Watch Dogs 2 Review – Hack the Planet!

(Bild: Übergizmo)

Nach einer eher durchschnittlichen Story im ersten Teil und nach Kontroversen um grafische Downgrades bei der finalen Version, hat Ubisoft jetzt Watch Dogs 2 veröffentlicht. Der Open World-Titel versucht am Puls der Zeit zu bleiben und das Thema Hackerangriffe und eine vernetzte Welt spielerisch in San Francisco nahe dem Silicon Valley umzusetzen. Ob das gelungen ist, lest ihr in der Review.

Watch Dogs 2

Bild 1 von 15

Watch Dogs 2
Die Gebäude sind denen des echten San Francisco nachempfunden (Bild: Übergizmo)

 PRO

 CON

 (Bild: Übergizmo)Schöne, detaillierte Spielwelt in San Francisco  (Bild: Übergizmo)Spielmechanik wiederholt sich irgendwann
 (Bild: Übergizmo)Zahlreiche Seitenhiebe auf aktuelle Ereignisse, Personen und Unternehmen  (Bild: Übergizmo)Unzählige Ubisoft-typische Sammelaufgaben
 (Bild: Übergizmo)Viele Anspielungen und Technologien aus der Hacker-Community…  (Bild: Übergizmo)… die jedoch stark auf „Hipster“ getrimmt sind
 (Bild: Übergizmo)Hacking-Mechanik zum ersten Teil ordentlich erweitert
 (Bild: Übergizmo)Hacken mit Drohne und Jumper ist eine schöne Ergänzung

Watch Dogs 2 Launch Trailer

GTA V für Hipster-Hacker

Gleich in der ersten Mission werdet ihr in die Hacker-Welt von Marcus Holloway geworfen, dem Hauptcharakter des Games. Der hat vom Kollektiv DedSec die Aufgabe bekommen, sich in ein Rechenzentrum zu hacken und seine eigene Fahndungsdatei bei den Behörden zu löschen. Marcus hat nämlich scheinbar eine kriminelle Vergangenheit hinter sich und würde im Überwachungskamera-verseuchten San Francisco wohl sonst nicht sehr weit kommen. Nach einem erfolgreichen Tutorial-Einstieg nimmt DedSec ihn in ihre Gruppe auf und hackt von da an alles, was nicht ausreichend passwortgeschützt ist.

Vor allem DedSec aber die Organisation Blume (gesprochen: „bluhm“, nicht: „die Blume“) ein Dorn im Auge, die Spieler des ersten Teils kennen sollten. Die zeichnet sich für die Stadtvernetzung verantwortlich und sammelt die Daten aller Bürger in San Francisco. Dann zeigt sie ihnen personalisierte Werbung an treibt Versicherungen aufgrund eines scheinbar zu riskanten Lebensstils hoch. Im Grunde also wie in der realen Welt. DedSec passt das nicht und so machen sie sich dran, Blume und ihr allumfassendes Betriebssystem ctOS 2.0 auszuknipsen.

(Bild: Übergizmo)

Hauptcharakter Marcus Holloway in Arbeitsmontur (Bild: Übergizmo)

Von der Handlung her könnte man Watch Dogs 2 also als einen Mix aus dem berüchtigt ungenauen Film Hackers und der berüchtigt genauen Serie Mr. Robot ansehen. Und das gewürzt mit 80er Jahre Nostalgie, jeder Menge Seitenhieben auf das aktuelle Zeitgeschehen, Personen und Unternehmen sowie die Pop- und Geek-Kultur. Eine gute Mischung also, die aufgrund der „hippen“ Darstellung der Hackerkultur ein wenig von der Ernsthaftigkeit einbüßt. Der omnipräsenten Überwachungsstaat war im ersten Watch Dogs etwas stimmiger umgesetzt.

Viele Verbesserungen gegenüber dem ersten Teil

Dem Spielspaß tut das aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Ubisoft hat das Portfolio der hackbaren Gegenstände und Systeme deutlich erweitert. Es gibt für jede Mission stets mehrere Möglichkeiten ans Ziel zu kommen. In Watch Dogs 2 lohnt es sich, schleichend und hackend in feindliche Gebiete einzudringen, statt direkt die Knarre zu zücken. Ihr könnt Überwachungskameras hacken, Transformatoren überladen, um Gegner ausser Gefecht zu setzen oder einen Fahndungsbefehl fälschen oder Bandenkriege anzetteln. Das erzeugte Chaos nutzt der gewiefte Hacker dann, um in zuvor bewachte Räume zu gelangen oder schaltet übrig gebliebene Gegner mit einem Taser aus.

In der Hacker-Ansicht seht ihr hackbare Objekte und Verbindungen (Bild: Übergizmo)

In der Hacker-Ansicht seht ihr hackbare Objekte und Verbindungen (Bild: Übergizmo)

Es gibt also immer einen nicht-tödlichen Weg, um ans Ziel zu kommen. Wer es aber gerne krachen lässt, kann auch Gastanks, Rohre unter der Straße oder Ampeln manipulieren, um Verfolger abzuschütteln. Insgesamt sind von vornherein mehr Hacking-Möglichkeiten freigeschaltet, als in Teil eins. Ihr taucht also eher in das Spielgefühl ein, wie es sich die Entwickler vorgestellt haben. In den zwei leichtesten der vier Spielmodi könnt ihr prinzipiell aber auch brachialer vorgehen, sprich: jedes Problem mit Waffengewalt lösen.

