Fehler bei Telekom-Routern seit längerem bekannt

Nur wenige Minuten nach der Einrichtung versuchten bereits mehrere Angreifer Port 7547 auf dem Testsystem von IT-Cube Systems anzusprechen. (Screenshot: iT-CUBE Systems)

Der Angriff auf die 900.000 Router der Deutschen Telekom hätte weit schlimmere Folgen haben können. Doch wie kam es eigentlich dazu? Die Lücke, die die Angreifer nutzten, soll schon länger bekannt gewesen sein. Passiert ist: nichts.

Der Analyst Lion Nagenrauft von iT-CUBE Systems aus München hat eine Analyse des Angriffs auf etwa 900.000 von der Deutschen Telekom durchgeführt. Demnach war die Lücke schon länger bekannt. Das hatte auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) angedeutet.

Neben der Telekom waren auch mehrere andere Internetprovider in anderen Ländern betroffen, darunter Türk Telekom, Talktalkgroup, Dodo und Movistar. Sie alle hätten versäumt zu überprüfen, ob ein Exploit für das Router-Modell Eir D1000 Wireless, der am 7. November 2016 in einer bekannten Schwachstellendatenbank veröffentlicht wurde, auch bei den von ihnen eingesetzten Routern funktioniert. „Die Telekom hat es verpasst, einen der größten Angriffe der deutschen IT-Geschichte auf ihre Kunden zu verhindern“, so Nagenrauft.

Der Angriff auf die Router zielte auf eine Sicherheitslücke innerhalb des Fernwartungsprotokolls. Dazu wurde ein am 7. November veröffentlichtes Metasploit-Modul zum Einsatz, also eine Software, die die Schwachstelle automatisiert ausnutzen kann. Der Angriff soll Router mit Schadsoftware infizieren, um sie in das Botnetz Mirai zu integrieren. Aufgrund seiner Untersuchungen vermutet Nagenrauft, dass „nicht nur die Angreifer mit eigenen Systemen nach verwundbaren Routern suchen, sondern dass infizierte Router ebenfalls nach neuen Opfern suchen.“

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Nagenrauft kritisiert aber nicht nur die Untätigkeit und Nachlässigkeit der Telekom und der anderen Provider im Vorfeld des Angriffs, sondern auch den Umgang mit dem Angriff, vor allem die lange Zeit die verging, bis das Problem identifiziert wurde. Als über den Angriff bekannt wurde, dass Port 7547 (der Port der Fernwartungsschnittstelle), betroffen ist, habe er auf einem Testsystem den Port für potenzielle Angreifer geöffnet, um die von ihnen gesendeten Pakete mitschneiden und dann analysieren zu können. Dazu wurden sogenannte Honeypots mit dynamischen DSL-IP-Adressen wie „85.102.4.123.dynamic.ttnet.com.tr“ und „189.58.196.6.dynamic.adsl.gvt.net.br“ verwendet. „Es hat nicht einmal fünf Minuten gedauert und drei verschiedene Angreifer waren bereits in unserem Honeypot gelandet“, erklärt der Security-Experte.

Tags :Quellen:Mit Material von Peter Marwan, silicon.de

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