Black Mirror: Netflix‘ düsterer Blick in die Zukunft

Netflix

Der Streaming-Dienst Netflix sorgt derzeit mit einem Bange machenden Werbeclip zu "Black Mirror" (siehe unten) für Aufsehen. Der knapp zwei Minuten lange Spot wirbt einerseits für die hoch gelobte Serie, ist andererseits aber auch als kritischer Kommentar zu den Auswirkungen der Technologie auf unseren Alltag zu verstehen. Nebenbei nimmt Netflix auch ein Phänomen auf die Schippe, das der Sender selbst maßgeblich beeinflusst hat: das so genannte Binge Watching.

Luke Cage Netflix

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Myles Aronowitz/Netflix
Marvel's Luke Cage

In Anlehnung an die dritte Episode der ersten Staffel von „Black Mirror“, „The Entire History of You“, zeigt Netflix eine Wirklichkeit, in der das Phänomen Augmented Reality respektive Virtual Reality einen festen Platz in unserer Gesellschaft eingenommen hat. In Zukunft taucht der Nutzer nicht etwa mittels AR- oder VR-Brillen in die virtuelle Realität ein, so die Vision von Netflix, als vielmehr mit Kontaktlinsen, die man über ein Implantat am Nacken ein- und ausschalten kann. Auf diese Weise kann man jederzeit und an jedem Ort das Gerät aktivieren und in eine virtuelle Wirklichkeit eintauchen. Dabei werden die Inhalte auf einen Bildschirm gestreamt, der sich gleichsam über das ‚echte‘ Sichtfeld des Auges stülpt.

„What if the things you love could always be with you“, fragt Netfllix am Anfang des Spots und verweist damit auf eine Wirklichkeit in einem schon jetzt um sich greifenden Smart-Zeitalter. Zu sehen sind dann Episoden aus dem Alltag einiger Menschen, welche die Vistas-Kontaktlinsen benutzen: Ein Mann, der in einen Zugabteil steht; eine Frau, die im Fitness-Studio trainiert; eine andere Frau am Flughafen, die einsam in einer Wartehalle sitzt; eine dritte, die bei Sonnenuntergang am Strand steht; ein Mann, der am Bett seines kranken Vaters sitzt; ein Paar, das sich sich zum Abendessen trifft. Sie alle sind nicht etwa mit den sie umgebenden Menschen, Landschaften und Dingen beschäftigt. Während die Welt sich weiterdreht, schauen sie sich Episoden aus der Serie „Black Mirror“ an.

Dass Netflix eine solche Wirklichkeit nicht etwa propagiert, sondern ihr gegenüber mindestens skeptisch eingestellt ist, verdeutlichen diverse inszenatorische Mittel. Die Menschen mit den eingeschalteten Linsen haben nichts Menschliches an sich, mit ihren blass-leuchtenden Augen, den ausdrucklosen Gesichtern und erstarrten Bewegungen gleichen sie vielmehr Zombies. Zwischenmenschliche Interaktion findet ebenso wenig statt, wie man die umgebende Natur nicht mehr wahrnimmt. Um das Gespenstische der Situationen zu unterstreichen, kulminiert der Spot in einem beängstigenden psychedelischen Score. Es ist, so die Botschaft, ein Horror-Szenario.

Die Zukunft ist schon jetzt

Doch nicht nur die Zukunft einer umfassenden Durchdringung unseres Alltags durch Technik steht in dem Spot auf dem Prüfstand. Netflix etabliert mit dem Video auch eine Meta-Ebene, indem er sich kritisch über die aktuelle Serienkultur auseinandersetzt. Seit dem Aufkommen von Streaming-Diensten und Video-on-Demand-Angeboten hat sich das Sehverhalten der Zuschauer grundlegend verändert. Heute ist man nicht mehr vom Programm der Fernsehsender abhängig. Zuschauer können jederzeit auf die Online-Angebote zurückgreifen und die Dauer des Schauens einer Sendung selbst bestimmen. Zur Bezeichnung dieses Phänomens hat sich in den letzten Jahren der Begriff des „Binge Watching“ herausgebildet.

So pessimistisch Netflix‘ Ausblick auf die Zukunft sein mag, unrealistisch ist das Video nicht. Tatsächlich gibt es bereits diverse Konzerne, die an einer smarten Kontaktlinsen-Technologie forschen. Im April dieses Jahres war berichtet worden, dass Samsung sich ein Patent für smarte Kontaktlinsen mit integrierter Kamera gesichert hat. Auch Google und Sony verfügen über ähnliche Patente. Die Zukunft ist also schon jetzt.

Tags :Quellen:YouTubeVia:Mashable

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