Neben zahlreichen neuen Software-Fertigkeiten hat Marcus in Watch Dogs 2 noch zwei Hardware-Begleiter im Einsatz. Die könnt ihr, wie die meisten Waffen im Spiel, im Hauptquartier von DedSec in einem überdimensionalen 3D-Drucker erstellen. Zum einen kann Marcus eine Drohne bauen und steuern, um höher gelegene Access Points zu hacken oder sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Oder er fährt gleich mit dem Jumper genannten Vehikel los, das an ein Balance-Board erinnert. Damit könnt ihr verschlossene Türen mittels Lüftungsschächten umgehen und Terminals hacken oder Sammelaufgaben erledigen.

Missionen, Sammeln und Online-Coop

(Bild: Übergizmo)

Die Übersichtskarte in Watch Dogs 2 zeigt Missionen und Sammelaufgaben (Bild: Übergizmo)

Und die gibt es Ubisoft-typisch wieder zuhauf: Geldtaschen, Forschungspunkte zum Ausbau des Fertigkeitenbaums, Selfies vor Sehenswürdigkeiten und so weiter. Wem die Haupt- und Nebenmissionen also nicht reichen, der kann sich mit dem Sammeln der Gegenstände beschäftigen, um das Spiel zu 100% zu komplettieren. Oder sich mit Klamotten in den Geschäften eindecken oder Passagiere im Taxi rumkutschieren. Und zudem im Coop-Modus Aufträge mit anderen Online-Spielern absolvieren.

Diese Missionen lockern die Handlung ein wenig auf, wenn ihr euch gegen Datenklau schützen und einen Hacker eliminieren müsst. Oder euch zusammen mit einem Spieler in einen Gegner-verseuchten Gebäudekomplex hackt. Vielseitig ist Watch Dogs 2 also, auch wenn sich die Spielmechanik dann doch irgendwann wiederholt und für den einen oder anderen abnutzen könnte. Und den Hauptmissionen hätte etwas mehr Tiefe und ein roterer Faden ganz gut getan.

Grafische Umsetzung und Fahrzeugsteuerung

(Bild: Übergizmo)

Am schnellsten kommt ihr mit einem Motorrad durch die Straßen von San Francisco (Bild: Übergizmo)

Grafisch kann das Game übrigens durchaus mit der Open World-Referenz GTA V mithalten. San Francisco wirkt belebt, überall gibt es Smartphones der Bürger zu hacken, die dann Nachrichte, Telefonanrufe und Persönliches preisgeben. Zudem ist auch jeder Hinterhof mit Details vollgepackt, was das Erscheinungsbild von San Francisco auch dank der Architektur glaubhaft wirken lässt. Die Umgebung wurde natürlich etwas verkleinert, um auch das Silicon Valley und Oakland erreichbar zu machen. Dort findet ihr dann zum Beispiel die Firmenzentrale von „nudle“ (ihr dürft jetzt raten, welche echte Firma damit gemeint ist). Spieler der PC-Version kommen dank NVIDIAs GameWorks-Technologien übrigens in einen grafisch noch schickeren Spielgenuss, als auf den Konsolen.

Hier und da gibt es einige Charakteranimationen, die etwas ungeschliffen wirken und auch die Fahrzeuge steuern sich in GTA V besser. Im Gegensatz zur suboptimalen Steuerung in Watch Dogs 1 hat Ubisoft aber deutlich nachgebessert. Das Fahrverhalten ist dennoch stellenweise merkwürdig, ohne jedoch ein kompletter Fehlschlag zu sein.

Release-Special und Gameplay von Ubisoft-TV

Fazit

(Bild: Übergizmo)

Ubisoft hat mit Watch Dogs 2 alles verbessert, was im ersten Teil nicht so gut funktioniert hat. Die Spielwelt ist meist stimmig und das Hacken wurde deutlich erweitert. Für den einen oder anderen könnte die Darstellung des Hackerkollektivs DedSec eine Spur zu „Hipster“ sein und der Hauptcharakter Marcus wirkt auch nicht komplett glaubhaft. Einerseits ist er passionierter Nerd und Hacker, dann hat er aber auch Nahkampftechniken drauf, wie Chuck Norris und fuchtelt mit Schusswaffen herum. Vor allem beim Wechsel zu Cutscenes, wo Marcus als netter Rebell dargestellt wird, entsteht da ein wenig ein Bruch. Das wilde Hacken aller Bürger, die aus den Klauen von Blume befreit werden sollen, ist an der Stelle dann auch etwas inkonsistent.

Wer sich aber daran nicht stört, wird mit Watch Dogs 2 viel Spaß haben und je nach Spielweise mehr als 20 Stunden in San Francisco verbringen. Nicht eingerechnet die DLCs, die alle bis zum Frühjahr 2017 erscheinen und neue Missionen und Coop-Einsätze mitbringen werden. Für die kalten Wintertage und Menschen ohne zwanghaft kriminellem Drang zum Hacken ist Watch Dogs 2 auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

Tags :

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising