Hades Locker: Erpressersoftware gegen Unternehmen

Die Zahlungsaufforderung der Ransomware “Hades Locker (Screenshot: Proofpoint)

Auf einmal startet der Rechner nicht mehr und stattdessen gibt es eine Lösegeldforderung auf dem Bildschirm. Erpressersoftware bedroht immer öfter auch Unternehmen. Nun wurde eine Software entdeckt, die gezielt an Hersteller und Dienstleistungsbetriebe in Westeuropa verschickt wird.

Das Unternehmen Proofpoint hat im Oktober eine Ransomware entdeckt, die sich direkt an Firmen richtet. Die Schadsoftware „Hades Locker“ wird per E-Mail verbreitet.

In der URL innerhalb der E-Mail wird auf ein Microsoft Word-Dokument verlinkt, das einen Namen nach dem Muster „levering-1478529.doc“ trägt. „Levering“ ist niederländisch und bedeutet „Lieferung“, die Zahlen dahinter variieren. Das Dokument wurde auf unterschiedlichen Websites mit neu registrierten Domänen gehostet.

Der Angriff mit „Hades Locker“ unterscheidet dadurch auch von den meisten anderen Ransomware-Kampagnen mit Word-Dokumenten: Normalerweise findet sich da die infizierte Datei im Anhang der E-Mail. Beispiel dafür aus der jüngeren Vergangenheit sind etwa „Locky“ und „MarsJoke“.

Die Zahlungsaufforderung der Ransomware “Hades Locker (Screenshot: Proofpoint)Die Zahlungsaufforderung der Ransomware “Hades Locker (Screenshot: Proofpoint)
Proofpoint entdeckte in anderen Punkten insbesondere mit „Locky“ jedoch zahlreiche Gemeinsamkeiten: „Hades Locker“ scheint eine Weiterentwicklung von „Zyklon Locker“ und „Wildfire Locker“ zu sein, die nach unserer Beobachtung früher in diesem Jahr dasselbe Botnet (Kelihos http://garwarner.blogspot.com/2016/07/kelihos-botnet-delivering-dutch.html) gesendet haben. Die erst kürzlich erfolgten CryptFile2– und MarsJoke-Kampagnen verwendeten ebenfalls dasselbe Spam-Sende-Botnet und ähnliche Verteilermethoden“, so die Proofpoint-Experten.

Dass in den Köder-E-Mails jeweils Themen angesprochen und vorgetäuscht wurden, in denen es um die Logistik ging, ist eine weitere Gemeinsamkeit. Allerdings wurden andere „Verteiler“ für den Versand verwendet: Während sich „CryptFile2“ und „MarsJoke“ vor allem an Behörden und Verwaltungseinrichtungen versandt wurden, erhalten im Zuge der „Hades Locker“-Kampagne vor allem Hersteller und Dienstleistungsbetriebe die gefährlichen E-Mails.

Die Kriminellen beschränken die zudem die Anzahl der versandten Mail auf lediglich wenige hundert, um einer Entdeckung zu entgehen. Wie viele andere Ransomware-Typen erstellt auch „Hades Locker“ mehrere Dateien in unterschiedlichen Formaten (.txt, .html und .png) mit Informationen zur Verschlüsselung und der Zahlungsaufforderung, und verteilt diese im Dateisystem. Verschlüsselte Dateien sind an Erweiterungen nach dem Muster .~HL233XP, .~HLJPK1L oder .~HL0XHSF erkennbar. Dabei sind nur die ersten vier Zeichen immer gleich, die übrigen fünf unterscheiden sich.

Wie groß das Problem mit Ransomware inzwischen auch im gewerblichen Bereich ist, zeigt der Zuspruch, den die Initiative NoMoreRansom kürzlich erfahren hat: Der von der niederländischen Polizei, Kaspersky und Intel Security vor drei Monaten in Zusammenarbeit mit Europol ins Leben gerufenen Initiative haben sich inzwischen bereits Organisationen aus 13 Ländern angeschlossen.

Neben Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kolumbien, Lettland, Litauen, Portugal, Spanien und Ungarn ist auch die Schweiz dabei, Deutschland und Österreich dagegen nicht. Im Wesentlichen bietet NoMoreRansom eine Anlaufstelle für Opfer von Ransomware: Sie finden dort Entschlüsselungstools und Informationen, wo und wie sie ihren Fall den Behörden melden und zur Anzeige bringen können. Aber auch Informationen zur Prävention stehen dort bereit.

Tags :Quellen:Mit Material von Anja Schmoll-Trautmann, ZDNet.de

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