlimm ist das aber kaum, schließlich hat man dafür einen satten 3.080 Milliamperestundenakku, der dem Smartphone ein Gesamtgewicht von 142 Gramm sowie Energie für mehrere Tage verleiht. In unserem Test kamen wir mit dem U Plus relativ problemlos auf drei Tage Nutzungszeit bei reger Benutzung und 80 Prozent Bildschirmhelligkeit. Wer sein Smartphone nur spärlich einsetzt, wird es sogar in den vierten Tag schaffen.

Audio

Wie schon erwähnt kann mit dem U Plus auch FM-Radio gehört werden. Dazu muss natürlich ein Ohrhörer angeschlossen werden. Ansonsten verfügt das Smartphone über zwei Mikrofone mit Rauschunterdrückung sowie einen rückseitigen Lautsprecher mit DRC AW8737s-Verstärker.

Die Klangqualität des BQ Aquaris U Plus ist smartphone-like: kaum Bass, harte Höhen und blechernes Gesamterlebnis. Ohrhörer oder externe Lautsprecher machen das natürlich wieder wett.

(Bild: Übergizmo) BQ

(Bild: Übergizmo)

Strahlung

Mit 0,596 W/Kg (10 g) bei Telefongesprächen liegt das U Plus gerade noch unter dem empfohlenen Grenzwert von 0,6 W/Kg – die rechtliche Grenze liegt noch deutlich höher. Das Aquaris X5 Plus von BQ – mit Plastik- statt Metallrückseite – erreichte hier deutlich bessere Werte.

Preis, Lieferumfang und Verfügbarkeit

Seit wenigen Wochen ist das Smartphone in der Farbkombination schwarz/anthrazitgrau auf dem Markt. Das BQ Aquaris U Plus mit 16 GByte internen Speicher sowie 2 GByte RAM ist für 220 Euro erhältlich, eine Version mit 32 GByte internen Speicher sowie 3 GByte RAM gibt es für 260 Euro.

Wie gewohnt gestaltete BQ den Lieferumfang des Smartphones (umwelt)bewusst spärlich. Neben einem USB-Kabel legte man nur die obligatorischen Hinweise sowie einen SIM-Kartenslot-Öffner in den hübschen Karton. Das spart Geld sowie Ressourcen und ist eigentlich auch nicht weiter tragisch. Ohrhörer sowie Steckdosenadapter haben die meisten ohnehin noch von eigenen Smartphones aus der Vergangenheit.

Und falls nicht: Freunde oder Nachbarn horten sicher noch entsprechendes Equipment in ihren Schüben und wissen nicht, wohin damit. Zur Info: BQ empfiehlt bei den Netzteilen Spezifikationen von 5V Spannung und mindestens 1 A Stromstärke – Standard.

(Bild: Übergizmo) BQ

(Bild: Übergizmo)

Fazit

BQ macht auch mit dem Aquaris U Plus einiges gut. An manchen Stellen vermisst man aber trotzdem die Qualität, mit der teurere Smartphones aufwarten können. Wer beispielsweise ein Smartphone aufgrund der Kameras liebt, sollte vielleicht noch weitersuchen. Wer dagegen einfach nur ein solides Gerät wünscht, das nicht jeden Tag an die Steckdose muss, könnte hier genau richtig sein. Unsere Einschätzung: 4/5 Sterne im Überrank.

(Bild: Übergizmo)

Und um bei BQ-Smartphones zu bleiben. Noch etwas besser gefiel uns das Aquaris X5 Plus für rund 70 Euro mehr als das U Plus. Hier geht´s zum Testbericht.

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